Detektiv für Designerdrogen und Gifte


Jedes Labor weltweit kann Gifte, Medikamente, Drogen und Dopingmittel in Körperflüssigkeiten nachweisen. Dazu brauchen die Mitarbeiter nur ein Massenspektrometer, das chemische Substanzen zerlegt, und die Massenspektrensammlung des Homburger Professors Hans H. Maurer. Das Buch, das Maurer 1985 zum ersten Mal mit Professor Karl Pfleger und Armin Weber publiziert hatte, enthält eine Spektrensammlung aller möglichen Substanzen und gilt als das internationale Nachschlagewerk der Klinischen und Forensischen Toxikologie. Auch Maurer selbst zählt zu den weltweit führenden Wissenschaftlern auf diesem Gebiet. Er ist nicht nur ständig neuen Designerdrogen auf der Spur, sondern er unterstützt auch die Kliniken bei der Diagnostik und Behandlung vergifteter Patienten und ist in der Lehre in Homburg und Saarbrücken tätig.

Die Mutter macht sich Sorgen. Ihr Sohn hat Halluzinationen und einen stark erhöhten Blutdruck. Sein Herz rast. Sie vermutet, dass er Drogen genommen hat und bringt ihn ins Homburger Universitätsklinikum. Ein Urin-Test ergibt, dass fremde Substanzen darin sind, die aber noch nicht in der Massenspektrensammlung, dem Standardwerk zum Nachweis von Drogen und Doping, aufgeführt sind – ein klarer Fall für »Designerdrogen-Detektiv« Professor Hans Maurer und seine Mitarbeiter. »Das Schwierige ist, dass der menschliche Körper eine Droge oder ein Medikament in andere chemische Stoffe umwandelt. Im Blut oder im Urin des Patienten finden wir daher nur noch die Stoffwechselprodukte der ursprünglichen Droge. Diese müssen wir herausfiltern und Rückschlüsse darauf ziehen, was der Patient eingenommen hat«, erklärt der Leiter der Homburger Abteilung für Experimentelle und Klinische Toxikologie.

Um unbekannte chemische Verbindungen und ihre Stoffwechselprodukte zu analysieren, nutzt Hans Maurer die Massenspektrometrie, ein physikalisch-chemisches Verfahren, mit dem man die genaue Masse von Teilchen bestimmen kann. Dabei wird die Substanz in eine Gasphase überführt und die Moleküle werden zerstört. »Da jedes Molekül unterschiedlich zerfällt und auch ein ganz spezifisches Gewicht hat, kann man so die jeweilige Substanz genau bestimmen«, sagt Maurer. Wenn im Blut und Urin der Patienten nur noch die Stoffwechselprodukte einer bisher unbekannten Droge vorhanden sind, muss der Professor weitere Analysen machen, um Rückschlüsse auf die ursprüngliche Zusammensetzung der Droge ziehen zu können. »Hierfür stellen wir dann chemisch die Situation im menschlichen Körper nach. Bei kniffligen Fällen benutzen wir Präparationen von Rattenlebern, da diese der menschlichen Leber, wo ja Giftstoffe im Allgemeinen abgebaut werden, sehr ähneln. Mittlerweile arbeiten wir aber auch mit biotechnologischen Systemen, die eine menschliche Lebertätigkeit simulieren«, sagt Maurer. Auch den Fall des jungen Mannes, der in die Uniklinik eingeliefert wurde, konnte er so lösen. Alle Arznei- und Giftstoffe und ihre Stoffwechselprodukte, die er oder seine Doktoranden neu entdecken, listet Hans Maurer in seiner Massenspektrensammlung auf. Sie enthält Zeichnungen der jeweiligen Moleküle und deren genaue Masse in der Maßeinheit Dalton bis auf fünf Stellen hinter dem Komma. Seit 1985 wurde die Massenspektrensammlung bereits vier Mal aktualisiert.

Seine Erkenntnisse stellt der Professor auch den Landeskriminalämtern zur Verfügung. »Wir arbeiten eng zusammen. Meine Mitarbeiter und ich sind regelmäßig in den einschlägigen Drogenforen im Internet unterwegs, um uns über die neuesten Entwicklungen zu informieren. Dafür haben wir eine Extra-Genehmigung beim Rechenzentrum einholen müssen, das uns die Seiten sperren wollte«, schmunzelt Maurer. Im klinischen Alltag hat er herausgefunden, dass nicht etwa Drogen, sondern Vergiftungen mit Schmerzmitteln am häufigsten zum Tod führen: »Schon 20 Aspirin oder Paracetamol reichen«, sagt er.

Seine Arbeit macht dem Professor großen Spaß, denn sie kann Leben retten. Hans H. Maurer, der 1950 in Homburg geboren wurde, ist durch seine wichtigen Arbeiten auf dem Gebiet der Massenspektrometrie einer der führenden internationalen Wissenschaftler, was ihm 2007 die Ehrendoktorwürde der Universität Gent einbrachte. Zu seinem 60. Geburtstag fand im vergangenen Dezember in Homburg ein Symposium zur Toxikologie statt, zu dem über 200 Wissenschaftler aus aller Welt kamen. Trotzdem zog es ihn nie in die Ferne, auch weil seine gesamte Familie im Saarland lebt.»Ich bin zwar viel in der Welt unterwegs, freue mich aber immer, wenn ich wieder zurück nach Homburg kommen kann. Ein besseres Arbeitsgebiet und Umfeld gibt es für mich nirgendwo sonst.«

_Irina Urig

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