USA: Haushaltsausgleich durch Halbierung der Ölreserven

Ein Überangebot und eine schwache Weltkonjunktur haben den Ölpreis in den letzten Jahren einstürzen lassen und große Löcher in den Haushalten der Förderländer verursacht. Die OPEC-Staaten und die restlichen Förderländer unter Führung Russlands einigten sich daraufhin auf eine Öl-Förderbremse, die den Ölpreis stabilisieren sollte. Eine Verlängerung dieser Maßnahme scheint beschlossene Sache, doch die USA funkt mit einem unerwarteten Schritt dazwischen. Die US-Regierung plant eine Halbierung ihrer beachtlichen Ölreserven. Durch den Verkauf erhoffen sich die Vereinigten Staaten einen Haushaltsausgleich. Der Ölpreis steht erneut unter Druck.

Vier Ölfördermaschinen arbeiten auf einer freien Fläche im Sonnenuntergang Ölpreis erneut unter Druck
Von der Öl-Förderbremse versprechen sich die Förderländer eine Stabilisierung des Ölpreises.

Als ob der Ölpreis in den letzten Jahren durch eine schwache Weltkonjunktur und ein Überangebot nicht schon genug leiden musste, weht nun der nächste Gegenwind. Nur kurze Zeit, nachdem die Verlängerung der Öl-Förderbremse durch die OPEC-Staaten beschlossen wurde, verkündete die US-Regierung des neuen US-Präsidenten Donald Trump schlechte Nachrichten für die Förderländer.

So planen die USA, ihre beachtlichen Ölreserven zu halbieren. Durch den Verkauf soll der angeschlagene Haushalt entlastet und ausgeglichen werden. Die massiven Ölreserven sind von der Regierung für den Ernstfall in Ausnahmesituationen wie Naturkatastrophen oder Kriegszustände angelegt worden.

Die Halbierung der Ölreserven soll laut dem Haushaltsentwurf des neuen US-Präsidenten Donald Trump 2018 in Angriff genommen werden und bis zum Jahr 2027 abgeschlossen sein. Die derzeitigen Ölreserven von ca. 688 Millionen Barrel (ein Barrel entspricht einem Fass mit 159 Liter Öl) sollen bei der Halbierung Einnahmen in Höhe von 16,5 Milliarden Dollar generieren. Der Haushaltsausgleich ist das Primärziel, das durch den Verkauf ab dem neuen Haushaltsjahr (01. Oktober 2017) erreicht werden soll.

Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch bewertete die Pläne der US-Regierung mit den Worten: „Auch wenn die erforderliche Zustimmung des Kongresses ungewiss ist, reicht diese Meldung aus, den Ölpreis unter Druck zu setzen.“ Den OPEC-Staaten müssten nun noch stärkerem Gegenwind aus den USA standhalten, schließlich habe sich ja bereits die US-Schieferölproduktion deutlich schneller erholt als erwartet.

Derartige Nachrichten sollten nicht nur Broker, sondern auch Privatpersonen beachten speziell dann, wenn man auf den größten Finanzmärkten der Welt Handel treiben möchte. Der Ölpreis wurde schließlich durch die Pläne der US-Regierung erneut unter Druck gesetzt und droht weiter einzubrechen. Die OPEC hatte bereits zuvor versucht, die sinkenden Ölpreise durch eine Verlängerung der Öl-Förderbremse zu stabilisieren.

Öl-Förderbremse wird verlängert

Der Verfall des Ölpreises durch das Überangebot sowie die schwache Weltkonjunktur bedrohen seit längerer Zeit die Haushalte der Förderländer. Ende 2016 wurde deshalb eine Öl-Förderbremse beschlossen, die bis Juni 2017 gültig sein sollte.
Nach einem gemeinsamen Beschluss der zwölf OPEC-Staaten und elf anderer Förderländer unter der Führung Russlands wird nun die Öl-Förderbremse, die die tägliche Ölförderung um 1,8 Millionen Barrel (rund zwei Prozent der weltweit am Tag produzierten Menge) verringert, um neun Monate verlängert. Mit diesem Schritt soll der Ölpreis weiter stabilisiert werden.

