Moderne Gesundheitsforschung – die Kraft der heilenden Öle


 
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Vom Eucalyptusöl bis zum Pfefferminzöl – es gibt eine Menge natürlicher Heilmittel, die es auch dank der modernen Forschung geschafft haben, nicht bloß als esoterische Wunderwaffen gegen allerlei Krankheiten angesehen zu werden, sondern auch innerhalb der Schulmedizin zum Einsatz zu gelangen. „Alles, was gegen die Natur ist, hat auf Dauer keinen Bestand“, wusste bereits Charles Darwin. Die Aromatherapie ist mittlerweile nicht nur eine „dufte Medizin“, mittlerweile vermag sie, Menschen mit ernsthaften physischen Beschwerden Linderung zu verschaffen.

Aufgrund der teils wenig differenzierten Auseinandersetzung und populärer Laienliteratur sind aromatherapeutische Anwendungen doch teils noch immer verpönt. Während sich manches Wissensportal über heilende Öle um ganzheitliche Aufklärung bemüht, soll dieser Artikel interessierten Lesern einen informativen Einstieg in die Welt der pflanzlichen Aromatherapie gewähren.

Das komplexe menschliche Riechorgan

400 verschiedene Duftrezeptoren sind dem Menschen zu Eigen. Von der Aufnahme eines Duftmoleküls aus der Luft über die Riechschleimhaut, auf der zig Millionen von kleinsten Riechzellen sitzen, bis zur Nasenhöhle, wo sich Proteinrezeptoren befinden, die imstande sind, die Duftmoleküle zu „verwerten“, ist es ein – zumindest aus physiologischer Sicht – langer und komplizierter Weg.

Wer es gerne genauer wissen möchte:
Konkreter müsste man den Weg vom Rezeptorprotein bis zum Hirn folgendermaßen beschreiben: Sobald ein Molekül von einem Duftrezeptor erfasst wird, muss die chemische Reizung mittels komplexer intrazellulärer G-Protein-gesteuerter Reaktionskaskaden mit zyklischem Adenosinmonophosphat, kurz cAMP, als „second messenger“ in einen elektrischen Impuls modifiziert werden. Natrium- und Calcium-Ionenkanäle werden daraufhin geöffnet, was ein Riechen überhaupt erst möglich macht.



Denn die Reise endet selbstverständlich nicht bei den Rezeptoren, sondern führt sich fort bis zum Riechhirn, dem Bulbus olfactorius, Im Hirn erfolgt eine Analyse, elektrische Impulse werden zur Großhirnrinde und dem Limbischen System weitergeleitet. Dies erklärt, warum der Mensch einen Duft nicht bloß wahrnimmt, sondern weswegen Düfte immunologische Prozesse lostreten können, warum ein Duft eine verschollene Erinnerung wieder aufleben lässt oder sogar die Gefühlswelt angeregt wird.


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Übrigens riecht jeder Mensch anders. Damit ist nicht nur die körpereigene Absonderung von Duftstoffen gemeint, sondern auch das Riechen selbst. Jeder Protein-Rezeptor ist speziell zur Wahrnehmung eines Duftes ausgerichtet. Nicht jeder Mensch ist aber mit allen Duftrezeptoren ausgestattet. Der Duft von Rosen beispielsweise setzt sich aus mehreren chemischen Einzelkomponenten zusammen. Sofern ein Rezeptor nicht verfügbar ist, entsteht für denjenigen auch ein gänzlich anderer Geruch.

So wirken heilende Öle

Konkret für aromatherapeutische Anwendungen bedeutet dies, dass die Zusammenstellung eines Öls auch immer individuell auf die behandelte Person ausgerichtet sein muss. Welcher Duft als angenehm und welcher als abstoßend empfunden wird, das ist anerzogen und besitzt zudem einen kulturellen Hintergrund. Nicht zu vernachlässigen ist auch der genetische Effekt. Ob beispielsweise eine Frau einen Mann attraktiv findet, hängt unter anderem mit dem Duft zusammen. Jeder Mensch – bis auf eineiige Zwillinge – riecht unterschiedlich. Frauen können den Duft von Männern aufgrund von MHC-Genen (Major Histocompatibility Complex) erkennen. Je größer die Dissonanz zwischen den Körpergerüchen, desto attraktiver erscheint der Mann.



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Ätherische Öle, denen eine heilende Wirkung zugeschrieben wird, können ebenso unterschiedliche Effekte hervorrufen und auf verschiedene Art und Weise wirken. Dies ist ihr großes Plus. Um das Wohlbefinden zu steigern, agieren ätherische Öle auf neurophysiologischem Wege, sie müssen aber nicht zwangsweise über die Proteinrezeptoren in der Nase zum Hirn gelangen, sondern finden ihren Weg auch auf Umwegen in die Blutbahn.

