PD Dr. Ronald Henss
Haarstruktur und Haarzyklus
Irene Peters
Einleitung
Wenn man das Thema 'Psychologische und kulturelle
Aspekte des Haares' näher anschauen möchte, kommt
man nicht umhin, zunächst die Biologie und Physiologie
des Haares zu betrachten.
Das Verständnis um Haaraufbau und Haarstruktur und
den Haarzyklus mit seinen Wachstumsphasen liefert
die Grundvoraussetzungen dafür, sich auch den
psychologischen Fragestellungen rund um das Thema
Haar widmen zu können.
Das Haar besteht aus der Haarwurzel oder Haarzwiebel,
die in der Haut verborgen ist, und dem Haarschaft,
der über die Haut hinausragt.
Jeder Haarbalg ist mit einem Muskel verbunden,
der das Haar (z.B. bei Kälte) aufrichten kann.
Die Lebensdauer eines Haares beträgt 4-6 Jahre,
in denen das Haar drei Wachstumsphasen durchläuft:
- Wachstums- oder Anagenphase
- Umbau- oder Katagenphase
- Ruhe- oder Telogenphase
Sind alle drei Stadien abgeschlossen, kommt es
zum Ausfall des Haares, wobei in der Haarwurzel
sofort wieder ein neues Haar nachwächst.
Haarstruktur
Was die Haarstruktur betrifft, läßt sich das Haar
zunächst ganz grob in zwei Bereiche einteilen:
- den Haarschaft (der Teil des Haares, der über die
Haut hinausragt)
- die Haarwurzel (der Haarbereich, der unter der
Haut liegt).
Die Haarwurzel, Radix pili, steckt in der Wurzelscheide,
die auch Haarbalg genannt wird. Die Wuzelscheide
(Vagina pili) ist eine Einstülpung der Keimzellschicht
und endet als Haarzwiebel (Bulbus pili).
Die Haarpapille (Papilla pili) dringt als Dorn von
unten in die Haarzwiebel vor und dient dem wachsenden
Haar als Leitschiene.
Jedes Haar besitzt einen Haarmuskel, den Musculus
arrector pili. Er setzt auf halber Höhe der Haarwurzel
an und richtet das Haar bei Kälte oder Streß auf.
Dadurch entsteht die sogenannte Gänsehaut.
Oberhalb des Haarmuskels befindet sich die Talgdrüse,
die das Haar mit Nährstoffen und Talg versorgt
und so dem Haar das Herauswachsen aus der
Haarwurzel erleichtert.
Betrachtet man ein Haar im Längsschnitt, lassen sich
drei Haarschichten unterscheiden:
- Haarmark
- Haarrinde
- Haarcuticula
Das Haarmark (Medulla pili) bildet die innerste
Haarschicht.
Die Haarrinde (Cortex pili) umgibt das Haarmark
und sorgt für die Spannkraft des Haares. Sie
besteht aus Horn und legt fest, ob das Haar
fein oder borstig ist.
Die äußerste Schicht ist die Cuticula, eine Lage
aus schuppenartig angeordneten Hornzellen, deren
Schuppenstrich vom Haarbalg zur Haarspitze zeigt.
Die Hornschuppen verkeilen sich im Haarbalg, wenn
Zug auf das Haar ausgeübt wird und und halten so
das Haar in der Haarwurzel fest.
Dieses Prinzip kann leicht nachempfunden werden,
wenn man ein Haar fasst und mit Daumen und Zeigefinger
von der Haarspitze zur Kopfhaut daran entlang fährt:
Man spürt einen recht kräftigen Widerstand. Macht
man das Gleiche jedoch in umgekehrter Richtung
(also vom Kopf zur Haarspitze), gibt es solch
einen Widerstand nicht.
Haarwachstum, Haarzyklus
Jedes Haar durchläuft einen Haarzyklus, der in der
Regel vier bis sechs Jahre dauert und sich in drei
Phasen gliedert:
- Wachstumsphase (Anagen)
- Umbauphase (Katagen)
- Ruhephase (Telogen)
Die Wachstumsphase, auch als Anagenphase bezeichnet,
dauert beim Mann zwei bis vier Jahre, bei der Frau
vier bis fünf Jahre.
Ein Kopfhaar wächst pro Tag etwa 0,3 mm, also ca.
1 cm im Monat.
Die Umbauphase (Katagenphase) dauert nur ca. zwei
bis vier Wochen. Während dieser Zeit wächst das Haar
kaum noch und der Haarbalg verkürzt sich.
Den Abschluß bildet die Ruhephase, auch Telogenphase
genannt, deren Dauer drei bis vier Monate beträgt.
In dieser Phase gibt es kein Haarwachstum mehr. Die
Haarzwiebel spaltet sich besenartig auf, so daß
das sogenannte Kolbenhaar entsteht. Das Haar
wird nach oben gedrückt, bis es letztendlich
ausfällt. Gleichzeitig wird jedoch eine neue
Haarzwiebel gebildet, in der ein neues Haar
heranwächst.
So kann in einer Haarwurzel im Laufe des Lebens
ungefähr zehn- bis zwölfmal ein Haar nachwachsen.
Pro Tag fallen etwa sechzig bis einhundert Kopfhaare
aus, ohne dass ihre Gesamtzahl dabei abnimmt.
Quellen:
Internet:
www.bvs-art.de/xxl/haariges/mikro.htm
www.gesund.qualimedic.de
www.haarkunde.de/entstehung.htm
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