Welche Erkältungsviren gibt es?

Erkältungsviren gibt es zuhauf. Über 200 verschiedene sind bekannt, davon lösen einige häufiger eine Erkältung aus als andere. Zur Übersicht.
 
Erkältungsviren: Winzig und hoch ansteckend

In den kühleren Monaten des Jahres treiben sie bevorzugt ihr Unwesen: Über 200 Erkältungsviren aus unterschiedlichen Virusfamilien sind dafür bekannt, Halsschmerzen, Schnupfen und Husten auszulösen. Anhand der Symptome lässt sich der jeweilige Erreger nicht erkennen. Allerdings gibt es Erkältungsviren, die häufiger vorkommen als andere – hier stellen wir die wichtigsten Vertreter vor.

Erkältungsviren befallen die Schleimhäute der Atemwege

Je nachdem wo sich die Erkältungsviren ansiedeln und vermehren spricht man von unterschiedlichen Infektionen. Breiten sich die Viren in den Schleimhäuten der oberen Atemwege (bis zum Kehlkopf) aus, können sie dort eine Rhinitis (Schnupfen), Pharyngitis (Rachenentzündung) oder Laryngitis (Kehlkopfentzündung) auslösen. Dringen sie bis zu den unteren Atemwegen vor (unterhalb des Kehlkopfes) sind eine Tracheitis (Entzündung der Luftröhre), Bronchitis (Entzündung der Bronchien) oder Pneumonie (Lungenentzündung) mögliche Infektionen.

Folgende Erkältungsviren kommen als Auslöser der zuvor genannten Infektionen infrage:
•    Adenoviren
•    Coronaviren
•    Para-Influenza-Viren
•    Rhinoviren
•    RS-Viren (Respiratory-Syncytial-Virus)
•    Sonstige: ECHO-, Reo- und Entero-Viren

Abhängig vom Erreger können auch die oberen und unteren Atemwege in Kombination betroffen sein. Die vorhandenen Erkältungssymptome lassen nur wenige Rückschlüsse auf die Erkältungsviren selbst zu. Das liegt vor allem daran, dass die Symptome überwiegend durch Reaktionen zustande kommen, die durch das Abwehrsystem als Antwort auf die Erkältungsviren in Gang gesetzt werden: Immunbotenstoffe werden freigesetzt, Entzündungen breiten sich aus, Fresszellen gelangen über das Blut zu den Entzündungsherden.

Rhinoviren: Häufigste Ursache von Erkältungen

Rhinoviren sind die häufigsten Erkältungsviren. Sie lösen meist eine Rhinitis aus. Wenn die Nase läuft oder die Atmung durch Schnupfen und die entzündeten Nasenschleimhäute erschwert wird, stecken oft Rhinoviren dahinter. Die kleinen, nur wenige Nanometer großen, RNA-Viren werden zu der Familie der Picorna-Virengezählt. Es sind über 100 verschiedene Typen der Rhinoviren bekannt. Leider bleibt man nach der Infektion nicht lange immun. Außerdem ist die Immunität typenspezifisch. So kann man sich immer wieder neu mit Rhinoviren anstecken.

Coronaviren: Einfache Erkältung bis Pandemie

Coronaviren landen auf Platz zwei der häufigsten Erkältungsviren. Virologen gehen davon aus, dass jede fünfte Erkältung dieser Viren-Familie zuzuschreiben ist. Angenehm ist eine Infektion mit den relativ großen Viren sicher nicht, da sie Erkältungssymptome auslösen, aber auch zum schweren akuten Atemwegssyndrom führen können. Königlich mutet ihr Name deshalb an, weil ihre stachelige Hülle an eine Krone (lat. corona) erinnert. Das Genom der Coronaviren ist im Vergleich zu anderen Viren sehr groß und kann etwa um das Dreifache größer sein als bei anderen RNA-Viren. Zudem sind sie genetisch hochvariabel – einzelne Spezies können vom Tier zum Menschen übertragen werden und die Artenbarriere überwinden.  So kam es 2003 zur Pandemie mit dem SARS-Coronavirus. Die Infektion führte zum schweren akuten Atemwegssyndrom (SARS), dass mit Fieber, Muskelschmerzen, trockenem Husten und Atemnot einhergeht.

Andenoviren: Typisch für Augeninfektionen

Neben einer gewöhnlichen Erkältung können Adenoviren hinter einer Infektion am Auge stecken. Die DNA-haltigen Viren lösen unter anderem auch Entzündungen der Bindehaut und Hornhaut aus und gehen mit unterschiedlichen Symptomen einher. Das Auge kann sich zu Beginn röten und trocken sein, mit einem Gefühl, als hätte man ein Sandkorn im Auge (Fremdkörpergefühl). Außerdem kann das Auge tränen, jucken, brennen und lichtempfindlich sein. Betroffene haben häufig mit einer Augenlidschwellung und einer Vergrößerung der Lymphknoten vor dem Ohr zu tun. Schreitet die Entzündung mit den Erkältungsviren weiter fort, kann sie in die Hornhaut des Auges übergehen.

Para-Influenzaviren und RS-Viren: Schwere Erkältungsverläufe bei Kindern

Diese Erkältungsviren sind dafür bekannt, schwerere Verläufe einer Erkältung bei Kindern herbeizuführen. Nach einer Infektion der Nasenschleimhäute mit Para-Influenza-Viren, ist eine Ausbreitung bis zu den unteren Atemwegen möglich. Durch übermäßige Schleimbildung als Reaktion auf die Entzündung kann es zur Obstruktion (Verschließung) der Atemwege bei Kleinkindern kommen. Infektionen bei Erwachsenen sind eher selten und verlaufen normalerweise milder.
 
Ähnlich verhält es sich mit RS-Viren (Respiratory-Syncytial-Viren, übersetzt: die Atemwege und die Zellschmelzung betreffend). Eine Infektion verläuft im Erwachsenenalter vergleichsweise harmloser, als bei Säuglingen und Kleinkindern. Hier können eine Bronchitis oder eine Lungenentzündung die Folge einer RS-Virus-Infektion sein. Auf Grund der zunehmenden Größe der unteren Atemwege beim Wachstum, nimmt diese Gefahr mit steigendem Lebensalter ab. Die RS-Viren gehören zur selben Virenfamilie (Paramyxoviren) wie jene Krankheitserreger, die auch Masern oder Mumps auslösen.

Erkältungsviren im Molekülbereich mit großer Wirkung

Egal welches Virus für eine Erkältung sorgt, mit einer Größe von 15 bis 300 Nanometern – das ist vergleichbar mit der Größe eines Moleküls – der generelle Aufbau und Ablauf einer Infektion bleibt ähnlich. Ein Virus besteht aus Erbgut (RNA oder DNA) und einer Hülle drumherum. Manche der Erkältungsviren haben nur eine Kapsel (Kapsid), andere eine weitere, die die Kapsel umschließt. Um sich zu vermehren sind Viren auf die Zellen eines Wirtes angewiesen. Im Erkältungsfall auf uns Menschen. Das Erbgut der Viren wird regelrecht in unsere Schleimhautzellen gespritzt, woraufhin die Körperzellen die Bausteine des Virus herstellen und zu funktionstüchtigen Erregern zusammensetzen. Dieser Vorgang bleibt zum Glück den Abwehrmechanismen nicht verborgen. Denn die Infektion mit Viren und die Vermehrung dieser führt zum Tod der befallenen Zellen. In der Regel werden die Erkältungsviren erfolgreich bekämpft, so dass eine Erkältung innerhalb von ein bis zwei Wochen überstanden ist.

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