Übersetzer- und Dolmetscherausbildung: Berufschancen
- Ergebnisse einer Umfrage an der Universität Saarbrücken -

1. Vorbemerkungen

Die vorliegende Untersuchung ist ein Versuch, einen genaueren Überblick über die Berufschancen und das sich wandelnde Berufsbild der AbsolventInnen der Fachrichtung 8.6 Angewandte Sprachwissenschaft sowie Übersetzen und Dolmetschen an der Universität des Saarlandes zu geben. Im Februar 1998 wurde im Rahmen der Fachrichtung eine Fragebogenaktion durchgeführt. Wir hofften, damit auch im Hinblick auf wünschenswerte Verstärkung und Ergänzung von Studieninhalten fundiertere Informationen zu erhalten, um diese dann wieder in die Forschung und Lehre einzubringen, insbesondere auch, um die Beratung der Studierenden während ihres Studienverlaufs verbessern zu können.

Ein besonderes Interesse galt unter anderem den Veränderungen im Berufsbild, z. B. die immer wieder analysierte und kommentierte Verlagerung von der Festanstellung hin zur Freiberuflichkeit bzw. Selbständigkeit. Außerdem versuchten wir, die Fragen so zu formulieren, daß auch diejenigen sich angesprochen fühlten, die nicht berufstätig sind – eine Gruppe, die bislang kaum geantwortet hatte. Um es vorwegzunehmen: Auch dieses Mal war es schwer, diese Gruppe zu erreichen. Hier liegt die Vermutung nahe, daß gerade die – nach gängigen Kriterien – "nicht Erfolgreichen" keine Motivation haben, sich an einer solchen Untersuchung zu beteiligen. Damit bleibt aber die Frage nach den Gründen von Nicht-Erwerbstätigkeit unbeantwortet.

2. Die augenblickliche Situation in der Fachrichtung

Die Fachrichtung bietet eine Ausbildung in fünf Sprachen an: Englisch, Französisch, Spanisch, Russisch und Italienisch. Hinzu kommt ein Studiengang für Studierende mit Französisch als Muttersprache, für die als erste Fremdsprache Deutsch und als zweite Fremdsprache Englisch vorgesehen ist. Alle Studierenden müssen sich für eins von drei zur Auswahl stehenden nichtsprachlichen Ergänzungsfächern wie Wirtschaft, Technik und Recht entscheiden. Um einen Eindruck von der Größenordnung der Fachrichtung zu vermitteln, seien hier einige wichtige Daten der Studierendenstatistik der Universität des Saarlandes vom Sommersemester 1998 genannt.

Im Sommersemester 1998 gibt es in der Fachrichtung 709 Studierende, die Aufteilung nach Wahl der ersten Fremdsprache sieht wie folgt aus: Englisch 186, Französisch 198, Spanisch 105, Russisch 56, Italienisch 45, Deutsch 121, Computerlinguistik 80 und Angewandte Sprachwissenschaft 18. Die Aufnahmekapazität ist begrenzt, der Zugang zum Studiengang wird daher über Numerus-Clausus in der Erstsprache geregelt, d. h. die Zweitsprache ist frei wählbar. Die Englische und die Französische Abteilung nehmen 25 Studierende pro Jahr auf, die Spanische und Italienische Abteilung 15, und die Russische Abteilung nimmt alle AntragstellerInnen auf.

3. Methoden und Durchführung der Untersuchung

Im Februar 1998 wurde eine schriftliche Befragung aller AbsolventInnen der Jahrgänge 1993/94 bis 1998 mittels eines standardisierten Fragebogens durchgeführt. Als Unterlage dienten Namenslisten der DiplomprüfungskandidatInnen aus dem Prüfungsamt der Fachrichtung.

Die Konstruktion des Erhebungsinstrumentes basierte auf folgenden forschungsleitenden Fragen:

Fragen zur Person und zum Abschluß:

Welchen Abschluß haben die Befragten gemacht, in welcher sprachlichen Abteilung haben sie studiert und wie sieht ihre derzeitige Lebenssituation aus?

Berufliche Situation:

Was machen die Befragten z. Zt. beruflich, wer sind ihre Arbeit- bzw. Auftraggeber und wie haben sie ihre Stellen gefunden? Was machen diejenigen, die nicht erwerbstätig sind?

Verhältnis von Studieninhalten und Berufserfahrung:

In welchen Tätigkeitsfeldern sind die Befragten tätig, inwiefern hat ihre Berufstätigkeit Bezüge zu ihrem Studium?

