Auf der Suche nach den Wurzeln des europäischen Rechts


Ein Grenzgänger ist der Franzose Philippe Cossalter gleich in doppelter Hinsicht: Er beschäftigt sich mit den Rechtssystemen in Frankreich, Deutschland, Italien und Großbritannien, lebt in Metz und arbeitet in Saarbrücken. Ende März wurde der Rechtswissenschaftler zum Professor für französisches Öffentliches Recht an der Universität des Saarlandes ernannt. Als Co-Direktor leitet er zudem gemeinsam mit Professor Claude Witz das Centre Juridique Franco-Allemand, an dem Studenten gleichzeitig einen deutschen und einen französischen Abschluss in Jura erwerben können.

Um das europäische Recht zu erfassen, muss man eigentlich nur zwei Rechtssysteme gut kennen: das deutsche und das französische, denn diese beiden Systeme haben die Rechtsprechung in anderen europäischen Ländern geprägt«, sagt Philippe Cossalter. Der 36-jährige Franzose hat seit Ende März die Professur für französisches Öffentliches Recht an der Saar-Uni inne und bestimmt als Co-Direktor die Geschicke des Centre Juridique Franco-Allemand mit. An der Seite von Direktor Claude Witz will Philippe Cossalter das Exzellenz-Niveau des Centre weiter ausbauen. »Ziele sind unter anderem, neue Studenten zu gewinnen, neue Ausbildungsgänge mit französischen Universitäten zu erarbeiten und die Lehre per Video im Internet voranzutreiben. Daneben wollen wir unsere Literaturdatenbank bijus im Internet erweitern«, erklärt der Professor, der auf dem Gebiet des europäischen Öffentlichen Dienstrechts promoviert hat.

In Forschung und Lehre beschäftigt er sich vor allem mit dem Verfassungs- und Verwaltungsrecht, der Daseinsvorsorge und mit Wettbewerbsfragen zwischen Öffentlichem Dienst und Privatwirtschaft. Dabei interessiert ihn der Vergleich zwischen den europäischen Ländern.»Fragen über die Funktionsweise des Staates habe ich schon immer geliebt. Unter anderem beschäftige ich mich damit, wie Verträge über die Wasserversorgung oder den Bau von Straßen und Brücken in den einzelnen Ländern geschlossen werden. Es geht dabei um prinzipielle Regelungen von Verträgen. Das ist ein sehr technisches Gebiet, das aber auch generelle Fragen berührt, und genau das finde ich faszinierend«, sagt der Professor.

Für die Lehre hat er sich vorgenommen, die Inhalte so lebendig, aber auch so exakt wie möglich darzustellen. »Ich möchte den Studenten einen Schlüssel an die Hand geben, damit sie selbständig arbeiten können«, erklärt Philippe Cossalter, der vor seiner Zeit in Saarbrücken vier Jahre lang als Juniorprofessor an der Universität Panthéon-Assas in Paris tätig war. Als er die Wahl hatte zwischen Paris und Saarbrücken, fiel ihm die Entscheidung leicht: »Der Lehrstuhl an der Saar-Uni war die viel interessantere Stelle. Ein deutscher Professor kann mehr Verantwortung übernehmen und ist auch mehr in der Lehre tätig als ein französischer«, findet Philippe Cossalter.

In Saarbrücken muss er auch auf seine Heimat nicht verzichten. Gemeinsam mit seiner Familie wohnt er weiterhin in Metz, wo er auch geboren ist. Wenn er trotzdem einmal in Saarbrücken bleiben möchte, übernachtet er an der Landessportschule. »Generell fühle ich mich auf dem Uni-Campus sehr wohl, die Atmosphäre ist so familiär. Ich wüsste nicht, wo es in Frankreich eine derartige Lebensqualität gibt«, schwärmt er. Ein Umzug nach Saarbrücken ist nicht ausgeschlossen. Zumindest die Fahrten über die Grenze wären dann erst einmal passé.

_Irina Urig


Das Centre Juridique Franco-Allemand (CJFA) der Saar-Uni ist als Bildungs- und Forschungseinrichtung für deutsches und französisches Recht europaweit einmalig. Hier können Studenten zusätzlich zu ihrem deutschen Studium der Rechtswissenschaften noch ein französisches Jurastudium betreiben und ohne Zeitverlust zwei Abschlüsse gleichzeitig erwerben. Das Centre hat im vergangenen Jahr sein 55-jähriges Jubiläum gefeiert. Seit der Gründung haben dort knapp 1600 Absolventen ihr Jurastudium abgeschlossen.

www.cjfa.de

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