Zahnzusatzversicherung - sinnvoll oder nicht?

Zahnersatz ist teuer und die vergangenen Jahre zeigten, dass sich die Kosten nicht verringern, sondern deutlich ansteigen. Seit Jahren steigen die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Zahnersatz an, wie auf Statista zu sehen ist. Im Jahr 2005 verzeichneten sie zwar einen deutlichen Rückgang, jedoch hängt dieser Rückgang allerdings nicht mit einem generell geringeren Aufwand zusammen, sondern mit der Änderung der Abrechnungen. 

Seit 2005 zahlen die gesetzlichen Krankenkassen nämlich nur noch einen Bruchteil der tatsächlichen Ausgaben - die restlichen Kosten muss der Patient übernehmen. Bereits für die einfachste Variante des Zahnersatzes, der Zahnkrone, zahlen Patienten durchschnittlich bis zu 500 Euro zu. Je hochwertiger und unauffälliger der Ersatz ausfällt, desto höhere Kosten müssen einkalkuliert werden. Brücken können rasch mit über 4.000 Euro zu Buche schlagen und wer ein Implantat wünscht, zahlt nochmals deutlich mehr. Um die Kosten einzuschränken und sich gegen hohe Rechnungen abzusichern, ist die Zahnzusatzversicherung ein wichtiges Standbein. Für wen sich diese Versicherung lohnt und welche Optionen es gibt, erklärt dieser Artikel.

Quelle: © Rgerber (CC0-Lizenz)/ pixabay.com
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Behandlungen beim Zahnarzt sind oftmals nicht nur unangenehm, sondern können bei benötigtem Zahnersatz auch hohe Kosten mit sich bringen. 

Was zahlt die gesetzliche Krankenversicherung?

Seit der Änderung des Versicherungsgesetzes übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen nur noch einen Bruchteil der tatsächlich anfallenden Kosten für den Zahnersatz. Bei der Kostenübernahme handelt es sich um einen Festzuschuss zur sogenannten Regelleistung. Wünschen Patienten keine privatärztliche Versorgung, beträgt der Zuschuss ungefähr 50 Prozent der Kosten für die Regelversorgung. Problematisch ist, dass die gesetzlichen Krankenkassen nur die medizinisch absolut notwendige Lösung als Regelversorgung akzeptieren. Da die Leistung der GKV als Festzuschuss gewährt wird, müssen ästhetisch ansprechendere Lösungen oder komfortabler Zahnersatz zu einem großen Teil aus der eigenen Tasche bezahlt werden.

Hierunter fallen mitunter:

- Inlays - eine im Labor angefertigte Zahnfüllung, die dem echten Zahn absolut gleicht und die als langlebiger Ersatz für einfache Füllungen dient. 
- Implantate - ein dauerhafter Zahnersatz, bei dem während einer Operation eine metallene Zahnwurzel eingesetzt wird, auf die später ein im Labor erstellter Kunstzahn aufgeschraubt wird. 
- Veneers - die Verblendung von verfärbten oder unebenen Zähnen. Wird gerade im Frontbereich genutzt, um ein ebenmäßiges Zahnbild zu fördern. 
- Prophylaxe - die gesetzlichen Kassen erkennen einzig Routinebesuche beim Zahnarzt als Prophylaxe an. Medizinische Zahnreinigungen müssen vom Patienten zumeist selbst getragen werden.

Nach
§55 Abs. 1 SGB V erhöht sich der Festzuschuss zur Regelleistung in folgenden Fällen:

Erhöhung auf Voraussetzung
60% der Regelleistungjährliche Zahnarztkontrolle in den letzten 5 Jahren vor der Behandlung
65% der Regelleistungjährliche Zahnarztkontrolle in den letzten 10 Jahren vor der Behandlung

Trotzdem müssen Versicherte selbst im Idealfall für die medizinische Minimallösung 35% der Kosten selbst tragen. Die Ausnahme bilden Patienten, deren Lebenssituation es nicht erlaubt, die anteilige Bezahlung der Zahnarztkosten tragen zu können. Hier übernehmen die Kassen einen größeren Kostenanteil, verweigern jedoch wieder Leistungen, die in die privatärztliche Versorgung fallen. 

