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8. Ernährung

 

Da es beim Sumô keine Gewichtsklassen gibt bringt ein hohes Körpergewicht große Vorteile. Kann ein Anfänger sein Anfangsgewicht in den ersten vier Jahren seiner Laufbahn nicht um mindestens 10% steigern (wobei er im ersten Jahr durch das harte Training mindestens ebensoviel Gewicht verliert), so wird ihm meist nahegelegt, seine Karriere abzubrechen.

Auch die Nahrungsaufnahme wird als Teil des Trainings betrachtet. Es gibt zwei Hauptmahlzeiten am Tag, wobei die erste gegen 12 Uhr am Mittag ist. Jedes heya hat drei oder vier Ringer aus einer der unteren Klassen, die dafür zuständig sind, einzukaufen und das Essen zu kochen.

Das Hauptgericht heißt chanko nabe. Chanko bezeichnet allgemein alles, was Ringer essen (Reis, Nudeln, Gemüse, Fisch, Fleisch).

Alle Zutaten werden in einen großen Topf mit kochendem Wasser gegeben, zuerst Fisch oder Fleisch, danach viele Sorten grob geschnittenes Gemüse und tofu. Es gibt verschiedene Geschmacksrichtungen (mit spezieller Soße, mit Salzgeschmack, auf miso-Basis, mit Sojasauce und Zucker, mit Curry).

Zum Abendessen gibt es eine wesentlich größere Auswahl, z.B. Spaghetti, Curry-Reis, Hamburger, Schnitzel, Würstchen usw., natürlich immer mit reichlich Gemüse und Reis. Ein Problem ist, daß viele Ringer ihren "kleinen Hunger" zwischendurch mit Fast Food stillen, was der möglichst ausgewogenen Ernährung im heya entgegenwirkt.

Zusätzlich zum chanko nabe gibt es zahlreiche Beilagen, Reis, Bier, Sake oder nur Wasser. Vom ernährungswissenschaftlichen Standpunkt aus ist es eine ideale Verpflegung für Ringer (ausgewogene Mischung von tierischen und pflanzlichen Eiweißen).

Der Kalorienbedarf eines männlichen Erwachsenen liegt in Japan bei 2300 kcal pro Tag, bei einem sekitori durchschnittlich bei 3000-4000 kcal und bei einem makushita-Ringer bei 4000-6000kcal. Anfänger erreichen Werte von bis zu 10.000 kcal täglich!

Ein weiterer wichtiger Faktor für die Gewichtszunahme ist ein ausgedehnter Mittagsschlaf nach dem Essen.

Vor dem Zweiten Weltkrieg war die Lebenserwartung der Ringer höher als der Durchschnitt bei der männlichen japanischen Bevölkerung (allgemein bessere Ernährung, weniger Infektionskrankheiten). Heutzutage herrscht unter den Ringern zum großen Teil Überernährung und damit verbundene Krankheiten treten auf. In Japan wird die männliche Bevölkerung durchschnittlich 76 Jahre alt, Sumô-Ringer hingegen erreichen nur ein Lebensalter von 70 Jahren. Die meisten Probleme (Diabetes, Leber-, Nierenschäden) treten auf, wenn ein Ringer seine Karriere beendet, seine Eßgewohnheiten jedoch nicht umstellt oder versucht, sein Gewicht in kürzester Zeit zu reduzieren.

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