Holozäne Landschaftsentwicklung des Bliestals bei Reinheim/Bliesbruck

Daniela Brück & Jochen Kubiniok

Physische Geographie, Zentrum für Umweltforschung der Universität des Saarlandes

Zusammenfassung

Das Bliestal zwischen Reinheim und Bliesbruck im südöstlichen Saarland zwischen 200 – 350 m ü.NN gelegen, ist eine der früh besiedelten Regionen Deutschlands und wurde intensiv anthropogen überprägt. Die günstige klimatische Lage des Tales, das im frühen Holozän eher eine offene Landschaft war sowie die fruchtbaren leicht zu bearbeitenden Böden förderten die Besiedlung. An den Talhängen und auf den Hochflächen sind - teilweise pseudovergleyte - Kalksteinbraunlehme in den Gesteinen des mittleren und oberen Muschelkalkes angelegt.

Die holozäne Landschaftsgenese des Bliestals wird mit Hilfe archäologischer Befunde und bodenkundlich/sedimentologischen Aufnahmen rekonstruiert. Im Frühholozän war die Blies in diesem Flussabschnitt vermutlich in mehrere Arme aufgespalten, in denen deutliche Akkumulations- und Erosionsprozesse stattfanden. Seit dem Mesolithikum bis zur Römerzeit bestimmte eine Phase der relativen Formungsruhe die Entwicklung des Talgrundes. Erst beginnend mit einer zunehmenden Degradation der Primärvegetation und intensiveren Landnutzung seit der Römerzeit lassen sich zwei Sedimentationsphasen nachweisen, in Folge derer u.a. römische Straßenfundamente von Sedimenten überlagert wurden

 

Naturräumliche Verhältnisse

Abb. 1: Orthophoto des Bliestals bei Reinheim-Bliesbruck

Das Untersuchungsgebiet, die Bliesaue bei Reinheim/Bliesbruck liegt im südlichen Saarland an der deutsch-französischen Grenze. Nach der naturräumlichen Gliederung (SCHNEIDER 1972) ist dieses Gebiet Teil des Bliesgaus in der SW-Deutschen Schichtstufenlandschaft. Ausgangsgestein bilden die Formationen des Muschelkalks.

Das rezente Klima ist atlantisch geprägt. Nordwestlich bis südwestliche Winde dominieren. Die Jahresniederschläge liegen im Mittel über 950 mm, die Jahresdurchschnittstemperaturen zwischen 8,5 und 9°C (Deutscher Wetterdienst 1990). Laubwaldarten finden hier optimale Wuchsbedingungen. Die potentielle natürliche Vegetation des Untersuchungsgebietes ist ein Kalkbuchen-Eichen Mischwald an den Hängen und auf den Hochflächen, während in der Bliesaue ohne Einfluss des Menschen ein Weichholzauewald dominieren würde (Forstliche Standortskartierung 1996). Durch die forstwirtschaftliche Nutzung haben Buchenaltholzbestände flächenmäßig eine große Bedeutung, untergeordnet finden sich auch Nadelholzbestände mit Fichte, Lärche und Douglasie. In den Bachtälern stocken erlen- und eschenreiche Bestände. Die Bliesaue ist heute weitgehend landwirtschaftlich genutzt, nur in hydromorphen Landschaftseinheiten wachsen ausgedehnte Schilfbestände und vereinzelt Weichholz-Auwaldreste. Bei Ende der Würm-Kaltzeit herrschten völlig andere Umweltbedingungen. Während der letzten Kaltzeit lag das Untersuchungsgebiet im Periglazialbereich und war von einer Tundrenvegetation bedeckt. Die hierdurch nur unzureichend stabilisierten Hänge wurden durch Solifluktionsprozesse geformt, in deren Folge Sand und Gesteinsschutt als Produkte der intensiven Frostverwitterung den Flüssen zugeführt wurden. Das Flussbett der Blies war – im Gegensatz zum heutigen Bild - verwildert und durch zahlreiche Seitenarme und Schotterbänke gegliedert. Der Fluss war dabei weniger tief als heute. In der weiteren Entwicklung lässt sich für das Holozän Mitteleuropas eine charakteristische Vegetationsabfolge in Abhängigkeit von den Klimaschwankungen ableiten (vgl. Tab.1), die auf den Bliesgau übertragen werden kann.

