Der historische Europa-Schwerpunkt der Universität des Saarlandes

Die Universität des Saarlandes verfügt seit ihrer Gründung über einen Europa-Schwerpunkt. Dieser ergibt sich zum einen aus der geographischen Lage im Dreiländereck im Herzen Europas zwischen Deutschland, Frankreich und Luxemburg, in mittelbarer Nähe zu Belgien, den Niederlanden und der Schweiz und damit auch zu den EU-Institutionen. Zum anderen und vor allem aber ist er historisch begründet: Die Universität des Saarlandes wurde 1949 unter französischem Protektorat gegründet.

Im ersten Vorlesungsverzeichnis der Universität aus dem Jahre 1948 schreiben der saarländische Ministerpräsident Johannes Hoffmann, der französische Hochkommissar Gilbert Grandval und der Gründungsrektor der Universität Prof. Dr. Jean Barriol, die Universität des Saarlandes sei „die Pflegestätte des Geistes, der die Enge zu überwinden sucht und nach europäischer Zukunft strebt.“  Sie solle zum „Werkzeug einer wahrhaft europäischen Gesinnung“ gemacht werden. 1950 übernimmt der Germanist Joseph-François Angelloz das Rektorat und proklamiert in seiner Antrittsrede: „Europa! Das ist das Wort, das wir als Losung und Parole wählen, indem wir uns als europäische Universität bekennen.“ 

In dieser Gründungszeit der Universität sind die Lehrstühle international besetzt, die Vorlesungen und Kurse finden in der Sprache des jeweiligen Dozenten statt. 1951 wird das Europa-Institut (bis Mitte der 1950er Jahre mit kulturwissenschaftlicher Zielrichtung ), 1955 das Centre juridique franco-allemand gegründet; beide Einrichtungen sind einzigartig in Deutschland. Nach der Saarabstimmung 1955 konnte der Plan einer „Europäischen Universität“ nicht realisiert werden, die in eine saarländische Landesuniversität umgewandelte Universität ist ihrer ‚europäischen Gesinnung‘ jedoch treu geblieben: Die Europa-Ausrichtung in Forschung und Lehre ist seit Jahrzehnten Teil ihres Selbstverständnisses.

Gründung des Collegium Europaeum Universitatis Saraviensis (CEUS)

Das Collegium Europaeum Universitatis Saraviensis (CEUS) wurde im Dezember 2012 als gemeinsame wissenschaftliche Einrichtung der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät sowie der Philosophischen Fakultäten I (Geschichts- und Kulturwissenschaften), II (Sprach-, Literatur- und Kultur-wissenschaften) und III (Empirische Humanwissenschaften) gegründet. Nach der Neustrukturierung der Fakultäten 2016 ist das CEUS nun eine gemeinsame wissenschaftliche Einrichtung der Fakultät für Emprische Humanwissenschaften und Wirtschaftswissenschaften (HW), der Philosophischen Fakultät (P) sowie der Rechtswissenschaftlichen Fakultät (R).

Die Gründung dieser Einrichtung zielte insbesondere darauf ab, die zahlreichen Institutionen, die seit Jahrzehnten an der Universität bestehen, ein exzellentes Renommee genießen und außerordentlich produktiv sind, noch enger zu vernetzen und innerhalb dieses Netzwerks (aber auch in Kooperation mit europäisch ausgerichteten Institutionen im Umfeld) europabezogene Lehre (Europastudien) und Verbundforschung ("Europa als Forschungsgegenstand") zu initiieren und zu koordinieren.

Aufgaben und Ziele des CEUS

  • die Aktivitäten zum Schwerpunkt Europa miteinander zu vernetzen
  • europabezogene interdisziplinäre Forschung und Lehre in diesen Fakultäten zu koordinieren
  • fachübergreifende europäische Forschungsthemen zu initiieren und entsprechende Graduiertenprogramme zu fördern
  • neue interdisziplinäre Studiengänge und integrierte Studienprogramme zu konzipieren und zu koordinieren
  • eine Plattform des Austauschs zu schaffen
  • Ergebnisse der europabezogenen Wissenschaft in die Öffentlichkeit zu vermitteln.

Organe

Drei Gremien bestimmen die Geschicke des CEUS: das Direktorium, das Collegium und der Beirat. Die Geschäftsführung kümmert sich um die Koordination.