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KulturPoetik

Zeitschrift für kulturgeschichtliche Literaturwissenschaft

Journal for Cultural Poetics

Band 4 (2004), Heft 2

Rezension

 

V&R

 

Karl Eibl

Evolutionäre Ästhetik

 

(1) Eckart Voland/Karl Grammer (Hg.), Evolutionary Aesthetics. Berlin, Heidelberg u.a.: Springer Berlin 2003. 377 S. –

(2) Winfried Menninghaus, Das Versprechen der Schönheit. Frankfurt/M.: Suhrkamp 2003. 386 S. (3) Martin Scharfe, Menschenwerk. Erkundungen über Kultur. Köln u. a.: Böhlau 2002. 387 S.

 

 

Die Evolutionstheorie als eine empirisch basierte Supertheorie(1) hat in den letzten Jahren eine Renaissance bei der Erklärung menschlichen Verhaltens erlebt. Mit Erklärungen der ästhetischen Präferenzen in diesem Rahmen befassen sich zwei Bücher, die im Jahr 2003 erschienen sind. Sie stammen aus ganz unterschiedlichen Wissenschaftsmilieus und sollen hier wegen ihrer grundsätzlichen Aspekte behandelt werden: Der Sammelband Evolutionary Aesthetics, herausgegeben von Eckart Voland und Karl Grammer, und die Untersuchung Das Versprechen der Schönheit von Winfried Menninghaus. Das erste Buch gibt eine Art Zusammenfassung der gegenwärtigen Überlegungen und Resultate der evolutionsbiologisch angeleiteten Ästhetik aus deren eigener Sicht, das zweite enthält einen kritischen Überblick solcher Versuche aus geisteswissenschaftlich-hermeneutischer Sicht.

  

1. Darwin und die Schönheit

 

Charles Darwin entwickelte in seinem zweiten Hauptwerk Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl die ›geschlechtliche‹ Zuchtwahl als den zweiten großen Evolutionsfaktor neben der ›natürlichen‹(2) Zuchtwahl und erklärte mit diesem zweiten Entwicklungsfaktor die Entstehung scheinbar zweckloser, ›schöner‹ Eigenschaften. Immer wieder angeführter Musterfall ist das Rad des männlichen Pfaus, das sich offenbar nicht der Selektion nach Überlebensgesichtspunkten verdankt, sondern der Vorliebe der Pfauenweibchen, die wiederum dadurch verstärkt wird, dass die Verbindung mit ›schönen‹ Pfauenmännchen die Verbreitung der eigenen Gene (und damit auch dieser Vorliebe) fördert. 

Ansatzpunkt für solche Entwicklungen ist der Dimorphismus zweigeschlechtlicher Wesen. Eine komplementäre Gestaltung der primären Geschlechtsorgane ist funktional unerlässlich für die Durchführung der Begattung. Bei den sekundären Geschlechtsorganen dient die unterschiedliche Gestaltung dem schnellen Erkennen potentieller Geschlechtspartner und verschafft entsprechende Fortpflanzungsvorteile. Aber Darwin widmete der geschlechtlichen Zuchtwahl der Insekten, Fische, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere weit mehr Aufmerksamkeit als der des Menschen. Fast möchte es scheinen, dass er hier ein Problem umgeht. Denn bei der Behandlung des Menschen schiebt sich ihm unter der Hand ein etwas anderer Schönheitsbegriff in den Sinn. Wenn er vom Schönheitssinn der Tiere schreibt, dann ist immer die Attraktivität des (jeweils) ›schönen‹ Geschlechts für den werbenden Partner gemeint. Anders beim Menschen. Zwar hebt Darwin noch an: »Der Geschmack für das Schöne, wenigstens soweit weibliche Schönheit in Betracht kommt, ist im menschlichen Bereich nicht von spezifischer Beschaffenheit [is not of a special nature], denn er wechselt sehr stark bei den verschiedenen Menschenrassen und ist auch bei verschiedenen Völkern derselben Rasse nicht immer gleich«, aber dann ist gar nicht mehr von sexueller Attraktion die Rede: »Zweifellos ist kein Tier fähig, z. B. den nächtlichen Himmel, eine schöne Landschaft oder kunstvolle Musik zu bewundern, sondern ein so hoher Geschmack wird durch Kultur erworben und hängt von komplizierten Gedankenverbindungen ab; Naturvölker oder ungebildete Leute empfinden daran ebenfalls keine Freude«.(3) Das ist eine sozusagen empirisch-positivistische Formulierung. Aber wie es dazu kommt – wie es  überhaupt dazu kommen kann, dass gebildete Engländer hier anders empfinden als der große Rest der Lebewesen, bleibt unerörtert.

Darwin war also, was den menschlichen Schönheitssinn angeht, eher Kulturist als Biologist. Der Mensch, so meinte er, zeichne sich gegenüber den Tieren durch ein »unbestimmtes Schönheitsgefühl« (»undefined sense of beauty«) aus. Das wäre eine Kompromissformel, mit der zumindest die Gebildeten unter den Verächtern der biologischen Perspektive auch heute noch leben könnten (sie mögen sich dabei auch an Arnold Gehlens Theorem vom instinktunsicheren Mängelwesen erinnert fühlen): Dass der Mensch ein Produkt der Evolution ist, werden sie sich zumuten lassen, so lange nur mit der ›Unbestimmtheit‹ des Schönheitssinnes ein Reservat für kulturellen Relativismus oder Kunstmetaphysik erhalten bleibt. Aber gerade wenn man eine solche qualitative Andersartigkeit des Schönheitssinnes der Menschen postuliert, drängt sich die Frage auf: Woher kommt dieser Schönheitssinn überhaupt und warum ist er ›unbestimmt‹?