Tab.1: Holozäne Vegetationsentwicklung in Mitteleuropa (nach Overbeck 1975, Lang 1994) datiert mit Radiokarbon und Dendrochronologie (cal. bp nach CUPILLARD & RICHARD 1998).

Zeitraum

Zeitalter

Vegetationsgesellschaft

12890bp - 11650bp

Jüngere Dryas, Spätglazial

Betula-Gesellschaften (Birken-Fichten Ges.)

11650bp - 8850bp

Präboreal und Boreal

Birken-Hasel-Wald

8850bp - 2500bp

Atlantikum

Eichenmischwald

ab 2500bp

Subatlantikum

Eichen-Buchen-Hainbuchen-Mischwald

Die Vegetationsentwicklung im Holozän ist geprägt durch eine Klimaerwärmung und die Wiederbesiedlungs- und Ausbreitungsfähigkeit der Pflanzen, die sich von den kaltzeitlichen Refugien ausbreiten. FIRBAS (1954) hat dabei folgende grundlegenden Klimaänderungen für das Holozän nachgewiesen: Zu Beginn der Erwärmung in der Jüngeren Dryas, die mit deutlich kälteren Temperaturen als heute bis ungefähr 11650 bp andauerte, breiteten sich die ersten Bäume und Sträucher aus und es bildete sich ein lichter Birken-Fichten-Wald. Die Flussauen waren weiterhin weitgehend vegetationsfrei. Danach folgt das Präboreal und anschließend mit dem Boreal (bis 8850 bp) eine Wärmephase, in der sich ein Birken-Hasel-Wald durchsetzte. In der Warmphase des Atlantikum, in der höhere Temperaturen als heute vorherrschten, konnte sich ein Eichenmischwald ausbilden, der in dem etwas kühleren Klima des Subatlantikum von einem Eichen-Buchen-Hainbuchen-Mischwald abgelöst wurde. Diese Entwicklung lässt sich anhand von Pollendiagrammen verfolgen. Als Beispiel sei hier ein Pollendiagramm eines Eifelmaares angeführt, das exemplarisch für die Vegetationsentwicklung Mitteleuropas stehen kann. Am Ende der letzten Kaltzeit dominieren die NBP (Nicht-Baum-Pollen). Als Baumarten treten zunächst Betula und Piceas auf. Ab etwa 9970bp (cal. bp) zeigt die Vegetation eine größere Diversität. Corylus tritt verstärt auf und es kommen bereits in geringen Anteilen Quercus, Ulmus und Tilia hinzu. Ab 8850bp (cal. bp) dominiert dann Corylus in einem Birken-Hasel-Mischwald. Dies dauert bis ins Atlantikum, dann löst ein Eichenmischwaldden Birken-Hasel-Mischwald ab. Mit der Abkühlung des Klimas nach dem Wärmeoptimum im Atlantikum setzt sich ein Eichen-Buchen-Hainbuchen-Mischwald durch. Auch treten NBP wieder verstärkt auf.

Seit dem Neolithikum werden die klimabedingten Änderungen der Vegetation mit Einsetzen des Ackerbaus durch anthropogene Vegetationsveränderungen zunehmend überlagert. Die in Rodungsphasen erfolgende Landnahme wird dokumentiert durch eine Zunahme der Getreidepollen in den Pollendiagrammen (STRAKA 1975) sowie der einsetzenden Bodenerosion und den hieraus abgeleiteten korrelaten Sedimente.

Abb.2: Pollendiagramm mit typischer mitteleuropäischer holozäner Vegetationsabfolge

Das Untersuchungsgebiet ist nicht nur durch eine günstige klimatische Situation gekennzeichnet. Auch die geoökologischen Bedingungen fördern eine frühe dauerhafte Besiedlung des Raumes. Das weite Tal der Blies verläuft annähernd in Nord-Süd-Richtung.

