Fachrichtung Psychologie   Universität des Saarlandes   Saarbrücken
PD Dr. Ronald Henss
http://www.uni-saarland.de/fak5/ronald/dhome.htm

Biologische und medizinische Aspekte des Haares

Petra Bachmann, Isabel Kügler, Irene Peters, Isabelle Six


Haarstruktur und Haarzyklus


Beim Thema 'Psychologische und kulturelle Aspekte des Haares' kommt man nicht umhin, zunächst die Biologie und Physiologie des Haares zu betrachten. Das Verständnis um Haaraufbau und Haarstruktur und den Haarzyklus mit seinen Wachstumsphasen liefert die Grundvoraussetzungen dafür, sich auch den psychologischen Fragestellungen rund um das Thema Haar widmen zu können.
Das Haar besteht aus der Haarwurzel oder Haarzwiebel, die in der Haut verborgen ist, und dem Haarschaft, der über die Haut hinausragt. Jeder Haarbalg ist mit einem Muskel verbunden, der das Haar (z.B. bei Kälte) aufrichten kann.
Die Lebensdauer eines Haares beträgt 4-6 Jahre, in denen das Haar drei Wachstumsphasen durchläuft:
  • Wachstums- oder Anagenphase
  • Umbau- oder Katagenphase
  • Ruhe- oder Telogenphase
Sind alle drei Stadien abgeschlossen, kommt es zum Ausfall des Haares, wobei in der Haarwurzel sofort wieder ein neues Haar nachwächst.

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Körperhaare und Kopfhaare


Nach dem Ort, an dem sie hervorsprießen, - sie wachsen mit Ausnahme einiger weniger Regionen am ganzen Körper - lassen sich unsere Haare grob in Körperhaare und Kopfhaare einteilen. Dabei machen letztere nur etwa 25 Prozent unseres gesamten Haarkleides aus. Beide Arten von Haar unterscheiden sich nicht nur in ihrer Beschaffenheit, sondern auch in ihrer Anzahl sowie bezüglich der Dauer ihrer
Wachstumsphasen.
Generell lassen sich Körper- und Kopfhaare wiederum den drei allgemeinen Unterscheidungsklassen (Langhaare, Borstenhaare und feine Haare) zuordnen. Neben individuellen Funktionen, die zum Beispiel der Fortpflanzung oder einfach nur der Verschönerung dienen sollen, haben sämtliche Haare, sei es auf dem Haupt oder an anderer Stelle, die Aufgabe, den menschlichen Organismus vor äußeren Belastungen zu schützen.

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Evolution


Zur Frage, warum sich der Mensch heute in Sachen Körperbehaarung doch ganz offensichtlich vom Affen unterscheidet, gibt es unterschiedliche Theorien. Die einen sagen, der Verlust der Ganzkörperbehaarung beim Menschen habe sich im Zuge der evolutionären Anpassung wegen seiner starken Schweißabsonderung entwickelt. Andere begründen dieses veränderte Erscheinungsbild mit einem nicht mehr bestehenden Nachteil unserer "Nacktheit", da der Mensch sich Abhilfe geschaffen habe wie Kleidung und Heizung. Wiederum andere meinen, unser Haarkleid habe sich im Laufe der Jahrtausende so stark gelichtet, weil unsere Urahnen einen längeren Zeitraum im Wasser gelebt hätten. Hinzu kommt noch die Theorie, dass der Mensch im weitesten Sinne als "Kind-gestaltiger" = neotener "Affe" bezeichnet werden kann. Viele unserer Merkmale decken sich nämlich mit den kindlichen Ausprägungen bei Primaten, wie eben auch der Haarwuchs.

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Haare in der Ontogenese


Nicht ganz so spekulativ verhält es sich in Bezug auf die Ontogenese (Entwicklung über die Lebensspanne). Bezeichnender Weise haben bereits ungeborene Kinder Haare vorzuweisen. Diese werden im Verlauf der individuellen Entwicklung, nicht zuletzt bedingt durch hormonelle Steuerung, zum Teil immer dicker und übernehmen je nach Körperstelle ganz gezielte Funktionen.

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Krankheiten


Im Zusammenhang mit Haaren sind zahlreiche Erkrankungen zu berücksichtigen. Für Psychologen sehr bedeutsam ist die Trichotillomanie. Darunter versteht man den Zwang, sich die Haare auszureißen. Auch das Krankheitsbild Depression/Manie kann erhebliche Auswirkungen auf das äußere Erscheinungsbild eines Menschen haben. Alkoholismus und Mangelernährung hinterlassen ebenfalls ihre Spuren in unseren Haaren. Für viele Menschen lästig und mit einem unter Umständen starken Leidensdruck verbunden sind Überbehaarungen (Hypertrichose und Hirsutismus). Unangenehm und schmerzhaft ist die Follikulitis, welche die Entzündung des Haarfollikels bezeichnet. Schließlich und endlich gibt es noch verschiedene Haarwachstumsstörungen, die wir kurz erläutern werden.

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Haartypen


Das Haar läßt sich grob in zwei verschiedene Haartypen einteilen:
  • seborrhoischer Typ (ausgeprägte Talgschicht, fettig)
  • sebostatischer Typ (eher talgarm, trocken)
Diese beiden Haartypen bedürfen unterschiedlicher Pflege. Haare, die von sich aus mit reichlicher oder gar übermäßiger Talgproduktion versorgt werden, muß man häufiger waschen als trockenes Haar. Auch die Wahl des Haarshampoos hängt vom Haartyp ab: Trockenes Haar sollte nach Möglichkeit mit einem Shampoo versorgt werden, das rückfettende Substanzen enthält. Im Gegensatz dazu benötigt das seborrhoische Haar ein mildes Haarwaschmittel ohne rückfettende Substanzen.
Das Haar unterscheidet sich jedoch nicht nur hinsichtlich des Haartypus, sondern auch in seiner Form: es kann sich kräuseln (dann entstehen Locken) oder glatt herunterhängen. Verantwortlich hierfür sind zwei Arten von Haarfasern,
  • schwefelhaltig-kompakte Fasern
  • schwefelarm-dehnbare Fasern
Während lockige Haare aus beiden Fasertypen bestehen, ist bei glatten Haaren vorwiegend der schwefelhaltig-kompakte Fasertyp zu finden.

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Quellen:





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