„Was machst du?“ „Ich bin selbständig.“
Ein Leitfaden für Existenzgründer
Wohl kaum ein Begriff aus der Arbeitswelt ist mit so vielen verschiedenen Assoziationen verbunden wie die „Existenzgründung“. Doch alle, die sich selbständig machen wollen, eint der Gedanke, ihr eigener Chef sein zu wollen. Aber was hat es damit auf sich? Welche Gefahren birgt die Existenzgründung? Wo finden Existenzgründer Anlaufstellen und Unterstützung? Wofür brauche ich einen Businessplan? Diesen und weiteren Fragen widmet sich dieser kleine Ratgeber, ohne dabei den Anspruch auf Vollständigkeit zu haben. Denn bei der Fülle von Geschäftsideen gibt es keine Pauschallösung. Dennoch wirft jede Existenzgründung zu Beginn nahezu identische Fragen auf, die wir hier zu beantworten versuchen.
Wer bin ich und was kann ich?
Wer das Wort „Existenzgründung“ genau nimmt, stößt hier bereits auf das Essentielle, dem sich jeder Gründer widmen muss - der eigenen Existenz. Allerdings reicht der DESCARTsche Grundsatz des „cogito ergo sum“ bei der Unternehmensgründung leider nicht aus. Die Kognition liefert zwar den entscheidenden Impuls für unsere Vorgaben, doch bevor ich ein Unternehmen gründe, sollte ich mich zuerst selbst kennen. Denn wie sollen mir spätere Kunden oder Geschäftspartner vertrauen, wenn ich mich selbst nicht einschätzen kann? Sicherlich muss die Suche nach sich selbst nicht in einer Therapie oder in einem Seminar zur Selbsterkenntnis enden, doch grundsätzlich ist das ehrliche Wissen um den eigenen Charakter nicht nur für die Existenzgründung von Vorteil. Wer bereits vor der Firmengründung über seine körperlichen und geistigen (Wissens-)Kapazitäten im Klaren ist, kann effizient und zielführend planen und handeln. Eventuell ist es sogar sinnvoll, die Firmengründung mit weiterführenden Kursen oder einem Studium zu begleiten. Das kann der Buchhaltungskurs für Einsteiger oder auch das Anlesen von Wissen zu einem bestimmten Online-Shop-System sein. Der alte Grundsatz „Wissen ist Macht“ gilt auch im Geschäftsleben. Und Wissen kann sich jeder aneignen, deshalb sollte es einen Existenzgründer nicht von der Gründung abhalten, wenn er nicht in jedem Bereich über umfassende Sachkenntnis verfügt.
Sei einzigartig – Was kann ich bieten?
Als Dienstleister ist es oft schwierig, eine Marktlücke zu finden und neue Produkte zu lancieren. Doch gerade dann gilt es für Existenzgründer umso mehr, ihre Besonderheit hervorzuheben.
Worin unterscheidet sich gerade meine Dienstleistung von anderen? Was kann ich besser? Was kann ich schneller?
Wer diese Fragen beantworten kann, hat schon die nächste Hürde für seine Geschäftsidee genommen.
Für alle, die ein neues Produkt entwickeln wollen oder eines in der Planung haben, sollte der Aspekt der Einzigartigkeit ebenfalls im Mittelpunkt der Gründung stehen. Das Alleinstellungsmerkmal eines Produkts ist der erste Schritt für seinen späteren Erfolg. Niemand braucht den Klon eines bereits erfolgreichen Projekts, denn dafür hat er ja schon das Original. Beispiele für Nachahmer gibt es vor allem im E-Commerce. Viele Ideen für Verkaufsplattformen aus den USA sind mittlerweile in Europa tausendfach kopiert worden. Sicherlich kann sich das für einige Händler immer noch lohnen. Doch vielfach ist der Markt an Kopien von existierenden Geschäftsmodellen oder Produkten schon übersättigt. Wer erfolgreich sein will, bietet vorzugsweise eigene Produkte oder Dienstleistungen an.