Die Talhänge sind in der Hauptsache west- bzw. ostexponiert, was sich in einem günstigen Mikroklima infolge hoher Sonneneinstrahlung und Windschutz niederschlägt. Im Bereich der Bliesaue bei Reinheim stehen quartäre Ablagerungen der Blies an. Sowohl am Prall- als auch am Gleithang sind die A- und B-Terrassen der Blies nachgewiesen (WEISROCK & FRANOUX 1993). Die Blies selbst hat mittlerweile ihre pleistozänen Ablagerungen teilweise durchschnitten und fließt in Gesteinen des Mittleren Muschelkalk. Am Hangfuß und Mittelhang des Bliestals westlich des Ausgrabungsareals stehen die Mergel des Mittleren Muschelkalks an und bilden dort Quellhorizonte. Aus der näheren Umgebung sind auch Gips- und Steinsalzvorkommen bekannt (Schneider 1991). Im Hangbereich folgen darüber die Trochitenkalke des mo1 (Oberer Muschelkalk). Die besondere Widerständigkeit der Kalke führt zur Herauspräparierung eines Steilabschnittes am Oberhang. Die Hochflächen des Bliesgaus werden durch die plattigen Ceratitenkalke des Oberen Muschelkalkes mo2 gebildet.

Abb.3: Ausschnitt aus der Geologischen Karte 1:25000 des Untersuchungsgebietes

 

Die Böden des Untersuchungsgebietes

Die Böden des Bliestales bei Reinheim wurden durch eine Trassenkartierung der Bliesaue und der Hangbereiche bis zur Hochfläche erfaßt. Dabei wurden 4 Talquerprofile angelegt, die jeweils von der Hochfläche im Westen bis zur gegenüberliegenden Hochfläche im Osten des Bliestals reichen. Der Auebereich wurde besonders eng kartiert, wobei die Bohrabstände zum Teil 5m betrugen. Am Rand der Fläche mit den mesolithischen Funden (Allmend C) auf der A-Terrasse der Blies wurden 2 Catenen gelegt. Zusätzlich wurden noch 6 große Profilwände aufgenommen.

Die Catenen an den Hängen der Blies wurden jeweils entlang der Gefällelinie gebohrt, wobei jedoch Bachläufe, anthropogene Aufschüttungen sowie die Nähe zu Wegen gemieden wurden. Damit wurde sichergestellt, dass keine untypischen oder verfälschten Profile aufgenommen wurden. Mit dieser Kartierungsmethode konnte ein typisches Bodenverteilungsmuster der Hänge ermittelt werden. Auf der Hochfläche sind im oberen Muschelkalk Rendzinen und flachgründige Kalksteinbraunlehme angelegt. Diese Böden sind nährstoffreich, allerdings durch den hohen Tongehalt und den vor allem bei Rendzinen hohen Anteil an Kalksteinen relativ schwer zu bearbeiten. In von Erosion betroffenen Lagen, vor allem an den steileren Hangabschnitten im mo1 sind Rendzinen dominant. Hier nimmt die Solummächtigkeit bis auf 16cm ab. Diese nährstoffreichen Böden wurden trotz der hohen Erosionsexposition ackerbaulich genutzt. Heute ist hier aufgrund des hohen Ausmaß an Bodendegradation eine Ackernutzung nicht mehr sinnvoll. Im Mittelhangbereich, der Übergangszone der Schichten von Oberem Muschelkalk in den Mittleren Muschelkalk, findet man Kalksteinbraunlehme mit deutlichen Pseudovergleyungsspuren bis hin zu reinen Pseudogleyen. Auf den bindigen Mergeln des Mittleren Muschelkalk kommt es oft zur Ausbildung von Quellhorizonten und zur Vernässung durch Stauwasser. Im flacheren Unterhangbereich treten dann mächtige Kolluvien auf. Hier wurde das Bodenmaterial abgelagert, dass von den Ackerflächen am Oberhang abgespült wurde. Die große Mächtigkeit der Kolluvien ist ein deutliches Zeichen für das Ausmaß der Erosion. Die Materialverlagerung am Hang hat zu deutlich sichtbaren Reliefveränderungen wie zum Beispiel zur Verflachung des Unterhangbereiches geführt. Im Bereich des Bliesknies bei Reinheim fehlen solche Kolluvien in den entsprechenden Reliefpositionen. Statt der zu erwartenden Kolluvien auf Terrassenschottern findet man junge Kalkbraunerden und pseudovergleyte Braunerden im Schuttmaterial eines Schwemmfächers, der am Prallhang des Bliesknies angeschnitten ist. Neben feinerem Bodenmaterial und gerundeten Schottern tritt vor allem wenig oder nicht gerundete Kalksteinschutt des Oberen Muschelkalk auf. Das ist ein Hinweis auf murenartige Massenverlagerungen. Die korrelate tief eingeschnittene Erosionskerbe am Oberhang westlich von Reinheim ist mit Wald bestanden und hat sich deshalb gut erhalten, während am Unterhang der Schwemmfächer durch Pflügen dem umgebenden Relief angeglichen wurde. Wo er noch deutlich im Gelände sichtbar ist, überdeckt er die A-und B-Terrasse der Blies und ist somit jünger als die Flussterrassen der letzten Kaltzeit. Die Ausdehnung des murenartigen Schwemmfächer begründet die Annahme, daß die abrupte Änderung der Fließrichtung der Blies in diesem Flußabschnitt durch diese im holozän ausgelöste Mure erfolgte.