  

2. Evolutionary Aesthetics

 

Der Band Evolutionary Aesthetics tendiert eher zu der Auffassung, dass auch der Schönheitssinn der Menschen ›bestimmt‹ ist, d. h. durch ganz bestimmte Schlüsselreize angeregt wird, deren Verarbeitung sich durch evolutive Nützlichkeit auszeichnete. Das Buch ist die Frucht eines Kolloquiums, das im April 2001 vom Konrad Lorenz Institut für Evolution und Kognitionsforschung in Altenberg, Österreich, veranstaltet wurde und Vertreter der neueren Humanethologie, der Soziobiologie und der Evolutionären Psychologie zusammenbrachte. – Es sind drei Ansätze, die man hier identifizieren kann. Ich gruppiere sie unter die Stichworte Nützlichkeit, Handicap und Gestalt.

Nützlichkeit. Den ersten Ansatz könnte man den unmittelbar utilitaristischen nennen. Vertreten wird er u. a. vom programmatischen Leitaufsatz des Bandes, Randy Thornhills Darwinian Aesthetics Informs Traditional Aesthetics.(4) – Ob die Darwin-Ästhetik, wie Thornhill sie versteht, tatsächlich einige Rätsel der traditionellen Ästhetik lösen kann, darf man bezweifeln. Schon wenn mehrere Philosophen über ›das Schöne‹ sprechen, stellt sich die Frage, ob nicht jeder von ihnen sein eigenes Definitionsprodukt meint, das mit den Definitionsprodukten der anderen wenig zu tun hat. Wenn nun gar noch die ›Aesthetics‹ einer empirisch-nomologischen Wissenschaft eingemischt werden, ist es jedenfalls sehr wichtig, den Gegenstand genau zu bestimmen, damit man weiß, wovon der andere überhaupt spricht. Thornhill zieht zur Definition eine Äußerung von Donald Symons heran: »Alle Adaptationen sind ästhetische Adaptationen, weil alle Adaptationen in irgendeiner Weise mit der Umwelt, der inneren oder der äußeren, interagieren und bestimmte Zustände anderen vorziehen«. »Ästhetisch« in diesem Sinne sei auch die Regel: »Bevorzuge einen bestimmten Blutdruck«. Damit aber sind wir vom Begriff des Schönen, wie er seit Plato die Philosophie anregt, ziemlich weit entfernt. Zielt man von hier aus z. B. auf die Kantische Ästhetik, dann trifft man dort nicht auf das ›Schöne‹, sondern eher auf das ›Angenehme‹, das Kant strikt vom Schönen unterschieden wissen wollte.

Im Sinne der Evolutionsbiologie wäre das Schöne also schlicht das reproduktiv Nützliche, so weit wir quasi automatisch eine Vorliebe dafür empfinden, und diese Vorliebe, der Schönheitssinn, wäre Bestandteil der Fitness. Es leuchtet ja ein: Individuen, die das reproduktiv Nützliche tun, vermehren sich und damit die dafür zuständigen Gene stärker als andere Individuen. Und wenn sie das reproduktiv Nützliche automatisch, ›instinktiv‹ tun, ohne lange nachdenken zu müssen (falls sie das überhaupt könnten), dann ist das gewiss ein Überlebens- und Reproduktionsvorteil. Vor allem für zwei Bereiche liegen bereits umfangreichere empirische Studien vor, die von Thornhill referiert und von anderen Beiträgern des Bandes z. T. ausführlicher behandelt werden: für Landschaftspräferenzen und für sexuelle Präferenzen. Dazu kommen Präferenzen für bestimmte Tiere (und korrespondierend dazu Abneigungen), für deren akustisches Verhalten (liebliches Vogelgezwitscher weist zum Beispiel darauf hin, dass die Landschaft fruchtbar ist und keine Raubtiere unterwegs sind), Reaktionen auf Tages- und Jahreszeiten, Reaktionen auf Statusmerkmale und insgesamt soziale Szenarios, Wohlgefallen an Handwerks- und Ingenieurleistungen, Nahrungspräferenzen, Ideen-Präferenzen.