Bevor jeder Existenzgründer loslegt, ist ein Blick auf die Konkurrenz angesagt. Wenn bereits Branchengrößen wie Amazon oder Google ein Produkt- oder Dienstleistungsangebot abdecken, ist der Weg zum Verkaufserfolg umso schwieriger. Wer zum Beispiel plant, ein neues Shoppingportal zu eröffnen, sollte sich ganz genau überlegen, wie er damit den Big Playern Paroli bieten möchte. Gleiches gilt für Kartendienste, Reiseportale oder auch Versicherungsvergleiche.
3 Tipps für die Geschäftsidee
1. sei einzigartig
2. teile mit, warum du einzigartig bist
3. überzeuge, dass du einzigartig bist
Was will ich?
Von dieser Frage hängen viele weitere Faktoren ab. Grundsätzlich sollte jeden Existenzgründer die Frage nach den Zielen seines Handelns immer wieder umtreiben. Denn nur, wenn klare Ziele vorliegen, wird Erfolg messbar und auch erlebbar.
Wer als Newcomer ins Geschäftsleben startet, muss sich zunächst über die passende Unternehmensform Gedanken machen. Soll das Startup UG oder GbR, e.K. oder doch ganz groß als GmbH rauskommen? Jede Unternehmensform hat ihre Vor- und Nachteile und hängt sowohl von der späteren Ausrichtung als auch von der Zahl der Existenzgründer ab, womit wir gleich zu einem weiteren Aspekt kommen.
Denn wichtig ist auch die Frage nach Geschäftspartnern. Will ich allein anfangen oder mit Partnern ein Unternehmen gründen? Wer zu zweit oder zu mehreren eine Existenz gründen möchte, ist gut beraten, sich genau abzusprechen. Zu viele Köche verderben auch im Geschäftsleben bei mangelnder Kooperation den Brei.
Alle weiteren Pläne hängen auch von der Art des Unternehmens ab. Will ich online durchstarten oder ein hippes Szeneladengeschäft eröffnen? Strebe ich nach dem großen Erfolg im Dienstleistungssektor oder bin ich eine geborene Krämerseele, die sich als Händler selbst verwirklichen will? Ganz gleich, ob online oder offline, als zukünftiger Händler oder Dienstleister, jede Geschäftsidee braucht ihre Grundlagen. Zum einen benötigt jeder Existenzgründer Zeit und Muße, darüber hinaus je nach Art seines Betriebs auch das nötige Startkapital. Wo Hilfen für letzteres zu finden sind, wird noch in einem späteren Absatz erläutert.
Unternehmensform | Einzelunternehmen | GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts oder BGB-Gesellschaft) | GmbH(Gesellschaft mit beschränkter Haftung) | UG (Unternehmergesellschaft, haftungsbeschränkt)-> kleine Form der GmbH, mind. 25 % des Gewinns müssen als Rücklage dienen |
|---|---|---|---|---|
Gründer | eine Person | mindestens zwei Personen | mindestens eine Person | mindestens eine Person |
Kapital | Mindestkapital nicht vorgeschrieben | Mindestkapital nicht vorgeschrieben | mindestens 25.000 EUR | mindestens 1 EUR, unter 25.000 EUR als Bareinlage |
Haftung | unbeschränkt, auch mit Privatvermögen | alle Gesellschafter unbeschränkt | Gesellschaft haftet in der Höhe des Gesellschaftsvermögens | Gesellschaft haftet in der Höhe des Gesellschaftsvermögens |
Vorteile | - Gewinn muss nicht geteilt werden | - einfache Gründung, auch ohne Vertrag | - Haftungsbegrenzung | -Haftungsbegrenzung |
Nachteile | Haftung unbeschränkt, volles unternehmerisches Risiko | Rechtsstreitigkeiten mit Partnern sind ohne Vertrag schwierig | - hoher Aufwand für Gründer | - Bareinlagen |
Ein kompletter Kurs zu den Unternehmensformen in Deutschland findet sich bei der Industrie- und Handelskammer Hannover:
http://www.hannover.ihk.de/ihk-themen/recht-steuern/recht/handels-und-gesellschaftsrecht/unternehmensformen.html