Mit Hilfe der Kartierungen können die Bodentypen der Aue in zwei deutlich unterschiedliche Gruppen gegliedert werden. Auf der würmzeitlichen A-Terrasse der Blies sind braune Aueböden des episodischen Überschwemmungsbereichs ausgebildet, während im rezenten Überschwemmungsbereich Übergänge zwischen Braunen Aueböden und Auengleyen zu finden sind. Der Grundwassereinfluss prägt die Böden der niedriger gelegenen Geländeteile, die aktuell jährlich überflutet werden.

Die günstige klimatische und pedologische Situation des Untersuchungsgebietes spiegelt sich in einer frühen Besiedlung wieder. Daher erklärt sich auch die intensive anthropogene Überformung der Böden. Alle Böden des Gebietes, außer den Böden der Steillagen, sind für den Ackerbau geeignet. Die Rutschungen, die mächtigen Kolluvien der Hangfußbereiche sowie die flachgründigen Böden an den Steilabschnitten deuten auf eine intensive Bodenerosion, die höchstwahrscheinlich mit der Rodung der Hänge einsetzte und vorallem die Böden des Oberhangbereichs gekappt hat. Es ist daher wahrscheinlich, dass zu Beginn der Rodungsphase alle Böden ackerbaulich genutzt werden konnten.

 

Relief- und Landschaftsentwicklung der Bliesaue unter besonderer Berücksichtigung der Fläche "Allmend C"

Das Bliestal, das hier im Wesentlichen in Nord-Südrichtung verläuft, beschreibt bei Reinheim eine markante Schleife und bildet eine weite Aue, in der die kaltzeitlichen Terrassen deutlich ausgeprägt sind. Die eigentliche Untersuchungsfläche "Allmend C" liegt am Ostufer der Blies auf der würmzeitlichen A-Terrasse. Diese besitzt hier, im Gegensatz zur A-Terrasse am gegenüberliegenden Westufer der Blies (Prallhang), eine große Ausdehnung. Die Fläche Allmend C wurde lange Zeit ackerbaulich genutzt. Heute werden dort im Rahmen ökologischer Ausgleichsmaßnahmen im sandigen Niederterrassensubstrat Feuchtbiotope angelegt. Mikroklimatisch ist die Fundstelle durch eine schnelle Auflösung der Frühnebel und nachfolgende Erwärmung begünstigt.

Abb. 4: Ausschnitt aus dem Orthophoto Reinheim 1:5000 (Vergrößerung der Fläche Allmend C)

Im Bereich der Untersuchungsfläche wurden 6 Profilwände aufgenommen (vgl. Grabungsplan), die einen Schnitt durch die Terrasse an 4 verschiedenen Linien repräsentieren. Die Schürfen 1 bis 6 zeigen typische Profile für den Boden auf der A-Terrasse der Blies. Der Boden ist in den quartären Auesedimenten der Blies angelegt. Diese bestehen aus geschichteten Sanden mit unterschiedlichen Anteilen an gerundeten und kantengerundeten Schottern. Es handelt sich um einen typischen braunen Aueboden des episodischen Überschwemmungsbereichs. Im Profil ist eine deutliche Schichtung zu erkennen. Anhand der Schichtung lassen sich verschiedene Ablagerungsphasen nachweisen, die zum Teil durch die archäologischen Funde zeitlich eingeordnet werden können.

In 120/125cm Tiefe stehen als Basislage würmzeitliche Terrassenschotter an. Die Basisschotter (bis 5cm, gerundet und kantengerundet) wurden von der Blies während der letzten Kaltzeit in ihrem verwilderten Flussbett akkumuliert.