Die Beispiele Landschaft und Körper seien etwas genauer betrachtet. Für unsere nomadisierenden Vorfahren war es sicher von großem Vorteil, potentielle Rast- und Siedlungsplätze ohne langes Abwägen intuitiv aufzuspüren. Da versteht es sich fast von selbst, dass unsere künstlich hergestellten Siedlungsumgebungen und die Landschaftssujets der Malerei gewisse stereotype Merkmale aufweisen: Vorhandensein von Wasser, großen Bäumen, halboffene Räume, mäßige bis hohe Komplexität und ähnliche Eigenschaften sind namhaft gemacht und erfolgreich empirisch geprüft worden (dazu speziell der Beitrag von Bernhart Ruso, LeeAnn Renninger und Klaus Atzwanger: Human Habitat Preferences: A Generative Territory for Evolutionary Aesthetics Research). Etwas heikler ist es um die körperliche Schönheit bestellt. Zwar wird man offenkundige Anzeichen von Krankheit oder Schwäche in allen Kulturen eher als ›hässlich‹ einschätzen. Beliebt ist ein symmetrischer Körperbau – auch hier wohl deshalb, weil stärkere Asymmetrien auf Entwicklungsstörungen hindeuten. Auch das Vorhandensein der sekundären Geschlechtsmerkmale dürfte zu den Essentials gehören, wenngleich es da schon Unterschiede in der Wertschätzung gibt.  Im Detail gibt es sowohl bei den Befunden als auch bei deren Erklärung noch manche Unklarheit. Die weiblichen Brüste z. B. sind außerhalb der Stillzeit überflüssig; Schimpansinnen haben dergleichen nicht. Zeitweise als universales Ideal weiblicher Schönheit angesehen wurde eine ›Waist-to-Hip Ratio‹, d. h. ein Verhältnis Bauch-/Gesäßumfang, von 0,7 oder weniger (also das Sanduhr-Ideal); da der weibliche Körper in der Pubertät zunächst nur an den Hüften Fett ablagert, ist das ein Zeichen von Geschlechtsreife und Jugend. Allerdings hat man inzwischen in abgelegenen (fernseh- und Playboyfreien) Weltgegenden auch Völker gefunden, die eher ein Verhältnis von 0,9 oder gar 1,0 bevorzugen, also dem Ideal der Walze anhängen … (dazu der Beitrag von Uta Skamel: Beauty and Sex Appeal: Sexual Selection of Aesthetic Preferences). Es müssen da noch andere Faktoren am Werke sein (die sich vielleicht ebenfalls evolutionär erklären lassen). – Insgesamt aber laufen die Befunde gleichwohl darauf hinaus, dass das Schöne das Nützliche ist, das sich im Laufe der Stammesgeschichte so weit automatisiert hat, dass es zu instinktiv nützlichem Handeln anleitet.

Handicap-Prinzip: Es gibt aber auch evolvierte Eigenschaften, die auf Anhieb unnütz, ja sogar schädlich erscheinen. Wir sind beim oben erwähnten Musterbeispiel der geschlechtlichen Zuchtwahl, dem Pfauenschwanz. Solche Eigenschaften können mit einem zusätzlichen Argument ebenfalls in den Nützlichkeitsansatz eingeholt werden, und deshalb spreche ich vom paradox utilitaristischen Ansatz. Das Zusatzargument ist das ›Handicap-Prinzip‹ (dazu speziell der Beitrag von Eckart Voland: Aesthetic Preferences in the World of Artifacts – Adaptations for the Evaluation of ›Honest Signals‹).(5) Es besagt, dass die offenkundige Beeinträchtigung durch eine Behinderung gerade als Ausweis der sonstigen Vitalität dienen kann. Ein gesunder Pfauenhahn kann es ›sich leisten‹, ein so hinderliches und auffälliges Ding wie seinen Schwanz zu tragen. Es signalisiert die ganz besondere Vitalität der Individuen, indem es sie unter besonders starken Selektionsdruck setzt. Schon kleine Beeinträchtigungen – Krankheit, Parasitenbefall – machen sie zu Opfern von Raubfeinden oder beeinträchtigen zumindest das Erscheinungsbild, so dass nur besonders vitale Exemplare für die Fortpflanzung übrig bleiben. Das ist eine sehr riskante Strategie, aber da der Pfauenhahn nur zur Begattung, nicht zur Aufzucht benötigt wird, genügt ein Hahn für viele Hennen: Der Selektionswert des Verfahrens hat anscheinend seine Verluste aufgewogen. Gleichwohl ist die Strategie nur erfolgreich – so lange sie erfolgreich ist. Megaloceros giganteus, ein pleistozäner Riesenhirsch mit einer Geweihspannweite von bis zu fünf Metern, hat es anscheinend übertrieben und ist ausgestorben.

Von einigen Anthropologen wird dieser Mechanismus sogar als die Grundlage jeder Kultur eingeschätzt: Geoffrey Miller hat den Ursprung der Kultur in  der weiblichen Wahl der geschicktesten Handwerker, Geschichtenerzähler usw. gesehen. Im vorliegenden Band ist diese Perspektive vertreten durch Steven Mithen: Handaxes: The First Aesthetic Artefacts. Anderthalb Millionen Jahre haben unsere Vorfahren nach immer demselben Prinzip Faustkeile hergestellt. Am Ende des Zeitraumes werden sie so kunstvoll, dass man eine Art von ästhetischem Überschuss annehmen kann. Miller/Mithen meinen, unsere männlichen Vorfahren hätten mit solchen ›Kunstwerken‹ unseren weiblichen Vorfahren gezeigt, wie geschickt sie sind, und die geschicktesten von ihnen wurden von den Weibchen zur Aufzucht weiterer Frühmenschen ausgewählt. Es würde sich demnach um eine mildere Version des Handicap-Prinzips handeln: Man entwickelt zwar nicht schädliche Eigenschaften, aber produziert doch ›ästhetische‹ Überschüsse (die unter strengen Rationalisierungsgesichtspunkten jedenfalls eine schädliche Verschwendung sind), um seine Vitalität zu zeigen.

