Wenn´s den Herren an Haupthaar mangelt


Attraktivitätsforschung

Der Psychologe Ronald Henss untersucht, wie Männer ohne Haare beurteilt werden: Sie gelten als altmodischer und unattraktiver
 
Männer mit Glatze oder Halbglatze wirken kleiner und im Schnitt fünf Jahre älter als Männer mit vollem Haar. Das ist eines der Ergebnisse der zahlreichen Studien von Ronald Henss, der als Privatdozent an der Saar-Uni tätig ist. Er hat auch herausgefunden, dass eine Glatze vor allem beim andern Geschlecht wenig anziehend wirkt.
 
Von Irina Urig

"Männer mit Glatze erscheinen altmodischer, konservativer und weniger modebewusst“, sagt Ronald Henss. Seit mehr als 20 Jahren hat er ganze Serien von Studien zum Thema Attraktivität durchgeführt. Zuerst ging es ihm um das Thema im Allgemeinen, später um Gesichter, dann speziell um Haare.

Den Ausschlag für die Forschungsarbeiten über den Haarausfall gab Frisör und Toupet-Hersteller Jürgen Schillo aus Saarbrücken. Er fragte Ronald Henss nach einer entsprechenden Studie. Da dieser keine fand, beschloss er, selbst eine Studie durchzuführen. So suchte er Männer, die von Natur aus eine Glatze haben. Für sie wurde ein passendes Toupet angefertigt. Anschließend wurden die Männer einmal mit und einmal ohne Toupet fotografiert. Die Kleidung und der Hintergrund waren auf beiden Fotos identisch, so dass diese Aspekte keine Rolle spielten. Die Fotos stellte Henss ins Internet, wo sie von 1500 Menschen beurteilt wurden. Die Versuchspersonen sollten ihren ersten Eindruck von einer zufällig ausgewählten Person wiedergeben und Rückschlüsse auf das Alter, die Körpergröße und den Charakter ziehen. Wenn der gezeigte Mann sein Toupet trug, wurde er als attraktiver, größer und jünger eingeschätzt. „Insgesamt muss man das aber differenziert sehen. Das Gesicht des Mannes spielt immer noch die größte Rolle. Der Mann belegt auf der Attraktivitätsskala ein bestimmtes Segment, etwa sehr attraktiv. Hat er eine Glatze, rückt er in der Skala ein wenig nach unten, aber er wird dadurch ja nicht hässlich“, erklärt Henss.

Außerdem zeigte die Studie, dass eine Glatze nicht immer ein Nachteil ist: Mit Glatze wurden die Männer auf den Fotos als sexuell treuer eingestuft und galten als bessere Familienväter. In einer weiteren weltweiten Studie, an der sich rund 20 000 Versuchspersonen beteiligten, fand Henss heraus: Männer mit Glatze gelten überall auf der Welt als weniger attraktiv und älter, aber auch als intelligenter. „Übrigens ist der Verlust der Attraktivität von Männern mit Glatze besonders stark, wenn man Frauen befragt.“

Ronald Henss, der selbst eine Glatze trägt, lässt sich von dem Ergebnis nicht beeindrucken, immerhin hat gut die Hälfte aller Männer bis zum 60. Lebensjahr deutlich sichtbaren Haarausfall. Der macht auch vor Promis nicht halt: Schauspieler wie Bruce Willis und Sean Connery sind gute Beispiele. „Für Promis gelten andere Gesetze. Sie haben einen so hohen sozialen Status, dass sie immer als besonders attraktiv gelten, auch mit Glatze“, sagt Henss.

Die psychische Belastung durch die Glatze für Nicht-Promis ist unterschiedlich: „Die meisten Männer empfinden es als lästig oder sorgen sich ein wenig darum, weniger als 20 Prozent leiden so stark unter ihrem Haarausfall, dass sie etwas tun möchten“, erklärt der Psychologe. Sie haben verschiedene Optionen: Sie können ein Medikament einnehmen, das den Haarausfall stoppt, ein Toupet tragen oder sich Haare einpflanzen lassen. „Dann darf es aber nicht so schlecht gemacht sein wie beim italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi“, sagt Ronald Henss. Für alle Glatzenträger hat er einen guten Rat: „Die Haare kürzer tragen, dann fällt die Glatze weniger auf.“

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