Die Schilddrüse gehört zu den kleinsten Organen in unserem Körper und trotzdem übernimmt sie eine Vielzahl an lebensnotwendigen Funktionen. Sie produziert Schilddrüsenhormone, um den Energiebedarf und den Stoffwechsel von unseren Körperzellen zu regulieren. Zudem reguliert sie den Wärmehaushalt und die Herzfrequenz, regt und erhöht die Darm- und Atemfunktion sowie die Reaktionsfähigkeit von unserem Muskel- und Nervengewebe. Angesichts dieser Funktionsvielfalt, wird einem schnell klar, wie stark unser Organismus aus dem Gleichgewicht gerät, wenn die Schilddrüse krank wird. Der folgende Ratgeberartikel zeigt auf, welche Schilddrüsenerkrankungen es gibt, wie sie sich bemerkbar machen und behandelt werden.

Was ist eine Schilddrüsenerkrankung?
Die Schilddrüse befindet sich im vorderen Halsbereich und zwar direkt vor der Luftröhre. Die Form erinnert stark an einen Schmetterling, da sie aus zwei sogenannten Lappen besteht. Gesunde Menschen können ihre Schilddrüse weder spüren noch sehen. Besteht jedoch eine Erkrankung, vergrößert sie sich und bildet einen sogenannten Kropf, welcher sich durch eine Schwellung bemerkbar macht. Diese Schwellung wird auch als Struma bezeichnet. Es gibt aber auch Erkrankungen der Schilddrüse, die sich nicht durch eine Schwellung bemerkbar machen. Produziert werden von der Schilddrüse unter anderem die Hormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4). Sie sind sehr wichtig für unseren Stoffwechsel, da sie dafür zuständig sind die zugeführte Nahrung in Energie umzuwandeln. Bestehen hier Funktionsstörungen, wird die Energie entweder zu schnell oder zu langsam verbraucht. Dies macht sich meist durch eine Gewichtsab- oder Zunahme bemerkbar.

Die Schilddrüsenunterfunktion
Wenn die Schilddrüse weniger Hormone produziert, als der Organismus benötigt, dann sprich man von einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). Zum einen kann diese Erkrankung angeboren sein und zum anderen kann sie auch erst deutlich später auftreten. Dann wird sie in der Regel durch eine Schilddrüsenentzündung hervorgerufen oder durch einen Jodmangel in der Ernährung. Sie tritt häufig in Verbindung mit einer Vergrößerung der Schilddrüse auf. Heilbar ist diese Erkrankung, abgesehen von ein paar Ausnahmen, nicht. Sie wird dauerhaft mit Medikamenten behandelt, so dass Betroffene ein ganz normales Leben führen können.

Symptome
Typisch für eine Schilddrüsenunterfunktion ist ein lang anhaltender und schleichender Verlauf. Anfangs treten geringe Beschwerden auf, so dass die Erkrankung in den meisten Fällen erst spät erkannt wird. Bei älteren Menschen ist dies besonders schwer, da hier die typischen Symptome wie eine verringerte geistige und körperliche Leistungsfähigkeit und eine erhöhte Kälteempfindlichkeit, meist mit altersbedingten Beschwerden verwechselt werden. Grundsätzlich wirkt sich der Mangel an Schilddrüsenhormonen auf viele Bereiche in unserem Körper aus, die sich unter anderem durch folgende Symptome bemerkbar machen:

• ein erhöhtes Schlafbedürfnis, Antriebslosigkeit
• depressive Verstimmungen
• erhöhte Blutfettwerte und Gewichtszunahme
• Kälteempfindlichkeit
• blasse und trockene Haut
• Muskelsteifheit, Muskelschwäche und Muskelschmerzen
• chronische Verstopfung
• eventuell Kropf am Hals
• unregelmäßige Regelblutung
• zu hoher oder zu niedriger Blutdruck

Diagnose und Behandlung
Liegt der Verdacht einer Schilddrüsenunterfunktion nahe, wird vom Arzt eine Blut- und Ultraschalluntersuchung und in den meisten Fällen auch eine Szintigrafie, durchgeführt. Über die Blutuntersuchung wird der TSH-Wert bestimmt. Bei einer Unterfunktion ist dieser Wert erhöht. Über die Ultraschalluntersuchung können Beschaffenheit und Größe der Schilddrüse beurteilt werden. Bei der Szintigrafie wird die Funktionsfähigkeit der Schilddrüse überprüft. Dabei wird dem Patienten eine radioaktiv markierte Substanz gespritzt. Wenn eine Schilddrüsenunterfunktion vorliegt, wird diese Substanz nur sehr gering oder gar nicht von der Schilddrüse aufgenommen. Die Behandlung erfolgt durch die Gabe von Tabletten, die den Hormonmangel ausgleichen. Medikamente müssen in der Regel ein ganzes Leben lang eingenommen werden.

Die Schilddrüsenüberfunktion
Bei einer Überfunktion wird von der Schilddrüse zu viel von den Schilddrüsenhormonen Trijodthyronin und Thyroxin produziert.

Ursachen
In 95 Prozent der Fälle wird eine Schilddrüsenüberfunktion durch die Basedowsche Erkrankung, auch als Morbus Basedow bezeichnet, oder durch eine Autonomie ausgelöst.