Gestalt: Noch ein dritter Ansatz ist in dem Buche vertreten, und zwar einer, der eher an die ›deutsche‹ Humanethologie, insbesondere an Irenäus Eibl-Eibesfeldts Beobachtungen, anschließt: Christa Sütterlins From Sign and Schema to Iconic Representation. Evolutionary Aesthetics of Pictorial Art. (Einem ähnlichen Ansatz folgt Richard C. Coss, The Role of Perceptual Biases in Art and Design). Sütterlin  bewegt sich in der Nähe der Gestaltpsychologie und fragt nach den biologischen Voraussetzungen unserer visuellen Strukturierung der Welt. Es geht dabei vor allem um die sensorischen und kognitiven Schemata oder ›Gestalten‹, mit denen wir unsere Wirklichkeit strukturieren oder konstruieren. Sie liegen zum Teil auf einer anderen, allgemeineren Ebene als die spezifizierten Schlüsselreize, können als angeborene Gestalterwartungen aufgefasst werden, als phylogenetische Abstraktionen, mittels derer wir die Komplexität unserer Sinneswahrnehmungen nach evolutiv bewährten Maßgaben reduzieren. Das sind z. B. formale Elemente wie Symmetrieerwartung oder Wiederholungserwartung, aber es geht auch wieder recht weit hinein in die Synthetisierung von mimetischen Bildern, für die man gleichwohl angeborene Dispositionen vermuten darf, etwa Augen- und Gesichtsattrappen oder das bekannte Kindchenschema. Mir scheint, dass dieser Ansatz für die Interessen der Kultur-, Kunst-, Literaturwissenschaftler der fruchtbarste sein könnte, weil er ganz konkret auf das Material führen kann, aus dem Kunst ›gemacht‹ wird. Allerdings wäre die aus der traditionellen Gestalttheorie stammende Fixierung auf visuelle Beispiele zu überwinden und zum Beispiel auch nach erzählerischen oder akustischen angeborenen ›Gestalten‹  zu fragen.

Es ist auffällig, dass die evolutionäre Ästhetik sich bisher weitgehend auf das Naturschöne beschränkt hat und einen starken Schwerpunkt bei visuellen Eindrücken hat. (Immerhin, die Fühler werden schon bis zur Evolution der olfaktorischen Wirkungen ausgestreckt: Manfred Milinski; Perfumes). Das entspricht der von Thornhill ausgesprochenen Einschränkung auf Attraktivität im Zusammenhang von Überleben und Fortpflanzen. Bezeichnend, dass ein Beitrag der Evolutionary Aesthetics den biologischen Dispositionen zur weiblichen Untreue gilt. (Randy Thornhill und Steven W. Gangestad; Do Women have Evolved Adaptation for Extra-Pair Copulation?). Das einfache Gemüt fragt sich da, was das mit Ästhetik zu tun hat. Die Antwort lautet: »Women’s EPC [Extra-Pair-Copulation] behavior involves olfactory and visual judgements, salient areas of aesthetic valuation« – eine durchaus konsequente Anwendung von Thornhills Definition der Aesthetics, aber schon dann nicht sehr befriedigend, wenn man nur an Darwins eigene Beispiele denkt. Der hatte doch neben der Landschaft, auch den nächtlichen Himmel und gar kunstvolle Musik genannt. Ich will nicht leugnen, dass gelegentlich auch das Erlebnis des nächtlichen Himmels oder die Wahrnehmung kunstvoller Musik fortpflanzungsfördernd sein oder die Neigung zu weiblichen ›Extra-Pair‹-Aktivitäten anregen mögen – aber eben nur gelegentlich.

Ein Schritt ins Kunstschöne (oder -hässliche) ist von dieser Position aus nur da mühelos zu vollziehen, wo das Kunstschöne als einfache Mimesis des Naturschönen auftritt – in der bildnerischen Akt- oder Landschaftsdarstellung. Aber selbst das ist nicht problemlos. Olaf Breidbach hat in seinem Beitrag The Beauties and the Beautyful – Some Considerations from the Perspective of Neuronal Aesthetics betont: Wären die ›Aesthetics‹ auf die bloße Wahrnehmung oder Mimesis einzuschränken, dann würde der biologische Zugriff ausreichen. Wenn sie aber etwas mit Kognition zu tun haben, dann mischt sich das kulturelle Element ein, und zu den sinnlichen Eindrücken tritt auch deren Interpretation hinzu. Einer minimalistischen Definition der Aesthetics in der Art der Thornhillschen bleibt das verschlossen. Ehe ich auf einen anderen Zugang hinweise, der auch Literatur und Musik evolutionär erschließen könnte, will ich jedoch einen Blick auf ein bemerkenswertes Buch aus der Feder eines Literaturwissenschaftlers werfen.

