Fachrichtung Psychologie   Universität des Saarlandes   Saarbrücken
PD Dr. Ronald Henss
http://www.uni-saarland.de/fak5/ronald/dhome.htm

Haarstruktur und Haarzyklus

Irene Peters


Einleitung


Wenn man das Thema 'Psychologische und kulturelle Aspekte des Haares' näher anschauen möchte, kommt man nicht umhin, zunächst die Biologie und Physiologie des Haares zu betrachten. Das Verständnis um Haaraufbau und Haarstruktur und den Haarzyklus mit seinen Wachstumsphasen liefert die Grundvoraussetzungen dafür, sich auch den psychologischen Fragestellungen rund um das Thema Haar widmen zu können.
Das Haar besteht aus der Haarwurzel oder Haarzwiebel, die in der Haut verborgen ist, und dem Haarschaft, der über die Haut hinausragt.
Jeder Haarbalg ist mit einem Muskel verbunden, der das Haar (z.B. bei Kälte) aufrichten kann.
Die Lebensdauer eines Haares beträgt 4-6 Jahre, in denen das Haar drei Wachstumsphasen durchläuft:
  • Wachstums- oder Anagenphase
  • Umbau- oder Katagenphase
  • Ruhe- oder Telogenphase
Sind alle drei Stadien abgeschlossen, kommt es zum Ausfall des Haares, wobei in der Haarwurzel sofort wieder ein neues Haar nachwächst.

Haarstruktur


Was die Haarstruktur betrifft, läßt sich das Haar zunächst ganz grob in zwei Bereiche einteilen:
  • den Haarschaft (der Teil des Haares, der über die Haut hinausragt)
  • die Haarwurzel (der Haarbereich, der unter der Haut liegt).
Die Haarwurzel, Radix pili, steckt in der Wurzelscheide, die auch Haarbalg genannt wird. Die Wuzelscheide (Vagina pili) ist eine Einstülpung der Keimzellschicht und endet als Haarzwiebel (Bulbus pili).
Die Haarpapille (Papilla pili) dringt als Dorn von unten in die Haarzwiebel vor und dient dem wachsenden Haar als Leitschiene.
Jedes Haar besitzt einen Haarmuskel, den Musculus arrector pili. Er setzt auf halber Höhe der Haarwurzel an und richtet das Haar bei Kälte oder Streß auf. Dadurch entsteht die sogenannte Gänsehaut.
Oberhalb des Haarmuskels befindet sich die Talgdrüse, die das Haar mit Nährstoffen und Talg versorgt und so dem Haar das Herauswachsen aus der Haarwurzel erleichtert.

Betrachtet man ein Haar im Längsschnitt, lassen sich drei Haarschichten unterscheiden:
  • Haarmark
  • Haarrinde
  • Haarcuticula
Das Haarmark (Medulla pili) bildet die innerste Haarschicht.
Die Haarrinde (Cortex pili) umgibt das Haarmark und sorgt für die Spannkraft des Haares. Sie besteht aus Horn und legt fest, ob das Haar fein oder borstig ist.
Die äußerste Schicht ist die Cuticula, eine Lage aus schuppenartig angeordneten Hornzellen, deren Schuppenstrich vom Haarbalg zur Haarspitze zeigt. Die Hornschuppen verkeilen sich im Haarbalg, wenn Zug auf das Haar ausgeübt wird und und halten so das Haar in der Haarwurzel fest.
Dieses Prinzip kann leicht nachempfunden werden, wenn man ein Haar fasst und mit Daumen und Zeigefinger von der Haarspitze zur Kopfhaut daran entlang fährt: Man spürt einen recht kräftigen Widerstand. Macht man das Gleiche jedoch in umgekehrter Richtung (also vom Kopf zur Haarspitze), gibt es solch einen Widerstand nicht.

Haarwachstum, Haarzyklus


Jedes Haar durchläuft einen Haarzyklus, der in der Regel vier bis sechs Jahre dauert und sich in drei Phasen gliedert:
  • Wachstumsphase (Anagen)
  • Umbauphase (Katagen)
  • Ruhephase (Telogen)



Die Wachstumsphase, auch als Anagenphase bezeichnet, dauert beim Mann zwei bis vier Jahre, bei der Frau vier bis fünf Jahre.
Ein Kopfhaar wächst pro Tag etwa 0,3 mm, also ca. 1 cm im Monat.
Die Umbauphase (Katagenphase) dauert nur ca. zwei bis vier Wochen. Während dieser Zeit wächst das Haar kaum noch und der Haarbalg verkürzt sich.
Den Abschluß bildet die Ruhephase, auch Telogenphase genannt, deren Dauer drei bis vier Monate beträgt. In dieser Phase gibt es kein Haarwachstum mehr. Die Haarzwiebel spaltet sich besenartig auf, so daß das sogenannte Kolbenhaar entsteht. Das Haar wird nach oben gedrückt, bis es letztendlich ausfällt. Gleichzeitig wird jedoch eine neue Haarzwiebel gebildet, in der ein neues Haar heranwächst.
So kann in einer Haarwurzel im Laufe des Lebens ungefähr zehn- bis zwölfmal ein Haar nachwachsen.
Pro Tag fallen etwa sechzig bis einhundert Kopfhaare aus, ohne dass ihre Gesamtzahl dabei abnimmt.


Quellen:

Internet:
www.bvs-art.de/xxl/haariges/mikro.htm
www.gesund.qualimedic.de
www.haarkunde.de/entstehung.htm







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