Soft Skills, die man während eines Auslandsstudiums entwickelt


Foto: ESL – Sprachreisen

Auch wenn ein längerer Auslandsaufenthalt in erster Linie natürlich vor allem der Verbesserung der Fremdsprachenkenntnisse dient, so nimmt man doch bewusst oder unbewusst weitaus mehr mit von dieser einzigartigen Lebensphase als nur neue Vokabeln und Grammatikregeln. Man taucht ein in eine fremde Kultur, muss sich in ihr zurechtfinden, dabei die eigene Herkunftskultur hinterfragen und gewohnte Konzepte mitunter komplett überwerfen. Fern der Heimat, von Freunden und Familie lernt man schnell sich in ungewohnten Situationen zurechtzufinden und zu behaupten. Man lernt sich in die mitunter sehr andersartige Denkstruktur anderer Kulturen hineinzuversetzen und entwickelt einen hohes Maß an Toleranz. Diese Art von Erfahrungen und Eindrücken fallen in den Bereich der so genannten Soft Skills und genau auf diese Fähigkeiten achten Arbeitgeber besonders.

Was sind Soft Skills?  

Soft Skills werden auch als „weiche Fähigkeiten“ bezeichnet und umfassen außerfachliche, die Persönlichkeit betreffende Eigenschaften. Das Gegenteil dazu sind die Hard Skills, die die erworbene Fachkompetenz aus einer Ausbildung oder einem Studium beschreiben. Arbeitgeber suchen nach Bewerbern, die eine Ausgewogenheit zwischen diesen beiden Kompetenzen mitbringen. Dabei lassen sich die wichtigsten Soft Skills in vier Kategorien einteilen:


1. Zwischenmenschliche Fähigkeiten

Im Gegensatz zu einer nur kurzen Urlaubsreise ermöglicht ein längerer Aufenthalt im Ausland die andere Kultur wirklich hautnah kennenzulernen und sich ihr mit intensiv auseinanderzusetzen. Der Austausch mit internationalen Studenten aus verschiedenen Ländern bringt ein multikulturelles Zusammentreffen mit sich, das einem später die Arbeit mit Kollegen aus aller Welt vereinfacht. Wer einmal den Blick über den eigenen Tellerrand geworfen hat, formt nicht nur das Verständnis, sondern schult auch das eigene Einfühlungsvermögen im Umgang mit anderen Menschen. Die Sprache ist die Eintrittskarte dazu und fördert die Schlüsseleigenschaft des kulturellen Verständnisses. Eine wichtige Grundvoraussetzung zum Erlernen einer neuen Sprache ist zudem Geduld. In einer fremden Sprache zu sprechen erfordert mehr Zeit und Denkleistung,  um eine passende Antwort zu finden. Dadurch werden die Fähigkeit aufmerksam zuzuhören und der sprachliche Ausdruck ständig trainiert. So erhält man auch eine andere Sichtweise auf die eigene Muttersprache und erfährt wie es sich anfühlt, wenn Leute sehr schnell und in einem eigenen Jargon sprechen.


2. Mentale Fähigkeiten

Wenn man sich außerhalb der eigenen Komfortzone befindet, weil man von Menschen umgeben ist, die nicht die eigene Muttersprache sprechen und in einer anderen Kultur leben, lernt man schnell Probleme auf eine kreative Weise zu lösen. Auch multidisziplinäres Denken wird einem abverlangt, wenn man die gelernte Theorie, zum Beispiel Grammatik, in die Praxis umsetzen muss.

3. Praktische Kenntnisse

Hier ist die Trennung zwischen Soft und Hard Skills schwammig. Sich in einem fremden Land einzuleben ist immer eine Umstellung und erfordert die neue Selbstorganisation des Alltages sowie die Übernahme von Verantwortung mit einer gewissen Selbstdisziplin. Vor einer Klasse einen Vortrag in einer Fremdsprache zu halten wird einen später nicht mehr einschüchtern und man meistert dies selbstbewusst.


4. Persönlichkeitsmerkmale

Bereits in der Kindheit wird die Persönlichkeit geformt, immer neue Erfahrungen und Erlebnisse beeinflussen die persönliche Entwicklung weiter, so auch ein Auslandsaufenthalt. Denn es erfordert Selbstbewusstsein um zu fremden Leuten zu sprechen und man wird schnell merken, wie einen Menschen aufnehmen, wenn man deren Sprache spricht. Durch das Anpassen an eine neue Kultur wird die eigene Flexibilität geschult.

Eine neue Sprache zu lernen ist immer eine Herausforderung und erfordert Durchhaltevermögen, dabei ist ein gesundes Maß an Ehrgeiz hilfreich. Wenn man die Welt entdeckt, werden einem einige Dinge im Bezug auf den eigenen Lebensweg klar. Nichts fällt einem in den Schoß, man muss Eigeninitiative ergreifen, mit einer der wichtigsten Soft Skills, der im Ausland ohne das gewohnte Umfeld um sich zu haben noch verstärkt wird.

Auch eine emotionale Ausgeglichenheit stellt sich ein. Wenn man zum Beispiel in einer anderen Sprache spricht, denkt man meist länger nach bevor man spricht und reduziert so die Gefahr etwas falsches zu sagen. Die eigenen Emotionen im Griff zu haben, hilft einem später enorm in einem Team zu arbeiten.  

Alle diese neuen Erfahrungen und Eindrücke resultieren in einer gewissen Reife, mit der jeder von einem Auslandsaufenthalt zurückkehrt. Soft Skills sind nicht nur für die berufliche Zukunft wichtig, sondern auch für die eigene persönliche Entwicklung von imenser Bedeutung.
Es gibt viele Möglichkeiten eine Zeit im Ausland zu verbringen, sei es im Zuge eines Auslandsstudiums an einer Partnerhochschule, einer Sprachreise während der Semesterferien oder eines Gap Year, das man vor dem Start ins Uni- oder Berufsleben einlegen kann. Es lohnt sich in jedem Fall!

Ramona Borsch von ESL – Sprachreisen  


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