Böden und Geologie

Die Böden des Bliestales bei Reinheim wurden durch eine Trassenkartierung der Bliesaue und der Hangbereiche bis zur Hochfläche erfaßt. Zusätzlich wurden noch 6 große Profilwände in der Flussaue aufgenommen.

Auf der Hochfläche sind im oberen Muschelkalk Rendzinen und flachgründige Kalksteinbraunlehme angelegt. Diese Böden sind nährstoffreich, allerdings durch den hohen Tongehalt und den vor allem bei Rendzinen hohen Anteil an Kalksteinen relativ schwer zu bearbeiten. In von Erosion betroffenen Lagen, vor allem an den steileren Hangabschnitten sind Rendzinen dominant. Hier nimmt die Solummächtigkeit bis auf 16cm ab. Diese  nährstoffreichen Böden wurden trotz der hohen Erosionsexposition ackerbaulich genutzt. Heute ist hier aufgrund des hohen Ausmaß an Bodendegradation eine Ackernutzung nicht mehr sinnvoll. Im Mittelhangbereich, der Übergangszone der Schichten von Oberem Muschelkalk in den Mittleren Muschelkalk, findet man Kalksteinbraunlehme mit deutlichen Pseudovergleyungsspuren bis hin zu reinen Pseudogleyen. Auf den bindigen Mergeln des Mittleren Muschelkalk kommt es oft zur Ausbildung von Quellhorizonten und zur Vernässung durch Stauwasser. Im flacheren Unterhangbereich treten dann mächtige Kolluvien auf. Hier wurde das Bodenmaterial abgelagert, dass von den Ackerflächen am Oberhang abgespült wurde. Die große Mächtigkeit der Kolluvien ist ein deutliches Zeichen für das Ausmaß der Erosion. Die Materialverlagerung am Hang hat zu deutlich sichtbaren Reliefveränderungen wie zum Beispiel zur Verflachung des Unterhangbereiches geführt. Im Bereich des Bliesknies bei Reinheim fehlen solche Kolluvien in den entsprechenden Reliefpositionen. Statt der zu erwartenden Kolluvien auf Terrassenschottern findet man junge Kalkbraunerden und pseudovergleyte Braunerden im Schuttmaterial eines Schwemmfächers, der am Prallhang des Bliesknies angeschnitten ist. Neben feinerem Bodenmaterial und gerundeten Schottern tritt vor allem wenig oder nicht gerundete Kalksteinschutt des Oberen Muschelkalk auf. Das ist ein Hinweis auf murenartige Massenverlagerungen. Die korrelate tief eingeschnittene Erosionskerbe am Oberhang westlich von Reinheim ist  mit Wald bestanden und hat sich deshalb gut erhalten, während am Unterhang der Schwemmfächer durch Pflügen dem umgebenden Relief angeglichen wurde. Wo er noch deutlich im Gelände sichtbar ist, überdeckt er die A-und B-Terrasse der Blies und ist somit jünger als die Flussterrassen der letzten Kaltzeit. Die Ausdehnung des murenartigen Schwemmfächer begründet die Annahme, daß die Änderung der Fließrichtung der Blies in diesem Flußabschnitt durch diesen Schwemmfächer erfolgte.
 
 
Tiefe in cm unter rez. Oberfläche
Skizze
Hori-

zont

Bez.

Horizont-Beschreibung Datierung
0-25
 
 
 
 

 

x x

x

x x

Ap
schluffig-lehmiger Sand, Farbe 7.5YR4/2, humusreich mit Tonlinsen, Kalkstücken und Ziegelsplittern post-römerzeitlich, wahrscheinlich Mittelalter und Neuzeit
25-45
 
 

 

x x 

M1
schluffig-lehmiger Sand, Farbe 7.5YR4/3, Ziegelsplitter, Holzkohlesplitter, fest post-römerzeitlich, wahrscheinlich Mittelalter und Neuzeit
45-61

 

x x 

x x

fAp/

M2

Sand schwach-lehmig, Farbe 5YR5/4, röm. u. vorge-schichtliche Funde  prä- und synrömerzeitl.,

ev. römerzeitl. Pflughorizont 

61-65     Holzkohleband  
65-80

 


 
 

 

CI
schwach lehmiger Sand, Farbe 5YR5/4, Bleichzonen (Tonverlagerung?)
Phasenhafte Sedimentation
80-95
==============================
CII/Bt
schwach lehmiger Sand, Farbe 5YR5/6, starke Rostfleckung, Tonbänder
im Blies nahen
95-103
OOOOOOOOOOOOOOOO
  Schotterband, (gerundete u. kantenger. Schotter bis 5mm)
Bereich
103-110     Holzkohleband  
110-122  
CIII
Sand, Farbe 5YR6/4 frühes Holozän
>122
OOOOOOOO

