Die Empfehlungen des Wissenschaftsrats zur Weiterentwicklung des Hochschulsystems im Saarland

Der Wissenschaftsrat hat in seinen Empfehlungen zur Weiterentwicklung des Hochschulsystems im Saarland wesentliche Punkte der Entwicklungsplanung der Saar-Uni bestätigt und ihre Leistungen gewürdigt. "Der Wissenschaftsrat hat der Universität des Saarlandes empfohlen, die Schwerpunkte der Universität auszubauen und die große Bandbreite des Studienangebots zurückzufahren. Dies bestätigt im Grundsatz die bisherige Zukunftsplanung des Universitätspräsidiums", sagt Universitätspräsident Volker Linneweber. Im Auftrag der Landesregierung musste der Wissenschaftsrat jedoch auch den deutlich sinkenden Uni-Haushalt bis 2020 berücksichtigen. Daher sprach das Gremium eine Reihe von Empfehlungen aus, an welchen Stellen Einsparungen möglich sein könnten. 

Stellungnahmen der Universität

Bei der Anhörung im saarländischen Landtag am 12. März 2014 wurden verschiedene Vertreter der Universität befragt. Die vorher eingereichten Stellungnahmen des Präsidiums, des Universitätsrats, der Fakultäten, der Dekane und des AStA finden Sie hier: 

Universitätspräsidium | Universitätsrat | Dekane | Fakultät 1 | Fakultät 2 und Universitätsklinikum | Fakultät 3 | Fakultät 4 | Fakultät 5 | Fakultät 6 | Fakultät 7 | Fakultät 8 | Lehramt | AStA

Kommentare zu den Empfehlungen des Wissenschaftsrats

Studiengänge einzigartig machen

Geistes- und Kulturwissenschaften nehmen traditionell weniger Geld ein, da hier keine so starke Industrie dahinter steht. Dennoch sind diese Bereiche in der Gesellschaft unverzichtbar und sollten auch an der Universität des Saarlandes weitergeführt werden. Ich wäre allerdings dafür, die einzelnen Studiengänge zu überarbeiten, um die Qualität zu verbessern und sie in ihrer Form einzigartig zu machen. So sind z.B. Bildwissenschaften einzigartig in der BRD, was eine Stärke ist, die man nur besser nutzen sollte. Antworten auf Fragen wie "Was macht diesen Studiengang besonders, und wo liegt der große Vorteil?" sollten beantwortet und besser kommuniziert werden.

Ohne Namen, 17.03.2014

Nicht die Zahnmedizin schließen!

Bitte nicht die Zahnmedizin schließen! Ich bin Patient. Die prothetische Versorgung ist komplex, das Team vor Ort kompetent. Als Alternative bliebe mir das Universitätsklinikum Mainz.

Ohne Namen, 13.03.2014

Fächerausbau vs. Fächerschließung

Ich bin der Meinung, dass wir Fächer, die der Uni am meisten Spenden und Prestige einbringen, unverändert lassen oder diese sogar ausbauen sollten. Dies betrifft vor allem die Fakultäten der Betriebswirtschaft und der Rechtswissenschaften sowie den Bereich der Materialwissenschaften.

Falls man wirklich von Schließungen spricht, sollte das meiner Meinung nach auf Fächer wie Philosophie, Archäologie, verschiedene Lehramtsfächer (Griechisch, Ehtik,...), Romanistik, Philologie und Alte Geschichte beschränkt werden.

Ohne Namen, 04.02.2014

"Ich bin auch so ein Klebeeffekt"

Kooperationen in der Großregion? An sich nicht schlecht, aber das sollte dann auch für den einzelnen Studenten zeitlich und finanziell machbar sein. Wie soll das z.B bei Lehramtsstudiengängen funktionieren? Es kümmert doch keinen, ob Veranstaltungen in Fach X in Saarbrücken und Veranstaltungen in Fach Y in Trier/Metz/Luxemburg etc. zeitlich in einen Stundenplan gepresst werden können. Die Großregion-Debatte sollte auf jeden Fall Thema bei den anstehenden Verhandlungen zum Semesterticket sein. Oder wie wäre es z.B. mit Shuttlebussen zwischen den verschiedenen Standorten?

"Klebeeffekte": Ich bin auch so ein Klebeeffekt. Schon heute würde ich meinen Studiengang hier niemandem mehr empfehlen (vakante und nicht neu besetzte Professuren im eigenen Fach, mäßig gut funktionierender grenzüberschreitender Studiengang). Wer soll denn da noch in das kleine Saarland kommen, wenn hier keine Voll-Uni mehr existiert? Doch nur noch Informatiker. Aber die Welt besteht ja doch noch aus anderen Dingen. Hat eigentlich mal jemand ausgerechnet, welcher finanzielle Schaden entsteht, wenn deutlich weniger (angehende) Akademiker in das Bundesland kommen?

Ohne Namen, 01.02.2014

Bildung bleibt

Bildung ist das, was übrig bleibt, wenn der letzte Dollar weg ist (Mark Twain).

