Computerlinguistik (Bachelor)

Computerlinguistik erforscht menschliche Sprache. Sie benutzt dafür formale Modelle, die auf dem Computer realisiert werden können. Auf diese Weise gewinnt sie Erkenntnisse über die Lautstruktur, die Satzstruktur und die Bedeutungsstruktur von Sprachen und über die Art und Weise, wie Menschen Sprache verstehen, Sprache produzieren und Sprache lernen.

Die Computerlinguistik wendet diese Erkenntnisse zur Entwicklung von Computersystemen an. Beispiele für sprachverarbeitende Systeme sind:

  • Systeme, die den Dialog mit dem Computer in gesprochener und geschriebener Sprache ermöglichen,
  • Textverstehende Systeme, die automatisch Wissen aus Dokumenten extrahieren,
  • Maschinelle Übersetzungssysteme,
  • Systeme für Grammatik- und Stilkorrektur, die das Formulieren in einer Fremdsprache erleichtern.


Die Computerlinguistik ist ein sehr junges Fach: Die ersten Computerlinguistik-Studiengänge sind weltweit in den 80er Jahren entstanden. Die Computerlinguistik verbindet Inhalte und Methoden aus der Informatik und der Sprachwissenschaft und benutzt Teile der Mathematik (besonders die Formale Logik) als Grundlage.

Computerlinguistik hat mit menschlicher Sprache, mit mathematisch-naturwissenschaftlichen Methoden und mit dem Computer als Arbeitsmittel zu tun. Wer sich für alle diese drei Bereiche interessiert, wer gerne mit mathematischer Methodik arbeitet, Rechner programmiert und gleichzeitig Freude am Umgang mit lebendiger Sprache hat, ist ein/e ideale/r Anwärter/in für das Studium der Computerlinguistik. Natürlich geht es auch mit weniger. Wichtig ist allerdings, dass die Studierenden bereit sind, sich auf die verschiedenen Teilbereiche des Faches einzulassen. Eine unüberwindliche Abneigung gegen mathematische Verfahren oder ein komplettes Desinteresse am Arbeiten mit dem Computer wären tatsächlich echte Hinderungsgründe. Weniger wichtig sind dagegen spezielle Vorkenntnisse. Das Wissen, das man mit dem Abitur erwirbt, sollte zum Einstieg in das Computerlinguistikstudium ausreichen. Praktische Erfahrungen mit dem Rechner oder spezielle technische und mathematische Kenntnisse sind nicht nötig.

Der Bachelor-Studiengang Computerlinguistik hat bis zum Abschluss der Bachelor-Prüfung eine Regelstudienzeit von sechs Semestern im Vollzeitstudium. Für diesen Studiengang besteht die Möglichkeit, auf Antrag Teile des Studiums in Teilzeit zu studieren. Das Semester, in dem die Bachelor-Arbeit angefertigt wird, ist in Vollzeit zu studieren.
Als akademischer Grad wird der "Bachelor of Science" (B.Sc.) verliehen.

Wie ist das Berufsbild und wie sind die Berufsaussichten für Computerlinguist/inn/en? Computerlinguistik ist eine "Schwellentechnologie”. Techniken und Arbeitsmittel stehen bereit, um sprachverarbeitende Systeme zu bauen, die für die Wirtschaft und einen breiten privaten Kundenkreis interessant sind. Zurzeit gibt es eine ganze Reihe von computerlinguistischen Forschungsvorhaben an Universitäten, an Forschungsinstituten und in der EDV-Industrie. Neben diese Forschungsstellen, die meist an befristete Projekte gebunden sind, treten zunehmend Aufgaben im so genannten "Language Engineering": so z. B. die Kodierung des grammatischen Wissens für eine bestimmte Sprache (Grammatikentwicklung), die Erfassung des Wortschatzes mit den für die Verarbeitung notwendigen Informationen oder auch die Entwicklung von Transferlexika, die in maschinellen Übersetzungssystemen die Strukturen einer Sprache in die Strukturen einer anderen Sprache überführen.

