Fachrichtung Psychologie   Universität des Saarlandes   Saarbrücken
PD Dr. Ronald Henss
http://www.uni-saarland.de/fak5/ronald/dhome.htm

Haarerkrankungen

Isabel Kügler


Erkrankungen in Zusammenhang mit Haaren


Die "Volkskrankheit" Haarausfall
Der bei Männern weit verbreitete, genetisch mitbedingte und durch männliche Hormone gesteuerte Haarausfall heißt "androgene Alopezie".
Haarausfall kann generell aus vielerlei unterschiedlichen Gründen beim Menschen auftreten: Diese können nicht nur genetischen Ursprungs und hormonell bedingt sein, sondern auch durch psychische Erkrankungen oder als Folge von Mangelernährung auftreten.
Auch gibt es die Möglichkeit, dass Haarausfall durch Medikamenteneinnahme (z.B. bei "Chemo-Therapie"), oder als ein Symptom anderer Erkrankungen auftreten kann.
Der Ausfall kann diffus ("überall ein Bisschen") oder kreisrund, und sogar total auftreten (inklusive Wimpern, Augenbrauen und Körperbehaarung). Es kann sich dabei um einen endgültigen Zustand handeln oder auch nur um eine vorübergehende Phase.
Generell tritt er bei Männern häufiger auf als bei Frauen.
Näheres zum Thema "Haarausfall

Trichotillomanie
Trichotillomanie ist eine (psychische) Erkrankung. Sie bezeichnet den Zwang, sich Haare auszureißen.
In der Folge tritt oft sichtbarer Haarverlust auf, den der Patient jedoch meist zu kaschieren versucht.
Trichotillomanie kann nicht direkt als Zwangshandlung verstanden werden, denn die Betroffenen empfinden durchweg eine Art angenehmes Gefühl während des Reißens und verknüpfen mit dem Reißen an sich keine negativen Emotionen. Wohl aber stellt die Reaktion der Umwelt für diese Patienten ein großes Problem dar, denn man schämt sich oft wegen der kahlen Stellen, fühlt sich minderwertig und unattraktiv.
Der Beginn dieser Krankheit liegt meist im Pubertätsalter, bei etwa 12-13 Jahren.
Betroffen sind in erster Linie Frauen, was natürlich nicht ausschließt, dass auch Männer unter der Störung leiden können. Depressionen treten üblicherweise als Begleiterscheinung der Trichotillomanie auf, hervorgerufen durch starke Minderwertigkeitsgefühle und Ängste.
Typisch für das Krankheitsbild ist ein Spielen mit den ausgerissenen Haaren, sowie Essen oder Abbeißen der Haarwurzeln. Es können generell alle Partien des Körpers betroffen sein, je nachdem wie der Patient versucht, seine haarlosen Stellen zu kaschieren um letztlich doch "nicht aufzufallen".
Als Auslöser für Trichotillomanie kommen Kombinationen mehrerer relevanter Faktoren in Frage: Man stellt bei den Patienten oft Traumatisierungen in der Kindheit fest, verursacht durch starken Stress, beispielsweise Missbrauch oder den Tod von wichtigen Bezugspersonen. Außerdem spielen Minderwertigkeitsgefühle eine wichtige Rolle.
Eventuell können auch genetische und hormonelle Faktoren mitverantwortlich sein, dies ist aber noch nicht hinreichend belegt.
Wer sich gerne näher über diese Krankheit informieren möchte, findet unter www.trichotillomanie.de und www.trich.de zwei sehr interessante Seiten mit Erfahrungsberichten, Selbsthilfegruppen und vielen Facts zur Trichotillomanie.

Depression und Manie
Auch depressive Zustände können sich massiv auf die Haargesundheit auswirken. Das Haar kann bei depressiven Patienten spröde, struppig, glanzlos und ungepflegt erscheinen. Nicht selten tritt ein meist diffuser Haarausfall auf, der jedoch nach Abklingen der Depression zurückgeht. In manischen Phasen findet man oft ein geradezu "blühendes Aussehen" des Betroffenen vor, inklusive gesund und glänzend aussehendem Haar. Beides tritt oft im raschen Wechsel auf.