Ausbildungsinhalte:

Wie bewerten die Befragten aus heutiger Sicht ihre Studiensituation in der Fachrichtung, wo melden sie Kritik an, wo machen sie Verbesserungsvorschläge?

Insgesamt wurden 510 Fragebögen verteilt, von denen 187 an uns zurückgesandt wurden. Einige Fragebögen waren nur unzureichend oder fehlerhaft ausgefüllt, andere erreichten uns zu spät, so daß letztendlich 174 Bögen in die Auswertung aufgenommen werden konnten. Dies entspricht einer Rücklaufquote von 34 Prozent, was als sehr gut angesehen werden kann. Die Auswertung erfolgte mit dem Statistikprogramm SPSS.

4. Auswertung

4.1 Fragen zur Person

Unsere Befragung ergibt einen deutlichen Prozentsatz von Frauen: von den 174 Personen, die wir bei der Auswertung berücksichtigen können, sind 88,6 Prozent weiblichen und 11,4 Prozent männlichen Geschlechts. Diese Verteilung entspricht in etwa der tatsächlichen Verteilung in der Fachrichtung. Die Mehrheit der Befragten lebt in Partnerschaft oder ist verheiratet (61,2 Prozent); 90,8 Prozent haben keine Kinder. Die Altersverteilung zeigt, daß die Jahrgänge 1967-1969 und die Jahrgänge 1970-1971 am stärksten vertreten sind; das Durchschnittsalter der Befragten liegt bei 30 Jahren.

85,6 Prozent der Befragten geben an, einen Abschluß als DiplomübersetzerIn zu haben, 15,5 Prozent sind DiplomdolmetscherIn. 6 AbsolventInnen machten eine Zusatzprüfung für weitere Sprachen (gleichmäßig auf Englisch, Französisch und Spanisch verteilt). Zwei AbsolventInnen haben eine Erweiterungsprüfung als DiplomdolmetscherIn abgelegt. Es gab einen Abschluß für staatlich geprüfte ÜbersetzerInnen, zwei für staatlich geprüfte DolmetscherInnen und 6 sonstige Abschlüsse. Bei diesen Ergebnissen ist zu beachten, daß Mehrfachnennungen möglich waren.

4.2 Studiendauer und Auslandsaufenthalte

Die Studiendauer (einschließlich Auslandssemester) beträgt im allgemeinen zwischen 10 und 14 Semestern; 13,4 Prozent benötigen 10 Semester für ihr Studium, 16,3 Prozent 11 Semester, 30,2 Prozent 12 Semester, 12,8 Prozent 13 Semester und 11,6 Prozent 14 Semester. Das deckt sich auch mit der längerfristig geführten Statistik des Prüfungsamtes der Fachrichtung, die zur Zeit eine durchschnittliche Studiendauer von ca. 11 Semestern verzeichnet, wobei es natürlich Unterschiede zwischen den einzelnen Sprachen und zwischen der Ausbildung von ÜbersetzerInnen und DolmetscherInnen gibt.

Was die Auslandsaufenthalte anbetrifft, sieht die Verteilung im wesentlichen wie folgt aus: 32,7 Prozent der Studierenden haben sich sechs bis acht Monate im Land ihrer Erstsprache aufgehalten, 22,6 Prozent einen bis fünf Monate und immerhin 31,4 Prozent haben keinen Auslandsaufenthalt absolviert.

4.3 Die berufliche Situation

81,9 Prozent der Befragten sind erwerbstätig, also insgesamt 158 Personen. 6,7 Prozent (13) geben an, erneut StudentIn zu sein, 5,7 Prozent (11) sind z. Zt. in einer Familienphase. Jeweils 1,6 Prozent (3) befinden sich in einer Fort- oder Weiterbildung, promovieren (ohne Qualifikationsstelle) oder sind auf der Arbeitsplatzsuche, d. h. z. Zt. ohne Beschäftigung. Ein weiteres Prozent (2) sind ebenfalls ohne Beschäftigung, aber auch nicht auf Arbeitsplatzsuche. Auch bei der Beantwortung dieser Frage waren Mehrfachantworten möglich.

Von den zur Zeit der Befragung nicht Berufstätigen waren aber 36,4 Prozent seit dem Abschluß ihres Studiums bereits einmal beschäftigt gewesen. 45,5 Prozent geben an, noch nicht mit der Stellensuche begonnen zu haben.

