Fuxen, Kneipen und der Sport als verbindendes Element
Akademische Sportverbindung Saar-Ostpreußen in Saarbrücken zwischen Traditionen und Moderne
Elitär, verstaubt und sexistisch – das sind nur einige der Vorurteile gegen Studentenverbindungen. Die Akademische Sportverbindung Saar-Ostpreußen Saarbrücken (ASV) unterscheidet sich von klassischen schlagenden Verbindungen wie beispielsweise den Burschenschaften. Sie fechten nicht, tragen keine speziellen Farben, singen nicht unter Fahnen und sind politisch neutral. Auch bei der Auswahl der Mitglieder gibt es keine Vorschriften: Die ASV nimmt Mitglieder aller Nationalitäten und auch Frauen auf. Was zählt, sind Sympathie und der Wille, mitzumachen.
von Irina Urig
Ein Sammelsurium aus alten und neuen Schränken, ein großer Tisch und riesige Tellerstapel in den Regalen – eine typische Einrichtung für die Küche einer Wohngemeinschaft. Sieben junge Leute wohnen in dem Haus in der Küfergasse am Saarbrücker Schloss. Im Keller des Hauses gelangt man in eine Art Burggewölbe mit einem Tresen. Es ist das Haus der Akademischen Sportverbindung Saar-Ostpreußen Saarbrücken, alle WG-Bewohner sind Mitglieder. Im Kellergewölbe treffen sie sich regelmäßig mit den Verbindungsgeschwistern, die nicht im Haus wohnen. „Die ASV verbindet Tradition und Moderne. Wir sind sehr offen“, erzählt Bärbel Franzen. Die 34-Jährige gehört zu den „Alten Damen und Herren“. Das sind ehemalige Studenten, die den aktiven Mitgliedern als Mentoren zur Seite stehen, ihnen Tipps zum Studium geben und sie finanziell unterstützen. Die WG-Bewohner bekommen einen Zuschuss zu ihrer Miete und ihren Telefonkosten.
In der Verbindung gilt das Lebensbund-Prinzip. „Wer einmal aufgenommen wurde, bleibt sein Leben lang Mitglied. Wir unterstützen uns alle gegenseitig“, erzählt der 38-jährige „Alte Herr“ Werner Schreiner. Gegründet wurde die Akademische Sportverbindung Saar-Ostpreußen 1926. Zurzeit hat die ASV 20 junge, aktive Mitglieder, ihnen stehen 30 „Alte Herren und Damen“ zur Seite. Die Verbindung bietet ihren Mitgliedern viele Aktivitäten: Nach ihrem Motto „Mens sana in corpore sano“ treiben sie jede Woche regelmäßig Sport wie Volleyball, Fußball, Badminton und Frisbee. Jedes Jahr fahren sie zu größeren Sport-Wettkämpfen, etwa zu Ski-Meisterschaften oder dem deutschen Turnfest. Außerdem gibt es Koch- und Grillabende und die so genannten Kneipen. „Bei dieser traditionellen Festlichkeit singen wir Lieder, halten Vorträge und führen Sketche vor. Danach wird in lockerer Runde gefeiert“, erklärt Werner Schreiner. Die meisten neuen Mitglieder gewinnt die ASV über Wohnungsanzeigen. „Wer bei uns einzieht, wird erst einmal Fux, das bedeutet vorläufiges Mitglied. Diese Probe-Mitgliedschaft dauert ein halbes Jahr, dann muss man Vollmitglied werden oder ausziehen“, sagt Bärbel Franzen. Die meisten bleiben und erhalten eine „Taufe“. Dieses spaßige Aufnahmeritual besteht in einer Art Schnitzeljagd, etwa mit einer Skibrille durch die Stadt laufen und Rätsel lösen. Anschließend erhält jedes Mitglied einen individuellen Namen. Bärbel Franzen heißt „Quicksort“, weil sie Informatik studiert hat und eine Vorliebe für Ordnung besitzt.
Manchmal ist der Zusammenhalt in der Verbindung so stark, dass sich daraus sogar Ehen entwickeln. Katrin und Thorsten Schäfer sind Verbindungsgeschwister, aber nicht nur das, mittlerweile sind sie auch verheiratet. Auch den Begriff „offen“ nimmt die ASV einmal im Jahr noch wörtlicher als sonst: Wenn in Saarbrücken der Weihnachtsmarkt am Schloss stattfindet, öffnet sie den Gewölbekeller für Besucher und verkauft selbstgemachten Glühwein.
www.asv-saarbruecken.de
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