Abb. 5: Photo eines Profils der Untersuchungsstelle "Allmend C" (nördl. gelegenes Profil 2)

zur genaueren Profilbeschreibung siehe Abb.6 (Skizze des Profils)

Nach Ende der letzten Kaltzeit kann man als Ausgangssituation ein verwildertes Flussbett mit Schotterbänken annehmen, auf denen nach Ausbleiben der kaltzeitlichen Schuttmassen (Solifluktionsmaterial) feineres, sandiges Material abgelagert wurde. Die Blies schnitt sich in ihren Schotterköper ein und fixierte zunehmend ihr Flußbett. Die Untersuchungsstelle liegt auf einer ufernahen Sandakkumulation, die auf dem Schotterpaket abgelagert wurde. Im Profil äußert sich das durch eine 15-20cm mächtige konkordant gelagerte Sandschicht auf den bis zu 6cm großen gerundeten und kantengerundeten Schottern in Sandmatrix. Innerhalb dieser Sandschicht findet man ausgedehnte, bis zu 3 cm mächtige Holzkohlebänder, die aufgrund der großen Holzkohlereste (bis zu 3 cm Länge) und räumlich scharfen Abgrenzung als Brandschicht gedeutet werden. An einigen Stellen wird diese Holzkohleschicht von Sand überdeckt. Dies wird durch kleinräumige Verlagerungsprozesse erklärt, bei denen Sand benachbarter freier Stellen über die Brandflächen gespült wurde. In Rinnen des Mikroreliefs wurde dabei Material akkumuliert, das von den Kuppen abgetragen wurde.

 

 

Tiefe in cm unter rez. Ober-fläche

Skizze

Hori-

zont

Bez.

Horizont-Beschreibung

Datierung

0-25

 

 

 

x

x x

x

x x

x

Ap

schluffig-lehmiger Sand, Farbe 7.5YR4/2, humusreich mit Tonlinsen, Kalkstücken und Ziegelsplittern

post-römerzeitlich, wahrscheinlich Mittelalter und Neuzeit

25-45

 

 

x

x x

M1

schluffig-lehmiger Sand, Farbe 7.5YR4/3, Ziegelsplitter, Holzkohlesplitter, fest

post-römerzeitlich, wahrscheinlich Mittelalter und Neuzeit

45-61

 

x x

x x

fAp/

M2

Sand schwach-lehmig, Farbe 5YR5/4, röm. u. vorge-schichtliche Funde

prä- und synrömerzeitl.,

ev. römerzeitl. Pflug-horizont

61-65

   

Holzkohleband

 

65-80

 

 

 

 

CI

schwach lehmiger Sand, Farbe 5YR5/4, Bleichzonen (Tonverlagerung?)

Phasenhafte Sedimentation

80-95

==============================

CII/Bt

schwach lehmiger Sand, Farbe 5YR5/6, starke Rostfleckung, Tonbänder

im Blies nahen

95-103

OOOOOOOOOOOOOOOO

 

Schotterband, (gerundete u. kantenger. Schotter bis 5mm)

Bereich

103-110

   

Holzkohleband

 

110-122

 

CIII

Sand, Farbe 5YR6/4

frühes Holozän

>122

OOOOOOOO

OOOOOOOO

OOOOOOOO

CIV

Terrassenschotter (gerundete und kantengerundete bis 6cm) in Sandmatrix

ausgehende Würm-Eiszeit

Abb. 6: Skizze der Profilgrube C2 als Beispiel der Böden auf der Untersuchungsfläche

Über diesen Schichten liegt durchgängig über die ganze Fläche ein dünnes Schotterband mit gerundeten und kantengerundeten Schottern bis 5mm (5-7cm mächtig). Diese Schichtenfolge deutet darauf hin, dass auch in der Nacheiszeit zunächst periodische Überschwemmungsereignisse die Fläche formten. Nach Westen in Richtung Blies treten noch weitere dünne Schotterbänder auf, die nach Osten hin ausdünnen. Diese Schotterbänder markieren vermutlich den Übergang zum Uferbereich. Nach Ende der Kaltzeit und zunehmender Vegetationsbedeckung wurde feinkörnigeres Material sedimentiert. Der Wechsel aus Sand und Schotterbändern erklärt sich durch phasenhaft wechselnde Transportkraft der Blies in Folge jahreszeitlich bedingter unterschiedlicher Abflußvolumina. Das Ausstreichen der Schotterbänder im bliesfernen Bereich erklärt sich durch die höhere Lage der Terrasse und einer resultierenden geringeren Überflutungshäufigkeit.