4.3.1 Art der Beschäftigungsverhältnisse

Die größte Gruppe der Erwerbstätigen, nämlich 56,4 Prozent, sind unbefristet beschäftigt, 14,5 Prozent sind befristet beschäftigt, und 30,2 Prozent geben an, selbständig zu sein. Hinzu kommen 15,7 Prozent, die mehrere Beschäftigungsverhältnisse haben. Von diesen 13,4 Prozent ist die deutliche Mehrheit sowohl abhängig beschäftigt als auch freiberuflich tätig.

Zum Arbeitsumfang geben 110 der Befragten (68,8 Prozent) an, vollzeitbeschäftigt zu sein, 8,8 Prozent arbeiten bewußt Teilzeit, 3,1 Prozent sind unfreiwillig teilzeitbeschäftigt, 19,4 Prozent arbeiten in unterschiedlichem Umfang freiberuflich bzw. selbständig. Aufgeteilt auf Wochenstunden werden am häufigsten Arbeitszeiten zwischen 20 und 50 Wochenstunden genannt.

Als entscheidend für die mehr oder minder freiwillige Wahl der Freiberuflichkeit wurden Arbeitsmarktsituation (27,4 Prozent), Unabhängigkeit (26,2 Prozent), familiäre Situation/Möglichkeit, zu Hause zu arbeiten (10,7 Prozent), die Möglichkeit überhaupt im Beruf arbeiten zu können, Flexibilität, Abwechslung und Vielfalt der Tätigkeit und eine Reihe sonstiger Gründe genannt (z. B. "ich ziehe es vor, mein eigener Chef zu sein").

9,1 Prozent der AbsolventInnen haben ein eigenes Unternehmen gegründet, davon 53,3 Prozent allein und 46,7 Prozent mit weiteren PartnerInnen, wobei es bis zu 9 Angestellten gibt. Der Jahresumsatz bewegt sich zwischen DM 8.500 und 1,4 Mio. Die häufigst genannten Umsätze liegen dabei in der Größenordnung DM 12.000 bis DM 500.000.

4.3.2 Arbeitgeber bzw. Auftraggeber

27 Prozent der Befragten arbeiten für ein Übersetzungsbüro - ohne signifikante Angaben zu deren Größe zu machen. Ähnlich sieht es bei den übrigen Arbeitgebern aus; Angaben zur Größe werden kaum gemacht. 55,8 Prozent arbeiten in der Industrie,

16,6 Prozent arbeiten für eine Behörde, und zwar in Landesbehörden (26,9 Prozent), Bundesbehörden (23,1 Prozent), Europabehörden (15,4 Prozent) und in sonstigen Behörden (19,2 Prozent).

In einer Ausbildungseinrichtung arbeiten 17,2 Prozent: davon entfallen 33,3 Prozent auf eine Staatliche Hochschule, 7,4 Prozent auf eine Private Hochschule, ebenfalls 7,4 Prozent auf eine Privatschule, 14,8 Prozent auf sonstige private Bildungseinrichtungen und 7,4 Prozent auf Staatliche Schulen und sonstige öffentliche Bildungsträger 7,4 Prozent.

20,5 Prozent der Befragten arbeiten für Sonstige Arbeitgeber.

Das Jahresbruttoeinkommen sieht wie folgt aus: 5,6 Prozent verdienen unter 20.000 DM, 11,9 Prozent zwischen 20.000 und 40.000 DM, 45,5 Prozent zwischen 40.000 und 60.000 DM, 30,8 Prozent zwischen 60.000 und 80.000 DM, 5,6 Prozent 80.000 bis 100.000 DM und 0,7 Prozent über 100.000 DM.

Der Mittelwert beträgt ca. 55.600 DM.

Untersucht man dieses Ergebnis im Hinblick auf den Aspekt der Verteilung auf Männer und Frauen, ergibt sich ein kleines Ungleichgewicht zugunsten der Männer, das aber im Vergleich zur Studie von 1988 geringer geworden ist.

Das durchschnittliche Einkommen im Bereich des Übersetzens und Dolmetschens bewegt sich im Rahmen der Starteinkommen für HochschulabsolventInnen in den Bereichen Ingenieurwesen, Mathematik, Volkswirtschaft, Psychologie.

