Passive Jobsuche: Wie sich Studenten finden lassen

Während des Studiums durchfluten viele Gedanken den Kopf des Studenten. Eine Überlegung sind seine zukünftigen Jobchancen. Wer nichts dem Zufall überlassen möchte, sucht während des Studiums eine Arbeitsstelle – und zwar passiv.

Die Jobsuche war bis vor wenigen Jahren eine aktive Arbeit: Interessierte durchsuchten Zeitungen nach offenen Stellen, fragten Freunde und Bekannte, ob sie Jobstellen kennen oder bewarben sich spontan bei Unternehmen, für die sie gerne arbeiten würden. Heute gibt es eine alternative Möglichkeit, eine Arbeitsstelle zu finden. Sie ist das genaue Gegenteil der zuvor beschriebenen Jobsuche. Statt aktiv zu suchen, lässt man sich finden.

Warum die passive Jobsuche sinnvoll ist

Die aktive Jobsuche hat einen entscheidenden Nachteil: Sie setzt Zeit und Aufwand voraus. Zwei Dinge, die der viel beschäftigte Student nicht besitzt. Während des Studiums müssen Studenten lernen und Tests bestehen. Zwei Drittel von ihnen jobben laut dem Deutschen Studentenwerk neben dem Studium, um es zu finanzieren. Für sie besteht eine zusätzliche Belastung.

Arbeitende Studenten wählen in der Regel einen Nebenjob, der nicht viele Vorkenntnisse benötigt und ihnen ermöglicht, das Studium zu finanzieren: Kellner, Kassierer, Verkäufer oder Ähnliches. Jobchancen gibt es für die Studenten selten.

Wenn für die aktive Jobsuche keine Zeit bleibt, scheint alles für die passive Variante zu sprechen. Wie sieht diese aus?

Passive Jobsuche dank Internet

Die passive Jobsuche wird durch das digitale Zeitalter möglich. Nie war es leichter, kostenlos ein Profil ins Internet zu stellen, welches von Menschen gefunden werden kann. Der Vorteil liegt auf der Hand: Studenten müssen weder für sie interessante Jobs suchen noch Bewerbungen verfassen. Stattdessen kreieren sie ein einziges Profil, veröffentlichen dieses auf mehreren Portalen und warten, bis sie von einem Unternehmen kontaktiert werden.

Dass diese Strategie erfolgreich sein kann, zeigt die Studie Bewerbungspraxis 2015 der Uni Bamberg. Demnach hat mehr als jeder Fünfte (21,7 Prozent) seinen Job über passive Informationskanäle gefunden [1]. Die Beliebtheit passiver Kanäle sieht wie folgt aus:

    1. Lebenslaufdatenbank einer Stellenbörse im Internet
    2. Profil in einem Karrierenetzwerk
    3. Lebenslaufdatenbank von Unternehmen
    4. Lebenslaufdatenbank der Arbeitsagentur
    5. soziale Netzwerke

Onlineportale und Stellenbörsen im Internet

Es ist nicht verwunderlich, warum die meisten Arbeitssuchenden ihren Lebenslauf auf Stellenbörsen im Internet sowie speziellen Onlineportalen veröffentlichen: Die Relevanz ist groß. Verbraucher suchen nach Arbeit, Arbeitgeber sind auf der Suche nach Angestellten. Die Plattformen sind der Vermittler zwischen beiden Parteien.

Interessant ist die Strategie eines Onlineportals für Lebensläufe (karrieremagazin.de berichtet). Es ist eine Kooperation mit einem Karriereportal für Führungs- und Fachkräfte eingegangen. Dadurch werden die Lebensläufe auf dem Portal in einem großen Netzwerk beworben. Das Potenzial steigt über die Reichweite des Onlineportals für Lebensläufe hinaus.

Karrierenetzwerke wie XING und LinkedIn

Eine beliebte Alternative zu Onlineportalen für Lebensläufe sowie Stellenbörsen im Internet sind Karrierenetzwerke. Das weltweit bekannteste Karrierenetzwerk ist LinkedIn. Sein deutscher Vetter ist XING. Zahlreiche Personaler nutzen die beiden Portale, um neue Kräfte für ihr Unternehmen zu finden.

Um auf XING und LinkedIn erfolgreich zu sein, müssen Studenten ein aussagekräftiges, komplett ausgefülltes Profil erstellen. Speziell auf XING ist es wichtig, Kontakte zu pflegen, Gruppen beizutreten und generell aktiv zu sein. Tägliches Einloggen hält den Aktivitätsindex bei 100 Prozent.

Ob sich ein Profil auf beiden Netzwerken lohnt, kann pauschal nicht gesagt werden. LinkedIn orientiert sich eher an ein internationales Publikum und lohnt sich für Studenten, die nicht zwingend in Deutschland arbeiten möchten. XING konzentriert sich auf Deutschland beziehungsweise den deutschsprachigen Raum.

Die Bewerbung im Bereich Social-Media

Das persönliche Facebook-Profil sowie Twitter-Konto kann ebenfalls als passive Bewerbungsform genutzt werden. Die beiden sozialen Netzwerke unterscheiden sich in ihrem Konzept stark voneinander. Der Erfolg auf Facebook hängt davon ab, welche Freunde der Student besitzt und wie er vernetzt ist. Besonders wichtig für den Erfolg ist einer Studie der Universität Gent zufolge das Profilbild. Dieses sollte eine Person zeigen, die attraktiv, offen, freundlich, extrovertiert sowie emotional stabil wirkt.

Das Profilbild ist für das Netzwerk Twitter ebenfalls von großer Wichtigkeit. Hier können Studenten auch ihren Hintergrund gestalten. Die Jobsuche ist weniger passiv wie auf Facebook. Jobsuchende twittern mit Hashtags, dass sie auf der Suche nach einem neuen Arbeitsverhältnis sind und lassen sich auf diese Weise finden. Die beiden wichtigsten Hashtags sind #job sowie #jobs. Deutsche Hashtags werden selten verwendet. Laut dem Recruiting-, Consulting- und Serviceunternehmen Intercessio wurde Mitte 2014 nur rund 1.700 Mal das Hashtag #Stellenangebote gezwitschert. Das beliebteste deutsche Hashtag ist #Praktikum (9.798 Mal), gefolgt von #Stellenangebot (7.147 Mal) und #Karriere (5.022 Mal).

Blogs und andere Eigeninitiativen

Aktivitäten im Internet können ebenfalls bei der passiven Jobsuche helfen. Gemeint sind Blogs, auf die Unternehmen aufmerksam werden, fleißige Twitter- oder Instagram-User, die viele Follower besitzen beziehungsweise Studenten, die auf eine andere Weise in der Onlinewelt auf sich aufmerksam machen. Studenten hinterlassen ihre Datenspuren im Netz – und diese können von Personalern gefunden werden.

Für welche der Strategien zur passiven Jobsuche sich Studenten entscheiden, hängt von ihren Wünschen und Talenten ab. Eines ist klar: Je mehr Strategien Studenten nutzen, desto größer ist ihre Chance, gefunden zu werden.


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1. Bewerbungspraxis 2015, Seite 35