Drei Fragen an Annika Wahl

Annika Wahl hat für den Master2 zum Euro-Juristen im französischen Lille und im englischen Warwick studiert.

Annika Wahl an einem ihrer Lieblingsorte in England: Warwick Castle
Warum haben Sie sich für ein Studium in Warwick entschieden?

Schon seit der Schule stand für mich fest, dass ich eine Zeit lang im Ausland leben möchte. Deswegen habe ich nach dem Abitur ein freiwilliges soziales Jahr in Lille in Frankreich absolviert. Zurück kam ich mit vielen neuen Erfahrungen, positiven wie negativen, und mit einem ganz neuen Gefühl, einem sehr starken Fernweh. Deswegen wusste ich, dass ich noch einmal ins Ausland muss und habe mich umgehört, welche Möglichkeiten es gibt.

Vom Lille-Warwick-Programm habe ich von einer Freundin erfahren. Da dieses Programm nicht nur einen, sondern zwei Auslandsaufenthalte bietet, war mir klar: Da muss ich mitmachen. Einerseits zurück nach Lille, eine Stadt, die mir sehr ans Herz gewachsen ist, und andererseits etwas Neues entdecken. England kannte ich bis dahin kaum. Und daher reizte es mich, etwas Unbekanntes kennenzulernen. Nicht nur ein neues Land, sondern auch ein komplett anderes Rechtssystem.

Was hat Ihnen dort besonders gefallen?

In England wird viel in Kleingruppen unterrichtet. Häufig muss jeder in einer Diskussion seine Meinung sagen, jeder wird zur Mitarbeit motiviert. Deswegen muss man sich immer umfassend vorbereiten, was manchmal zwar lästig erscheint, einem aber sehr viel nützt. Man bleibt immer am Ball, und das Wiederholen vor den Prüfungen fällt so leichter. Außerdem erhalten Studenten viel Unterstützung. Jeder hat einen Tutor, der immer wieder auf einen zukommt und fragt, wie man zurechtkommt oder ob es Probleme gibt.

In der Freizeit gibt es zu jedem erdenklichen Hobby eine Society. Es ist eine tolle Gelegenheit, etwas Neues auszuprobieren und interessante Leute kennenzulernen. Ich bin z.B. dem Blasorchester beigetreten und habe mich ehrenamtlich in einer Einrichtung für behinderte Jugendliche engagiert. Außerdem reist man viel mehr als zu Hause. Ich habe so viele Städte in Großbritannien kennengelernt. Da die Uni Warwick ziemlich in der Mitte Englands liegt, ist sie der ideale Ausgangspunkt für Reisen auf der ganzen Insel.

Manchmal gibt es Hindernisse zu überwinden: Bürokratie, eine Essay-Deadline oder auch Heimweh. Aber man schafft es doch immer wieder, eine Lösung zu finden und geht viel stärker aus der Situation hervor. Man wird selbstbewusster und merkt, dass man viel mehr kann, als man vorher vielleicht dachte. Ich möchte diese Selbständigkeit und dieses Selbstbewusstsein auf jeden Fall beibehalten.

Was raten Sie anderen Studenten, die vielleicht noch zögern, einen Auslandsaufenthalt einzuplanen?

Wagt es einfach, auch wenn Ihr erstmal noch etwas Angst davor habt. Das ist normal, das ist bei jedem so. Auch wenn das hier bereits mein dritter Aufenthalt war, hatte ich ziemlich große Angst vorher: Was, wenn ich in der Vorlesung nicht mitkomme, keine Freunde finde etc.? Jeder ist am Anfang allein und sucht Anschluss, von daher ist es relativ leicht, Leute kennenzulernen. Auch ins Englische bin ich nach ein paar Wochen gut reingekommen, und mittlerweile stört es mich nicht mehr, die vielen Texte auf Englisch zu lesen. Das kommt von ganz allein, wenn man den ganzen Tag Englisch hört und spricht.

Was die Befürchtung angeht, dass das Leben zu Hause ohne einen weitergeht und man vielleicht vergessen wird: Es ist meist so, dass man sich selbst extrem weiterentwickelt, aber zu Hause scheint die Zeit stillzustehen, die anderen gehen ihrem Alltag nach. Aber bei wirklich guten Freunden ist es egal, ob man sich eine Woche oder mehrere Monate nicht gesehen hat. Man macht einfach da weiter, wo man aufgehört hat.

Die Erfahrungen, nicht nur akademisch sondern auch persönlich, sind es allemal wert. Deswegen kann ich es nur jedem ans Herz legen, ins Ausland zu gehen. Und auch nach dem Studium interessiert es sicher keinen potenziellen Arbeitgeber, ob du zwei Jahre jünger oder älter bist, wenn du dafür etwas zu berichten hast.

Sie möchten Annika Wahl eine Frage stellen? Sie erreichen sie unter: annika_wahl(at)gmx.de