In den nächsten Jahren wird sich der Markt für die Sprachtechnologie enorm ausweiten und verschiedene Lebensbereiche nachhaltig verändern. Die Nachfrage nach Wissenschaftler/inne/n mit Computerlinguistik-Abschluss wird dann stark steigen. Das Berufsbild wird sich stärker in den Servicebereich verlagern, wie Wartung und Update von Sprachtechnologiesystemen und Kundenberatung (z. B. beim Zuschnitt von Lexika und Datenbasen für ein persönliches Übersetzungssystem).

Studienverlauf

Im Bachelor-Studiengang Computerlinguistik werden linguistische, informatische und mathematische Grundlagen sowie Arbeitstechniken der Computerlinguistik vermittelt. In sechs Semestern Regelstudienzeit werden insgesamt 180 CP erworben, von denen 156 CP aus Lehrveranstaltungen des Hauptfachs stammen. Dieses ist in sechs verschiedene Kategorien unterteilt:

1. Mathematische Grundlagen (25 CP)
Mathematische Grundlagen der Computerlinguistik 1 (Logik – 8 CP), Mathematische Grundlagen der Computerlinguistik II (Formale Sprachen – 8 CP), Mathematische Grundlagen der Computerlinguistik III (Statistik – 9 CP)

2. Grundlagen der Computerlinguistik (27 CP):
Einführung in die Computerlinguistik (3 CP), Grammatikformalismen (6 CP), Neural Networks: Implementierung und Anwendung (6 CP), Programmierkurs I (6 CP), Programmierkurs II (6 CP)

3. Sprachwissenschaftliche Grundlagen (24 CP)
Einführung in die Psycholinguistik (3 CP), Einführung in die Phonetik und Phonologie (6 CP), Einführung in die Syntax und Morphologie (6 CP), Einführung in die Formale Semantik (6 CP), Einführung in Pragmatik und Diskurs (3 CP)

4. Computerlinguistische Seminare und Software-Projekte (31 CP)
Ein Proseminar (5 CP), zwei Seminare (7 CP), ein Software-Projekt (12 CP)

5. Wahlpflichtbereich (30 CP)
Seminare und Vorlesungen der Computerlinguistik, mindestens 15 CP durch Vorlesungen der Informatik (Programmierung 1, Programmierung 2, Grundzüge von Algorithmen und Datenstrukturen, Artificial Intelligence, Machine Learning), ein Berufspraktikum von mindestens sechswöchiger Dauer

6. Abschlussmodul (19 CP)
Bachelor-Seminar (7 CP) und Bachelor-Arbeit (12 CP)


Das Berufspraktikum soll dazu dienen, den Studierenden den Einblick in die Praxis der Arbeitswelt zu verschaffen. Es kann an Forschungseinrichtungen oder in der Industrie abgeleistet werden, hat eine Dauer von mindestens 6 Wochen und wird mit einem Bericht abgeschlossen. Es wird empfohlen, das Berufspraktikum zwischen dem 5. und 6. Semester zu absolvieren.

Zusätzlich zum Hauptfach werden Lehrveranstaltungen im Umfang von 24 CP aus dem Bereich Ergänzungsfach/Struktur einer Fremdsprache absolviert. Als mögliche Ergänzungsfächer kommen Informatik, Kognitive Psychologie, Phonetik und Neuere deutsche Sprachwissenschaften in Frage. Weitere geeignete Fächer können nach Absprache festgelegt werden. Zur Entwicklung von Verständnis für die strukturelle Variatonsbreite menschlicher Sprache in Phonetik, Morphologie, Syntax und Semantik dürfen auch Kurse in einer nicht-indoeuropäischen Sprache (6 CP pro Kurs) belegt werden. In erster Linie werden Chinesisch und Japanisch angeboten, aber auch Koreanisch, Türkisch, Arabisch, ... wären möglich. Jede Anzahl von Fremdsprachkursen und Kursen im Ergänzungsfach kann kombiniert werden, also z.B. 24 + 0, 18 + 6, ..., 0 + 24. Bei Belegung mehrerer Sprachkurse ist zu beachten, dass diese alle zu der gleichen Sprache gehören müssen.