3 Entscheidungsfragen für die Wahl der Unternehmensform
1. Will ich allein oder zu mehreren gründen?
2. Will ich schnell und unkompliziert gründen?
3. Habe ich 25.000 EUR? (Wobei nur 12.500 EUR wirklich vorliegen müssen)
Wo will ich hin? – Der Businessplan und SMART
Jedes Projekt braucht einen Plan und somit ein Ziel, das erreicht werden soll. Klassischerweise ist ein Businessplan für die Zieldefinition geeignet, der sowohl die Geschäftsidee umreißt, als auch alle wichtigen Maßnahmen zur Umsetzung der Idee mit einbezieht. Businesspläne sind u.a. auch wichtig, um Kredite bei Banken zu erfragen oder um Fördergelder zu beantragen.
Existenzgründer sollten jedoch immer auch beim noch so ausgefeilten Plan im Hinterkopf behalten, dass nichts so beständig wie die Änderung ist. Aus diesem Grund sollten die Anfangspläne nicht zu kleinschrittig und detailreich ausfallen, damit später auch noch Platz und Kapazitäten für Modifikationen bestehen.
10 Tipps zum Erstellen eines Businessplans
1. Erzähle, warum gerade du es kannst:
Aus dem Businessplan sollte hervorgehen, welche Berufserfahrung der Gründer bzw. die Gründer vorweisen können. Darüber hinaus ist es wichtig zu belegen, wie gut die Gründer die bevorzugte Branche für die Geschäftsidee kennen. Nicht nur für zukünftige Händler ist der Hinweis auf kaufmännische Fähigkeiten von großem Vorteil.
2. Zeige Stärken und Schwächen
Nicht zu vergessen sind die Stärken, die alle an der Existenzgründung Beteiligten mitbringen. Allerdings sollte im Anfangskapitel des Businessplans auch auf die Defizite eingegangen werden, um gleichzeitig einen Hinweis auf deren Ausgleich zu geben.
3. Bleibe realistisch
Es hilft nichts, wenn ein Gründer in seinem Businessplan geschönte Annahmen fixiert. Damit überzeugt er weder spätere potentielle Financiers noch Banken. Darüber hinaus ist es für jeden selbst unbefriedigend langfristig von falschen Prognosen auszugehen.
4. Sag überzeugt, was du anbieten willst
Bei der Präsentation des zukünftigen Produkts bzw. der Geschäftsidee sollte deutlich werden, dass der Gründer voll und ganz dahinter steht. So sollte jeder Geschäftsgründer seinen Businessplan nahezu auswendig können.
5. Fasse kurz den Inhalt deines Businessplans zusammen
Was im universitären Bereich das Abstract ist, ist beim Businessplan das Executive Summary, die konzise Kurzzusammenfassung. In diesem kleinen Abschnitt sollen Leser des Plans auf einen Blick die wichtigsten Kennzahlen und Kernaussagen wiederfinden.
6. Businessplan gegenlesen lassen
Wie bei fast allen Texten außer Liebesbriefen ist das Gegenlesen durch eine andere Person sinnvoll. So erkennen die Verfasser schnell, wo noch nachformuliert oder neugestaltet werden muss.
7. Präzise formulieren
In einem Businessplan haben Floskeln und umständlich formulierte Sätze nichts verloren.
8. Auf korrekte Zahlen achten
Gerade bei so wichtigen Teilaspekten wie der Finanzierung der Existenzgründung sind korrekte Zahlen unabdingbar. Also sollten unbedingt vor der Abgabe noch einmal alle Zahlen überprüft werden.
9. Ein ordentliches Layout erstellen
Nicht minder wichtig ist ein übersichtliches Layout. Denn was sollen potentielle Geld- oder Kreditgeber denken, wenn der Antragssteller bereits bei der äußeren Form schlampig vorgeht?