  

3. Das Versprechen der Schönheit

 

Winfried Menninghaus’ Das Versprechen der Schönheit ist die erste umfangreiche Rezeption der evolutionären Ästhetik durch einen deutschen Literaturwissenschaftler – eine anregende Begegnung der ›two cultures‹ schon deshalb, weil Menninghaus den derzeitigen Stand der evolutionären Ästhetik gründlich und ernsthaft zur Kenntnis genommen hat.(6) (Die gelegentlich spürbare Verärgerung oder Belustigung darüber, wie waghalsig evolutionäre Psychologen zuweilen von bescheidensten empirischen Befunden zu kühnsten Verallgemeinerungen schreiten, kann man nachempfinden.) Es sind zwei umfangreiche Kapitel seines Buches, die der Aufarbeitung dieser Ästhetik gewidmet sind: Eines über Darwins Ästhetik und eines über die neueren Tendenzen Darwinistischer Ästhetik. Kernthema dieser Aufarbeitung ist ein, wie Menninghaus meint, fundamentaler Unterschied zwischen der darwinistischen und der ›neo-darwinistischen‹ Ästhetik.

Als ›neo-darwinistisch‹(7) rubriziert Menninghaus die (soziobiologischen, evolutionspsychologischen) Versuche, den Unterschied zwischen natürlicher und geschlechtlicher Zuchtwahl mittels des Handicap-Prinzips aufzuheben oder einzuebnen. Menninghaus beobachtet diese Bemühungen mit Skepsis. Er stützt sich auf Darwins eigenes Eingeständnis, »dass ich in den ersten Ausgaben meiner Entstehung der Arten der Wirksamkeit der natürlichen Zuchtwahl oder des Überlebens des Passendsten vielleicht [Original: probably] zuviel zugeschrieben habe«. Inzwischen, so schreibt Darwin, sei er überzeugt, dass »alle organischen Wesen mit Einschluss des Menschen Baueigentümlichkeiten besitzen, die ihnen weder jetzt noch früher von Nutzen sind oder waren«.(8) Anderseits sei er aber auch »überzeugt, dass sehr viele Bildungen, die jetzt nutzlos erscheinen, sich später als nützlich herausstellen und daher der natürlichen Zuchtwahl anzureihen sein werden«.(9) Das ist eine Spannung, die bis in die Diskussionen der Gegenwart reicht. Während die soziobiologische Orthodoxie der zweiten Überzeugung folgt, dass nämlich auch Produkte der geschlechtlichen Zuchtwahl letztlich der natürlichen Zuchtwahl zu verdanken sind, gibt es eine starke, publizistisch sehr wirksame ›linke‹ Opposition um Autoren wie Stephen J. Gould, Steven Rose oder Richard Lewontin, die diese Position als ›Panadaptionismus‹ ablehnt und die Bedeutung evolutionärer Nebenprodukte (by-products) für die Entstehung von Kultur oder zumindest von Kunst (Steven Pinker)  hervorhebt. Leider kommen diese Autoren und damit auch die entsprechende gegenwärtige Diskussion bei Menninghaus nicht vor, obwohl er sich ganz in ihrer Nähe bewegt.

Menninghaus setzt auf die ›runaway‹-These.(10) Diese These setzt bei Darwins ›geschlechtlicher‹ Zuchtwahl auf und besagt, dass durch den Selbstverstärkungseffekt – Weibchen wählen nach einem Kriterium, das durch diese Wahl vermehrt weitergegeben wird (sexy sons hypothesis) – bestimmte evolutionäre Tendenzen ›zwecklos‹ verstärkt werden. Das (Natur-)Schöne wäre damit tatsächlich in einem Raum der ›Interesselosigkeit‹ anzusiedeln. Freilich nicht nur das Schöne: Der Wasserläufer (Gerris lacustris) zwingt das widerstrebende Weibchen zur Paarung, und zwar mittels eines eigens dafür ausgebildeten Greifhakens. Die Weibchen wiederum haben am Unterleib einen Stachelpanzer entwickelt, der diese Zugriffe erschwert. Das hat sich aufgeschaukelt in einer geschlechtlichen ›runaway‹-Selektion auf beiden Seiten. Das ›Handicap‹ besteht nun in der Abwehr durch das Weibchen, die nur die kräftigeren Männchen zum Zuge kommen lässt und aufs Ganze der Genoptimierung gesehen einen ähnlichen Effekt hat wie die Wahl des/der Schönsten, ohne dass man hier irgendwo Schönheit oder Wahl entdecken könnte. 

Menninghaus’ Versuch, die These einer irgendwie autonomen Entstehung von Schönheit gegenüber den neo-darwinistischen Vereinheitlichungswünschen der Biologen zu retten, macht die Differenzlinie bei der Begegnung der ›zwei Kulturen‹ sichtbar. Naturwissenschaftlich orientierte Forscher wählen von den eben genannten zwei Vermutungen Darwins selbstverständlich die, dass »sehr viele Bildungen, die jetzt nutzlos erscheinen, sich später als nützlich herausstellen« werden. Das heißt: Sie trachten danach, die geschlechtliche Zuchtwahl als gleichberechtigte Konkurrenztheorie zu liquidieren und auf das Prinzip der natürlichen Zuchtwahl zu reduzieren. In den Geisteswissenschaften gilt ›Reduktionismus‹ als Schimpfwort, in den Naturwissenschaften bezeichnet es das ganz selbstverständliche Forschungsprogramm des Erklärens durch Zurückführen auf immer basalere Mechanismen.