Darüber folgen von 61/65-95/103cm Tiefe zwei als CI und CII bezeichnete Horizonte aus sandigen Flusssedimenten. Der schwach lehmige Sand des CII weist deutliche hydromorphe Merkmale auf (Marmorierung, Rostflecken). In Profil 1 sind an der Untergrenze des CII-Horizontes in 100cm Tiefe Tonbänder ausgebildet. Die Ausprägung der Tonbänder weist auf pedogene Tonverlagerungsprozesse hin, die eine sedimentäre Genese ausschließen. Dies wird durch den Befund untermauert, dass die Tonbänder eine in Profil 1 angelegte Grubenfüllung und das benachbarte Anstehende durchziehen. Über dem Horizont CII folgt in einer Tiefe von 61/65cm bis 80cm ein lockerer, schwach lehmiger Sand (Horizont CI). Sandige Bleichzonen deuten auf eine Tonabwanderung hin. Der CI unterscheidet sich vom CII nur durch die Rostfleckung und die Tonbänder, die durch Bodenbildungsprozesse entstanden sind und für eine Differenzierung des ursprünglich einheitlichen Materials gesorgt haben. Es folgen Sand- und Schotterschichten bis 60/65cm unter der heutigen Oberfläche. Hier findet sich ein weiteres Holzkohleband und im Hangenden treten mesolithische Fundstücke auf. Die mesolithischen Fundstücke, die oberhalb des CI auftreten, aber in den darunter liegenden Schichten fehlen, deuten darauf hin, dass die Entstehungszeit dieser Schichten zwischen dem Ende der letzten Kaltzeit und etwa 11700 bis 11000bp lag. Das bedeutet, dass nach dem Ende der Kaltzeit bis ungefähr 11000/11700bp weiterhin regelmäßige Überflutungen der Fläche stattfanden, bei denen die Sandbank weiter ausgebaut und erhöht wurde. In den Profilen des rezenten Auebereichs fehlt diese Schicht. Ab dem Mesolithikum nimmt die Menge des akkumulierten Materials mit zunehmender Bewaldung und Vegetationsbedeckung deutlich ab.

Abb. 7: Profilskizzen der 6 aufgenommenen Profilwände (zur näheren Erläuterung der Horizonte siehe Text und Abb. 6). In Profil 1 ist eine vermutl. römerzeitliche Sandentnahmegrube angelegt. In der Grubenfüllung (M2-Material) treten römerzeitliche und mesolith. Funde auf. In Profil 3 sieht man, dass der Römerweg von M1 überlagert wird. Er ist im M2 angelegt worden. Durch die Störungen ist M2 jedoch nicht mehr sicher zu identifizieren. An den Profilen 4 bis 6, die in einer Linie auf die Blies zulaufen (Profil 6 ist am weitesten vom Fluss entfernt), sieht man, dass die kleinen Schotterbändchen mit zunehmender Entfernung zum Fluss ausdünnen. Dies markiert vermutlich den ehemaligen Uferbereich.

An der Obergrenze des CI liegt ein weiteres mehrere cm mächtiges Holzkohleband (mit Stücken bis 5mm). Auch diese Schicht ist als Brandschicht zu deuten. Das Holzkohleband, das im oberen Bereich des Horizonts liegt, wird durch eine vermutlich römerzeitliche Grube in Profil 1 unterbrochen (vgl. Abb. 7). Die Obergrenze des CI-Horizonts mit der Brandschicht wird daher als prärömerzeitliche Oberfläche interpretiert. Die mesolithischen Funde liegen in einer Schicht vermischt mit den jüngeren Funden. Daraus folgt, dass zwischen 11700/11000bp und ca. 2000bp weitestgehend Formungsruhe mit nur geringer Sedimentation vorherrschte. Dies wird auch durch Untersuchungen von WEISROCK (1993) bestätigt.

