GASTPROFESSUR EUROPAICUM

 

 
 
 

Gastland 2012-2013: LITAUEN

Litauen (lit. Lietuva) ist ein Staat in Nordeuropa und mit 3 Millionen Einwohnern das größte der drei baltischen Länder. Flächenmäßig ist es ungefähr so groß wie Irland, größer aber als die Niederlande, Belgien, Dänemark oder die Schweiz. Gerne weisen die Litauer darauf hin, dass nach geographischen Abmessungen des nationalen Geografieinstituts Frankreichs der geometrische Mittelpunkt Europas etwas nördlich von der litauischen Hauptstadt Vilnius liegt.


http://www.goruma.de/Wissen/Naturwissenschaft/Landkarten/Europa/litauen_landkarte.html

Litauens Landschaft ist flach, der höchste Punkt mit 293,8 m über dem Meeresspiegel ist der Juozapines Hügel. Das Land ist reich an Flüssen und Seen. Der größte Fluss ist die Memel (lit. Nemunas), die in Weißrussland entspringt und in die Ostsee mündet. Im Tal der Memel ist im Zusammenleben von Litauern, Deutschen, Juden, Polen, Weißrussen und Russen über Jahrhunderte hinweg eine einzigartige Kulturlandschaft entstanden.


Die Memel

Litauen hat gemeinsame Grenzen mit Lettland, Weißrussland, Polen und dem russischen Kaliningradgebiet. Im Westen grenzt Litauen an die Ostsee. Der Meeresanstoss beträgt 100 km.


Litauische Küste

Das Klima Litauens zeichnet sich durch deutlich ausgeprägte Jahreszeiten aus. Das Land befindet sich in einer Übergangszone zwischen dem kontinentalen Klima Osteuropas und dem milden maritimen Einfluss der Ostsee. Die Sommer sind nicht sehr heiss (+17° C) und die Winter nicht allzu kalt (-3/-6° C). Die meisten sonnigen Tage erlebt man an der Küste, insbesondere auf der Kurischen Nehrung, die mit ihren weiträumigen Stränden und riesigen Wanderdünen sowohl unter Einheimischen als auch unter Touristen als beliebtes Reiseziel gilt. Im Jahr 2000 wurde die Kurische Nehrung von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt


Kurische Nehrung im Winter

Vilnius, die Hauptstadt Litauens, präsentiert sich dem Besucher als eine Stadt mit vielen Namen (Wilna, Вильнюс, Wilno, Vilnja, Wilne) und vielen Gesichtern. Sie hat seit ihrer ersten Erwähnung so viele Namen getragen wie ihre Bevölkerung vielsprachig und multiethnisch war. Im Jahr 1323 versandte der litauische Großfürst Gediminas, der einer Legende zufolge der Begründer der Stadt war, einige in Latein verfasste Briefe an den Papst, an verschiedene Ritterorden und bedeutende deutsche Handelsstädte. Darin warb er um Kaufleute, Handwerker und Geistliche für Litauen und besonders für Vilnius ("in civitate nostra regia, Vilna dicta"), indem er ihnen viele Rechte, nicht zuletzt auch Religionsfreiheit, versprach. Die vielen Ethnien und die wechselhafte Geschichte haben ihre Spuren in der Stadt hinterlassen. Als "Jerusalem des Nordens" war Vilnius lange Zeit ein wichtiges Zentrum der jüdischen Kultur und Aufklärung.


Die Altstadt von Vilnius

Erstmals 1323 in den Briefen von Gediminas urkundlich erwähnt, entwickelte sich Vilnius bald zu einem wichtigen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum, was nicht zuletzt seinem kosmopolitischen Charakter zu verdanken ist. Vilnius verfügt über eine der größten Altstädte in Osteuropa, die von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Zahlreiche prachtvolle Bauwerke im Stil des Barock prägen das architektonische Bild der Stadt, kleine Gassen, geräumige Plätze und viele Grünanlagen verleihen der Stadt ein besonderes Flair.


Der große Hof der Universität Vilnius

Mit der 1579 gegründeten Universität ist Vilnius eine der ältesten Universitätsstädte Osteuropas. Vilnius ist katholischer Erzbischofssitz und gilt auch als Stadt der Kirchen: Hier gibt es mehr als 50 Kirchen, sodass man von fast jedem Ort aus in der Stadt mehrere Kirchtürme sehen kann. 2009 wurde Vilnius zur Kulturhauptstadt Europas ernannt.


Die Kirche der Hl. Anna und die Bernhardinenkirche in Vilnius

Die Geschichte Litauens ist eng verbunden mit der Geschichte Russlands, Deutschlands und insbesondere mit der Geschichte Polens. Die erste Erwähnung Litauens findet man in den aus dem Jahr 1009 stammenden Quedlinburger Annalen. Im Jahr 2009 gedachte das Land mit einer großen Tausendjahrfeier seiner ersten schriftlichen Erwähnung. In Vilnius wurde aus diesem Anlass das ehemalige großfürsterliche Palais wiederaufgebaut, obwohl dieses Projekt wegen der fehlenden Originalaufzeichnungen in der litauischen Gesellschaft ziemlich umstritten war.


