"Wir wollen nicht Tastatur und Maus bedienen, sondern auf natürliche Weise mit Technik kommunizieren."

Fotos von Prof. Dr. Hans-Peter Seidel, Sprecher des Exzellenzclusters "Multimodal Computing and Interaction"

In Saarbrücken erforschen Informatiker, wie sich Menschen über Sprache, Gesten und Mimik mit Computern verständigen. Die Herausforderungen des Exzellenzclusters "Multimodal Computing and Interaction" erläutert der Sprecher des Clusters, Professor Hans-Peter Seidel.

Herr Professor Seidel, heute machen Videos 30 Prozent des Internetverkehrs aus, in Kürze soll sich die Zahl verdoppeln. Was bedeutet das für die Forschung?

Wir beobachten derzeit in der Tat einen dramatischen Umbruch. Noch vor zehn Jahren machten Texte den Großteil der digitalen Daten aus. Heute werden Bilder und Videos um die Welt geschickt. Und auch die Musik und gesprochene Sprache prägen das Internet immer stärker. Dies wirkt sich auch auf unseren Umgang mit Computern und Handys aus. Wir wollen diese nicht nur über Tastatur und Maus bedienen, sondern auf natürliche Weise mit Technik kommunizieren.

Wie soll das gehen, wenn schon das Navi-Gerät im Auto mich nicht versteht?

Menschen sprechen recht unterschiedlich und sagen manches zwischen den Zeilen. Ein Rechner muss viel Wissen speichern, um zu erahnen, wovon die Rede ist. Wir wollen die Fähigkeiten der Computer verbessern, damit diese auch komplizierte Aufgaben lösen können, wie etwa eine Führung durchs Museum. Saarbrücker Forscher entwickeln dafür auch Kunstfiguren, so genannte Avatare, die uns freundlich anblicken und auf Zwischenfragen eingehen. Außerdem untersuchen wir, wie man Geräte noch einfacher über Gesten oder Mimik steuern kann. Dies übertragen wir auch in neue 3-D-Welten, in denen sich Menschen frei bewegen sollen. Unsere Computergraphiker können dafür ein Abbild von uns erstellen und dieses wie einen Filmstar in die Szene einbetten.

Im Internet fallen dadurch riesige Datenmengen an. Sind diese noch zu beherrschen?

Das ist eine der größten Herausforderungen für unsere Forscher im Exzellenzcluster. Wir entwerfen dafür neue Suchmaschinen, die nicht nur einzelne Begriffen suchen, sondern den Sinn großer Datenmengen selbständig erfassen. Dabei geht es nicht nur um Texte, sondern auch um die Musikrecherche oder um Bilder und Videos, in denen man zum Beispiel per Mausklick einzelne Gesichter suchen kann. Hier kommt natürlich die Frage nach dem Datenschutz ins Spiel. Auch dies ist ein ganz zentraler Aspekt unserer Forschungen: Wie können wir die Netzwerke der Zukunft sicher gestalten, vor allem für mobile Anwendungen?

Wie wichtig ist das Exzellenzcluster für Ihre Forschung?

Wir haben die Forschungsgelder des Exzellenzclusters bewusst nicht per Gießkanne verteilt, sondern fördern damit hervorragende Nachwuchsforscher aus dem In- und Ausland. Das Cluster wirkt hier wie ein Magnet. Es verbindet das Max-Planck-Institut für Informatik, das Max-Planck-Institut für Softwaresysteme – die einzigen auf dem Gebiet der Informatik in Deutschland –, das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz und das Zentrum für Bioinformatik mit der herausragenden Informatikforschung an der Universität des Saarlandes. Unsere internationale Graduiertenschule ermöglicht sehr guten Studenten direkt nach dem Bachelor die Promotion. Vor einem Jahr wurde außerdem das Intel Visual Computing Institute gegründet, das Forschungsergebnisse in industrielle Anwendungen überführt. Hinzu kommt das Leibniz-Zentrum Schloss Dagstuhl, in dem jedes Jahr 3.000 Informatiker aus der ganzen Welt tagen. Für junge Forscher ist es ein Traum, dorthin eingeladen zu werden.