Über dem CI-Horizont mit dem Holzkohleband liegt in 45 bis 61/65 cm ein Migrationshorizont M2 aus verlagertem Bodenmaterial. Der lehmige Sand ist dicht, humos mit Holzkohleresten und Ziegelsplittern. Die Ziegelsplitter deuten auf eine römerzeitliche Anlage des Horizonts. Der mesolithische Ah-Horizont ist eventuell im M2 durch Vermischung aufgegangen. Die relativ homogene Ausprägung des M2 weist auf einen fossilen Pflughorizont hin. Aus dem M2 stammt auch die Grubenfüllung in Profil 1 (vgl. Abb. 7).

Der Grubenoberrand fällt mit der Untergrenze von M2 zusammen. Die Grube wurde demnach römerzeitlich nach der Ablagerung von CI angelegt, da auch kein CI-Material in der Grube auftritt. Nach Intensivierung der Rodung und Ackernutzung im Einzugsgebiet setzte eine intensive Erosion von Bodenmaterial vermutlich ab römischer Zeit ein. Dies zeigt sich in einer Akkumulation von humusreichem abgespültem Oberbodenmaterial auf der vorrömerzeitlichen Oberfläche. In dieser Schicht wurde dann ein vermutlich römerzeitliche Pflughorizont angelegt. Die Einordnung als fossiler Pflughorizont erfolgt aufgrund der großen Einheitlichkeit und Mächtigkeit des Materials, die von der Durchmischung infolge der Bearbeitung herrührt. Indiz dafür ist auch die Konzentration mesolithischer Funde in dieser Schicht. Nimmt man an, dass das obere Holzkohleband, das man an vielen Stellen der Fläche verfolgen kann, in die Steinzeit datiert, so ist das Auftreten solcher Funde in der darüber folgenden Schicht durch Hochpflügen zu erklären. Auch in der Grube treten im M2-Material Funde auf, welche vom Mesolithikum bis in die Römerzeit datieren. Vermutlich wurde die Grube (und viele der weiteren Gruben, die auf der Fläche zu finden sind) als Sandentnahmegrube in der Römerzeit angelegt. Nach Aufgabe der Grube wurde Oberbodenmaterial (M2) mit den hochgepflügten Funden eingespült.

Zwischen dem Mesolithikum und der keltisch/römischen Siedlungsphase lag folglich eine relative Ruhephase ohne größere Überschwemmungsereignisse. Die Römer nutzten die Aue höchstwahrscheinlich als Ackerflächen. Das ist aus der Einheitlichkeit der Schicht M2 zu schließen, die den damaligen Oberboden repräsentiert. Die leicht zu bearbeitenden Böden der Flussaue boten ideale Bedingungen für den Ackerbau. Die bewaldeten Hänge hingegen mussten erst gerodet werden, da dort sicherlich ein Eichen-Buchen-Mischwald stockte. Zudem sind die tonreichen Böden im Muschelkalk schwerer zu bearbeiten als die Böden der Bliesaue. Als die Hänge später gerodet wurden, setzte die Bodenerosion ein. Dabei wurden beträchtliche Mengen an Bodenmaterial verlagert. Zeugen dafür sind mächtige Kolluvien am Hangfuß, gekappte und degradierte Böden am Oberhang und ein großer Schwemmfächer, der sich am Fuß einer langen Erosionskerbe im Hang süd-westl. Reinheim entwickelt hat. Dieser Schwemmfächer ist so groß, dass er eine Laufverlagerung der Blies verursacht haben könnte. Das unsortierte Material des Schwemmfächers, das aus Bodenmaterial, aber auch großem kantigem Schutt des oberen Muschelkalk und Terrassenschottern besteht, lässt auf murenartige Massentransporte schließen. Der Schwemmfächer überdeckt die B-Terrasse völlig und die A-Terrasse zum Teil (ev. ist der Rand als Ackerrandterrasse durch Wiederbelebung der Terrassenstufe entstanden). Damit lässt sich seine Entstehung auf die Nacheiszeit eingrenzen. Ein weiterer Beleg für die post-kaltzeitliche Bliesverlegung ist, dass A- und B-Terrasse noch dem Bogen des Talverlaufs folgen, während die Blies die ungewöhnliche Richtungsänderung vornimmt. Ein rezenter Kolk deutet an, dass die Blies heute wieder versucht, ihren ursprünglichen Lauf einzunehmen. Vermutlich ist der Schwemmfächer syn- oder post-römerzeitlich durch verstärkte Erosion nach Rodungen entstanden und hat die Blies allmählich verdrängt. Das ist ein Beleg für die Intensität der Erosion.