Das sechste Fachsemester ist durch das sogenannte Abschlussmodul (19 CP) geprägt. Dieses besteht aus einer Bachelor-Arbeit mit Seminar. Die Bachelor-Arbeit ist eine Projektarbeit, die unter Anleitung durchgeführt wird und zeigt, dass der/die Studierende in der Lage ist, innerhalb einer vorgegebenen Frist ein Problem aus dem Gebiet der Sprachtechnologie und der Computerlinguistik unter Anleitung zu lösen und die Ergebnisse zu dokumentieren.

Bewerbung

Der Bachelor-Studiengang Computerlinguistik unterliegt aktuell keinen Zulassungsbeschränkungen. Die Aufnahme des Studiums ist derzeit nur zum Wintersemester möglich.

Der Antrag auf Immatrikulation (Einschreibung)  ist - ohne vorherige Bewerbung – online zu stellen:

  • von Anfang August bis Ende September

 

Die Einreichung der Unterlagen ist per Upload unter der im Immatrikulationsantrag aufgeführten URL vorzunehmen.

Alle Informationen zur Immatrikulation finden Sie unter "Einschreibung in Studiengänge ohne Zulassungsbeschränkung" und in dem entsprechenden Merkblatt.

 

Zu beachten: Für Studieninteressierte mit ausländischer Vorbildung (Hochschulzugangsberechtigung) gelten zum Teil abweichende Regeln - mehr; siehe auch Wegweiser zum Studium.

 

Aktuelles Studienangebot mit Erläuterungen zum Zulassungsverfahren

 

 

 

Besonderheiten

Computerlinguistik kann auch an einigen wenigen anderen Standorten in Deutschland studiert werden. Für Saarbrücken als Studienort spricht, dass hier das wissenschaftliche Umfeld sehr günstig ist:

Die Computerlinguistik arbeitet eng mit der Fachrichtung Informatik zusammen, die bundesweit eine Spitzenstellung einnimmt. Der Lehrstuhl für Phonetik bietet die Möglichkeit, sich mit der Verarbeitung gesprochener Sprache intensiv auseinanderzusetzen. In der philosophischen Fakultät bestehen interessante Bezugspunkte mit den sprachwissenschaftlichen und kommunikationswissenschaftlichen Fächern, insbesondere der Kognitiven Psychologie und der Systematischen Philosophie. Alle diese Fächer kann man als Ergänzungsfächer zur Computerlinguistik studieren.

Forschungsschwerpunkte

In der Forschung beteiligt sich die Computerlinguistik am Sonderforschungsbereich 378 "Ressourcenadaptive kognitive Prozesse" der DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft). Außerdem gibt es eine enge Zusammenarbeit mit dem DFKI (Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz).

In der Computerlinguistik selbst werden zahlreiche Forschungsprojekte durchgeführt, in die die Studierenden auf verschiedene Weise integriert werden können: über Softwareprojekte, Bachelor- bzw. Masterarbeiten oder studentische Hilfskraftstellen. Auf diese Weise kommen Computerlinguistikstudierende in Saarbrücken schon während ihres Studiums intensiv mit der Forschungspraxis in Berührung und haben Zugang zu modernsten Geräten.

Die Saarbrücker Computerlinguistik ist durch überregionale Projektkooperationen und internationale Forschungsnetze mit den weltweit führenden Institutionen im Sprachverarbeitungsbereich verbunden und vermittelt Industriepraktika und Auslandsaufenthalte.

Weiterführende Studiengänge

Language Science and Technology (Master of Science)

 

Darüber hinaus ist unter bestimmten Bedingungen (z.B. bestimmte Schwerpunktsetzung im Bachelor-Bereich, Nachholen einzelner Module u.ä.) der Zugang zu weiteren Master-Studiengängen möglich, z.B.

Kontakt

Allgemeine Linguistik - Computerlinguistik
Campus Saarbrücken,
Geb. C7 2, Zimmer 1.11
66123 Saarbrücken
Tel.: + 49 (0) 6 81 / 302-44 96
E-Mail: studienberatung(at)coli.uni-saarland.de

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