Wo liegt das Problem? Die Versorgungslücke

Junge Menschen erkennen die Problematik des Zahnersatzes häufig nicht. Der Gedanke, später ein Implantat oder eine Prothese zu benötigen, kommt oft erst mit dem Alter auf. Doch sind nur die wenigsten Menschen mit einer Zahngesundheit gesegnet, die es erlaubt, selbst im hohen Lebensalter vollständig auf Zahnersatz verzichten zu können. In der Realität benötigen bereits viele Personen in einem relativ jungen Lebensalter eine Zahnprothese oder zumindest eine Krone. Hieraus ergibt sich rasch eine gewaltige Versorgungslücke, da die Ansprüche an den Zahnersatz hinsichtlich der erwartbaren Nutzungszeit deutlich höher sind. So wünschen viele Patienten:

--> Dauerhafte Lösungen - Prothesen und Kronen mit einer langjährigen Haltbarkeit 
--> Ästhetische Versorgungen - je jünger die Patienten sind, desto weniger darf der Zahnersatz auffallen
--> Praktische Lösungen - der Zahnersatz soll wenig pflegeintensiv sein und möglichst dauerhaft und vollständig im Mund verbleiben. 

Implantate und Kronen, die im Zahnlabor hergestellt werden und sich hinsichtlich der Zahnfarbe und der Form den restlichen Zähnen vollständig angleichen, stehen bei jüngeren Patienten im Mittelpunkt. Da diese Produkte deutlich teurer sind als herkömmliche Prothesen, stellt sich die Frage der Finanzierung. Nicht jeder hat die Möglichkeit, Zuzahlungen in Höhe von weit über 2.000,00 Euro je Implantat zu übernehmen. Hier besteht also eine Versorgungslücke, die mehr als ernst zu nehmen ist.

Quelle: © renaltalferro (CC0-Lizenz)/ pixabay.com
Quelle: © renaltalferro (CC0-Lizenz)/ pixabay.com

In jungen Jahren sehe viele Menschen ihre Zahngesundheit als selbstverständlich an. Später wird jedoch klar, dass dies nicht so ist. Zahnbehandlung und Zahnersatz sind sehr kostbar.

Zahnzusatzversicherungen - die Lösung?

Seitdem die gesetzlichen Krankenkassen die Kostenübernahme für Zahnersatz massiv eingeschränkt und auf einen Festzuschuss begrenzt haben, haben die Zahnzusatzversicherungen massiv an Bedeutung gewonnen. Sie lassen sich grob mit einer Teil- oder Vollkaskoversicherung für das Auto vergleichen. Versicherungsnehmer zahlen jährlich oder monatlich einen festgelegten Betrag und können im Notfall auf die Versicherung zurückgreifen und somit die Finanzierungslücke zwischen den eigentlichen Kosten für den Zahnersatz und dem von der gesetzlichen Kasse übernommenen Anteil schließen. Dabei gibt es diverse Arten der Zahnzusatzversicherung. Je nach Umfang der Versicherungsbestandteile übernehmen die Versicherungen einen Teil der Kosten oder sogar die komplette Rechnung abzüglich des Festbetrags der Krankenkasse. 

Bei dem Abschluss einer privaten Zahnzusatzversicherung sollten Patienten grundsätzlich mehrere Angebote miteinander vergleichen und sich die Bedingungen und Leistungsmerkmale der Versicherer intensiv durchlesen. Denn, wie auch bei anderen Versicherungsarten, gibt es Ausschlusskriterien, die mitunter später zu Problemen führen könnten: 

- Kieferorthopädische Behandlungen - Zahnzusatzversicherungen übernehmen die kieferorthopädischen Kosten oft nur bei Kindern und Jugendlichen. Sollten Erwachsene eine solche Behandlung benötigen und lag bei Versicherungsbeginn bereits eine Zahnfehlstellung vor, schließen die Versicherungsbedingungen eine Kostenübernahme aus. 
- Wartezeiten - Häufig müssen Patienten erst eine gewisse Zeitspanne privat versichert sein, bevor die Zahnzusatzversicherung die Kosten einer Behandlung übernimmt. Es gibt jedoch auch Zahnzusatzversicherungen ohne Wartezeiten, wie die ErgoDirekt auf ihrer Webseite erklärt.
- Summenbegrenzungen - Einige Versicherungsverträge unterliegen einer Kostenbegrenzung. Diese kann sich auf eine gewisse Summe im Jahr oder während der Versicherungszeit beziehen. 