OOOOOOOO

OOOOOOOO

CIV
Terrassenschotter (gerundete und kantengerundete bis 6cm) in Sandmatrix ausgehende Würm-Eiszeit

Skizze der Profilgrube 2 als Beispiel der Böden auf der Untersuchungsfläche

Mit Hilfe der Kartierungen können die Bodentypen  der Aue in zwei deutlich unterschiedliche Gruppen gegliedert werden. Auf der würmzeitlichen A-Terrasse der Blies sind braune Aueböden des episodischen Überschwemmungsbereichs ausgebildet, während im rezenten Überschwemmungsbereich Übergänge zwischen Braunen Aueböden und  Auengleyen zu finden sind. Der Grundwassereinfluss prägt die Böden der niedriger gelegenen Geländeteile, die aktuell jährlich überflutet werden.
In 120/125cm Tiefe stehen als Basislage würmzeitliche Terrassenschotter an. Die Basisschotter (bis 5cm, gerundet und kantengerundet) wurden von der Blies während der letzten Kaltzeit in ihrem verwilderten Flussbett akkumuliert. Nach Ende der letzten Kaltzeit kann man als Ausgangssituation ein verwildertes Flussbett mit Schotterbänken annehmen, auf denen nach Ausbleiben der kaltzeitlichen Schuttmassen (Solifluktionsmaterial) feineres, sandiges Material abgelagert wurde. Die Blies schnitt sich in ihren Schotterköper ein und fixierte zunehmend ihr Flußbett. Die Untersuchungsstelle liegt auf einer ufernahen Sandakkumulation, die auf dem Schotterpaket abgelagert wurde. Im Profil äußert sich das durch eine 15-20cm mächtige konkordant gelagerte Sandschicht auf den bis zu 6cm großen gerundeten und kantengerundeten Schottern in Sandmatrix. Innerhalb dieser Sandschicht findet man ausgedehnte, bis zu 3 cm mächtige Holzkohlebänder, die aufgrund der großen Holzkohlereste (bis zu 3 cm Länge) und räumlich scharfen Abgrenzung als Brandschicht gedeutet werden. An einigen Stellen wird diese Holzkohleschicht von Sand überdeckt. Dies wird durch kleinräumige Verlagerungsprozesse erklärt, bei denen Sand benachbarter freier Stellen über die Brandflächen gespült wurde. In Rinnen des Mikroreliefs wurde dabei Material akkumuliert, das von den Kuppen abgetragen wurde.Über diesen Schichten liegt durchgängig über die ganze Fläche ein dünnes Schotterband mit gerundeten und kantengerundeten Schottern bis 5mm (5-7cm mächtig). Diese Schichtenfolge deutet darauf hin, dass auch in der Nacheiszeit zunächst periodische Überschwemmungsereignisse die Fläche formten. Nach Westen in Richtung Blies treten noch weitere dünne Schotterbänder auf, die nach Osten hin ausdünnen. Diese Schotterbänder markieren vermutlich den Übergang zum Uferbereich. Nach Ende der Kaltzeit und zunehmender Vegetationsbedeckung wurde feinkörnigeres Material sedimentiert. Der Wechsel aus Sand und Schotterbändern erklärt sich durch phasenhaft wechselnde Transportkraft der Blies in Folge jahreszeitlich bedingter unterschiedlicher Abflußvolumina. Das Ausstreichen der Schotterbänder im bliesfernen Bereich erklärt sich durch die höhere Lage der Terrasse und einer resultierenden geringeren Überflutungshäufigkeit.
Darüber folgen von 61/65-95/103cm Tiefe zwei als CI und CII bezeichnete Horizonte aus sandigen Flusssedimenten. Der schwach lehmige Sand des CII weist deutliche hydromorphe Merkmale auf (Marmorierung, Rostflecken). In Profil 1 sind an der Untergrenze des CII-Horizontes in 100cm Tiefe Tonbänder ausgebildet. Die Ausprägung der Tonbänder weist auf pedogene Tonverlagerungsprozesse hin, die eine sedimentäre Genese ausschließen. Dies wird durch den Befund untermauert, dass die Tonbänder eine in Profil 1 angelegte Grubenfüllung und das benachbarte Anstehende durchziehen. Über dem Horizont CII folgt in einer Tiefe von 61/65cm bis 80cm ein lockerer, schwach lehmiger Sand (Horizont CI). Sandige Bleichzonen deuten auf eine Tonabwanderung hin. Der CI unterscheidet sich vom CII nur durch die Rostfleckung und die Tonbänder, die durch Bodenbildungsprozesse entstanden sind und für eine Differenzierung des ursprünglich einheitlichen Materials gesorgt haben. Es folgen Sand- und Schotterschichten bis 60/65cm unter der heutigen Oberfläche. Hier findet sich ein weiteres Holzkohleband und im Hangenden treten mesolithische Fundstücke auf. Die mesolithischen Fundstücke, die oberhalb des CI auftreten, aber in den darunter liegenden Schichten fehlen, deuten darauf hin, dass die Entstehungszeit dieser Schichten zwischen dem Ende der letzten Kaltzeit und etwa 11700 bis 11000bp lag. Das bedeutet, dass nach dem Ende der Kaltzeit bis ungefähr 11000/11700bp weiterhin regelmäßige Überflutungen der Fläche stattfanden, bei denen die Sandbank weiter ausgebaut und erhöht wurde. In den Profilen des rezenten Auebereichs fehlt diese Schicht. Ab dem Mesolithikum nimmt die Menge des akkumulierten Materials mit zunehmender Bewaldung und Vegetationsbedeckung deutlich ab.