Dr. Claudia Maria Zey, 30.01.2014

Die Wirtschaftsinformatik bei der Informatik ansiedeln

Als Bachelor-Student wird mir eine Business School Saarland auf dem Rotenbühl die engpassspezifische Deckungsbeitragsrechnung (wie wohl jedes andere Grundlagenthema auch) sicherlich genauso gut vermitteln können wie eine exklusive Uni-Veranstaltung. Für eine gute Lehre und Nachbearbeitung sind doch ganz andere Kriterien entscheidend: Verständlichkeit der Vorlesung, Anzahl der Übungsgruppen, Verfügbarkeit von Übungsmaterial sowie Lösungen, inhaltliche Abstimmung der Veranstaltungen untereinander oder z. B. Videopodcasts.

Klar, es gibt auch Leuchttürme – doch als Wirtschaftsinformatik-Student sehe ich oft, wie BWL-Veranstaltungen in solchen Punkten gegenüber denen der Informatik hinterherhinken. Für besonders aussichtsreich halte ich deshalb den Vorschlag des Kölner Wissenschaftsrats, die Saarbrücker Wirtschaftsinformatik in Zukunft an der Informatik anzusiedeln.

Ohne Namen, 30.01.2014

Wert nicht messbar

Bildung und Kultur lassen sich nicht in Zahlen messen.

Ohne Namen, 30.01.2014

Virtualisierung von Lehrangeboten

Es gibt im Gutachten viele Punkte, die mir logisch und sinnvoll erscheinen, wie z.B. die Verlagerung der Grundschullehrerausbildung zurück nach Landau oder die Reduktion der Studierendenzahlen in den Lehramtsstudiengängen. Dass Fächerschließungen unumgänglich sind, ist wohl jedem klar – Bereiche wie die Theologie oder Teile der Medizin wurden ja auch schon vom Wissenschaftsrat in Frage gestellt.

Bzgl. der Kooperationen mit den benachbarten Hochschulen fällt mir auf, dass der Bereich der Virtualisierung von Lehrangeboten an keiner Stelle des Gutachtens auftaucht. Virtuelle Lehrveranstaltungen bieten sich geradezu an, die Kooperationen zwischen den Hochschulen zu ergänzen und die Qualität der Lehre zu verbessern. Wo bleibt die ViSU, und warum wird auf diesem Gebiet nicht mehr Unterstützung an die wenigen existierenden "Onliner" gegeben?

Auch was die Qualitätssicherung der Lehre angeht, gehe ich mit den Empfehlungen konform: Da die Evaluation der Qualität der Seminare keine direkten Konsequenzen hat, ist diese in sich sinnlos.

Dr. Christoph Paulus, 29.01.2014

Für eine umfassende akademische Grundversorgung im Saarland

Gegen Fakultätsschließungen – Für eine umfassende akademische Grundversorgung im Saarland

Die politischen Entwicklungen im Saarland lassen tiefgreifende Einschnitte in der Hochschullandschaft befürchten. Als eigenständiges Bundesland muss das Saarland aber auch weiterhin eine umfassende akademische Grundversorgung anbieten! Wir setzen uns gegen die Schließung ganzer Fachrichtungen oder Fakultäten an den saarländischen Hochschulen ein!

Begründung: Ich bin aufgrund des Entwurfs der Gutachterkommission des Wissenschaftsrates zur Struktur der saarländischen Hochschullandschaft tief besorgt. Es ist für mich keine Frage, dass die einzige Universität des Saarlandes nicht weiter geschröpft und verstümmelt werden darf. Man kann sie nicht beurteilen wie jede x-beliebige Hochschule in anderen Flächenländern, da es sich bei ihr um die einzige Universität unseres Bundeslandes handelt. Dies macht außerdem eine umfassende akademische Grundversorgung unabdingbar. Auch warne ich davor, akademische Fachrichtungen gegeneinander auszuspielen. Das Saarland muss eine ernstzunehmende Hochschullandschaft vorweisen, will es als eigenständiges Bundesland ernst genommen werden.

Daher spreche ich mich gegen Schließungen im medizinischen Bereich ebenso aus wie bspw. gegen die vorgeschlagene Einstellung von Studiengängen der Fakultät 1. Die Fakultät 1 hat mit ihren Abteilungen der Rechts- und Wirtschaftswissenschaft die meisten Studenten und fasst jährlich die größte Nachfrage an Studienanfängern.

Letztere beinhaltet eine von den Gutachtern scheinbar völlig übersehene Dimension. Als eigenständiges Bundesland besitzt das Saarland "im Sinne der Rechtswissenschaften" eine weitreichende, eigenständige Gesetzgebung, etwa in den Bereichen des Polizei-, Bau- oder Presserechts. Es entspricht nicht unserem Bild eines eigenständigen Bundeslandes, sein Landesrecht an Hochschulen anderer Bundesländer als Kolonialrecht lehren zu lassen. Im Bereich der Wirtschaftswissenschaften wäre es darüber hinaus absurd, die Reihe der Bachelorstudiengänge einzustellen, welche weiter als Grundlage der Masterstudiengänge im Rahmen einer Business School dienen sollten. Eine Fakultät mit gemeinsamen Werten und einem übergreifenden Lehrangebot kann nicht einfach aus seiner Verzahnung herausgerissen werden.

