Von wegen tot!

Sigrid Albert


Sigrid Albert forscht an der Saar-Uni zum Latein der Neuzeit – Sie spricht die Sprache fließend

Veni, vidi, vici« – »Ich kam, sah und siegte« oder »Alea iacta est« – »Der Würfel ist gefallen«,diese Sätze kennen viele noch aus dem Lateinunterricht an der Schule. Moderne Wörter wie »interrete« für das Internet oder »telephonulum gestabile« für das Handy kommen im Lateinunterricht hingegen, wenn überhaupt, nur sehr selten vor. Solche Worte zu kreieren und damit das lateinische Vokabular weiter zu entwickeln, gehört zu den Aufgaben von Sigrid Albert. Sie ist an der Universität des Saarlandes in der Arbeitsstelle für Neulatein und als Soziologin tätig. »Erst frage ich mich, was ein Begriff bedeutet. Dann schaue ich, wie er in den anderen romanischen Sprachen ausgedrückt wird, und schließlich suche ich nach den lateinischen Wurzeln. Aus diesen Kenntnissen heraus bilde ich das neue Wort«, erzählt sie. Gerade arbeitet sie an einem Lexikon für die modernen Begriffe.

Zu Sigrid Alberts Aufgaben zählt auch die Herausgabe der Zeitschrift »Vox Latina«, die Artikel auf Latein zu verschiedenen Themen wie etwa Wissenschaft, Reisebeschreibungen oder gar Fußball enthält. »Vox Latina erscheint in einer Auflage von 1.100 Exemplaren, sie wird verschickt an Abonnenten aus der ganzen Welt, beispielsweise nach Afrika, Japan oder in die USA«, so Albert. Noch etwas Erstaunliches kann die Wissenschaftlerin vorweisen: Sie spricht die angeblich »tote Sprache« fließend. Zweimal pro Jahr veranstaltet sie entsprechende Seminare für alle Interessierten, die das auch lernen möchten.

Manchmal geht Sigrid Albert, die eine Lehrerlaubnis für Gymnasien besitzt, auch an Schulen und hält dort Unterrichtsstunden auf Latein ab. »Caesars Schriften über die gallischen Kriege sind für 14-jährige Schüler nicht geeignet. In der Schulewerden aber nur solche Lektüren übersetzt, die lateinische Alltagssprache kommt dagegen gar nicht vor. »Das ist für die Schüler frustrierend. Im Englisch-Unterricht fängt man ja auch nicht gleich mit der Lektüre von Shakespeare- Texten an«, sagt die Expertin für Neulatein. Im April war Sigrid Albert zu Gast an einer Schule im bayerischen Landsberg am Lech, und die Schüler waren von ihrem Unterricht begeistert. Die aktive Sprachkompetenz vermisst sie auch in der Lehrerausbildung. »Als Lehrer sollte man im Unterricht spontan einen lateinischen Satz bilden können«, sagt die Wissenschaftlerin.

Sie findet, dass Lateinlernen viele Vorteile hat: »Latein ist das Fundament der europäischen Kultur«, erklärt Sigrid Albert. In der Antike und im Mittelalter kommunizierten Wissenschaftler, Händler und Kirchenleute auf Latein. Im ungarischen Parlament war es noch bis 1848 offizielle Sprache. »Durch die Weltsprache Englisch haben alle englischsprachigen Nationen einen Vorteil. Das kann mit Latein nicht passieren, da haben alle gleiche Voraussetzungen. Gerade kleineren Nationen wird über das Latein der Neuzeit die Kommunikation mit anderen Ländern erleichtert.«Wer Latein kann, versteht auch die Grammatik anderer Sprachen besser. Für Sprachwissenschaftler, die auf dem Gebiet der Wortbildung forschen, ist Latein unerlässlich. Auch Theologen und Historiker benötigen Lateinkenntnisse, um historische Quellen im Original lesen zu können. Sigrid Albert ist mit ganzem Herzen Lateinerin. Schon als Kind war sie von der Sprache fasziniert und schaute neugierig in die Latein- Bücher ihres Bruders. »Latein ist einfach eine schöne Sprache, ich finde es faszinierend, dass man damit über 3000 Jahre hinweg kommunizieren kann.«

 

 _Irina Urig 

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