Die hermeneutisch prozedierenden Geisteswissenschaften, wie immer man sie begründen mag, finden ihre Raison im nachvollziehenden Ausschreiten von Begriffsräumen. Die zeitliche Sukzession hat da eher zufälligen Charakter, und vor allem: Sie hat allenfalls in Ausnahmefällen etwas mit Erkenntnisfortschritt zu tun. Entsprechend hat auch eine Figur wie Darwin in naturwissenschaftlichen und in hermeneutischen Zusammenhängen ganz unterschiedliche Funktion. Für die Naturwissenschaftler ist Darwin ein gewiss ehrwürdiger Ahn, den man bei Festreden zitiert wie Galilei oder Newton, der aber im Rahmen aktueller wissenschaftlicher Fachdebatten, die auf Erkenntnisfortschritt zielen, keine Rolle mehr spielt. Er ist ganz einfach ›aufgehoben‹ im Prozess des zwischenzeitlichen Erkenntnisgewinns. Die hermeneutischen Unternehmungen hingegen, die sich in letztlich synchronen Begriffsräumen bewegen, brauchen markante Punkte, die verhindern, dass man sich verirrt oder fremd fühlt. Diese markanten Punkte  sind die großen, kanonischen Namen – Namen von Werken, von Motiven, von Personen. Da ist es in der Tat wenig hilfreich, Ephemeriden wie Gould, Rose oder Lewontin zu zitieren. Darwin hingegen hat einen hohen Markierungswert, und ein Gedanke, der mit ihm verknüpft wird, hat eine gute oder jedenfalls bekannte Adresse.

Und nicht nur Darwin. Auch Freud wird wieder einmal benutzt. Mit Recht hatte Menninghaus betont: »Die strukturelle Desynchronisierung zwischen archaischen Dispositionen und radikal veränderter Umwelt unterscheidet die menschliche Sexualität prinzipiell von den Gegebenheiten der Tierwelt« (S. 193). Da soll nun die Freudsche Sublimierungstheorie – ach nein, eigentlich nicht weiterhelfen, auch kein Problem lösen, sondern als bekannte Mythe zu Markierungszwecken verwendet werden. Und den weitesten Rahmen markiert bei Menninghaus schließlich die Adonis-Mythe, die Geschichte vom schönsten aller Männer, dem zugleich allerlei Vitalitätsdefizite nachgesagt wurden und der sich deshalb – jedenfalls in Menninghaus’ Deutung – ideal zur Verkörperung der Ambivalenz von Schönheit und Defekt eignet. Das biegt sich dann wieder zurück zum Pfau und dessen Lebensuntüchtigkeit, die gleichwohl durch Geschmackswahl bestätigt und verstärkt wird. Es wird deutlich, weshalb Menninghaus die Darwinsche geschlechtliche Zuchtwahl nicht auflösen mag: Nur so ist die paradoxe und faszinierende Verknüpfung der Schönheit mit mangelnder Vitalität als Konsens-Gedanke bis hinein in die Biologie zu halten und die beruhigende hermeneutische Position zu gewinnen, dass alles schon immer gleich bekannt und rätselhaft war – und bleibt.

  

4. Problemverschiebung

 

Das Problem, das Freud bei Menninghaus markieren soll, ist das des Neudesigns biologischer Dispositionen unter Kulturbedingungen.(11) Die Freudsche Psychoanalyse hatte vielleicht wirklich das gleiche Referenzproblem; aber indem sie quasi abschließend mit mythisch strukturierten Erzählungen darauf reagierte, hat sie eher als Forschungshemmnis gewirkt.

Gewiss noch auf biologischer Ebene wäre aber nach einer Eigentümlichkeit der Aesthetics zu fahnden, die weder im Aesthetics-Band noch bei Menninghaus die Beachtung gefunden hat, die sie verdient hätte: Ungeklärt, ja ungestellt bleibt die Frage, wie und weshalb bestimmte Auslöser von Wohlgefallen (oder Missfallen) überhaupt aus den zugehörigen Programmen herausgelöst werden können und entsprechende Emotionen auslösen, nicht aber entsprechende Handlungen. Schon das Wohlgefallen an mimetischen Wiederholungen von Reizen im Medium der Kunst (Aktmalerei, Landschaften) ist ja erklärungsbedürftig. Ein nackter Körper, eine idyllische Landschaft oder auch ein angreifender Löwe aus Ölfarben auf einer Leinwand wären grobe und evolutiv womöglich verhängnisvolle Irreführungen, wenn wir nicht die Fähigkeit hätten, natürliche Reize in Kunstwerken zu genießen und gleichwohl Natur und Kunst zu unterscheiden. Neben den normalen adaptativen Reaktionen muss es einen Mechanismus geben, der ein Aushängen der Schlüsselreize aus ihren Programmen ermöglicht, und dieser Mechanismus muss zugleich so beschaffen sein, dass lebensgefährliche Verwechslungen von Fiktion und Wirklichkeit verhindert werden. Erst das Vorhandensein dieses Mechanismus macht die Verwendung biologischer ›Materialien‹ im Bereich der Kunst überhaupt möglich. Zur Klärung dieser Fragen gibt es bereits vielversprechende Ansätze.