Was sollte eine gute Zahnzusatzversicherung mit sich bringen? 

Wer sich mit dem Gedanken beschäftigt, die Versorgungslücke mit einer Zahnzusatzversicherung zu schließen, sollte niemals nur ein einziges Angebot in Betracht ziehen, sondern sich für eine Versicherung entscheiden, die mit den eigenen Ansprüchen und Vorstellungen bestmöglich übereinstimmt. Daher ist es wichtig, sich die Leistungen der einzelnen Tarife der Versicherer anzusehen. Die meisten Versicherer unterteilen die Zahnzusatzversicherung nochmals in Tarifstrukturen, sodass die Zusatzversicherung sowohl als Basisvariante als auch als Rundumversicherung abgeschlossen werden kann. Allgemein lassen sich die Tarife in vier Bereiche unterteilen: 

- Prophylaxe - Diese Tarife beinhalten die professionelle Zahnreinigung und dienen in erster Linie dazu, die Zähne soweit zu erhalten, dass ein Zahnersatz nicht oder erst sehr spät notwendig wird. 
- Kassenleistungstarife - Übersteigt die zahnärztliche Regelleistung die Kostenübernahme der Krankenkasse, tritt die Zahnzusatzversicherung ein. Die Zahnzusatzversicherung zahlt nun einen weiteren Festzuschuss (oft verdoppelt). Allerdings deckt die Übernahme nicht immer die tatsächlich anfallenden Kosten komplett. 
- Kieferorthopädie - Solche Tarife sind perfekt für Kinder und Jugendliche. Die Zahnzusatzversicherung trägt einen großen Anteil der Mehrkosten, die durch eine kieferorthopädische Versorgung im jungen Alter anfallen. 
- Premiumtarife - Diese Tarife fassen die weiteren Tarife zusammen und bieten die Möglichkeit, auch eine Kostenübernahme bei teurem und hochwertigem Zahnersatz zu erhalten. 

Auf der Suche nach einer guten Zahnzusatzversicherung sollten Interessierte grundsätzlich darauf achten, dass die Kostenabdeckung für Zahnersatz möglichst hoch ausfällt. Eine Übernahme von zwischen 80 und 90 Prozent der tatsächlichen Kosten ist anzuraten. Gleichfalls sollte die Versicherung keine Arten des Zahnersatzes ausschließen. Eine Zahnzusatzversicherung, die nur Brücken und Kronen übernimmt, ist zwar nützlich, besser ist es aber, wenn der Vertrag auch die Kostenübernahme von Inlays, Implantaten und Prothesen beinhaltet. 

Tipp:
Wer sich für eine Zahnzusatzversicherung interessiert, sollte diese relativ früh in seinem Leben abschließen. Die Stiftung Warentest empfiehlt, im Alter von Mitte 30 bis Anfang vierzig eine solche Police auszuwählen. Diese ist dann noch deutlich günstiger als in späteren Jahren und das Risiko für benötigten Zahnersatz erhöht sich ab diesem Alter. Studenten benötigen eine solche Versicherung also noch nicht unbedingt, jedoch ist sie mitunter in einer gewählten Privaten Krankenvollversicherung enthalten.

Quelle: © Wetmount (CC0-Lizenz)/ pixabay.com
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© Wetmount (CC0-Lizenz)/ pixabay.com 
   
Mit der richtigen Zusatzversicherung wird Zahnersatz erschwinglich.

Fazit - Versicherungen vergleichen und Inhalte prüfen

Vor dem Abschluss einer Zahnzusatzversicherung heißt es immer, die Versicherer zu überprüfen und die Angebote miteinander zu vergleichen. Zudem ist es sinnvoll, möglichst frühzeitig eine solche Versicherung abzuschließen. Nicht nur sind die Tarife für junge Patienten günstiger, die Gefahr von Ausschlüssen aufgrund bereits vorhandener Erkrankungen ist auch wesentlich geringer. Allerdings können auch ältere Patienten mit ein wenig Geduld günstige und gute Tarife finden, wenn sie bislang die Vorsorgeleistungen der gesetzlichen Krankenkasse genutzt haben und die Prophylaxe-Termine nachweisen können.