Die Basedowsche Erkrankung
Bei Morbus Basedow handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Hierbei werden unterschiedliche Antikörper gegen die Schilddrüse gebildet, wodurch THS-Rezeptor-Autoantikörper dazu stimuliert werden, mehr hormonbildende Zellen zu produzieren. Das führt wiederum dazu, dass mehr Schilddrüsenhormone als benötigt produziert werden. Auch diese Erkrankung macht sich meist durch eine Vergrößerung der Schilddrüse bemerkbar.

Autonomie
Bei dieser Erkrankungsform bildet entweder das gesamte Schilddrüsengewebe oder einzelne Knoten selbstständig Hormone. Diese Hormone werden deshalb als selbständig bezeichnet, da sie nicht mehr von der Hirnanhangsdrüse gesteuert werden. Auch das kann zu einer Überproduktion führen, da mehr Hormone produziert werden als vom Organismus benötigt. Sehr häufig werden von den gesunden Regionen in der Schilddrüse weniger Hormone zum Ausgleich produziert, so dass der Hormonspiel im normalen Bereich bleibt.

Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion
Zu den typischen Symptomen einer Schilddrüsenüberfunktion gehören eine Schwellung oder Verwölbung im vorderen Halsbereich. Des Weiteren können folgende Symptome auftreten:

•  Konzentrationsstörungen, Reizbarkeit, Nervosität
• Zittern, hoher Blutdruck, Herzrasen bis hin zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen
• Gewichtsverlust bei gutem Appetit
• Unverträglichkeit gegen Wärme, feuchte Haut, Durchfall
• brüchige Nägel und Haarausfall, Schweißausbrüche
• Muskelschmerzen
• in Verbindung mit der Basedowschen Erkrankung können folgende Augensymptome auftreten:
Tränenfluss, Druckgefühl, gerötete Augenbindehaut, Sehstörungen

Diagnose und Behandlung
Diagnostiziert wird die Überfunktion ähnlich wie die Unterfunktion. Besteht der Verdacht, veranlasst der behandelnde Arzt eine Blut- und Ultraschalluntersuchung sowie eine Szintigrafie. Die Basedowsche Erkrankung neigt in der Regel zur Selbstheilung. Die Rückfallquote liegt hier aber leider bei 50 Prozent. In diesem Fall kommt entweder eine Behandlung mit radioaktivem Jod oder eine Operation in Frage. Eine Autonomie wird in der Regel durch Medikamente behandelt, die die Schilddrüsenfunktion hemmen. Beseitigt werden die autonomen Regionen dadurch nicht, so dass die Medikamente nur als Überbrückung bis zur
Operation dienen. Auch bei der Basedowschen Erkrankung werden Schilddrüsenblocker verabreicht. In 50 Prozent der Fälle verbessert sich nach etwa 12 Monaten die Erkrankung längerfristig. Ist dies nicht der Fall kommen andere Verfahren zum Einsatz.

Die Hashimoto-Thyreoiditis / Autoimmune Schilddrüsenentzündung
Bei der Hashimoto-Thyreoiditis handelt es sich um eine chronische Schilddrüsenentzündung. Zu Beginn kann sich dadurch eine Überfunktion entwickelt, die sich im Laufe der Erkrankung jedoch zu einer Schilddrüsenunterfunktion entwickelt. Ausgelöst wird diese Erkrankung durch das körpereigene Abwehrsystem, da dieses das Gewebe der Schilddrüse angreift und schädigt, wodurch die Entzündung entsteht.

Ursachen
Überwiegend liegt bei Hashimoto eine Veranlagung vor. Meist kommt die Störung daher familiär gehäuft vor. Auch andere Autoimmunerkrankungen können die Entstehung begünstigen. Dabei kann es sich zum Beispiel um die Zuckerkrankheit Diabates Typ 1 handeln.

Symptome:
Da diese Schilddrüsenentzündung zu Beginn keine Schmerzen oder nur leichte Symptome auslöst, bleibt sie bei den meisten Betroffenen zunächst leider unbemerkt. Zu den typischen Anfangssymptomen gehören unter anderem Nervosität. Zittern, Herzklopfen und Gewichtsverlust. Im späteren Verlauf entstehen folgende Beschwerden:

• Gewichtszunahme
• Kälteempfindlichkeit
• Müdigkeit
• depressive Verstimmungen
• Zyklusstörungen

Diese Beschwerden entstehen, da die Schilddrüse dann nicht mehr genügend Hormone entwickelt.

Diagnose und Behandlung
Die Diagnose erfolgt über verschiedene Blutuntersuchungen und über Ultraschall. Meist erfolgt auch eine Szintigrafie und eine Entnahme von einer Gewebeprobe. Dies kommt natürlich auch immer auf den einzelnen Patienten an. Die Behandlung erfolgt über Medikamente. Wenn zu wenig Hormone produziert werden, können diese über die Gabe von L-Thyroxin reguliert werden. Diese Tabletten müssen ein Leben lang eingenommen werden. Die Einnahme erfolgt morgens auf nüchternen Magen, eine halbe Stunde vor dem Frühstück mit etwas Wasser. Werden diese Tabletten ordnungsgemäß eingenommen, sollten keine Nebenwirkungen auftreten. Pflicht sind bei dieser Erkrankung regelmäßige Blutuntersuchungen, um den TSH-Wert zu überprüfen. Diese erfolgen meist im Abstand von 3 oder 6 Monaten. Der THS-Wert sollte im Normalbereich bei 1,0 ?U/ml l liegen. Der Hormonmangel wird durch die Tabletten zwar ausgeglichen, die Autoimmunkrankheit bleibt aber bestehen.