Die theoretisch anspruchsvollsten Stellungnahmen zu Grundsatzproblemen der Evolutionären Psychologie überhaupt und zu Fragen einer evolutionären Ästhetik stammen von Leda Cosmides und John Tooby. Sie sind von Evolutionary Aesthetics kaum und von Menninghaus noch gar nicht zur Kenntnis genommen worden. Das ist kein Vorwurf: Der bisher einzige Aufsatz mit expliziter Nennung des Ästhetischen im Titel Does Beauty Build Adapted Minds? ist erst 2001 erschienen, an einer Stelle, die weder für Evolutionsbiologen noch für deutsche Literaturwissenschaftler zur Handbibliothek gehört.(12) Aber auch die früheren Arbeiten können bei der grundsätzlichen Orientierung sehr hilfreich sein.(13) Jedenfalls erscheint es mir unerlässlich, im vorliegenden Zusammenhang auf zwei grundlegende Gedanken im Beauty-Aufsatz hinzuweisen, die relevant sind für eine biologisch informierte Ästhetik und mit deren Hilfe weitergedacht werden kann:

Der erste Gedanke: Tooby/Cosmides unterscheiden einen Funktionsmodus (functional mode) und einen Organisationsmodus (organizational mode), in denen unsere Adaptationen operieren. Im Funktionsmodus werden die jeweils zugehörigen Leistungen in realen Lebenssituationen erbracht: Der Funktionsmodus ist direkt überlebens- und fortpflanzungsdienlich. Der Organisationsmodus hingegen begründet eine Art Leerlauf unserer Adaptationen. Im Organisationsmodus lernt und übt der Organismus, stimmt er die verschiedenen Adaptationen aufeinander ab. Es ist das, was unter dem Begriff des Spiels schon oftmals bedacht, aber selten auf seine biologischen Grundlagen zurückverfolgt wurde. Während der Funktionsmodus durch den Erfolg bestätigt und prämiert wird, braucht der Organisationsmodus einen anderen Ansporn: Dieser Ansporn ist endokriner Natur, entstammt dem dopaminergen Belohnungssystem. Wir können ihn als ›Lust‹ bezeichnen (Cosmides und Tooby sprechen von ›Aesthetics‹ …). So können die alten Begriffe von Spiel und Lust in neuer, biologischer Interpretation weitergebraucht werden.

Der zweite Gedanke: Er betrifft den Umgang mit Informationen, das »Entkoppeln« (decoupling) von Informationen und Handlungsprogrammen. Wir können Informationen mit Bedingungen versehen, unter denen sie wahr sind bzw. für wahr gehalten werden/wurden. Der Satz: »Jesus wurde von einer Jungfrau geboren«, bekommt einen anderen Status, wenn er eingebettet wird: »Die Christen glauben: ›Jesus wurde von einer Jungfrau geboren.‹« Grundsätzlich ähnliches geschieht, wenn der Satz: »Die Mongongo-Nuss ist essbar«, mit der Bedingung verknüpft wird: »Im Herbst gilt: ›Die Mongongo-Nuss ist essbar‹«. Oder: »Der Fluss fließt zur Quelle zurück« im Gefüge: »Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie der Fluss zur Quelle zurückfloss (und kann es noch immer nicht glauben)«. Dieses Entkoppeln von Informationen ist die Grundlage jeder Hermeneutik, die nicht gleich Horizontverschmelzungen im Sinn hat, aber auch jedes situationsspezifischen Verhaltens. Am Äquator gilt: Es ist sehr warm. Am Nordpol gilt: Es ist sehr kalt. Beiden Wahrheiten kann man sich durch entsprechende Kultur anpassen. Unser ganzes Wissen, so meinen Cosmides und Tooby, sei ein riesiges Lagerhaus von Informationen, die nur unter ganz bestimmten angebbaren Bedingungen wahr sind – oder unter überhaupt keinen Bedingungen: Fiktionen sind nur ein Grenzfall, sie sind Satzsysteme, deren Informationen unter keinen Bedingungen ›wahr‹ sind.

Es sind diese beiden Gedanken, der des Organisations- oder Lustmodus unserer Adaptationen und der des Entkoppelns der Informationen von Verhaltensprogrammen, die meiner Meinung nach als biologische Basis einer Ästhetik im Vollsinne dienen könnten. Das ließe sich dann sogar mit der Kantischen Ästhetik verknüpfen: mit dem ›interesselosen Wohlgefallen‹, das auf der Wahrnehmung von ›Zweckmäßigkeit ohne Zweck‹, d. h. der funktionsentlasteten Selbstwahrnehmung unseres heuristischen Apparates beruht. Natürlich entstehen auch dadurch nur Bausteine, die erst unter Kulturbedingungen für so etwas wie Kunst, d. h. hier für grundsätzlich arbiträre semantische und symbolische Zwecke verwendet werden können.(14) Aber es ist erklärt oder zumindest konzeptualisiert, wie die biologischen Momente überhaupt zu diesem Zweck aus ihren Ursprungskontexten herausgelöst werden können und wie ihr emotionales Appellpotential für die Semantisierungen in kulturellen Kontexten genutzt werden kann

 


Prof. Dr. Karl Eibl,
Ludwig-Maximilians-Universität München, Institut für Deutsche Philologie, Schellingstraße 3 RG, 80799 München; E-Mail: karl.eibl@germanistik.uni-muenchen.de

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This text is protected by copyright. All rights reserved.

