Studieren und gleichzeitig schwanger sein – wie geht das?

Die meisten Studenten verbinden mit ihren Jahren im Studium, egal ob an der Universität des Saarlandes oder anderswo, zwei Seiten. Einerseits kann man neue Leute kennenlernen, Party machen und hat durch die eigene Zeiteinteilung, die eigene Wohnung und manchmal eine neue Umgebung viele Freiheiten.

Andererseits existiert Stress durch schwere Prüfungen und andere Anforderungen wie Hausarbeiten und Praktika; es kommen Wochen oder Monate des Lernens auf die Studentin zu, in denen sie den Schreibtisch nicht verlassen kann, ganz gleich, ob dieser in der Uni-Bibliothek steht oder im eigenen WG-Zimmer.

Studentinnen, die während der hier geschilderten Zeit schwanger werden, sollten sich über einige wichtige Dinge informieren und sich – sofern das möglich ist – gut darauf vorbereiten. Dann, das sei vorab gesagt, ist eine Schwangerschaft im Studium möglich.

Betreuung
Auf jeden Fall empfiehlt es sich für Studentinnen, die bereits schwanger sind, eine Betreuung gut zu organisieren. Können Verwandte, Freunde oder Nachbarn, denen man vertraut, eine gewisse Zeit auf das Kind aufpassen? Generell sollten diese in der Nähe wohnen, damit schnell gehandelt werden kann. Auch Rentner, Heimarbeitende oder Arbeitssuchende sind gute Aufpasser, da sie im Notfall für eine Beaufsichtigung zur Verfügung stehen. Außerdem existieren im Zeitalter des Internets auch Netzwerke mit anderen studierenden Eltern, in denen man Ratschläge, jedoch auch konkrete Hilfe erhalten kann. Je mehr Telefonnummern von zuverlässigen und vertrauenswürdigen Helfern man hat, desto besser ist es. Kleine Geschenke an diese hilfsbereiten Menschen erleichtern die Kommunikation und sollten als Dank selbstverständlich sein. Es gibt viele denkbare Gelegenheiten, an denen ein Baby spontan beaufsichtigt werden muss. Was soll man tun, wenn der Tag des Examens gekommen ist und das Kleinkind plötzlich krank wird?
Sind die Kinder bereits im Alter von drei bis sechs Jahren, besitzt eine Studenten-Mutter rechtlichen Anspruch auf eine Halbtagesbetreuung. Diese findet in der Regel in einer Kindertagesstätte („Kita“) statt. Wer eine ganztägige Beaufsichtigung benötigt, muss das nachweisen. Studentinnen können dies erreichen, indem sie ihre Immatrikulation oder Studienbescheinigung vorlegen. Ein Studium wird als Vollzeitbeschäftigung gewertet, allerdings besteht kein Anspruch mehr, wenn Urlaubssemester eingelegt werden.

Organisation
Im Gegensatz zu einer Arbeitsstelle ist es zwar durch Semesterferien und zuweilen frei wählbare Kurszeiten möglich, mehr Zeit für sein Baby zu erübrigen. Allerdings kann man bei vielen Veranstaltungen im laufenden Semester kaum mehr unentschuldigt fehlen.

Ratsam ist es, einen priorisierten Zeitplan zu erstellen, den man entweder als Kalender jederzeit sichtbar in der Wohnung aufhängt oder sogar auf dem Smartphone stets dabei hat. Denn es ist wichtig, seine Zeit für das Kind und für das Studium geschickt einzuteilen. Dazu gehören übrigens auch ausreichende Erholungsphasen, in denen man sich Zeit nur für sich selbst nimmt!

