 information : Psychische Störungen
Der Themenbereich "Psychische Störungen" versucht die beiden folgenden Fragen zu beantworten:
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 Psychische Störungen |
Begriffliche Fixierungen im klinisch relevanten Emotionsbereich
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Anwendung der Theorie auf psychische und psychosomatische Störungen
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Begriffliche Fixierungen im klinisch relevanten Emotionsbereich.
information : Begriffliche Fixierungen
Im Zusammenhang mit der in der klinischen Praxis verwendeten Begrifflichkeit sind 11 Klassifikationsmerkmale von Emotionen bedeutungsvoll.
Diese sollen genauer bestimmt werden.
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Die zeitliche Dauer steht in engem Zusammenhang mit folgenden Funktionen des Affektsystems.
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abbildende Funktion: zeitlich unbegrenzt, Stimmungen wie Stolz, Schuld und Scham
- unterbrechende Funktion: kurzzeitig, Interruptaffekte wie Angst, Ekel, Wut, Verachtung und Trauer
- Zwar kann man hinsichtlich ihrer hedonischen Tönung angenehme von unangenehmen Affekten unterschieden, jedoch sind Affekte grundsätzlich von ihrer hedonischen Tönung entkoppelbar.
- Die Intensität, Leidenschaftlichkeit oder kognitive Kontrolle der Affekte kann in einem weiten Bereich differieren.
- Die Begriffe der occuring vs experienced emotion betonen eine Unterscheidung hinsichtlich der bewußten Erlebbarkeit von Emotionen durch ihren Produzenten.
- Dabei mögen hinsichtlich der Erlebbarkeit durch die Sozialpartner gerade die kurz andauernden trigger-Affekte für den Sozialpartner sichtbar und meist ansteckend wirken, wenngleich sie vom Sender oft nicht bewußt erlebt werden.
- Ein weiteres wichtiges Klassifikationsmerkmal liefert die Anzahl der am emotionalen Prozeß beteiligten Affekt- Subsysteme:
| Affektsubsysteme
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| Ausdruckssystem |
| Handlungssystem |
| Neurophysiologisches System |
und im mentalen Bereich: |
das Erleben |
| Semantische Benennung des Erlebens |
- Im Zusammenhang mit dem freien Assoziieren etwa möchten wir die semantische Abbildung der Emotionen in Form von körperlichen Handlungtendenzen (Jemanden zum kotzen finden) und physiognomischen oder physiologischen Bildern (Die Angst schnürt mir die Kehle zu) betonen.
- Objekthaltigkeit: Objektlose Primäraffekte scheinen uns ein sicheres Indiz einer Pathologie.
- Die situative (propositionale) Bedeutungsstruktur: Die Unterscheidung nach "me-" und "it-emotions" deckt sich mit der zwischen selbstreflexiven und interruptiven Affekten.
- Die Falschheit (bzw. Stimmigkeit) wird in unterschiedlichen Zusammenhängen beschrieben. Ist sie bewußt intendiert sprechen wir von Simulation/Dissimulation oder Lüge.
- Emotionen können jedoch auch in bestimmten Handlungskontexten unintendiert falsch verortet sein oder ganz fehlen. Auch die zeitlichen Verlaufscharakteristika emotionalen Geschehens liefern Parameter zu Einschätzung der Stimmigkeit affektiver Prozesse.
hier sind tabellarisch noch einmal alle elf Begriffe aufgeführt,
um sie vertieft zu erarbeiten:
Anwendung der Theorie auf psychische und psychosomatische Störungen
information : Anwendung der Theorie
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Da die zeitlich langandauernden Stimmungen sowie die selbstreflexiven Emotionen innere Strukturen voraussetzen, deren Bildung und Funktionsweise wir noch nicht besprochen haben, werden wir uns hier in Anlehnung an die Kapitel über die Beziehung auf die Psychopathologie der beziehungsregulierenden Affekte beschränken.
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Forschungsergebnisse zur Psychopathologie der beziehungsregulierenden Affekte werden aufbereitet und münden in eine skizzierte Entwicklungsdiagnostik zu durchlaufender Motivationssysteme.
- Einige Störungsbilder werden exemplarisch aufgezeigt.
- Eine Verständnishilfe führt in die "Anwendung der Theorie" ein.
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Verständnishilfe:
In mehreren Forschungsprojekten zur Psychopathologie der beziehungsregulierenden Affekte wurden zwei Personen gleichen Alters und in etwa gleicher Bildung im Therapieraum zusammengebracht.
Einer der Partner war krank, ohne daß der Andere dies wußte.