Über dem M2-Horizont liegt deutlich abgegrenzt der M1-Horizont (sowie der darin angelegte rezente Pflughorizont Ap). Die Grenze verläuft über der gesamten Fläche in sehr einheitlicher Tiefe (vgl. Abb. 7) – auch das weist darauf hin, dass die oberen Horizonte Pflughorizonte sind. Die beiden oberen Horizonte sind deutlich bindiger als die darunter liegenden Schichten. Dies ist daraus zu erklären, dass als Folge der Abholzung und Ackernutzung der Hänge zunächst häufigere Überschwemmungen sandigeres Material im Auenbereich akkumulieren. Zugleich setzt aber auch aufgrund der höheren Wasserführung eine verstärkte Tiefenerosion der Blies ein, die dazu führt, dass die Fließgeschwindigkeit bei den Überschwemmungen sinkt, da die Fläche nur noch gering überspült wird. Es lagert sich feineres tonig/schluffiges Material ab. Dieses überdeckt auch die römerzeitliche Straße (vgl. Abb.7) und die Mauerreste der nahegelegenen römischen Villa in Mächtigkeiten bis zu 52cm auf dem Römerweg. Diese Sedimente werden daher post-römerzeitlich eingeordnet. Vermutlich stellen sie korrelate Ablagerungen der mittelalterlichen und neuzeitlichen Erosionsphasen dar.

Die langjährige Ackernutzung äußert sich in einem durchschnittlich 25 cm mächtigen Ap-Horizont, in dem zum Teil bei länger zurückliegender Ackernutzung ein humusreicher und gut durchwurzelter Ah-Horizont angelegt ist. Man findet Holzkohlestücke und Ziegelsplitter, die Bodenart ist als schluffig-lehmiger Sand anzusprechen.

 

Zusammenfassung

Unsere heutige Kulturlandschaft ist das Resultat natürlicher boden- und reliefformender Prozesse und intensiver anthropogener Eingriffe in den Landschaftshaushalt. Während der Kaltzeiten des Quartärs dominieren periglaziale Vorgänge das geomorphologische Prozessgefüge. Spuren der Kaltzeiten und den zwischeneiszeitlichen Warmphasen finden sich in den Bliestalweitungen als deutlich ausgeprägte Flussterrassen 5- 50m über dem Wasserspiegel der rezenten Blies. Sie dokumentieren ehemalige Niveaus der Flusssohle der Blies. Die Sedimente der rezenten Talsohle gliedern sich aufgrund von Bodenart und Humusgehalt in kalt- und warmzeitliche Ablagerungen des Würms und des Holozäns. Nach dem Ende der letzten Kaltzeit klingen die periglazialen Formungsprozesse aus und warmzeitliche relief- und bodenbildende Prozesse prägen das Bild der Naturlandschaft. Spätestens seit dem frühen Mesolithikum sind die größeren Flussauen im Saar-Lor-Lux-Raum besiedelt. In diesen Zeitraum fällt der Beginn anthropogener Eingriffe in die Naturlandschaft. Zunächst waren die Eingriffe nur gering (Brandflächen zum Beispiel), aber mit Beginn des Ackerbaus wurden die Böden und das Relief intensiv verändert. Anthropogenen Eingriffe in die Landschaft äußern sich langfristig durch Bodendegradierungen, die zu Veränderungen in Vegetationsbedeckung und Nutzbarkeit der Flächen sowie zu Auenlehmbildungen und der Anlage von Schwemmfächern führten. So stehen in einer Reihe von Reliefpositionen neben natürlichen Sedimenten durch Bodenerosion verlagerte korrelate Sedimente an, die aufgrund von Farbe und Humusgehalt eindeutig differenziert werden können. Die Ablagerungsphasen spiegeln sich in den Profilen der Aueböden und -sedimente wieder. Anhand dieser Profile lässt sich die Entwicklungsgeschichte der Flächen rekonstruieren. Besonders günstig für die zeitliche Einordnung der Schichten ist die Menge der gefundenen Artefakte, die eine Datierung ermöglichen. Leider sind auf vielen Teilflächen der Bliesaue die Schichtenfolgen durch Ackerbau und Sandentnahmegruben gestört, sodass die Rekonstruktion des Mikroreliefs teilweise schwierig ist.

 

 

Literatur

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