Romantische Anthropologie
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Projekt-Skizze: |
| Wie die - weit besser erforschte -
Anthropologie der Aufklärung beschäftigt sich auch die
romantische Anthropologie mit dem "ganzen Menschen" als
Einheit von Körper und Seele. Das anthropologische
Schrifttum, meist verfaßt von naturphilosophisch geprägten
Medizinern, behandelt Grundfragen der Physiologie und der
Psychologie, der Individual-, Natur- und Kosmosgeschichte,
aber auch Spezialprobleme wie Somnambulismus bzw.
Magnetismus, Unbewußtes, Traum, Liebe, Wahnsinn,
Doppelgängersyndrom, Geschlechterdifferenzen etc. Die
Blütezeit der romantischen Anthropologie liegt etwa
zwischen 1810 und 1840, in der Psychologie bleibt sie bis
in die 70er Jahre hinein einflußreich. Die
Wirkungsgeschichte reicht bis zu Freud und der
Lebensphilosophie des frühen 20. Jahrhunderts. Ziel des Forschungsprojekts ist es, diese "versunkene Welt" neu zu erschließen und zu kartographieren. Ihre Vertreter, Institutionen, Zeitschriften, Bücher und die wichtigsten Werke der Sekundärliteratur müssen bibliographisch ermittelt werden. Im Rahmen des DFG-Projekts wurde ein Forschungsarchiv zur romantischen Anthropologie aufgebaut. Gesammelt wurden die wichtigsten Quellen aus dem Umfeld der romantischen Anthropologie im Original oder in Kopie sowie ausgewählte Sekundärliteratur. Der Textbestand ist durch eine Datenbank erschlossen; ein Arbeitsplatz mit Computer, Drucker, Scanner und Kopiermöglichkeit steht allen interessierten Forschern zur Verfügung. Hier eine kleine Auswahl der gesammelten Autoren: Johann Heinrich Ferdinand von Autenrieth; Franz von Baader; Karl Ernst von Baer; Christoph Heinrich Ernst Bischoff; Joachim Dietrich Brandis; Karl Friedrich Burdach; Carl Gustav Carus; Ernst Friedrich Eberhard; Joseph Ennemoser; Johann Eduard Erdmann; Immanuel Hermann von Fichte; Johann Christoph Fleck; Jakob Friedrich Fries; Christian Ludwig Funk; Georg Friedrich Christian Greiner; Franz von Paula Gruithuisen, Friedrich Wilhelm Hagen; Eduard von Hartmann; Johann Christian August Heinroth; Karl Wilhelm Ideler; Johann Samuel Ith; Ludwig Heinrich von Jakob; Dietrich Georg von Kieser; Johann Michael Leupoldt; Christian Gottfried Daniel Nees von Esenbeck; Jakob Salat; Karl Albert Scherner; Gotthilf Heinrich Schubert; Henrich Steffens; Paul Ignaz Vitalis Troxler; Heinrich Benedikt von Weber. Die gesammelten Materialien dürften für Literaturwissenschaftler, Philosophen, Pädagogen, Medizin-, Psychologie- und Wissenschaftshistoriker gleichermaßen von Interesse sein. |
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Wieso beschäftigen sich Literaturhistoriker mit diesem Thema? |
| Die Antwort liegt auf der Hand: Fast
alle Autoren der Hoch- und Spätromantik (wie z. B.
Hoffmann, von Arnim, Brentano, Eichendorff) und einige
ihrer Zeitgenossen (wie etwa Goethe und Jean Paul)
beschäftigten sich nicht nur in ihren Texten mit
anthropologischen Themen, Problemen und Fragestellungen und
zwar in deutlicher Abhängigkeit von den Ansichten und
Einsichten der Fach-Anthropologen. Es ging schließlich um
das Thema der Literatur: den Menschen. Eine bisher nicht
vorliegende umfassende Rekonstruktion der romantischen
Anthropologie als wichtigem Kontext romantischer Literatur
wird also entscheidend zum besseren Verständnis der
literarischen Texte dieser Zeit beitragen.
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Widmungsblatt Alexanders von Humboldt an Goethe, 1807: Der Genius der Poesie (Apollo) enthüllt das verschleierte Bild der Natur, dargestellt als Göttin Artemis von Ephesus.Kupferstich nach einer Vorlage von Bertel Thorwaldsen. |
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Wir danken für die Hilfe und für das in uns gesetzte Vertrauen! |
Diese Seite wurde erstellt von Uli Wunderlich, überarbeitet von Manfred Engel. Bei Fragen und Unklarheiten wenden Sie sich bitte an den Projektleiter: Prof. Dr. Manfred Engel.
FR 4.1 - Germanistik /
Universität des Saarlandes
Letzte Überarbeitung:
26.07.2003 (me)