10. Auf Rechtschreibung achten
Während das Layout den äußeren Rahmen vorgibt, ist die korrekte Orthographie ein weiteres Muss für einen soliden Businessplan. Wer noch Tipps für die korrekte Schreibweise sucht, findet auf der Online-Seite des Dudens immer Hilfe: http://www.duden.de/woerterbuch
Das muss alles in meinem Businessplan stehen:
- Wer gründet das Unternehmen und was sind die Fähigkeiten und Kenntnisse der Gründer?
- Was möchte ich anbieten und was ist das Besondere an meinem Produkt / meinen Dienstleistungen?
- Wer kauft meine Produkte oder nutzt meine Dienstleistungen?
- Welche Marketingmaßnahmen will ich durchführen?
- Welche Unternehmensform wähle ich? Brauche ich dafür Personal?
- Welche Formalitäten habe ich bereits erfüllt / muss ich noch erfüllen?
- Welche Chancen und welche Risiken birgt meine Geschäftsidee?
- Wie finanziere ich meine Geschäftsidee?
- Welche Urkunden, Zeugnisse und Unterlagen kann ich vorweisen?
Wer sich nach dem Lesen der Tipps auch einige Beispiele für Businesspläne ansehen möchte, findet hier eine gute Auswahl: http://www.existenzgruender.de/selbstaendigkeit/vorbereitung/businessplan/06571/index.php
Wer zusätzlich Hilfe und Rat bei der Erstellung eines Businessplans benötigt, kann sich auch an die zuständigen Beratungsstellen der Handels-, Industrie - und Handwerkskammern wenden. Oftmals gibt es auch vor Ort Gründungsinitiativen, die jedem Existenzgründer beim Start behilflich sind.
Es gibt auch wirkungsstarke professionelle Software, die bei der Erstellung von Businessplänen hilft, z.B. den UnternehmensPLANER PRO von Lexware:
http://shop.lexware.de/unternehmensfuehrung/unternehmensplaner-pro
Die Projektplanung – be SMART
Um nicht wie ein Schiff ohne Kompass im Meer der Existenzgründer unterzugehen, bedarf jedes Vorhaben klar definierter Ziele. Hierbei lohnt es sich, für den Aufbau des Unternehmens einen Strukturplan mit Mikro- und Makrozielen anzulegen. Eine zeitliche Zuordnung sowie ein Feld mit dem status quo sind hier unabdingbar. Zeitliche Ziele können nicht nur Existenzgründer sehr gut mit kostenlosen Instrumenten wie dem Google Kalender anlegen.
Die Zieldefinition lässt sich aus dem Projektmanagement ableiten. Hier lautet die erfolgversprechende Formel SMART.
S - Alle im Projektplan definierten Ziele sollen spezifisch sein. Es hilft nicht, Ziele ins Vage hinein zu formulieren. „Ich will in einem Jahr viel Geld verdienen“ wäre ein solches vages Ziel, während „Zum Jahresabschluss möchte ich abzüglich meiner Investitionen einen Gewinn von 5.000 EUR erwirtschaften“.
M – Jedes im Projektplan erklärte Ziel muss auch messbar sein. Dies bedeutet in der Praxis, dass ich nicht einfach „Ich will besser als die anderen sein“ als Ziel definiere, sondern eher „Ich möchte am Ende des Jahres bei Google mit den Keywords xy vor meinen Konkurrenten liegen“.
A – Ein angemessenes Ziel gehört ebenso zur vernünftigen Projektplanung. Angemessen steht hier immer im Verhältnis zum betriebenen Aufwand. Es hilft also nichts, wenn man sich das Ziel setzt, 100 Verkäufe bis zum Tag x zu realisieren, wenn der finanzielle Werbeaufwand letzten Endes höher ist als die Einnahmen.
R – Alle Ziele müssen realistisch sein. Bei der Zieldefinition ist es sinnlos, wenn der Wunsch Vater des Gedanken bleibt. Existenzgründer sollten also nicht abheben und sich mit einem kleinen Startup sofort einen Umsatz von 1.000.000 EUR vornehmen, sondern anhand der Ausgangslage einen erhofften Umsatz definieren.
