KulturLiteratur
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Call for Papers für eine neue Buchreihe
Poetogenesis. Studien und Quellen zur empirischen Anthropologie der Literatur
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Der Weg der Literaturwissenschaft im letzten halben Jahrhundert führte von der Werk- zur Diskursimmanenz. Die Anbindung an die Sozialgeschichte blieb Episode, weil sie teils ein neutraler Name für marxistisch inspirierte Kapitalismus-Kritik, teils positivistische Durchforstung des Umraums von Literatur blieb und nur bis ins Zentrum des Literarischen reichte. Die neuerdings vollzogene Wendung zur Kulturwissenschaft könnte hier Abhilfe schaffen – allerdings nur, wenn sie sich nicht durch die beiden Dogmen von der Kultur als Text und des »il n'y a pas de hors-texte« selbst fesselt und zur Diskursimmanenz verurteilt. Die neue Reihe setzt dem entgegen: »il y a un hors-texte«. Literatur wird eingestellt in das Geflecht von Bedingungen und Funktionen, das sie ermöglicht und erzwingt. Das Programm einer empirischen Anthropologie der Literatur bedarf jedoch weiterer Erläuterung: Das Beiwort ›empirisch‹ signalisiert keine Einschränkung auf jene Prozeduren kontrollierter Beobachtungen, wie sie in den empirischen Humanwissenschaften üblich sind. Es betont jedoch, dass die verwendeten Kategorien sich der Kontrolle durch intersubjektiv vermittelbare Erfahrung aussetzen sollten. ›Anthropologie der Literatur‹ meint den ganzen Kontext der menschlichen Aktivität des Literarischen: Sowohl psychische als auch soziale Faktoren, die in Korrelation zum Literarischen zu setzen sind. Daraus ergibt sich ein starker interdisziplinärer Akzent, und zwar bis hin zu den Naturwissenschaften, insbesondere zur biologischen Anthropologie, zur Humanethnologie und zur Evolutionären Psychologie. Die biologisch ausgerichtete Analyse protopoetischer Formen und poetogener Strukturen etwa fragt nach den evolutionären Dispositionen, auf denen sie aufruhen, die sozialgeschichtliche Analyse nach den kulturellen Faktoren, die die konkreten historischen Manifestationen dieser Dispositionen bestimmen.
Die Reihe wird allen
Unternehmungen offenstehen, die
Literatur und Kunst im
Wechselspiel mit ihrem biologischen
und/oder kulturellen Kontext untersuchen und damit
die Grenzen bloßer Diskursimmanenz überschreiten. Beitragsangebote
sind an einen der drei Herausgeber zu richten; Angaben zu bereits
erschienenen Bänden finden sich auf der Homepage:
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Prof. Dr. Karl Eibl, Ludwig-Maximilians-Universität München, Institut für Deutsche Philologie, Schellingstraße 3 RG, 80799 München; E-Mail: karl.eibl@lrz.uni-muenchen.de Prof. Dr. Manfred Engel, Universität des Saarlandes, FR 4.1 – Germanistik, Postfach 15 11 50, D-66041 Saarbrücken; E-Mail: manfred.engel@mx.uni-saarland.de Prof. Dr. Rüdiger Zymner, Bergische Universität-Gesamthochschule Wuppertal, Allgemeine Literaturwissenschaft, Gaußstr. 20, D-42097 Wuppertal; E-Mail: zymner@uni-wuppertal.de |