Stress bewältigen: Mit kühlem Kopf durch die nächste Prüfungsphase

Das Image des vielleicht bisweilen etwas faulen Studenten mit flexibler Freizeitgestaltung und reichlich Kneipenbesuchen scheint überholt - spätestens seit dem Bologna-Prozess und der Einführung der Bachelor- und Master-Studiengänge in Deutschland klagen immer mehr Studierende über eine hohe Arbeitslast und viel Druck. Die Auswirkungen zeigen sich in immer häufigeren Beschwerden, die vor wenigen Jahren noch gestressten Managern zugerechnet wurden: Tinnitus oder Hörstürze sind unter den Studenten keine Ausnahmen mehr. Wie lässt sich der Stress bewältigen?

Burnout: Immer häufiger Studierende betroffen

Es sind vor allem leistungswillige Studierende, die sich einem ungesunden Druck aussetzen: Bevor sie ihre Erwartungen an sich selbst senken, stellen sie eher die eigene Leistungsfähigkeit infrage. Damit werden sie schnell Opfer eines Zeitgeistes, der immer mehr Leistung in immer weniger Zeit abverlangt. Wer mit dem Druck nur schlecht umgehen kann, sollte sich frühzeitig durch Coachings Hilfe suchen. Vermutlich ist schon seit den Abiturprüfungen bekannt, dass der Druck sich sehr negativ auswirkt. Wichtig ist grundsätzlich vor jeder Lernphase ein strukturierter Plan - sonst besteht das Risiko, dass der zu paukende Stoff falsch eingeschätzt wird. Außerdem vermittelt ein Plan eine gewisse Sicherheit, weil das diffuse Unbehagen, das Arbeitspensum nicht bewältigen zu können, einer transparenten Struktur weicht. Wichtig dabei sind realistische Einschätzungen und vor allem auch die Einplanung von Lernpausen. Anders als bei Routine-Tätigkeiten ist ununterbrochenes Arbeiten in Zeiträumen von sechs Stunden und mehr für die meisten Studierenden nicht möglich - unter nachlassender Konzentration leidet natürlich schnell auch die Produktivität. Besonders gefährlich wird der Stress, wenn den Phasen der Anspannung keine Zeiträume der Regeneration folgen. Stress ist in gesunder Dosierung weder schädlich noch unnatürlich, es handelt sich vielmehr um einen natürlichen Mechanismus, um die Leistungsfähigkeit in gewissen Situationen zu erhöhen. Im Umkehrschluss bedeutet dies auch, dass die Studierenden sich nach langen Prüfungsphasen unbedingt eine Auszeit gönnen sollten - sofern dies möglich ist. Denn häufig sorgen auch - neben den straffen Stundenplänen - Geldsorgen für Anspannung und Druck. Die Symptome fallen dabei höchst unterschiedlich aus: Während einige Menschen besonders reizbar und aggressiv sind, zeigen sich andere hilflos und überfordert. Kopf- und Rückenschmerzen, Schwindel, Appetit- und Schlaflosigkeit können ihren Ursachen ebenso in der Stresssituation haben.

Stress entsteht im Kopf

Dabei gibt es auch eine gute Nachricht: Stress ist häufig nicht vermeid- aber in jedem Fall handelbar. Ein effektives Stressmanagement erkundet die Auslöser von Stresssituationen und wirkt auf vielfältige Weise entgegen. Durch das Setzen von Prioritäten und dem Erlernen einer anderen Denkhaltung können Studierende lernen, die Gefühle der Überforderung zu vermeiden. Denn Stress entsteht im Kopf: Dass die nächste Klausur kommt, ist eine objektive Feststellung. Doch die Haltung dazu bestimmt, ob dieser Termin als reizvolle Aufgabe oder schwerwiegendes Problem wahrgenommen wird. Das Buch "Stressmanagement" von Christine Kentzler und Julia Richter, das 2010 im Haufe Verlag erschien, beschäftigt sich mit allen Aspekten zur Stressbewältigung und -Vermeidung. Ein fundiertes Trainingsprogramm sorgt dafür, dass auch das Studium bald wieder als echte Bereicherung empfunden werden kann - und sich nicht lediglich auf den Leistungsdruck beschränken lässt.


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