Neuland betreten – Forschung an der Saar-Uni

Epigenetiker wollen chronische Entzündungen besser verstehen

Wie verändern sich Gewebe, Blut und Zellen auf molekularer Ebene, wenn man an komplizierten chronischen Entzündungen erkrankt? Dies wollen Forscher im Europäischen Exzellenzcluster SYSCID herausfinden. Sie werden dafür von der Europäischen Kommission über fünf Jahre mit rund 14,4 Millionen Euro unterstützt, davon fließen 1,2 Millionen Euro an die Saar-Uni. Hier will Epigenetik-Professor Jörn Walter dazu beitragen, die Krankheitsverläufe etwa der Darmentzündung Morbus Crohn oder der rheumatoiden Arthritis besser zu verstehen. Das europäische Forschungsprojekt baut auf Arbeiten des Deutschen Epigenom Programms (DEEP) auf, das von Jörn Walter koordiniert wird. Ihre Expertise in der Epigenetik und Bioinformatik wollen die Saarbrücker Forscher nun in das neue europäische Verbundprojekt unter Leitung des Kieler Professor Philip Rosenstiehl einbringen. [mehr...]

Curry-Inhaltsstoff Kurkumin wirkt wie Kortison entzündungshemmend

Die Pharmazeutinnen Alexandra K. Kiemer und Jessica Hoppstädter haben enträtselt, warum Kurkumin antientzündlich wirkt: Der Stoff, dem Currypulver seine gelbe Farbe verdankt, beeinflusst wie Kortison gezielt ein bestimmtes Protein, das bei Entzündungen im menschlichen Körper eine Schlüsselrolle spielt. Ihre Grundlagenforschung zum Wirkmechanismus von Kurkumin könnte in Zukunft dazu beitragen, neue, nebenwirkungsarme Medikamente gegen Krankheiten wie Morbus Crohn zu entwickeln. "Wir konnten nachweisen, dass Kurkumin nicht nur unspezifisch wirkt, sondern ganz gezielt antientzündliche Wirkung entfaltet", erklärt Professorin Kiemer. "Es handelt sich hier um Grundlagenforschung, aber diese könnte die Basis dafür sein, künftig Medikamente zu entwickeln, die keine oder weniger Nebenwirkungen als Kortison haben." [mehr...]

Bioinformatiker entdeckt bisher unbekanntes "Affen-Gen"

Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms wurde im Jahr 2001 gefeiert, seitdem sind Genomanalysen viel billiger und besser geworden. Dennoch weiß man wenig darüber, welche DNA-Sequenzen mit bestimmten Krankheiten zusammenhängen. In den Niederlanden wurden jetzt in einer nationalen Studie die Genome von 250 Familien untersucht, dabei kamen einige Milliarden Daten zusammen. Der Saarbrücker Bioinformatiker Tobias Marschall hat gemeinsam mit Forschern aus den Niederlanden diese riesige Datenmenge analysiert, um neue, wiederkehrende und auch fehlende Strukturen zu entdecken. Dabei stießen die Forscher auf ein bisher unbekanntes Gen, das man so bisher nur bei Affen gefunden hat. Die Forschungsergebnisse haben die Wissenschaftler in der renommierten Zeitschrift Nature Communications veröffentlicht. [mehr...]

ERC Starting Grant: Wenn die Haut den Bildschirm ersetzt

Smartwatches und Fitness-Tracker zeigen, dass immer mehr Menschen Informations­technologie am Körper nutzen. Jürgen Steimle und weitere Informatiker der Saar-Uni wollen daher interaktive Computer­geräte entwickeln, die wie eine zweite Haut getragen werden können. Zusätzlich können Anwender sie nach Belieben gestalten und anpassen. So können die interaktiven Hautstücke in Zukunft nicht nur mobile Endgeräte steuern, sondern auch Patienten bei der Genesung unterstützen. Der Europäische Forschungsrat hat Jürgen Steimle nun mit dem renommierten ERC Starting Grant ausgezeichnet und fördert seine Forschung über die nächsten fünf Jahre mit rund 1,5 Millionen Euro. [mehr...]

Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe: Über die Faszination, Atome neu zu kombinieren

Eine neue Klasse von Molekülen entwickeln – auf diese wissenschaftliche Heraus­forderung hat André Schäfer hingearbeitet. Im Herbst kann er mit seinen Forschungen in der Anorganischen Molekülchemie am Lehrstuhl von Guido Kickelbick starten: Für den Aufbau einer eigenen Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe wird er von der Deutschen Forschungsgemeinschaft fünf Jahre lang mit insgesamt 1,4 Millionen Euro unterstützt. Zuvor hat sein Forschungsantrag ein zweistufiges Auswahlverfahren durchlaufen, an dessen Ende nur rund ein Fünftel der Anträge erfolgreich waren. Mit den Fördermitteln wird Schäfer nicht nur seine eigene Stelle finanzieren, sondern ab Herbst auch drei Doktoranden einstellen sowie die passende Laborausstattung beschaffen. [mehr..]