4.4 Verhältnis von Studieninhalten und Berufserfahrung

4.4.1 Verhältnis von Studium und Beruf

Von großem Interesse ist natürlich die Frage, ob die ausgeübte berufliche Tätigkeit dem Studium und seinen Inhalten entspricht. 48,4 Prozent sind der Ansicht, daß das Studium eine wichtige Voraussetzung gewesen sei, 39 Prozent konnten die Inhalte und Arbeitstechniken gut gebrauchen, auch wenn die Berufstätigkeit nicht direkt etwas mit dem Studium zu tun hat, bei 11,3 Prozent hatte das Studium nichts mit der ausgeübten Berufstätigkeit zu tun und 1,3 Prozent hat eine neue Ausbildung für die derzeitige Berufstätigkeit erhalten.

4.4.2 Sprachnutzung

55,3 Prozent benutzen ihre Erstsprache sehr viel, 14,9 Prozent viel und 21,7 Prozent wenig/sehr wenig; die Zweitsprache wird von 33,3 Prozent sehr wenig, von 21 Prozent wenig, von 8,3 Prozent viel und 25 Prozent sehr viel benutzt. Die Muttersprache wird von 77,6 Prozent sehr viel benutzt und 11,5 Prozent viel; sonstige Sprachen werden von knapp 49 Prozent sehr wenig/wenig benutzt, von 25 Prozent teils/teils und von ca. 26 Prozent viel bis sehr viel.

66,7 Prozent übersetzen hauptsächlich von der Fremdsprache in die Muttersprache, 33,3 Prozent von der Muttersprache in die Fremdsprache.

Bei der Nutzung der Erstsprache im einzelnen wird Englisch am stärksten eingesetzt (von 74 Prozent sehr viel und von 15,7 Prozent viel). Bei Französisch nutzen 15,2 Prozent die Sprache viel und 39,1 Prozent sehr viel. Spanisch wird von 14,3 Prozent viel und 23,8 Prozent sehr viel genutzt. Russisch kommt bei 15,4 Prozent viel und bei 46,2 Prozent sehr viel zum Einsatz, bei Italienisch geben alle Befragten an, ihre Erstsprache viel bis sehr viel zu nutzen (16,7 Prozent viel und 83,3 Prozent sehr viel).

Bei der Zweitsprache wird Englisch von 55,3 Prozent viel bis sehr viel benutzt, Französisch von 25,7 Prozent, Spanisch von 22,4 Prozent, Russisch von niemandem und Italienisch von 44,4 Prozent.

5. Ausbildungsinhalte

5.1 Beurteilung einzelner Komponenten der Ausbildung

Der letzte Teil des Fragebogens befaßte sich mit den Ausbildungsinhalten des Studienganges. Wir fragten danach, wie aus der heutigen Sicht der AbsolventInnen Aspekte wie Größe der Lehrveranstaltungen, Kontakt zu den Lehrenden usw. beurteilt werden.

Die Größe der Lehrveranstaltungen beurteilen 44,5 Prozent der AbsolventInnen im nachhinein als positiv bis sehr positiv, 43,9 Prozent geben teils/teils an. Auch der Kontakt zu den Lehrenden wird von 44,1 Prozent positiv bewertet, 49,4 Prozent geben wieder teils/teils an.

Deutlich schlechter wird das Betreuungsangebot im Studienfach gesehen: hier geben nur 17,9 Prozent ein positives Urteil ab. Die fachliche Breite des Lehrangebots wird von 20,8 Prozent als positiv und von 22,5 Prozent als negativ bewertet; 50,9 Prozent kreuzen teils/teils an. Ähnlich sieht es bei den Spezialisierungsmöglichkeiten während des Studiums aus: die breite Mitte findet sich bei der Kategorie teils/teils (40,9 Prozent), 25,7 Prozent beurteilen diese als positiv und 26,3 Prozent als negativ.

Die Qualität des Lehrangebots wird von 38,4 Prozent der Befragten positiv beurteilt (gegenüber 8,1 Prozent negativer Wertungen). Auch die Vermittlung der Lehrinhalte gilt als positiv (32,4 Prozent zu 5,8 Prozent negativ ); demgegenüber fällt die Beurteilung der Qualität der Bibliothek signifikant ab: 71,3 Prozent werten diese als negativ bis sehr negativ.

Die Ergänzungsfachausbildung wird von 29,5 Prozent als zu oberflächlich beurteilt. 53,6 Prozent finden sie genau richtig, 9,6 Prozent beurteilen sie als zu tiefgehend und 7,2 Prozent geben an, dies nicht beurteilen zu können.