Kontrollgruppen waren zwei Gesunde, die sich unter den gleichen Bedingungen unterhielten.
Dies ist, neben anderen Krankengruppen, geschehen mit:
- an Schizophrenie des paranoid-halluzinatorischen Typs erkrankten Männern
- und mit männlichen und weiblichen Patienten, die an Colitis Ulcerosa erkrankt waren
 - Da "Anwendung der Theorie" auf den Ergebnissen dieser Untersuchungen aufbaut, kann einleitend eine kurze Zusammenfassung dieser Ergebnisse abgerufen werden.
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Ausdruck und Erleben
Wenn man die beziehungsregulierenden Anteile des affektiven Systems der Gesunden untereinander mit den Dyaden von Schizophrenen und Colitispatienten vergleicht, zeigt sich, daß auch die schizophrenen Patienten keine Kongruenz zwischen Ausdruck und Erleben aufzuweisen haben, diese Nichtkongruenz aber sehr verschieden zustande kommt. Die Befragung der Patienten nach ihren erlebten Gefühlen während der Begegnung zeigte nämlich, daß sie, bis auf eine Ausnahme, die signifikant schlechtesten inneren Erlebnisse aufzuweisen hatten. Noch schlechter ging es jedoch ihren gesunden Partnern.
Wir haben also das folgende Bild:
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Die Gesunden untereinander zeigen viele negative Affekte, aber fühlen sich gut.
- Der schizophrene Patient und sein gesunder Partner zeigen kaum negative Affekte, aber sie fühlen sich denkbar schlecht.

- Eine Abbildung nebst Erläuterungen zeigt das Freudenetzwerk der schizophrenen Patienten mit ihren gesunden Partnern.
- Eine weitere Abbildung nebst Erläuterungen zeigt das Ärgernetzwerk der schizophrenen Patienten mit ihren gesunden Partnern.
Um die Erläuterungen zu beiden Abbildungen auch als Tondokument zu aktivieren, "klicken" Sie auf dieses Symbol. Es befindet sich jeweils oberhalb der Abbildung.
Analyse des Wirkungsschemas
Unter Berücksichtigung der Ergebnisse von- Steimer-Krause (1996) und
- Merten (1996)
sieht eine genauere Analyse des Wirkungsschemas nun wie folgt aus:
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Die schizophrenen Patienten fühlen sich sehr schlecht und zeigen äußerst selten Freude.
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Der Patient zeigt negative Affekte während er den Partner anschaut und dieser wegblickt, aber auch während sich beide anblicken.
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Ständiges Anblicken des gesunden Partners auch während der Patient selbst spricht.
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Gehäuftes Zeigen von Verachtung beim Zuhören.
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Abbruch von Blickkontakt durch den Patienten mit sich anschließendem negativen Affekt.
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Nichtübernahme der Sprecherrolle durch den Patienten und
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eine vollständige Reduktion des dyadischen Blickverhaltens als Folge.
(Merten, S. 281)
All diese Verhaltensweisen sind zusammen mit der von Steimer-Krause gefundenen Synchronisationsverweigerung geeignet, beim Sozialpartner sehr wirkungsvoll negative Affekte zu induzieren.
Beispiel
Unter diesem Einfluß kann man nun vier Varianten des Verhaltens der Gesunden beobachten.
Vier Varianten des Verhaltens der Gesunden
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In der ersten Variante V1 steigern sie das positive Involvement durch Zeigen von echter Freude im Zustand beide blicken, um die Beziehung zu stabilisieren, dieser Versuch des gesunden Partners, wird allerdings vom schizophrenen Patienten als Verachtung seiner Person ausgelegt und erhöht den Regulierungsbedarf der Kranken.
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In der zweiten Variante V2 kommt es zu keiner Steigerung des positiven Involvements, sondern zu einer inhaltlichen Gesprächsübernahme.
Diese Situation ist für den Patienten weniger bedrohlich, da der Partner sich mit der Übernahme der aktiven Rolle begnüngt.
Für das Selbstwerterleben des Patienten ist dies freilich schädlich.
- Die dritte Variante V3 ist, daß der Gesunde selbst negative Affekte im Zustand des Blickens zeigt.
Damit gerät die Dyade in ein unkontrolliertes Aufschaukeln der negativen Affekte.
- Schließlich kann der Gesunde viertens V4 auf der Beziehungsebene das positive Involvement reduzieren und Irritationen des Partners durch negatives mimisch affektives Verhalten, das derselbe auf sich beziehen könnte, dadurch vermeiden, daß er klare Metabotschaften des visuellen Kontextes benutzt, um die Zuordnung von Affektrepräsentanz zu Selbst und Objekt für den Patienten deutlicher zu machen.