Die Verhandlungen wurden trotz angeschlagener Länder wie dem Iran oder Venezuela, die aufgrund der schlechten Wirtschaftslage im Land eigentlich auf hohe Förderquoten angewiesen sind, zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht. Sogar die langjährigen Gegner Saudi-Arabien und Russland schlossen bereits zuvor eine Öl-Allianz, damit der Ölpreis sich erholen und stabilisieren könne.
Doch die erhofften Auswirkungen des Beschlusses blieben unerwarteter Weise aus. Stattdessen geriet der Ölpreis durch die Pläne der US-Regierung weiter unter Druck. Der Effekt scheint bereits jetzt verpufft zu sein.

Trotz verlängerter Öl-Förderbremse sinkt der Ölpreis kontinuierlich – zum Leidwesen der Förderländer: YouTube-Video

Preisauswirkungen nicht gravierend

Die Pläne der US-Regierung zur Halbierung der Ölreserven seien so nicht zu erwarten gewesen, betonte der Direktor der Ölhandelsfirma Strong Petroleum in Singapur, Oystein Berentsen.

„Die geplanten Verkäufe belaufen sich über zehn Jahre zwar nur auf ein Volumen von durchschnittlich 95.000 Barrel pro Tag, was nicht riesig ist, allerdings hilft es den saudi-arabischen Bemühungen natürlich auch nicht weiter“, erklärte der Fachmann.

Doch auch die US-Pläne müssen bei der Analyse aus allen Perspektiven beleuchtet werden. Denn einen Zusammenbruch der Einnahmen der OPEC-Staaten durch eine Preisbeeinflussung durch die Vereinigten Staaten steht sicherlich nicht im Interesse des neuen US-Präsidenten Donald Trump. Ansonsten wären lukrative Rüstungsdeals, wie der kürzlich getroffene mit Saudi-Arabien im Wert von rund 110 Milliarden US-Dollar, nicht vorstellbar.

Die USA verfolgen demnach eine Doppelstrategie:

•    Zum einen soll der Ölpreis auf dem Markt stabil gehalten werden, um die OPEC-Staaten, speziell aus dem Nahen Osten, als Handelspartner mit wirtschaftlicher Bedeutung zu halten (siehe Rüstungsdeal).
•    Zum anderen soll der OPEC durch die gestiegene Eigenförderung der USA und die geplanten Verkäufe der Ölreserven deutlich gemacht werden, dass die Vereinigten Staaten den Markt kontrollieren und die OPEC von den US-Entscheidungen abhängig ist.

Die tägliche Ölproduktion in den Vereinigten Staaten ist nach amtlichen Angaben zufolge seit Mitte des letzten Jahres um zehn Prozent auf 9,3 Millionen Barrel gestiegen. Vergleichszahlen aus einem der Haupt-Förderländer Saudi-Arabien, wo rund zehn Millionen Barrel am Tag gefördert werden, verdeutlichen die Marktkraft der Wirtschaftsmacht jenseits des Atlantiks. Die gesamten OPEC-Staaten förderten zusammen im Jahr 2015 täglich rund 38 Millionen Barrel. Die USA schaffen also bereits alleine fast einen Viertel der Fördermenge.

Infografik zur Entwicklung der Erdölförderung 
Die Entwicklung in der Förderung und Preisbildung beim Erdöl zeigt die Zusammenhänge zu wirtschaftlichen und politischen Krisen. (eigene Darstellung)

Relativierung der Zahlen

Ein Blick zurück auf die angekündigten Verkäufe der US-Ölreserven relativiert allerdings die Marktauswirkungen, ein paar Zahlen verdeutlichen das:

•    Weltweiter täglicher Ölverbrauch: 90.000.000 Barrel

•    Täglicher Ölverbrauch der USA: 19.000.000 Barrel

•    Täglicher Ölverbrauch Deutschlands: 2.300.000 Barrel

•    Durchschnittlicher täglicher Verkauf von Ölreserven der USA: 95.000 Barrel

Die Verkäufe der Ölreserven durch die USA als einen Tropfen auf den heißen Stein zu bewerten, wäre falsch. Einen maßgeblichen Markteinfluss werden die geplanten Verkäufe der US-Regierung allerdings eher nicht haben. Trotz dessen gerät der Ölpreis durch die Pläne erneut unter Druck.

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