Warum Ghostwriting die Karriere gefährdet

Spätestens seit der Causa Guttenberg ist akademisches Ghostwriting in aller Munde. Jahr für Jahr reichen Studierende Werke ein, darunter auch Abschlussarbeiten, die von einem Ghostwriter verfasst wurden. Ein solches Vorgehen ist selbstredend ein Affront gegen die wissenschaftliche Integrität. Universitäten und Dozenten fällt es schwer, gezielt etwas gegen Ghostwriting zu unternehmen. Doch fliegt der Schwindel auf, ist das Karriereende vorprogrammiert.

Wie viele Studierende in Deutschland schon einmal die Arbeit eines Ghostwriters als die eigene ausgegeben haben, lässt sich nicht genau sagen. Es dürfte sich aber zumindest um mehrere Tausend Fälle pro Jahr handeln – vorsichtig geschätzt. So gibt beispielsweise die Ghostwriting-Agentur ACAD WRITE an, seit 2004 wissenschaftliche Arbeiten im Auftrag von Studierenden zu verfassen. Den Abnehmern sind die möglichen Konsequenzen ihres Handelns häufig unbewusst. Sogar die Aberkennung des akademischen Titels ist möglich.


Ghostwriting und Plagiarismus


Plagiarismus ist der häufigste Grund, warum wissenschaftliche Arbeiten abgelehnt oder im Nachhinein für ungültig erklärt werden. Immerhin ist es das Ziel jeder Abschlussarbeit, einen konstruktiven Beitrag zum jeweiligen Forschungsgebiet zu leisten. Das ist natürlich nicht der Fall, wenn fremde Ideen als die eigenen ausgegeben werden.

Ein Plagiat bedeutet grundsätzlich, dass jemand das geistige Eigentum eines Dritten ohne entsprechende Kennzeichnung als eigenes ausgibt. In der wissenschaftlichen Praxis heißt das meistens, dass Quellenverweise fehlerhaft sind oder ganz verschwiegen wurden. Mit der Hilfe von Plagiatsprüfprogrammen, die heute bei der Einreichung von Abschlussarbeiten meist automatisiert zum Einsatz kommen, lassen sich solche Plagiate relativ leicht enttarnen. Handelt es sich jedoch um eine einmalige Arbeit, die von einem Ghostwriter gezielt im Auftrag eines Studierenden verfasst wurde, ist die Plagiatssoftware machtlos.

Wären Plagiatsprüfungen schon in den 1990er-Jahren standardisiert durchgeführt worden, wäre Karl-Theodor zu Guttenberg vermutlich davor zurückgeschreckt, bei seiner Dissertation seitenweise abzuschreiben. Stattdessen hätte er besser daran getan, mit einem Ghostwriter zu kooperieren. Vor einer Aberkennung seines Titels wäre er selbst dann freilich nicht geschützt gewesen.

Titelaberkennung möglich

Studierende, welche die Leistungen eines Ghostwriters genutzt haben, werden wohl für den Rest ihres Lebens mit einem unbehaglichen Bauchgefühl leben müssen. Während schlampige Zitierweise und abgeschriebene Passagen meist spätestens bei der Einreichung der Abschlussarbeit entdeckt werden – und in der Regel mit einer zweiten Chance für den Kandidaten/die Kandidatin verbunden sind – bedeutet Ghostwriting das endgültige Aus der wissenschaftlichen Karriere, auch wenn der Schwindel unter Umständen erst Jahrzehnte später ans Tageslicht kommt.

Jede Abschlussarbeit, die in Deutschland eingereicht wird, beinhaltet eine ehrenwörtliche Erklärung, in welcher der Verfasser/die Verfasserin zum Ausdruck bringt, das vorliegende Werk selbstständig verfasst und alle Literaturquellen entsprechend gekennzeichnet zu haben. Stammt die Arbeit in Wirklichkeit aus der Feder eines Ghostwriters, bedeutet das Unterzeichnen der ehrenwörtlichen Erklärung, wissenschaftlichen Betrug zu begehen. Dies kann selbstverständlich mit der Aberkennung des akademischen Titels geahndet werden, der mit der Abschlussarbeit erlangt wurde.

Wer sich auf solche Art und Weise einen Titel erschleicht, muss also fortan mit der Gefahr leben, seine akademischen Würden zu verlieren. Auch wenn es die Arbeit an der Plagiatsprüfsoftware und der Prüfungskommission vorbei geschafft hat – die Frage ist, ob und wie lange der Ghostwriter die Angelegenheit für sich behält.

Hält der Ghostwriter dicht?

Akademisches Ghostwriting ist ethisch verwerflich. Es ist also anzunehmen, dass es sich bei praktizierenden Ghostwritern nicht unbedingt um Menschen mit besonders hohen Moralvorstellungen handelt. Kunden können daher nicht ausschließen, dass der Ghostwriter gleich doppelt von der Geschäftsbeziehung profitieren will. Wurde die Arbeit bezahlt, abgegeben und angenommen, drohen Erpressungsversuche. Im Prinzip kann der Ghostwriter lebenslänglich Schutzgeld einfordern – dem Kunden sind die Hände gebunden, sofern er den akademischen Titel nicht aufs Spiel setzen will.

Ähnlich verhält es sich, wenn den Ghostwriter nach einer Anzahlung schlechte Qualität oder gar nicht liefert. Schließlich kann man den Vertragsbruch kaum bei der Polizei anzeigen, ohne selbst einen Betrugsversuch einzugestehen. Ghostwriting-Agenturen behaupten zwar, Sicherheit zu gewährleisten, indem sie anonymen Kontakt zwischen Kunde und Ghostwriter herstellen, doch im Google-Zeitalter sollte es für den tatsächlichen Autor der Arbeit nicht allzu schwer sein, das von ihm verfasste Werk sowie den vermeintlichen Autor aufzuspüren.


Betreuungsverhältnis fördern


Aktiv gegen Ghostwriting vorzugehen, fällt Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen vor allem deswegen schwer, weil es an Kapazitäten für ein individuelles Betreuungsverhältnis zwischen Dozenten und Studierenden mangelt. Fühlen sich Studierende von ihren Betreuern vernachlässigt, neigen sie eher dazu, die Hilfe eines Ghostwriters zu suchen. Hat der Dozent keinen oder nur minimalen Kontakt mit den Studierenden, fällt es schwer, von Ghostwritern verfasste Arbeiten zu identifizieren.

Ein vielversprechender Ansatzpunkt zur Einschränkung von akademischem Ghostwriting ist die Förderung des Betreuungsverhältnisses. Regelmäßige Meetings, in denen sich der Betreuer/die Betreuerin einen Eindruck vom Stand der Abschlussarbeit verschafft und Input liefert, sind für alle Beteiligten hilfreich. Zudem könnte der Verteidigung der Arbeit vor der Prüfungskommission höhere Bedeutung zugemessen werden. Dadurch lässt sich Ghostwriting zwar nicht ausschließen, aber zumindest sicherstellen, dass die Kandidaten/Kandidatinnen mit dem Inhalt ihrer Abschlussarbeit vertraut sind.