04/23/10

"Blinde Schafe" werden fit fürs Ausland

Saarbrücker Zeitung


Studenten müssen beim Interkulturellen Outdoortraining Ausnahmesituationen meistern und lernen dabei fürs Leben

Als „blindes Schaf“ über die Wiese irren oder auf einem Seil balancieren – das sind einige der Übungen, die die Teilnehmer des Kurses Interkulturelles Outdoortraining bewältigen müssen. Während des eintägigen Workshops, der zweimal pro Jahr vom Zentrum für Schlüsselkompetenzen an der Saar-Uni angeboten wird, lernen die Studenten unter anderem, als Team Aufgaben zu lösen und sich in fremden Situationen zurechtzufinden. Campus-Extra-Redakteurin Irina Urig hat mitgemacht.


Von irina urig


Unsicher fühle ich mich und verloren. Als „blindes Schaf“ stehe ich auf der Wiese vorm Campus-Center und weiß nicht, wie ich mich verhalten soll. Ich nehme an einer Übung des Kurses „Interkulturelles Outdoortraining“ teil. Unsere Augen sind verbunden, eine andere Teilnehmerin ist der Schäfer und soll uns in den Stall dirigieren, der sich irgendwo auf der Wiese befindet. Was ganz schön schwierig ist, denn sie darf uns nicht berühren und sich auch nicht der menschlichen Sprache bedienen. Da höre ich Summ-Laute, ich kriege einen Arm zu fassen und werde von anderen „Schafen“ mitgezogen. Dann die Erlösung: Alle sind gut angekommen und dürfen die Augenbinde abnehmen. Unsere Strategie ist aufgegangen. Am Schluss diskutieren wir noch einmal über das Spiel.

„Mit den Übungen wollen wir andere Kulturen erfahrbar und erlebbar machen“, sagt Christoph Vatter, einer der beiden Dozenten, die den Kurs leiten. Natürlich sind weder die Studentinnen noch die Menschen aus anderen Kulturkreisen „Schafe“, das Rollenspiel soll ihnen nur helfen, mit neuen Situationen zurechtzukommen. Christoph Vatter ist Lehrkraft für besondere Aufgaben für Interkulturelle Kommunikation im Fach Romanistik an der Saar-Uni. Sein Kollege Knut Lauer hat eine Firma für Erlebnispädagogik und Outdoor-Trainings. „Die Teilnehmer kommen in Rollen hinein, die sie so nicht kennen. Sie lernen, Hindernisse zu überwinden und haben dabei Erfolgserlebnisse. Diese Erfahrungen können sie später für berufliche Situationen und Auslandsaufenthalte nutzen“, erklärt Knut Lauer. Bei dem Workshop an der Saar-Uni steht vor allem die Sensibilisierung für andere Kulturen und besondere Situationen im Vordergrund. „Die Studenten lernen, dass die Welt bunt ist und nicht schwarz-weiß“, sagt Christoph Vatter.

Insgesamt 18 Teilnehmerinnen sind an diesem heißen Sommertag zu dem Kurs gekommen, um solche Erfahrungen zu machen. Dass diesmal nur Frauen daran teilnehmen, ist Zufall. „Der Workshop ist total cool. Von Übung zu Übung finden wir uns als Gruppe besser zurecht. Ich will dabei lernen, gut mit anderen Menschen umzugehen“, sagt Christina Braun. Die 24-jährige Studentin der Historisch orientierten Kulturwissenschaften möchte gerne ihren Master in Schweden machen. „Wer fürs Studium oder beruflich ins Ausland geht, sollte offen sein und sich nicht durch den Kulturschock bremsen lassen“, sagt Christoph Vatter.

Das hat die 28-jährige Joane Beuker getan. Die Doktorandin der Evangelischen Theologie arbeitete ein halbes Jahr lang als Praktikantin bei einem internationalen Frauenprojekt in der philippinischen Hauptstadt Manila. „Der größte kulturelle Unterschied war, dass man dort die Menschen nicht direkt kritisieren darf. Bei dem Workshop kann ich meine Erfahrungen noch einmal reflektieren“, sagt sie. Joane Beuker möchte später selbst Bildungsarbeit machen und die Übungen des Workshops verwenden.

„Das Konzept der Übungen ist eine Kombination aus Uni-Lernen, Bauchgefühl und der Erfahrung, die eigene Komfortzone zu verlassen. Wir geben nur den Input, der Rest kommt von den Teilnehmern“, sagt Christoph Vatter.

Am Nachmittag steht noch ein Drahtseilakt auf dem Programm: Gesichert mit Gurten sollen wir über ein Seil balancieren, das zwischen zwei Bäumen gespannt ist – eine ziemlich wackelige Angelegenheit. Ich schwanke hin und her, aber vier andere Teilnehmerinnen halten mich an den Gurt-Strippen fest und gleichen so die fehlende Balance aus. „Schön, dass die Gruppe für mich da ist“, denke ich und schaffe es bis zum rettenden Baum. Auch mir hat der Kurs großen Spaß gemacht. iu


„Die Studenten lernen, dass die Welt bunt ist und nicht schwarz-weiß.“

Christoph Vatter, Kursleiter


Quelle: Saarbrücker Zeitung (bitte den Titel des Textes in die Suchmaske eingeben)

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