Alkoholismus
Nicht selten findet man bei Alkoholikern ungewöhnlich dichte Kopfbehaarung vor. Das Haar kann dabei noch zunehmend brüchig und struppig werden, besonders bei Frauen.

Überbehaarung/ Hypertrichose
Die Überbehaarung, genannt Hypertrichose, kann genetischen Ursprungs sein, aber auch als Folgesymptom anderer Erkrankungen auftreten. Außerdem kommen hormonelle Störungen als Ursache in Betracht (v.a. bei Frauen).
Bei Kindern kann auch zum Beispiel das abermalige Wachsen fötalen Flaumhaares auftreten. Dies ist unter Umständen sogar noch bei Erwachsenen möglich, beispielsweise in Folge einer Tumorerkrankung. Hypertrichosen können auch bei langandauernder medikamentöser Behandlung und übermäßig starkem Stress auftreten.

Hirsutismus
Unter Hirsutismus versteht man eine besondere Form der Behaarungsstörung bei Frauen.
Diese sind betroffen von einer männliche Ausprägung des Körperhaarwuchses, was mit Minderwertigkeitsgefühlen und sozialer Ablehnung einhergehen kann. Allerdings ist nur in 10% aller Fälle eine Hormonstörung, sprich zu hohe Androgenausschüttung nachweisbar und somit die Krankheit durch Hormongaben behandelbar.
Ansonsten gibt es keine bekannten Ursachen (= "idiopathische" Gründe), was eine Therapie meist sehr schwierig macht. Es bleibt oft nur die Möglichkeiten der Rasur bzw. der Epilation, welche natürlich mit erheblichen Schmerzen verbunden sein kann und leider auch nicht andauernd wirkt. Dank neuester Techniken kann man inzwischen auch per Laserstrahlen die Haarwurzeln veröden, wobei es sich jedoch um eine überaus langwierige, unangenehme und dabei noch sehr teuere Prozedur handelt. Und da dies als eine rein kosmetische Behandlung angesehen wird, werden die Kosten in der Regel auch nicht von den Krankenkassen übernommen, sehr zum Leidwesen der unter starkem Leidensdruck stehenden Patientinnen.

Follikulitis
Die Follikulitis bezeichnet eine Entzündung des Haarfollikels bzw. des oberen Bereichs der Wurzelscheide. Ursachen können Bakterien oder Hefepilze sein, als Symptome kann man gerötete Knötchen, Pusteln auf der Haut feststellen.
Betroffene Körperstellen sind meist Bart, Oberschenkel und Gesäß. Fetthaltige Salben, starkes Schwitzen, Diabetes mellitus und allgemeine Immunschwäche fördern diese Entzündung der Wurzelscheiden.

Spindelhaare / Monilethrix
Die Haarveränderungen beginnen bereits im ersten Lebensjahr.
Entlang des Haarschaftes wechseln sich im Abstand von ca. 0,8mm Einschnürungen und Anschwellungen ab. Infolge dessen brechen die Haare nach und nach ab, der Kopf wird kahl und bedeckt von hervortretenden Verhornungen der Follikel. Spindelhaare sind genetisch bedingt und werden dominant vererbt.

Ringelhaare / Pili anulati
Entlang des Haarschaftes bilden sich abwechselnd dunkle und helle Bereiche mit jeweils 2mm Länge. Dieses Symptom tritt ebenfalls bei sogenannten seitlich abgeflachten Haaren / Pili planati auf.

Pili bifurcati
Der Haarschaft gabelt sich in unregelmäßigen Abständen, das Haar spaltet sich und schließt sich wieder.

Trichomalazie / erhöhte Weichheit der Haare
Trichomalazie tritt bei Kindern häufig auf. Symptome: Kleine, bis zu handtellergroße Bereiche der Kopfhaut zeigen nur schwachen Haarwuchs. Die Ursachen hierfür sind vermutlich mechanische Einflüsse wie nervöses Ziehen an den Haaren.







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