T – Ohne einen einhaltbaren Termin ist ein Projektziel nie erreichbar. Auch wenn Termine in der Praxis meist verschoben werden müssen, wie man es auch bei großen Bauvorhaben in Hauptstädten feststellen muss, soll das Existenzgründer nicht von einer soliden Termingestaltung abhalten.
Sind einmal klare Ziele definiert und der Kompass somit ausgerichtet, kann der nächste Schritt erfolgen: die Startvorbereitungen.
Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne – Was brauche ich für den Start?
Als Existenzgründer entwickelt man seine Geschäftsidee Stück für Stück weiter. Keiner der Global Player der Wirtschaft hat als Branchengröße begonnen. Am Anfang stand immer erst eine Idee. Man denke dabei bloß an Steve Jobs oder Bill Gates, die zunächst in ihren Garagen Computer zusammengeschraubt haben. Der Grundgedanke beim Start lautet: „Denke groß und starte klein.“ Dadurch lassen sich nicht nur Ressourcen, sondern auch unnötige Kosten einsparen. Wenn sich die Dienstleistung z.B. als Online-Marketer von zuhause aus anbieten lässt, kann die Existenzgründung in den eigenen vier Wänden starten. Es müssen dafür noch keine Büroräume gemietet werden.
Räumlichkeiten
Möglich ist auch eine Anmietung von kleinen Räumen in einer sogenannten Co-Working Area. In größeren Städten sind kleinere oder größere Bürogemeinschaften nicht nur bei Gründern und Startups sehr beliebt. Durch das Teilen von Arbeitsfläche lassen sich Kosten sparen und gleichzeitig viele Ideen miteinander austauschen. Gerade auch dann, wenn Vertreter grundverschiedener Branchen aufeinandertreffen, kann der gegenseitige Plausch sehr gedankenfördernd wirken.
Auch das Arbeiten an verschiedenen Standorten in einem Unternehmen ist dank Internet heute problemlos möglich. Meetings per Videochat und Projektplanung per Software gehören nicht nur in IT-Firmen zum Standard.
Formalitäten
Je nach Geschäftsidee müssen vor dem Start noch etliche Formalitäten geklärt werden. So können bspw. Online-Apotheken erst starten, wenn sie dafür behördlich genehmigt wurden oder gastronomische Einrichtungen Alkohol nur mit einer Ausschankgenehmigung anbieten.
Auch bei vordergründig „banalen“ Dingen wie Steuerabgaben können sich Gründer schnell verkalkulieren. Ein beliebtes Beispiel ist hier die Gewerbesteuer, die ab einem bestimmten Jahresumsatz fällig wird. Wer zu Beginn vergisst, diese einzubehalten oder auf seine Rechnungen aufzuschlagen, muss im schlimmsten Fall sehr viel Lehrgeld in Form einer Steuernachzahlung abliefern.
Wichtig ist die rechtliche Absicherung vor allem immer auch dann, wenn mehrere Gesellschafter vertreten sind. Denn schnell kann sich später eine Banalität zu einem ausgewachsenen Streit zwischen den Geschäftspartnern entwickeln. Ein solcher Zwist kann dann die gesamte Firmenexistenz gefährden, wenn im Vorfeld keine klaren Regelungen getroffen wurden.
Ganz wichtig: Wer beim Geschäftsstart einen neuen Markennamen etablieren will, ist sehr gut beraten, wenn er im Vorfeld alle möglichen Namensähnlichkeiten mit bereits existierenden Marken ausräumt. Auf diese Weise umgeht er kostspielige Namensänderungen oder Unterlassungsklagen.
Grundsätzlich gilt: Wer bei seiner Geschäftsgründung auf der ganz sicheren Seite sein möchte, sollte einen für seine Branche oder sein Anliegen spezialisierten Anwalt beratend hinzuziehen. Langfristig bietet es sich sowieso an, in rechtlichen Fragen auf einen Firmenanwalt zurückgreifen zu können.