Abbildung: Profilskizzen der 6 aufgenommenen Profilwände in der Bliesaue (zur Erklärung der Profilbezeichnungen siehe Text). In Profil 1 ist eine vermutl. römerzeitliche Sandentnahmegrube angelegt. In der Grubenfüllung (M2-Material) treten römerzeitliche und mesolith. Funde auf. In Profil 3 sieht man, dass der Römerweg von M1 überlagert wird. Er ist im M2 angelegt worden. Durch die Störungen ist M2 jedoch nicht mehr sicher zu identifizieren. An den Profilen 4 bis 6, die in einer Linie auf die Blies zulaufen (Profil 6 ist am weitesten vom Fluss entfernt), sieht man, dass die kleinen Schotterbändchen mit zunehmender Entfernung zum Fluss ausdünnen. Dies markiert vermutlich den ehemaligen Uferbereich.

An der Obergrenze des CI liegt ein weiteres mehrere cm mächtiges Holzkohleband (mit Stücken bis 5mm). Auch diese Schicht ist als Brandschicht zu deuten. Das Holzkohleband, das im oberen Bereich des Horizonts liegt, wird durch eine vermutlich römerzeitliche Grube in Profil 1 unterbrochen. Die Obergrenze des CI-Horizonts mit der Brandschicht wird daher als prärömerzeitliche Oberfläche interpretiert. Die mesolithischen Funde liegen in einer Schicht vermischt mit den jüngeren Funden. Daraus folgt, dass zwischen 11700/11000bp und ca. 2000bp weitestgehend Formungsruhe mit nur geringer Sedimentation vorherrschte.
Dies wird auch durch Untersuchungen von WEISROCK & FRANOUX (1993) bestätigt.
Über dem CI-Horizont mit dem Holzkohleband liegt in 45 bis 61/65 cm ein Migrationshorizont M2 aus verlagertem Bodenmaterial. Der lehmige Sand ist dicht, humos mit Holzkohleresten und Ziegelsplittern. Die Ziegelsplitter deuten auf eine römerzeitliche Anlage des Horizonts. Der mesolithische Ah-Horizont ist eventuell im M2 durch Vermischung aufgegangen. Die relativ homogene Ausprägung des M2 weist auf einen fossilen Pflughorizont hin. Aus dem M2 stammt auch die Grubenfüllung in Profil 1 (vgl. Abb.). Der Grubenoberrand fällt mit der Untergrenze von M2 zusammen. Die Grube wurde demnach römerzeitlich nach der Ablagerung von CI angelegt, da auch kein CI-Material in der Grube auftritt. Nach Intensivierung der Rodung und Ackernutzung im Einzugsgebiet setzte eine intensive Erosion von Bodenmaterial vermutlich ab römischer Zeit ein. Dies zeigt sich in einer Akkumulation von humusreichem abgespültem Oberbodenmaterial auf der vorrömerzeitlichen Oberfläche. In dieser Schicht wurde dann ein vermutlich römerzeitliche Pflughorizont angelegt. Die Einordnung als fossiler Pflughorizont erfolgt aufgrund der großen Einheitlichkeit und Mächtigkeit des Materials, die von der Durchmischung infolge der Bearbeitung herrührt. Indiz dafür ist auch die Konzentration mesolithischer Funde in dieser Schicht. Nimmt man an, dass das obere Holzkohleband, das man an vielen Stellen der Fläche verfolgen kann, in die Steinzeit datiert, so ist das Auftreten solcher Funde in der darüber folgenden Schicht durch Hochpflügen zu erklären. Auch in der Grube treten im M2-Material Funde auf, welche vom Mesolithikum bis in die Römerzeit datieren. Vermutlich wurde die Grube (und viele der weiteren Gruben, die auf der Fläche zu finden sind) als Sandentnahmegrube in der Römerzeit angelegt. Nach Aufgabe der Grube wurde Oberbodenmaterial (M2) mit den hochgepflügten Funden eingespült.