Gedruckter Text in: KulturPoetik 4 (2004) H. 2, S. 278-287.

Ins Netz gestellt am: 23.11.2004.

Nähere Informationen finden Sie unter www.kulturpoetik.de.

Die Online-Version ist auch angezeigt im Portal
Lirez – Literaturwissenschaftliche Rezensionen.

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Anmerkungen

(1) Zum Begriff vgl. Niklas Luhmann, Soziale Systeme. Grundriss einer allgemeinen Theorie. Frankfurt/M. 1984, S. 19. [zurück]

(2) Selbstverständlich ist auch die ›geschlechtliche‹ Zuchtwahl ›natürlich‹. Die etwas unglückliche Gegenüberstellung rührt daher, dass der Begriff der ›natürlichen‹ Zuchtwahl ursprünglich aus der Opposition zur ›künstlichen‹ Zuchtwahl (durch die Hand des menschlichen Züchters) gewonnen wurde. [zurück]

(3) Charles Darwin, Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl. Bd. 1. Übersetzt und herausgegeben von Carl W. Neumann. Leipzig o.J. [1921], S. 155 f. [zurück]

(4) Dieser Aufsatz ist eine Leihgabe: Er ist, ohne dass das irgendwo vermerkt wäre,  die fast wörtliche Wiederholung von: Randy Thornhill, Darwinian Aesthetics. In: Charles Crawford/Dennis L. Krebs (Hg.), Handbook of Evolutionary Psychology. Ideas Issues, and Applications. Mahwah, New Jersey, London 1998, S. 543-572. [zurück]

(5) Als Entdecker dieses Prinzips gilt Amotz Zahavi. Jetzt: Amotz Zahavi/Avishag Zahavi, Signale der Verständigung. Das Handicap-Prinzip. Frankfurt/Main 1998. [zurück]

(6) Schon die Titelwahl könnte man als ominös einschätzen. Menninghaus hat natürlich Stendhals »la beauté n’est que  la promesse du bonheur« im Sinn. Thornhill definiert Schönheit »as a promise of function in the environments  in which humans evolved« (S. 10) mit Bezug auf Horatio Greenough  (1805-52), der in den USA als Begründer der Maxime »form follows function« gilt. [zurück]

(7) Eine etwas unglückliche, weil missverständliche Benennung: Als ›Neodarwinismus‹ in einem terminologischen Sinn gilt in der Regel die Konzeption August Weismanns, d.h. die Radikalisierung des Selektionismus um 1900.[zurück]

(8) Darwin (Anm. 3), S. 105 f. [zurück]

(9) Ebd. [zurück]

(10) Locus classicus: Ronald Aylmer Fisher, The Genetical Theory of Natural Selection. Oxford 1930.  [zurück]

(11) Da ich hier etwas scharf zusammenfasse, Menninghaus’ eigene Formulierungen: Freuds »Spekulationen« hätten gegenüber den Überlegungen der Soziobiologie und der evolutionären Psychologie »den mehrfachen Vorteil, (1) an einer se­xuellen Ableitung der ästhetischen Wahrnehmung festzuhalten, (2) die nicht direkt sexuellen Funktionen der ästhetischen Wahr­nehmung von vornherein zu ihren Möglichkeiten zu rechnen, (3) die Emergenz der ästhetischen Wahrnehmung mit der evolu­tionären Entwertung eines zuvor gegebenen Regelkreises korrelieren zu können, (4) nicht in die Dilemmata der Gleichsetzung von Schönheit mit weiblicher Fruchtbarkeit zu geraten und (5) zwanglos vereinbar zu sein mit der heutigen kulturellen Situa­tion eines hypertrophen Schönheitskults bei gleichzeitig stark rückläufiger Fertilität und Fortpflanzungsquote« (S. 215). Abgesehen davon, ob das stimmt: Es wird hier keine Lösung und kein Lösungsweg annonciert, sondern nur die Paraphrase des Problems. [zurück]

(12) Leda Cosmides/John Tooby, Does Beauty Build Adapted Minds? In: SubStance. A Review of Theory and Literary Criticism. 30 (2001) 1+2 (Special Issue: On the Origin of Fictions), S. 6-25. [zurück]

(13) Programmatisch zur Differenz des Environment of Evolutionary Adaptedness (EEA) und gegenwärtiger Lebensverhältnisse: Leda Cosmides/John Tooby, The Past Explains the Present. Emotional Adaptations and the Structure of Ancestral Environments. In: Ethology and Sociobiology 11 (1990), S. 375-423. – Ein Sammelband mit grundlegenden Arbeiten: Jerome Barkow/Leda Cosmides/John Tooby (Hg.), The Adapted Mind. Evolutionary Psychology and the Generation of Culture. New York 1992, S. 555-579. – Entwicklung des Konzepts des ›decoupling‹, auf dem dann auch die Ästhetik basiert: Leda Cosmides/John Tooby, Consider the Source. The Evolution of Adaptations for Decoupling and Metarepresentations. In: Dan Sperber (Hg.), Metarepresentations. A Multidisciplinary Perspective. New York 2000, S. 53-116. [zurück]

(14) Ich habe das selbst jetzt auszuführen versucht in meinem Buch: Animal Poeta. Bausteine der biologischen Kultur- und Kunsttheorie. Paderborn 2004. [zurück]