Starttermin festlegen
Ein klar definierter Starttermin hilft ungemein bei der Gründung. Auch wenn der Start dann wie bei zahlreichen Weltraummissionen auch verschoben werden muss, macht das nichts. Aber zu lange sollte nicht gewartet werden. Deshalb kann manchmal auch ein Frühstart ratsam sein. In der Softwarebranche oder im IT-Business arbeiten viele Unternehmen mit Beta-Versionen, um darauf aufbauend eine Basisversion zu erschaffen. Jedes Mal, bevor z.B. eine neue Version des Windows Betriebssystems auf den Markt kommt, wurde die Hardware millionenfach in der Betaversion genutzt. Die aus den Nutzungsdaten der Betaversion gewonnenen Erkenntnisse fließen dann direkt in die Entwicklung der Endversion mit ein.
Kurz gefasst:
Je eher der Geschäftsbetrieb aufgenommen wird, desto besser können Prognosen abgegeben, Einschätzungen vorgenommen und Pläne modifiziert werden.
Die Werbetrommel rühren
Das Marketing wird von vielen Gründern unterschätzt. Besonders beim Start eines Online-Geschäfts denken die meisten, dass allein die Tatsache „online zu sein“ ausreicht, um von den Internetkäufern gefunden zu werden. Doch hier wie auch in der „analogen“ Welt müssen die Menschen erst auf das neue Produkt oder die neue Dienstleistung aufmerksam gemacht werden.
Oftmals kann auch die Präsentation bzw. die Darstellung der neuen Geschäftsidee allein über den späteren Erfolg entscheiden. Heute würden sicherlich sehr viel weniger Menschen einen Apple iPod besitzen, wenn der Markteinführung nicht eine milliardenschwere Marketingkampagne sowie eine legendäre Produktpräsentation durch Steve Jobs vorausgegangen wären.
Doch das Gute an Marketing ist, dass es auch mit begrenzten finanziellen Mitteln realisiert werden kann. Ob es sich dabei um sogenanntes „Guerilla-Marketing“ oder einfach um die Verbreitung der Geschäftsidee im Freundeskreis handelt, spielt dabei keine Rolle. Wichtig ist, dass Aufmerksamkeit erzielt wird.
Fünf Dinge, die beim Start wichtig sind
1. solide Infrastruktur: Räumlichkeiten, leistungsfähiger Internetanschluss, funktionierendes Telefon / Mobiltelefon
2. Genehmigungen, Verträge
3. ein Businessplan
4. Startkapital
5. Marketing
Mit Netz und doppeltem Boden – Wo finde ich Hilfe und Unterstützung?
Jede Existenzgründung bedarf eines finanziellen Aufwands, sei er auch noch so gering. Doch gerade bei der Finanzierung der Geschäftsidee ist die Frage nach dem Verhältnis von Kosten und Nutzen besonders wichtig. Denn nicht selten sind die Fälle, in welchen sich Gründer anfänglich mit hohem finanziellen Aufwand ins Geschäftsleben stürzen, um bei geschäftlichem Misserfolg auf einem hohen Schuldenberg zu sitzen, den sie nicht mehr abtragen können. Im Idealfall finanziert der Gründer sein Startup mit Eigenkapital, das er sich zuvor beiseitegelegt hat.
Wer für seine Unternehmensgründung Kapital von außen benötigt, sollte diese Quellen chronologisch abrufen:
1. Eltern oder Freunde
Kapital für ein Unternehmen muss nicht nur aus einer Quelle bezogen werden. Wer viele Freunde fragt, kann mit einem relativ kleinen Betrag von jedem schon eine Menge erreichen. Der Vorteil: Der Existenzgründer kennt seine „Kreditgeber“ und muss keine Zinsen bezahlen.