Auch haben die vorgeschlagenen Schließungen ohne Frage zur Folge, dass weniger Menschen ins Saarland kommen und man auf der anderen Seite noch mehr Menschen für ihre Ausbildung aus dem Saarland treibt. Eine Universität darf nicht nur unter betriebswirtschaftlichen Aspekten gesehen werden, man muss immer auch ihren volkswirtschaftlichen Nutzen betrachten.

Die vorgeschlagenen, unverhältnismäßigen Kürzungen sind zu verhindern und die bereits von der Großen Koalition beschlossenen Mittelkürzungen zu überdenken. Ohne die Kürzungen in Millionenhöhe, mit der die Uni für die kommenden Jahre konfrontiert ist, stünden wichtige Fachrichtungen nicht vor dem Aus.

Auch wenn die Verbesserung der Kooperation zwischen Saar-Uni und HTW ein auch von uns geforderter, wichtiger Schritt ist, so muss an anderer Stelle mit mehr Bedacht vorgegangen werden, als ihn der Wissenschaftsrat in seinem Gutachten zeigt. Sonst droht dem Saarland ein trauriges Alleinstellungsmerkmal – wenn es das erste Bundesland ohne eine umfassende, akademische Grundversorgung und ohne die Möglichkeit ist, sein eigenes Landesrecht selbst zu lehren.

Tobias Raab, 29.01.2014

Wiedereinführung von Studiengebühren

Aufgrund der äußerst brisanten Haushaltslage sollte man über die Wiedereinführung von Studiengebühren nachdenken!

Ohne Namen, 29.01.2014

Klares Bekenntnis zum Saarland und zur Universität

Bezüglich der Juristenausbildung im Rahmen des Staatsexamensstudienganges wird empfohlen, entweder ein kooperatives Angebot mit einer Universität der Großregion aufzubauen oder sie im Saarland gänzlich aufzugeben. Allerdings hält der Wissenschaftsrat die Rechtsinformatik und das Europarecht für profilrelevant, erfolgreich und daher im Grundsatz für erhaltenswert...

Der Studiengang Rechtswissenschaften ist einer der günstigsten Studiengänge bezüglich Material und Verhältnis von Kosten zu Teilnehmern. Um Rechtsinformatik und Europarecht anbieten zu können, ist ein Studiengang mit qualifiziertem Personal unabkömmlich. Dies ist aber gerade ohne juristische Fakultät nicht möglich. Wo sollen Nachwuchsjuristen für den Dienst in der saarländischen Justiz ausgebildet werden?

Und nicht zuletzt: Die Uni generiert mehr Einnahmen, als sie das Land kostet. Auch wäre der Image-Verlust für das gesamte Saarland und insbesondere Saarbrücken von immensem Ausmaß.

Ich hoffe inständig, dass die Landesregierung sich hier nicht dem vermeintlichen Sparzwang beugt. Immernoch werden an vielen Stellen Gelder verschwendet oder Verschwendung geplant (Stadt-Mitte am Fluß, Dezernentenstellen in Saarbrücken, Kommunale Untergliederung und Fehlplanungen in den Kommunen, 51 saarländische Abgeordnete statt eines Feierabendparlamentes...).

Jetzt gilt es, sich klar zum Saarland und zur Universität des Saarlandes zu bekennen!

Columbo, 28.01.2014

Eine positive Vision für die Zukunft des Saarlandes

Die Landesregierung wird sich mittelfristig der Frage stellen müssen, ob sie ihre politischen Entscheidungen weiterhin Gutachten unterordnen oder eine eigenständige, positive Vision für die Zukunft des Landes entwickeln möchte.

Es ist bemerkenswert, dass der Wissenschaftsrat der Universität zwar gute Leistungen attestiert – gleichzeitig aber zum völlig willkürlichen Schluss kommt, die Universität des Saarlandes müsse in gerade den Bereichen, die eine umfassende Bildung und Forschung befördern können, Einsparungen treffen.

Sami Lubinetzki, 28.01.2014

Expansion statt Schließung

Die Empfehlung des Wissenschaftsrats in Bezug auf die Zahnmedizin beruht unter anderem auf der durch ihn selbst willkürlich postulierten Grundlage, dass 40 Studierende eine "Mindestgröße" zur Durchführung des Studienganges darstellen.

Durch die Universität des Saarlandes erbrachten Leistungen werden hervorgehoben und positiv bewertet, aber die gezogene Konsequenz (Schließung) ist verkehrt. Die korrekte Reaktion muss Expansion heißen.

J. Lisson, 27.01.2014