5.2 Vorschläge für eine Verbesserung der Ausbildung

Am umfangreichsten gestaltete sich die Auswertung der letzten beiden Fragenkomplexe. Hier wollten wir wissen, welche Ausbildungsinhalte zukünftig an der Fachrichtung berücksichtigt, verstärkt oder neu eingeführt werden sollten. Weiter stellten wir die Frage nach dem Interesse an Weiterbildungsmöglichkeiten an der Fachrichtung (und wenn ja, zu welchen Themen).

Das Spektrum der Vorschläge ist extrem weit gefächert, es reicht von Wünschen nach büropraktischen Komponenten wie Handelskorrespondenz und Büroadministration über ganz generelle Änderungsvorschläge zu Prüfungsordnungsfragen (Zulassung von Wörterbüchern und Fragen anderer Hilfsmittel und didaktische Aspekte der Gestaltung von Übungen) bis hin zu den wichtigen inhaltlichen Forderungen nach mehr Praxisbezug, einer verstärkten bzw. anders gearteten Ergänzungsfach- und Fachübersetzungskomponente oder dem Wunsch nach Einführungsveranstaltungen in die Praxis der freiberuflichen Arbeit.

Der größte Komplex von Antworten (in absoluter Zahl: 71) befaßte sich mit den Übersetzungsübungen. Am häufigsten (fast in jeder entsprechenden Antwort) wird auf den Praxisbezug von Übungen und die Textsortenwahl eingegangen. Immer wieder wird der Wunsch nach praxisorientierten Textsorten (wie Handelskorrespondenz, Urkunden, Verträge, Gebrauchsanweisungen bzw. Betriebsanleitungen und z. B. das Verfassen von Bewerbungen und Lebensläufen in der Fremdsprache) und nach weniger Zeitungstexten geäußert. Die Inhalte sollten breiter gestreut sein: von Texten aus Bereichen wie Industrie, Wirtschaft, Public Relations, Informatik, aber auch Literatur bis hin zu Spezialbereichen wie Software-Lokalisierung Englisch - Deutsch. Natürlich gibt es dabei auch Widersprüche: einige sehen den Bereich Europäische Union als zu dominierend an, andere wünschen sich verstärkt Informationen und Übungen zu diesem Gebiet.

Auch zur didaktischen Gestaltung des Übersetzungsunterrichts werden Vorschläge gemacht: z. B. mehr Übungsklausuren mit Noten, verstärktes Lehren der Technik des Recherchierens und des Überprüfens von Übersetzungen, das Modernisieren des Unterrichts - z. B. das Simulieren eines kompletten Übersetzungsauftrags und dessen Durchführung, Vermittlung von Prinzipien für Teamarbeit und Qualitätssicherung im Falle unterschiedlicher ÜbersetzerInnen, projektbezogenes Übersetzen, Vermittlung von Kriterien für eine gute Übersetzung. Immer wieder wird auch genannt, die Schnelligkeit des Übersetzens zu üben. Für die Zwischenprüfung wird das Zulassen von Wörterbüchern gefordert.

Die AbsolventInnen regen an, das Dolmetschen, insbesondere das Gesprächsdolmetschen, zu verstärken und auch für ÜbersetzerInnen, wie auch in der Zweitsprache anzubieten. Die Ausbildung sollte besser koordiniert und der Praxisbezug verstärkt werden (z. B. häufigere Nutzung des Simultansaals in der Fachrichtung oder der Simultananlage im Audimax der Universität für internationale Veranstaltungen). Bezüglich der Inhalte wird immer wieder das Dominieren von EU-Themen kritisiert; statt dessen sollten mehr Themen aus Alltagsbereichen angeboten werden. Das Flüsterdolmetschen sollte geübt werden, ebenso das Dolmetschen auf Sitzungen.

Im Hinblick auf die Ausbildung im nichtsprachlichen Ergänzungsfach wird ganz allgemein die Vertiefung und Intensivierung gefordert, z.T. aber auch eine bessere Verknüpfung der Ergänzungsfächer Recht und Wirtschaft. Am wichtigsten in diesem Zusammenhang erscheint jedoch die Forderung nach der Einführung eines neuen Ergänzungsfachs Informatik.

