Onlinevorlesung statt Hörsaal – Verbessert oder verschlechtert sich die Qualität der Lehre?

 
Was auf den ersten Blick nach einer bequemen Alternative zum regelmäßigen Besuch des Hörsaals klingt, löst beim zweiten Hinschauen ein Debatte über die Qualität der Lehre an Hochschulen aus. Welche Vor- und Nachteile bietet eine mögliche Verlagerung von Vorlesungen ins world wide web?

Neueste Entwicklungen in den USA

Wie in vielen Bereichen sind die USA auch auf diesem Gebiet Vorreiter. Die weltweit renommierte Harvard-Universität bietet seit Kurzem Online-Kurse in verschiedenen Bereichen an. Die sonst nur Bildungseliten vorbehaltenen Studieninhalte können so per Mausklick weltweit von Jedermann eingesehen und belegt werden. So kann auch der „Durchschnittsgebildete“ auf hochtrabende Lerninhalte, wie komplexe Mathematik oder antike Philosophie zugreifen. Dieses Angebot wird außerdem kostenlos zur Verfügung gestellt. Der Lernstoff wird damit auch finanziell weniger privilegierten Bevölkerungsschichten zugänglich gemacht.

Viele weitere Elite-Universitäten der USA nehmen an diesem Programm teil und haben sich zur Online-Plattform „edX“ zusammengetan. Dieser Zusammenschluss proklamiert „Die Zukunft des Lernens“. Nun gelangt dieser Trend auch nach Deutschland.

E-Learning in der Münchner Hochschullandschaft

Die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und die TU München planen ab diesem Sommersemester ebenfalls ein Angebot an Online-Kursen für ihre Studenten. Dafür schlossen sich die Hochschulen zur „Coursera“, einer der „edX“ ähnlichen Online-Lernplattform der kalifornischen Stanford University zusammen. Die Münchner Hochschulen sind damit deutschlandweit die ersten Universitäten, die einem der amerikanischen Lernnetzwerke beigetreten sind. Funktionieren soll das Ganze, wie das weltweit wohl berühmteste social media Facebook. In Foren kann dort über den Lernstoff diskutiert werden.

Vor-und Nachteile von Online-Vorlesungen

Durch die freie Zugänglichkeit der Kurse können talentierte junge Menschen außerhalb der Hochschullandschaft entdeckt werden. Die Online-Vorlesungen ermöglichen außerdem eine Art „Lernen für Jedermann“ unabhängig von Alter, Einkommen und Wohnort. Abiturienten können überdies vor Beginn eines Studiums testen, welche Lehrinhalte genau auf sie zukommen. Die Zukunft ist somit also besser planbar.
Andererseits kann diese „digitale Revolution“ auch die Hochschullandschaft überflüssig machen und tauende von Arbeitsplätzen vernichten.

Fazit

Rein faktisch verbessert dieses Angebot die Lehre, solange es als zusätzliches Angebot zu den „realen“ Vorlesungen im Hörsaal gedacht ist. Sollten die virtuellen Seminare jedoch den Hörsaal ersetzen, droht die Gefahr einer gewissen Beliebigkeit der Lehre. So weit gehen die aktuellen Entwicklungen momentan allerdings noch nicht.

Bild: Vorlesung©RainerSturm / pixelio.de
Bild: Vorlesung©RainerSturm  / pixelio.de