Monoterpene machen den Hauptbestandteil vieler ätherischer Öle aus, Beispiele hierfür sind Pfefferminzöl oder auch Eucalyptusöl. Monoterpene werden auf natürlichem Wege von Pflanzen produziert, weswegen sie zu den sekundären Pflanzenstoffen zählen. Chemisch betrachtet bildet das Grundgerüst von Terpenen das Isopren (C5H8). Monoterpene besitzen ein Molekül mit 10 C-Atomen (C10). Derzeit sind der Pflanzenforschung mehrere hundert Monoterpene geläufig.



Die meisten ätherischen Öle setzen sich aus Monoterpenen zusammen. Diese dringen sehr leicht durch menschliches Gewebe und gelangen auf diesem Wege schnell in den Blutkreislauf – ob nun während einer Massage oder im Wellness-Bad. Durchschnittlich halten sich die Moleküle bis zu 80 Minuten in der Blutbahn. Werden die Stoffe transdermal, also über die Haut aufgenommen, können die Moleküle noch mehrere Stunden nach der Behandlung über die Atemluft nachgewiesen werden.

Das Problem der Belegbarkeit von therapeutischen Wirkungen

Gegner aromatherapeutischer Anwendungen argumentieren nachvollziehbar mit dem Argument, dass es für die Wirksamkeit ätherischer Öle nur wenige wissenschaftliche Belege gibt. Zwar können klinische und pharmakologische Daten belegen, dass Öle wie

•    Anisöl
•    Eukalyptusöl
•    Pfefferminzöl
•    Thymianöl

das Wachstum von Mikroorganismen, wie beispielsweise Bakterien, hemmen und einen positiven Effekt auf die mukoziliäre Clearance haben, jedoch sieht es abseits der Erkältungskrankheiten eher mau aus, was wissenschaftliche Belege anbelangt.



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Dies hängt unter anderem mit der Zusammenstellung der Öle zusammen. Denn selbst Produkte, die vom selben Hersteller stammen, weisen eine sehr unterschiedliche Zusammensetzung auf. Die Komponentenvielfalt der Öl-Präparate macht es indes schier unmöglich, klinische Untersuchungen auszuwerten und miteinander zu vergleichen. Nichtsdestotrotz gibt es weitere, wenn auch wenige Anwendungsgebiete innerhalb der Schulmedizin, die in der Tat durch wissenschaftliche Daten gestützt werden können.

Ätherisches ÖlWirkung
Pfefferminz-, Thymian-, Anis- und FenchelölBei dyspeptischen Beschwerden, also Erkrankungen des Verdauungstraktes, die sich durch Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Appetitlosigkeit äußern, können die Öle Linderung verschaffen. Pharmakologische Studien können die spasmolytische, also krampflösende Wirkung der Öle auf die Muskulatur des Gastrointestinaltraktes belegen.
PfefferminzölSpannungskopfschmerzen zählen zu den primären Kopfschmerzen, die auf keine spezifische Ursache zurückzuführen sind. Nachweislich kann Pfefferminzöl Spannungskopfschmerzen mindern. Dabei ist dem Öl beim Auftragen auf die Stirn dieselbe Wirksamkeit bescheinigt wie Mitteln mit schmerzstillender Wirkung, beispielsweise Paracetamol.
SchwarzkümmelölSchwarzkümmel wird bereits seit Jahrtausenden von unterschiedlichen Kulturkreisen als Heilmittel verwendet, weswegen viele Mediziner es häufig basierend auf Grundlage der Erfahrungsmedizin verwenden. Forscher konnten aufgrund ihrer Ergebnisse aus Testversuchen schließen, dass Schwarzkümmelöl ein effektives Adjuvans zur Behandlung allergischer Erkrankungen sein kann. Der Zahnmediziner Ismail Özkanli untersucht derzeit die Wirkung von Schwarzkümmelöl auf entzündliche Erkrankungen innerhalb der Parodontalmedizin und konnte bislang positive Ergebnisse verzeichnen. Hier gibt es weitere Informationen über Schwarzkümmelöl.


Besonders beliebt sind ätherische Öle übrigens in Frankreich. Dort werden die Öle besonders häufig angewandt, auch in Gebieten, auf denen die Wirkung der Substanzen noch nicht hinlänglich erprobt ist. Vor allem ergänzend zu einer Behandlung mit Antibiotika, insbesondere wenn Keime sich gegenüber dem Antibiotikum als resistent erweisen, konnten erste Forschungsergebnisse darlegen, dass die Keime eine besonders hohe Sensibilität für bestimmte Öle aufwiesen.

Frankreich ist übrigens eine Art europäisches Ursprungsland der Aromatherapie. Zwar hantierten auch die Menschen vor unserer Zeitrechnung mit Duftstoffen, auf den Franzosen Rene-Maurice Gattefossé geht der Begriff der „Aromatherapie“ aber zurück. Die Erkenntnisse, die er aus seinen Pflanzenstudien gewann, fasste er in seinem Buch „Gattefossés Aromatherapy“ zusammen. Noch heute zählt Frankreich weltweit zu den größten Produzenten von ätherischen Ölen.


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