Exkursionen
Deutsch-französische Exkursionswoche in den Pfälzer Wald
Vom 26. Juni bis 01. Juli 2000
fand zum zweiten Mal eine gemeinsame Exkursion von Pharmaziestudenten der
Universitäten Strasbourg und Saarbrücken statt. Während die Saarbrücker
Studenten im vergangenen Jahr einer Einladung des Instituts für Pharmazie der
Universität Strasbourg in die Vogesen gefolgt waren, wurde die Exkursion in
diesem Jahr von Prof. Dr. Hans Becker, Institut für Pharmakognosie und
Analytische Phytochemie der Universität des Saarlandes, vorbereitet und
geleitet.
Die Reise führte die Studenten diesmal in den Pfälzer Wald und Umgebung.

Am ersten Tag stand die Besichtigung der Firma Schwabe (Karlsruhe) auf dem Programm. Nach einem Rundgang durch die Labors der Naturstoffforschung, die Extraktionsanlagen und die Tablettierung, machten sich die Teilnehmer nachmittags auf den Weg ins nahegelegene Staffort, um dort zum einen die riesigen Lagerhallen der Ausgangsmaterialien für die Phytopharmakaherstellung, zum anderen den Heilpflanzengarten der Schwabe-Tochter DHU zu besichtigen. In den Lagerhallen erklärte zunächst Herr Weiler die Beschaffung und Lagerhaltung der für die Firma wichtigen Drogen: Ginkgo, Crataegus, Kava, Sabal und Hypericum. Daran schloss sich eine ausgedehnte Gartenführung an, bei der die Studenten einen großen Teil der im Unterricht behandelten Arzneipflanzen in natura sehen, teilweise auch schmecken und riechen konnten. Erläuterungen dazu wurden im Wechsel von Herrn Weiler und Prof. Becker gegeben.
Nach einem so eindrucksreichen Tag sollte der darauffolgende mit einer Tageswanderung der Entspannung dienen. Ausgehend vom Quartier in Lambrecht machten sich die Teilnehmer auf den Weg in Richtung Lambertskreuz. Bei dieser Wanderung fanden sich am Wegrand mehr als 40 verschiedene Pflanzenarten, darunter beispielsweise Arznei-Baldrian (Valeriana officinalis - Valerianaceae), Gemeines Hexenkraut (Circaea lutetiana - Onagraceae), Schwarze Königskerze (Verbascum nigrum - Scrophulariaceae), Silberfingerkraut (Potentilla argentea - Rosaceae), Blutweiderich (Lythrum salicaria - Lythraceae), oder auch der Echte Fichtenspargel, welcher als Vollparasit auf Gymnospermenwurzeln wächst. Besonders eindrucksvoll waren Bestände von Tollkirsche (Atropa belladonna - Solanaceae), die kilometerlang den Weg säumten.
Tags darauf führte der Weg
zunächst in den berühmten Schwetzinger Schlosspark, dessen vorderer Teil als
Rokokogarten, der hintere Teil als englischer Landschaftsgarten gestaltet ist.
Auch hier wurden eine Reihe von Arznei- und Giftpflanzen ausgemacht.
Weiterer Programmpunkt an diesem Tag war die Besichtigung des Heidelberger
Apotheken-Museums, in dem auf beeindruckende Weise die Entwicklung des
Apotheken- und Arzneimittelwesens von seinen Ursprüngen bis zur heutigen Zeit
dargestellt ist.
Der Donnerstag stand ganz im Zeichen des Weines: Bei einer morgendlichen Wanderung durch die Weinberge nahe Bad Dürkheim konnten wiederum einige zum Teil seltene Pflanzenarten gesichtet werden, u.a. Sichelmöhre (Falcaria vulgaris - Apiaceae), Ackerschwarzkümmel (Nigella arvensis - Ranunculaceae), sowie die kriechende Hauhechel (Ononis repens - Fabaceae). Den Tagesabschluß bildete ein Besuch des traditionsreichen Weinguts Dr. Deinhard im idyllisch gelegenen Deidesheim mit anschließender Weinprobe.
Am nächsten Tag führte ein Besuch
der Firma Boehringer-Ingelheim mit Besichtigung des Heilpflanzenanbaus, der
Kulturräume und der Extraktionsanlagen die Besucher wieder zurück in den
pharmazeutischen Alltag. Das Tagesprogramm wurde abgerundet durch eine Fahrt in
den Mainzer Sand, eines der bedeutendsten Naturschutzgebiete Europas. Der
Mainzer Sand zählt zu einem ca. 15 km langen Flusssandgebiet, welches zwischen
Ingelheim und Mainz verläuft. Aufgrund seiner besonderen Lage konnten sich hier
eine einzigartige Flora und Fauna entwickeln. Durch Nährstoffarmut, hohe
Temperaturen, geringe Niederschläge und extensive Nutzung (Beweidung) können
hier Arten beobachtet werden, deren Hauptverbreitung heute im mediterranen
Bereich liegt.
Die während des Tages gefundenen Pflanzen wurden jeweils am Abend nochmals
besprochen und neben den wissenschaftlichen Namen auch die jeweils deutschen und
französischen Namen aufgeführt.
Den gelungenen Abschluss der gemeinsamen Woche bildete schließlich ein bunter Abend, an dem die neu erworbenen Pflanzenkenntnisse auf humorvolle Weise in Ratespiele und Sprechübungen umgesetzt wurden. Nach einer Besichtigung des Hambacher Schlosses am Samstagmorgen trennten sich schließlich die Wege der Studenten wieder, natürlich nicht ohne vorheriges Austauschen der Adressen.