2. Förderorganisationen/ Gründungszuschüsse
Es gibt in Deutschland viele Organisationen, die Startups oder Existenzgründer fördern. Ein Beispiel wären hier die Business Angels: http://www.business-angels.de/. Auch das Arbeitsamt kann mit einem Gründungszuschuss behilflich sein. Hier ist die Voraussetzung aber, dass der Antragssteller arbeitslos ist: http://www.arbeitsagentur.de/nn_26400/Navigation/zentral/Buerger/Hilfen/Existenzgruendung/Existenzgruendung-Nav.html
3. Banken
Wer sich Geld bei einer Bank in Form eines Kredits leihen möchte, sollte im Vorfeld einiges beachten, damit er Erfolg hat. Es ist demnach ratsam, Bankvertreter mit einem handfesten Businessplan zu besuchen und bereits im Vorfeld anzufragen, welche Konditionen für einen Gründungskredit gelten. Der Nachteil beim Bankkredit sind eindeutig die zu zahlenden Zinsen.
4. Venture Capitalists
Mit Hilfe von Investoren können bei einer guten Geschäftsidee große Summen gesammelt werden. Allerdings sollten sich Existenzgründer sehr gut überlegen, wem sie dafür im Falle eines Erfolgs Firmenanteile abgeben wollen.
5. Crowdfunding
Eine sehr neue Sonderform ist das sogenannte Crowdfunding. Hierbei wird mit Hilfe des Internets Geld bei Spendern für eine Geschäftsidee gesammelt. Der große Vorteil dabei: Die Unterstützung ist an keine besondere Bedingung der Geber gebunden. Gleichzeitig erzielt der Aufruf mit Hilfe von Web 2.0 Elementen wie Twitter und Facebook eine enorme Reichweite. Eine Plattform fürs Crowdfunding findet sich hier: http://www.startnext.de/
Drum prüfe, wer Erfolg haben will – Checklisten für die Existenzgründung
Wenn das Leben nur aus Checklisten bestünde, müssten wir nicht mehr denken, sondern nur noch abhaken. Da bei der Existenzgründung aber sehr viele Fragen auf einmal entstehen können und weil ein Gründer zu Beginn auch viel falsch machen kann, sind sinnvolle Checklisten häufig ein gutes Mittel zur Fehlervermeidung und effizienten Planung.
Alle für die Existenzgründung wichtigen Checklisten finden sich als übersichtliche PDF-Dateien hier auf der Website des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie: http://www.existenzgruender.de/checklisten_und_uebersichten/index.php
No risk, no fun? – Risiken abschätzen und minimieren
Auch bei der besten Planung kann es vorkommen, dass sich ein in der Theorie und Planung erfolgreiches Geschäftsmodell nachträglich als Flop erweist. Natürlich sollte kein Existenzgründer zu Beginn von einem Misserfolg ausgehen und immer das nötige Selbstvertrauen sowie Optimismus mitbringen. Dennoch wäre es naiv zu glauben, dass es nur die anderen trifft.
Ein solider Businessplan kann helfen, Risiken im Voraus zu erkennen, um diese zu minimieren. Gleichzeitig sollte das Projekt zu Beginn lieber klein gehalten werden. Dies gilt für die Finanzierung ebenso wie für alle weiteren Vorhaben wie Personalplanung, Raumanmietung oder Lagerhaltung. Je kleiner ein Existenzgründer startet, desto geringer ist die Fallhöhe bei einem Misserfolg, ergo desto geringer ist der wirtschaftliche und persönliche Schaden. Wenn sich allerdings Erfolg einstellt, kann dieser umso mehr genossen werden!
Fazit: Auf geht’s!
Für alle, die den gesamten Text bereits überflogen haben und die schnell zum Kern der Sache kommen wollen, haben wir hier die sieben essentiellen Leitsätze für Existenzgründer aufgelistet:
1. Plane gut, aber übertreibe es nicht.
2. Beachte gesetzliche und steuerliche Rahmenbedingungen von Anfang an.
3. Fang klein an, denke aber groß.
4. Starte rechtzeitig.
5. Finanziere lieber selbst, bevor Investoren dazukommen.
6. Setze eigene Ideen / Produkte um.
7. Nichts geht ohne Marketing!
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