Einzig diese Variante könnte eine Ausweg aus dem Regulierungsdilemma ergeben. Dieser "Stil" ist allerdings schwer zu realisieren und bedarf großer Erfahrung im Umgang mit psychisch Kranken.
Möchten Sie vertiefte Ausführungen bezüglich der "Vier Varianten" ?
In einem Flußdiagramm nebst Erläuterungen sind, Merten folgend, diese vier Varianten als "Schema der projektiv- identifikatorischen Affektregulierung dargestellt.
Um die Erläuterungen zu dieser Abbildung auch als Tondokument zu aktivieren, "klicken" Sie auf dieses Symbol. Es befindet sich oberhalb der Abbildung.
Der Prozeß der projektiven Identifikation -
Neurotische Störungen und strukturelle Störungen
In den Mustern der vier Varianten kann man unschwer das verhaltensmäßige Pedant zum Prozeß der projektiven Identifikation erkennen.
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Prozeß der projektiven Identifikation
In diesem Prozeß - so die Annahme - wird ein unerträglicher Anteil des Selbst vom Systembereich des Selbst abgetrennt. Dabei handelt es sich um eine innere mentale Operation. Zeitgleich wird eine Person gesucht und gefunden, die dazu gebracht werden kann oder muß, diejenigen Anteile, die den Systembereich des Selbst nicht mehr zugerechnet werden können, zu übernehmen. In diesem Falle wäre dies die Kleinheit und die Mißachtung. Wenn die gesunden Partner intensive Angst empfinden, ist dies gelungen. Nun sind die gesunden Partner aber nur beschränkt bereit, dieses Verhaltensangebot anzunehmen und werden früher oder später offen ärgerlich. Dieser offene Ärger schaukelt die Kleinheitsphantasien der Patienten auf, was die Notwendigkeit für Spaltung und erneute Projektion vergrößert. |
Solche feed-forward Prozesse liegen wahrscheinlich den sehr robusten Befunden über die Rückfallhäufigkeit in Abhängigkeit der Familienstruktur emotionaler Art zugrunde.
Da die Patienten in ihrem Erleben so stark durch das Ausdrucksverhalten der Partner beeinflußbar sind, muß man sich auch über die hohe Affektansteckung im Bereich des Ärgers nicht wundern.
Wahrscheinlich ist die Reduktion des affektiven Ausdrucksverhaltens und die starke Beeinflußbarkeit durch den Affekt des anderen ein allgemeines Strukturmerkmal der sogenannten strukturellen oder nicht neurotischen Störungen.
Wir vermuten auch, daß, den Annahmen von Stern und Emde folgend, die strukturellen Störungen als gemeinsames Merkmal das Fehlen von Synchronisationsreaktionen im affektiven Bereich kennzeichnen. Offensichtlich ist in der zeitlichen Organisation der Mikrosynchronisierung des affektiven Geschehens etwas sehr Essentielles der Beziehungsgestaltung enthalten.
Nach Emde (1988) führen schädigende Beziehungserfahrungen zu zwei Formen von Übertragungen, zwei Formen von Wiederholungen und Gegenübertragungen:
1. Strukturelle Störung unterhalb des neurotischen Niveaus
Ein massives Defizit emotionaler Verfügbarkeit im Sinne der Affektabstimmung führt zu einer vorsichtig defensiven Einstellung der Patienten, die, so Stern, zeit ihres Lebens von grundlegenden starken Gefühlen der Einsamkeit heimgesucht sind, weil die Patienten wieder und wieder realisieren, daß es Dinge zwischen den anderen Menschen gibt, die sie nicht erfahren haben. Gleichwohl haben sie ein ungefähres Wissen über dieses "Paradies". Der ihnen aufgezwungene Vergleich zwischen der vermuteten Beziehungserfahrung der anderen und der eigenen fehlenden Beziehungserfahrung führt zu andauernden Einsamkeitserfahrungen, die in der Wiederholung reinszeniert werden. Auf der Verhaltensebene bedeutet das die Vermeidung von Affekten, Vermeidung von Synchronisation und Intimität und eine Einschränkung des affektiven Repertoires.
Innerhalb der verschiedenen Gruppen der strukturell gestörten nicht -neurotischen Patienten bleibt ein negativer Affekt übrig, der die andern an Häufigkeit steil überragt und im allgemeinen auch in andere Kontexte eingebettet ist als bei den Gesunden:
- Für die Schizophrenen ist dies Verachtung
- Für die Colitis Ulcerosapatienten ist dies möglicherweise Ekel.
