Naturraum

Das Untersuchungsgebiet ist nicht nur durch eine günstige klimatische Situation gekennzeichnet. Auch die geoökologischen Bedingungen fördern eine frühe dauerhafte Besiedlung des Raumes. Das weite Tal der Blies verläuft annähernd in Nord-Süd-Richtung. Die Talhänge sind in der Hauptsache west- bzw. ostexponiert, was sich in einem günstigen Mikroklima infolge hoher Sonneneinstrahlung und Windschutz niederschlägt.
Im Bereich der Bliesaue bei Reinheim stehen quartäre Ablagerungen der Blies an. Sowohl am Prall- als auch am Gleithang sind die A- und B-Terrassen der Blies nachgewiesen (WEISROCK & FRANOUX 1993). Die Blies selbst hat mittlerweile ihre pleistozänen Ablagerungen teilweise durchschnitten und fließt in Gesteinen des Mittleren Muschelkalk. Am Hangfuß und Mittelhang des Bliestals westlich des Ausgrabungsareals stehen die Mergel des Mittleren Muschelkalks an und bilden dort Quellhorizonte. Aus der näheren Umgebung sind auch Gips- und Steinsalzvorkommen bekannt (Schneider 1991). Im Hangbereich folgen darüber die Trochitenkalke des mo1 (Oberer Muschelkalk). Die besondere Widerständigkeit der Kalke führt zur Herauspräparierung eines Steilabschnittes am Oberhang. Die Hochflächen des Bliesgaus werden durch die plattigen Ceratitenkalke des Oberen Muschelkalkes mo2 gebildet.

Unsere heutige Kulturlandschaft ist das Resultat natürlicher boden- und reliefformender Prozesse und intensiver anthropogener Eingriffe in den Landschaftshaushalt. Im Untersuchungsgebiet lassen sich verschiedene Phasen der Landschaftsentwicklung nachweisen.
Während der Kaltzeiten des Quartärs dominieren periglaziale Vorgänge das geomorphologische Prozessgefüge. Spuren der Kaltzeiten und den zwischenkaltzeitlichen Warmphasen finden sich in den Bliestalweitungen als deutlich ausgeprägte Flussterrassen 5- 50m über dem Wasserspiegel der rezenten Blies. Sie dokumentieren ehemalige Niveaus der Flusssohle der Blies. Die Sedimente der rezenten Talsohle gliedern sich aufgrund von Bodenart und Humusgehalt in kalt- und warmzeitliche Ablagerungen des Würms und des Holozäns. Nach dem Ende der letzten Kaltzeit klingen die periglazialen Formungsprozesse aus und warmzeitliche  relief- und bodenbildende Prozesse prägen das Bild der Naturlandschaft.
Im Frühholozän war die Blies in diesem Flussabschnitt vermutlich in mehrere Arme aufgespalten, in denen deutliche Akkumulations- und Erosionsprozesse stattfanden. Mit der einsetzenden Wiederbewaldung gingen die Erosionsprozesse durch den stabilisierenden Einfluss der Vegetationsdecke zurück. Seit dem Mesolithikum bis zur keltisch-römischen Zeit bestimmte eine Phase der relativen Formungsruhe die Entwicklung des Talgrundes, denn zunächst waren die anthropogenen Eingriffe nur gering (Brandflächen zum Beispiel). Mit Beginn des Ackerbaus wurden die Böden und das Relief dann intensiv verändert.  Dies äußert sich durch Bodendegradierungen, die zu Veränderungen in Vegetationsbedeckung und Nutzbarkeit der Flächen sowie zu Auenlehmbildungen und der Anlage von Schwemmfächern führen. In einer Reihe von Reliefpositionen stehen neben natürlichen Sedimenten durch Bodenerosion verlagerte korrelate Sedimente an, die aufgrund von Farbe und Humusgehalt eindeutig differenziert werden können. Die Ablagerungsphasen spiegeln sich in den Profilen der Aueböden und -sedimente wieder. Anhand dieser Profile lässt sich die Entwicklungsgeschichte der Flächen rekonstruieren. Besonders günstig für die zeitliche Einordnung der Schichten ist die Menge der gefundenen Artefakte, die eine Datierung ermöglichen. Leider sind auf vielen Teilflächen der Bliesaue die Schichtenfolgen durch Ackerbau und Sandentnahmegruben gestört, sodass die Rekonstruktion des Mikroreliefs teilweise schwierig ist.

Literatur:
Schneider, H. (1991): Geologie des Saarlandes. In: Sammlung Geologischer Führer 84. Stuttgart
Weisrock, A., Franoux, D. (1993): L'environnement du site de Bliesbruck-Reinheim: étude du fond de vallée de la Blies. In: Blesa - Veröffentlichung des Europ. Kulturparks Bd 1, S. 223 - 235.

Böden