6. Schlußbemerkungen

Die Ergebnisse der Untersuchung ergaben im Hinblick auf die Berufschancen der AbsolventInnen des Saarbrücker Studiengangs für DiplomübersetzerInnen und DiplomdolmetscherInnen auf Studienberatung und Entwicklungstendenzen des Berufsbildes von ÜbersetzerInnen und DolmetscherInnen ein durchaus positives Bild. Die Mehrheit der AbsolventInnen, die an der Befragung teilgenommen hat, fand schnell einen Arbeitsplatz : zwischen Studienabschluß und Berufstätigkeit lagen bei 43 Prozent 1 bis 4 Monate, bei 14 Prozent lagen 5 bis 8 Monate dazwischen. Mehr als die Hälfte der Befragten ist in Bereichen tätig, die im ganz engen Sinne der Ausbildung entsprechen (51,8 Prozent der AbsolventInnen mit einem Übersetzerdiplom übersetzen in ihrer jetzigen Tätigkeit viel bis sehr viel, bei den AbsolventInnen mit einem Dolmetschdiplom sieht es ähnlich aus: 56 Prozent dolmetschen viel bis sehr viel). Daneben gibt es ein großes Spektrum von Berufen, in denen Sprach- und Kulturkompetenz im Mittelpunkt der Erwerbstätigkeit stehen und die von der Gehaltssituation aus beurteilt durchaus als gleichwertig und attraktiv anzusehen sind. Die durchschnittlichen Jahresbruttoeinkommen bewegen sich im Rahmen der Starteinkommen für HochschulabsolventInnen.

Es hat sich gezeigt, daß Diplomnoten und Abschlußqualifikationen allein gar nicht so entscheidend sind. Die Lehrenden der Fachrichtung müßten darauf hinweisen, daß die Studierenden sich nicht nur auf das erfolgreiche Bestehen von Scheinen und Prüfungen mit guten Noten konzentrieren. Neben der Wahl der Erstsprache und des nichtsprachlichen Ergänzungsfachs werden Zusatzqualifikationen, Mobilität, Berufserfahrung (z. B. Praktika) und Auslandserfahrung von den Befragten relativ hoch bewertet. Letzerer Aspekt ist besonders angesichts der Statistik zu den Auslandsaufenthalten während des Studiums hervorzuheben. Die Gründe für den großen Prozentsatz derjenigen, die während ihres Studiums nie ein Auslandssemester oder einen Teil des Semesters als Auslandssemester absolviert haben, wären genauer zu hinterfragen und gemeinsam von Lehrenden und Studierenden zu diskutieren, um das Für und Wider im Hinblick auf erfolgreiche Bewerbungen und Stellensuche bewußt zu machen. Es entsteht der Eindruck, daß die Studierenden bestrebt sind, ein möglichst kurzes Studium zu absolvieren oder den Wunsch haben, ein komprimiertes prüfungsbezogenes Studium abzuschließen oder sich entscheiden, keine formellen Auslandssemester zu absolvieren und stattdessen ihre Auslandserfahrungen anders, etwa in Form von Ferien, zu gestalten. Vielleicht besteht auch ein Desinteresse am konkreten Eintauchen in eine fremde Kultur, das Studium wird lediglich als Voraussetzung für eine Abschlußqualifikation angesehen.

Eine der Fragen, die, wie anfangs bereits erwähnt, für uns besonders interessant war, galt der Freiberuflichkeit. Die von vielen VertreterInnen der Berufswelt genannte verstärkte Tendenz von freiberuflicher Arbeit und selbständiger unternehmerischer Tätigkeit war im Vergleich zur Studie aus dem Jahr 1990 deutlich zu erkennen. Dabei haben 13,4 Prozent der Befragten mehrere Beschäftigungsverhältnisse, von denen die deutliche Mehrheit sowohl abhängig wie auch freiberuflich tätig ist.

Renate Erdmann, Gudrun Müller, Heiko Fuhrmann

Anmerkung der Redaktion:

Der Text ist ein unveränderter Nachdruck eines in "Grenzgänge: Beiträge zu einer modernen Romanistik" (Heft 10) erschienenen Berichts, der eine redaktionell bearbeitete und gekürzte Fassung der Studie "Berufschancen von Studierenden der Übersetzer- und Dolmetscherausbildung in der Fachrichtung 8.6 – Ergebnisse einer Umfrage" von Renate Erdmann, Gudrun Müller, Heiko Fuhrmann darstellt. Die Umfrageergebnisse wurden Ende November 1998 vorgestellt. Die Studie kann auf Anfrage gegen einen Unkostenbeitrag von DM 5,- bei der Fachrichtung (Renate Erdmann) bezogen werden.


Zurück zur Startseite der Fachrichtung 4.6


Bearbeitet von: Karl-Heinz Freigang; E-Mail: kh.freigang@rz.uni-saarland.de

Letzte Änderung: 03.04.2000