Zwischen dem Mesolithikum und der keltisch/römischen Siedlungsphase lag folglich eine relative Ruhephase ohne größere Überschwemmungsereignisse. Die Römer nutzten die Aue höchstwahrscheinlich als Ackerflächen. Das ist aus der Einheitlichkeit der Schicht M2 zu schließen, die den damaligen Oberboden repräsentiert. Die leicht zu bearbeitenden Böden der Flussaue boten ideale Bedingungen für den Ackerbau. Die bewaldeten Hänge hingegen mussten erst gerodet werden, da dort sicherlich ein Eichen-Buchen-Mischwald stockte. Zudem sind die tonreichen Böden im Muschelkalk schwerer zu bearbeiten als die Böden der Bliesaue. Als die Hänge später gerodet wurden, setzte die Bodenerosion ein. Dabei wurden beträchtliche Mengen an Bodenmaterial verlagert. Zeugen dafür sind mächtige Kolluvien am Hangfuß, gekappte und degradierte Böden am Oberhang und ein großer Schwemmfächer, der sich am Fuß einer langen Erosionskerbe im Hang süd-westl. Reinheim entwickelt hat. Dieser Schwemmfächer ist so groß, dass er eine Laufverlagerung der Blies verursacht haben könnte. Das unsortierte Material des Schwemmfächers, das aus Bodenmaterial, aber auch großem kantigem Schutt des oberen Muschelkalk und Terrassenschottern besteht, lässt auf murenartige Massentransporte schließen. Der Schwemmfächer überdeckt die B-Terrasse völlig und die A-Terrasse zum Teil (ev. ist der Rand als Ackerrandterrasse durch Wiederbelebung der Terrassenstufe entstanden). Damit lässt sich seine Entstehung auf die Nacheiszeit eingrenzen. Ein weiterer Beleg für die post-kaltzeitliche Bliesverlegung ist, dass A- und B-Terrasse noch dem Bogen des Talverlaufs folgen, während die Blies die ungewöhnliche Richtungsänderung vornimmt. Ein rezenter Kolk deutet an, dass die Blies heute wieder versucht, ihren ursprünglichen Lauf einzunehmen. Vermutlich ist der Schwemmfächer syn- oder post-römerzeitlich durch verstärkte Erosion nach Rodungen entstanden und hat die Blies allmählich verdrängt. Das ist ein Beleg für die Intensität der Erosion.
Über dem M2-Horizont liegt deutlich abgegrenzt der M1-Horizont (sowie der darin angelegte rezente Pflughorizont Ap). Die Grenze verläuft über der gesamten Fläche in sehr einheitlicher Tiefe (vgl. Abb.) – auch das weist darauf hin, dass die oberen Horizonte Pflughorizonte sind. Die beiden oberen Horizonte sind deutlich bindiger als die darunter liegenden Schichten. Dies ist daraus zu erklären, dass als Folge der Abholzung und Ackernutzung der Hänge zunächst häufigere Überschwemmungen sandigeres Material im Auenbereich akkumulieren. Zugleich setzt aber auch aufgrund der höheren Wasserführung eine verstärkte Tiefenerosion der Blies ein, die dazu führt, dass die Fließgeschwindigkeit bei den Überschwemmungen sinkt, da die Fläche nur noch gering überspült wird. Es lagert sich feineres tonig/schluffiges Material ab. Dieses überdeckt auch die römerzeitliche Straße (vgl. Abb.) und die Mauerreste der nahegelegenen römischen Villa in Mächtigkeiten bis zu 52cm auf dem Römerweg. Diese Sedimente werden daher post-römerzeitlich eingeordnet. Vermutlich stellen sie korrelate Ablagerungen der mittelalterlichen und neuzeitlichen Erosionsphasen dar.
Die langjährige Ackernutzung äußert sich in einem durchschnittlich 25 cm mächtigen Ap-Horizont, in dem zum Teil bei länger zurückliegender Ackernutzung ein humusreicher und gut durchwurzelter Ah-Horizont angelegt ist. Man findet Holzkohlestücke und Ziegelsplitter, die Bodenart ist als schluffig-lehmiger Sand anzusprechen.

Literatur:
Weisrock, A., Franoux, D. (1993): L'environnement du site de Bliesbruck-Reinheim: étude du fond de vallée de la Blies. In: Blesa - Veröffentlichung des Europ. Kulturparks Bd 1, S. 223 - 235.