2. Störungen auf neurotischem Niveau
Ein Exzess an verschiedenen negativen oder Kombinationen von negativen und positiven Affekten, die konfliktiver Natur sind, ist typisch für die Neurosen.
Der Rekurs auf eine innere Repräsentationale Welt von Phantasien ist ihnen nicht verwehrt. Sie sind allerdings unvereinbar in der Realisierung.
Möchten Sie den Zusammenhang von "affektiver Mikrosynchronisierung" und den beiden Störungstypen vertieft erarbeiten?
Theorie der epigenetischen Landschaft
Wir haben in mehreren Veröffentlichungen vorgeschlagen, das Diagnostizieren von psychischen Störungen in Anlehnung an Waddingtons und Spitzs Theorie der epigenetischen Landschaft zu konzeptualisieren ( Spitz 1974, Waddington 1975).
In dieser Theorie wird die Entwicklung des Menschen- ausgehend von einem Gipfelpunkt- metaphorisch als ein Durchlaufen von bestimmten Wegstrecken oder Tälern beschrieben. Das Individuum kann zu einer gegebenen Zeit in nur einem der Täler sein. Die durchlaufenen Täler und Wegstrecken geben dem Individuum seine Eigenschaften mit, und die Tiefe der Täler repräsentiert die Schwierigkeit, die das Individuum hat, einen Weg zugunsten eines anderen zu verlassen (nach Schneider 1983). Ein einmal durchlaufenes Tal legt in gewissen Bereichen die nächstfolgenden prinzipiell möglichen Wegstrecken fest. Ein rückwirkendes Durchlaufen solcher Wegstrecken ist nicht möglich. Welche Wegstrecke durchlaufen wird, entscheidet sich durch die Wechselwirkungen genetischer und erfahrungsbedingte Randbedingungen.
Eine Abbildung veranschaulicht die Theorie der Epigenetischen Landschaft.
Die im Moment bekannten, sich zeitlich folgenden "Landschaften" könnten mit den in "Ein doppelter Integrationsversuch: Psychoanalyse und Biologie, Trieb- und Affekttheorie"
beschriebenen globalen Motivationssystemen korrespondieren, nämlich:
- dem Bindungs-/Sicherheitssystem (Bischof 1985),
- der damit verknüpften Autonomieregulierung (Bischof 1985, Moser, von Zeppelin & Schneider 1991)
- sowie der darauf folgenden Erotisierung und Verführungsfähigkeit, die bereits von der Autonomieregulierung geprägt ist. (Lincke, 1981).
Wenn man diese Vorstellungen auf die Beschreibung eines erwachsenen aktuellen Zustandes anwendet, kann man eine Entwicklungsdiagnose erstellen, die das beobachtbare interaktive Verhalten und das Erleben des Patienten zum Ausgangspunkt einer Rekonstruktion der Abfolgen dieser hierarchisch aufeinanderfolgenden Wegstrecken benutzt.
Dabei bestimmt die jeweils vorherige Option die Freiheitsgrade der nächsten. Das heißt aber nicht, daß mit der Option auch die Entwicklung festgelegt wäre.
Kurze Skizzierung einer Entwicklungsdiagnostik gemäß den drei Motivationssystemen
- Die erste Wegstrecke entscheidet darüber, ob es zu objektalen oder narzißtischen Lösungen im oben beschriebenen Sinne kommen kann. Dies geschieht im Umfeld von Bindung und Sicherheit, wie z.B. von Bischof (1985) beschrieben.
Alle späteren narzißtischen Regulierungen sind durch spezifisch geprägte Einfärbungen aller Verhaltens- und Erlebensbereiche, wie Affektreduktion im Ausdruck, Fehlen der erlebten Freude, Unfähigkeit, den Ausdruck an die Objektwelt anzuheften, ergo Verschwinden der inneren symbolischen Welt unter dem Einfluß eigener und fremder Affekte gekennzeichnet. Es kann aber narzißtische Störungen als Krankheitseinheit nicht geben, weil je nach den Optionen der nun folgenden Autonomieregulierungen und der Geschichte der Erotisierungen verschiedene "Lösungsvaraianten" auch des ersten "Problems" gefunden werden können.
Möchten Sie die Erste Option Narzißtisch oder objektal ? vertieft erarbeiten?
- Der nächste Schritt, der mit der Autonomieregulierung einhergeht, erfolgt nun schon unter dem Verdikt der ersten Option, wie dies im Regulationsmodell von Bischof (1985) gezeigt wird.