Gerade in der Zeit unmittelbar vor und nach der Geburt sollte man sich dem Säugling widmen können. Die vielen Dinge für das Neugeborene kann man auch häufig bequem im Internet bestellen, beispielsweise bei speziellen Baby-Webshops wie vertbaudet.de. Den Zeitaufwand (und den Stress als Schwangere), um sich durch belebte Kaufhäuser zu quälen, kann man sich so zumindest sparen und möglicherweise am Rechner noch etwas für das Studium erledigen. Überhaupt empfiehlt es sich, so viel wie möglich an Hausarbeiten, schriftlichen Aufgaben und organisatorischen Dingen am Rechner zu erledigen, da man hierbei noch die Aufsicht über sein Kind behalten kann.
Übrigens ist es auch hilfreich, seinen Professoren oder Dozenten gegenüber offen mit der Schwangerschaft und den zeitlichen Konsequenzen zu sein. So kann häufig nach einem offenen Gespräch ein Aufschub für eine Haus-, Bachelor- oder Magisterarbeit bewirkt werden.

Finanzierung
Ein sehr wichtiges Thema für studierende Mütter ist die Finanzierung. Abgesehen von den Eltern, die in der Regel der Tochter bei der einen oder anderen Ausgabe auch unter die Arme greifen, gibt es dafür auch mehrere Möglichkeiten. Wie ein Ratgeber des SPIEGEL-Onlineportals anmerkt, gibt es verschiedene Förderungen, die hilfreich für junge Mütter sein können.

Ein offensichtlicher Ansprechpartner, der nicht nur zuweilen finanzielle, sondern auch praktische Unterstützung bieten kann, ist das örtliche Studentenwerk, wo die Fäden einer Uni zusammenlaufen. Sogenannte Erstausstattungshilfen kommen ebenfalls für ein Neugeborenes in Betracht. Dafür können studierende Mütter einen Antrag bei der Bundesstiftung Mutter und Kind oder der Agentur für Arbeit stellen. Dies ist bereits im Vorfeld der Geburt möglich.

Ist der neue Erdenbürger dann gesund auf der Welt, hat die junge Mutter im Studium Anspruch auf Eltern- und Kindergeld. Studentinnen in dieser Situation, welche Bafög erhalten, sollten dessen Förderungshöchstdauer wenn möglich verlängern; genauere Ratschläge kann hier das Bafög-Amt erteilen. Für diejenigen studierenden Frauen, die eine Pause im Studium einlegen und die sogenannte Elternzeit durchführen, ist es eventuell möglich Arbeitslosengeld II (ALG II) zu beziehen.
Wer mit seinem Kind ein Auslandssemester absolvieren will, kann finanzielle Sonderzahlungen über das ERASMUS-Programm beziehen. Wird der Wohnsitz in der Bundesrepublik beibehalten, bestehen auch im Ausland Eltern-, Kindergeld- und Krankenversicherungsanspruch. Der akademische Auslandsdienst (daad.de) hält hier weitere Informationen bereit.

Jobben, Krankenversicherung
Die Leistungen der Krankenkassen sind bei der Schwangerschaft im Studium unterschiedlich. Hier sollte man auf jeden Fall mit dem zuständigen Berater Kontakt aufnehmen. Wer pflichtversichert ist, muss in jedem Falle auch während Urlaubssemester und dem Bezug des Elterngeldes Beiträge entrichten. Studierende, die älter als 30 Jahre sind oder mehr als 14 Fachsemester abgeleistet haben, können die Versicherungspflicht verlängern. Mit einem entsprechenden Antrag bei der Krankenkasse können sie den günstigen Studierendenbeitrag erhalten. Dies ist bis zu sechs Semester lang denkbar.

Jobben die  Studenten-Mütter nebenbei, unterliegen sie unabhängig von ihrem Status (Staatsangehörigkeit, Familienstand etc.) dem Muttterschutzgesetz (MuSchG). Die Betroffene muss dabei den Arbeitgeber binnen 14 Tagen nach einer möglichen Kündigung auf die Schwangerschaft hinweisen. Dann ist es nicht möglich, ihr zu kündigen.

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