| Psychologische
Aspekte des Haarausfalls beim Mann |
Ronald Henss (1999). Psychologische Aspekte des Haarausfalls. Vortrag auf dem Symposium Androgenetische Alopezie.
Fortschritte in Forschung und Therapie. Berlin, 15. - 17. 01. 1999.
Eine umfangreiche psychologische Literatur dokumentiert, dass das äußere Erscheinungsbild eines Menschen tiefgreifende psychologische und soziale Konsequenzen hat. Obgleich kaum Zweifel besteht, dass das Haar eine wichtige Komponente des Aussehens darstellt, liegen nur wenige Untersuchungen über psychologische Aspekte des Haares vor. Dies gilt in ganz besonderer Weise für das Phänomen des erblich bedingten Haarausfalls (androgenetische Alopezie), das bislang sehr selten aus psychologischer Perspektive untersucht wurde. Der vorliegende Beitrag gibt einen Überblick über empirische Forschungen zu psychologischen Aspekten der androgenetischen Alopezie beim Mann. Darüber hinaus werden methodische Probleme dieses Forschungsbereichs dikskutiert. In den Augen der Anderen erscheinen Männer mit Glatze in der Regel
weniger vorteilhaft als Männer mit vollem Haar. Dies gilt insbesondere
für viele Qualitäten, die in unserer jugendzentrierten Kultur
eine wichtige Rolle spielen, wie zum Beispiel Jugendlichkeit, sexuelle
Attraktivität, Vitalität. Zu dem überwiegend negativen Fremdbild
korrespondiert häufig ein entsprechendes negatives Selbstbild der
Betroffenen. Darüber hinaus werden gelegentlich schwerwiegendere Begleiterscheinungen
des Haarausfalls berichtet, wie zum Beispiel negatives Körperbild,
geringes Selbstwertgefühl, soziale Angst, Depression, sozialer Rückzug.
Schwerwiegende psychologische und soziale Beeinträchtigungen sind
jedoch keineswegs der Normalfall. Sie kommen offenbar bei denjenigen, die
wegen ihres Haarausfalls einen Arzt konsultieren, wesentlich häufiger
vor als in der Allgemeinbevölkerung. Aber auch psychologisch und sozial
gut angepasste Personen berichten häufig über eine Reihe
spezifischer Haarprobleme, die darauf hinweisen, dass Haarausfall
bei vielen Betroffenen mit (wenn auch milden) psychischen Belastungen verbunden
ist. Der Verlust der Haare scheint vor allem für junge Männer
eine stärkere Belastung darzustellen, und zwar vor allem für
diejenigen, die eine rasche Verschlechterung erwarten, sich nicht in einer
partnerschaftlichen Beziehung befinden und die eine hohe öffentliche
Selbstaufmerksamkeit aufweisen. Aufgrund fehlender empirischer Daten ist
unklar, inwieweit Haarausfall zu realen negativen sozialen Konsequenzen
führt, wie zum Beispiel Nachteile bei der Partnerwahl, geringere soziale
Attraktivität, Nachteile im Beruf.
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