Ist das heranwachsende Lebewesen bereits in eine narzißtische Form der Lebensführung hineingezwungen, ergeben sich auf dem Niveau der Autonomieregulierung die folgenden Optionen der Objektwahl:
- Entweder wird das eigene Körperselbst zur Autonomieregulierung gewählt, dann kann es später zu der von Bischof beschriebenen Entkoppelung von Autonomie und Sexualität und einer malignen narzißtischen Autoerotik kommen. Die Patienten verlieben sich aus Gründen der Abwehr in sich selbst.
- Es kann aber auch das Handlungs- oder Volitionale Selbst zur Regulierung gewählt werden.
Diese Möglichkeiten der Objektwahl müssen getrennt werden, weil sie aus Gründen der Autonomieregulierung in eine gewisse Gegensätzlichkeit gebracht werden, dergestalt, daß fehlende Autonomie auf der Ebene des Handlungs- und Willensselbst durch einen kompensatorischen Ausbau des Körperselbst zu regulieren versucht wird.
Umgekehrt kennen wir Lösungen, in denen die vermeintlich triumphale Autonomie des volitionalen Selbst mit einer vollständigen Mißachtung und Verleugnung des Körperselbst einhergeht.
- Desgleichen kann der Körper und/oder das volitionale Selbst des anderen narzißtisch besetzt werden.
Bei der Wahl des fremden Körpers werden allerdings die der narzißtischen Regulation hinderlichen Teile unterdrückt.
Die Beherrschung eines fremden Handlungsselbst als Partialobjekt im Dienste der Autonomieregulierung ist hinreichend beschrieben worden.
- Im nun folgenden nächsten Schritt wird entschieden, ob das so gewählte Objekt erotisiert werden kann.
Damit ist nicht der faktische Vollzug von Sexualhandlungen zu verstehen, sondern die Befähigung oder das Fehlen, mit einem sexuell erregten Körper sich selbst und/oder andere zu verführen, einem etwas zu "Liebe" zu tun. Wie zu zeigen sein wird, sind die in diesem Umfeld entstehenden Phantasien der Kinder wohl nur bei bereits entwickelten Kinderneurosen um manifeste sexuelle Handlungen zentriert. Ansonsten bedeutet gelungene Realisierung erotischer Wünsche, daß die anderen dem Kind aus erotisierter Lust zu Willen sind, ihm im guten Sinne "hörig" werden, weil es so schön und wunderbar ist.
Beispiel Hysterie
Aus der Vielfalt der manifesten Zustandsbilder kann man eine Art von Tiefenstruktur vergangener Optionen herausschälen. Diese Art von Diagnostik ist für die Behandlungstechnik von weit größerer Bedeutung als die Beschreibung der manifesten Erscheinungswelt. Ob ich mich abweichenden "perversen" Sexualzielen hingebe, ist bei weitem weniger interessant als die Frage, ob dies in einem Funktionszusammenhang geschieht, der der Autonomie- und/oder der narzißtischen Wohlbefindensregulation dient.
information : Störungsbilder
Die Störungsbilder:- Psychose
- schwere Psychosomatose
- Perversion
- Zwangsstruktur
- Hysterie
werden in exemplarischer Weise in Bezug auf die in ihnen enthaltenen Optionen aufgezeigt.
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- Unserem Konzept zufolge kann jedes im Erwachsenenalter auftauchende manifeste Störungsbild mit oder ohne Störungen der dem Fixierungspunkt vorauslaufenden Regulierungen auftreten, d. h. es gäbe z.B. Störungsbilder, die in einer Pseudoödipalen Triangulierung hysterische Symptome produzieren, aber von den Tiefenindikatoren her alle Merkmale einer zusätzlichen narzißtischen Disregulation aufweisen. Im allgemeinen wird dies sogar eher der Regelfall sein.
Beispiel:
Freuds hysterische Patienten scheinen aus heutiger Sicht auf Borderline-Niveau organisiert. Die Entwertung des weiblichen wird im allgemeinen nicht erst auf dem Niveau der Erotisierung auftreten, sondern bereits in den ersten beiden Lebensjahren der narzißtischen Konsolidierung (Rohde - Dachser 19..).
- Man wird also gut daran tun, in jedem Falle alle Entwicklungswege zu eruieren und zu beschreiben, auch wenn sie auf den ersten Blick ungestört erscheinen. Dann wird man vorzugsweise durch eine positive Äußerung klarstellen, vor welchem Hintergrund die spätere Fehlentwicklung stattfand.