Die historische Hauptstadt Kernave (UNESCO Weltkulturerbe)

Im Kampf gegen den Deutschen Ritterorden vereinten sich die letzten heidnischen Stämme in Europa zu einem Staat, der sich später auf dem Höhepunkt seiner Macht als Großfürstentum Litauen von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer erstreckte. Als Litauen sich im 14. Jahrhundert durch ein dynastisches Bündnis mit Polen zusammenschloss, war die daraus hervorgehende polnisch-litauische Union der größte Staat in Osteuropa. In der gemeinsamen Republik mit Polen, der Rzeczpospolita, verlor Litauen jedoch zunehmend an Einfluss. 1793 ist Litauen nach mehreren Teilungen der polnisch-litauischen Adelsrepublik für eine lange Zeit von der politischen Landkarte verschwunden.


Galves See und die Wasserburg in Trakai

Seine gesamte Geschichte hindurch ist Litauen eine europäische Wegkreuzung gewesen, an der verschiede kulturelle und politische Mächte aufeinander trafen. Seit dem Ende des 19. Jahhunderts bemühte sich die litauische Nationalbewegung um die Wiederherstellung der eigenen Staatlichkeit. Am 16. Februar 1918 wurde die Erste Litauische Republik gegründet, darauf folgte die wechselnde sowjetische und deutsche Besatzung in den Jahren des Zweiten Weltkrieges. Nach der fast ein halbes Jahrhundert langen sowjetischen Herrschaft erlangte Litauen 1990 infolge der sogenannten Singenden Revolution wieder seine Unabhängigkeit.


Vilnius

Seit 1990 befindet sich Litauen in einem regen politischen und sozialen Transformationsprozess. 2004 wurde es Mitglied der EU und der NATO. Im Oktober 2012 werden in Litauen nach der vierjärigen Regierung der Konservativen neue Parlamentswahlen stattfinden. Im zweiten Halbjahr 2013 wird Litauen die Europaratspräsidentschaft inne haben.


Die Burg in Kaunas

Trotz der Jahrhunderte langen Fremdherrschaft haben die Litauer ihre eigene Kultur mit ihren besonderen Traditionen mühevoll gepflegt. Die Landessprache, das Litauische, zählt zu den altertümlichsten innerhalb der indoeuropäischen Sprachfamilie. Als 1866 der russische Zar das Verbot aussprach, litauische Druckwerke herzustellen, entstanden zahlreiche litauische Druckereien in Kleinlitauen, einem Teil Ostpreußens. Die Bücherträger (lit. Knygnešiai) schmuggelten in höchster Gefahr die gedruckten Bücher, Zeitungen und Zeitschriften über die Memel nach Großlitauen.


Litauisches Dorf

Die Großstädte und kleine Ortschaften in Litauen bieten eine vielfältige Palette von Veranstaltungen, Kalender-, Staats- und Stadtfesten, Volkskunstfestivals und Straßenmärkte. Fragt man einen Litauer nach der traditionellen Kultur seines Landes, wird er zuerst von litauischen Liedern erzählen. Ein Sprichwort sagt, dass die Menschen in Litauen öfter sangen als sprachen. Die Litauer, die nicht gerade für ihr expressives Naturell bekannt sind, konnten durch ihre Volkslieder ein breites Stimmungsspektrum wiedergeben. Als weltweit einmalig sind die litauischen Lieder, die sogenannten "Sutartines", bekannt. In Litauen werden alle fünf Jahre große nationale Gesangs- und Tanzfeste veranstaltet.


Johannistag (Morgentaufest) http://www.main.lt/wiki/images/2/23/Jonines.jpg

In der zeitgenössichen Kunst, nämlich in Theater, Musik, Malerei oder Tanz, sind Traditionen von verschiedenen in Litauen ansässigen ethnischen Kulturen schöpferisch eingebunden. Zahlreiche Künstler aus Litauen sind europa- und weltweit bekannt, so z.B. Theaterregisseure Eimuntas Nekrošius und Oskaras Koršunovas, Fimregisseure Šar?nas Bartas und Ar?nas Matelis, Opernsängerin Violeta Urmana, Klavierspieler Petras Geniušas. Berühmt sind auch litauische Jazzfestivals, die jedes Jahr in Vilnius, Kaunas und Klaipeda stattfinden und an denen Jazzdarsteller aus Litauen und anderen Ländern teilnehmen.


Das Künstlerviertel Uzupis in Vilnius

Basketball gilt in Litauen als Nationalsport Nr.1., häufig wird er als "die zweite Religion des Landes" bezeichnet. Bereits 1937 und 1939 konnten sich litauische Mannschaften bei den zweiten bzw. dritten Europameisterschaften den Titel sichern. Als Litauen nach dem Zweiten Weltkrieg seine Unabhängigkeit verloren hatte, galten die Baskettballspiele der litauischen Mannschaften mit denen der Sowjetunion als eine Art Wiederstand gegen die Besatzung. Nach der wiedergewonnen Unabhängigkeit begann eine neue Ära internationaler Erfolge. Den bislang letzten großen Triumph feierte die litauische Nationalmannschaft 2003 mit dem EM-Sieg.


Basketballarena in Kaunas

Litauen, wie auch jedes andere Land, hat viele Gesichter und zeigt sich jedem Betrachter aus einer anderen Perespektive. Je nach Interessen und Wünschen kann man sich in das Getümmel der Großstädte oder in die Ruhe der Natur verführen lassen, das kulturelle Leben oder zahlreiche andere Freizeitaktivitäten auskosten. Eines steht aber fest: Je besser man das Land samt seiner Geschichte, Kultur und seinem Alltagsleben kennenlernt, desto vielschichtiger und anziehender erscheint es.


Der Stausee in Kaunas

Bilder ©Rūta Eidukevičienė

 
 
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