Freitag, 06. Juni 2014

Stifterverband prämiert innovatives Bachelor+ MINT- Konzept der Saar-Uni

Abiturienten können sich oft nicht entscheiden, ob sie Physik, Chemie, eine Ingenieurwissenschaft oder doch eher Informatik studieren sollen. Im ersten Semester kommen dann oft Probleme mit dem im Vergleich zur Schule recht hohen Tempo der Lehrveranstaltungen hinzu. Etliche Studenten brechen in dieser Phase ihr Studium ab oder wechseln in ein anderes Studienfach. Um das zu verhindern, will die Universität des Saarlandes künftig einen vierjährigen Bachelor-Studiengang in den Natur- und Ingenieurwissenschaften anbieten. Dieser richtet sich auch an Abiturienten, die an einem interdisziplinären Angebot interessiert sind. Studienanfänger werden dort ein Jahr lang intensiv dabei unterstützt, sich ihrem Wunschfach anzunähern und den Studienverlauf nach ihren Bedürfnissen zu gestalten.


Die Heinz Nixdorf Stiftung und der Stifterverband der Deutschen Wissenschaft haben dieses Konzept jetzt preisgekrönt und werden es mit rund 250.000 Euro unterstützen. Mit ihrem Konzept konnten sich die Saarbrücker Wissenschaftler bundesweit gegen 110 Hochschulen durchsetzen.

Der Studieneinstieg in den so genannten MINT-Fächern, also der Mathematik, Informatik, den Naturwissenschaften und technischen Fächern, fällt so manchem Abiturienten schwer. Viele Universitäten bieten mittlerweile Brückenkurse in der Mathematik an, um den Übergang von der Schule in das Studium zu erleichtern. „Das allein reicht aber nicht aus. Vielen Studienanfängern ist nicht klar, dass sie den Stoff, der in den Vorlesungen vermittelt wird, eigenständig nacharbeiten müssen. Sie scheitern häufig nicht nur an den Inhalten, sondern auch an der mangelnden Selbstorganisation“, sagt Ludger Santen, Physik-Professur der Universität des Saarlandes.

Gemeinsam mit der Saarbrücker Physik-Professorin Karin Jacobs und den Chemie-Professoren Guido Kickelbick  und David Scheschkewitz hat er das Konzept für ein vierjähriges Bachelor-Studienprogramm entwickelt. „Wir wollen damit Abiturienten unterstützen, die sich noch nicht ganz schlüssig sind, welches Studienfach aus diesem Bereich zu ihnen passt. Außerdem wird den Erstsemestern intensiv dabei geholfen, die höhere Mathematik zu durchdringen, die für alle MINT-Fächer eine wesentliche Grundlage ist“, erläutert Santen. Im ersten Studienjahr werden die Studenten Vorlesungen und Seminare in mindestens vier Studienfächern wie zum Beispiel der Informatik, Physik, Chemie und Werkstofftechnik besuchen und lernen dabei deren jeweilige Methodik kennen. Sie gewinnen dabei auch Einblick in Studiengänge, die sie nicht aus der Schule kennen, wie zum Beispiel die Materialwissenschaft und Werkstofftechnik.

Erst nach einem Jahr müssen sich die Programmteilnehmer für ihr Schwerpunktfach entscheiden. Besonders begabte Studenten können dann auch zwei Fächer miteinander kombinieren, etwa Physik und Informatik. Erbrachte Prüfungsleistungen aus dem ersten Studienjahr bekommen sie angerechnet und gewinnen damit für die weiteren drei Bachelorjahre etwas Luft. „Sie haben dann mehr Zeit, um anspruchsvollere Vorlesungen nachzuarbeiten und sich auf Prüfungen vorzubereiten. Außerdem können sie sich auch mit Themen jenseits ihres Fachgebietes beschäftigen oder ein längeres Industriepraktikum absolvieren, was nicht in jedem Studienfach vorgeschrieben ist“, erläutert Ludger Santen.

Während der einjährigen Studieneingangsphase werden die Teilnehmer künftig intensiv von den Wissenschaftlern betreut. Dabei versuchen diese gemeinsam mit den Studenten herauszufinden, wo deren persönlichen Stärken  liegen und wo sie Unterstützung benötigen. „Wir werden dabei auch mit den Psychologen der Saar-Uni zusammenarbeiten, die den Studieneingangstest, genannt Studyfinder, und Erwartungschecks für einzelne Studienfächer entwickelt haben. Mit ihrer Hilfe sollen die Studenten sich darüber klar werden, ob sie eine realistische Vorstellung von den Studieninhalten und den späteren beruflichen Anforderungen haben “, erklärt der Physiker.

Mit ihrem Konzept konnten sich die Saarbrücker Wissenschaftler in einer Ausschreibung der Heinz Nixdorf Stiftung und des Stifterverbandes der Deutschen Wissenschaft gegen 110 Hochschulen durchsetzen. Unter zwölf Finalisten wurden fünf Gewinnerprojekte ausgewählt, die nun jeweils mit einer zweijährigen Förderung von bis zu 250.000 Euro rechnen können. Das neue vierjährige Studienangebot für die MINT-Fächer soll auch dazu beitragen, dass es mehr erfolgreiche MINT-Studienabsolventen gibt, die für den High-Tech-Standort Deutschland dringend gebraucht werden. Der Studiengang soll an der Universität des Saarlandes im Wintersemester 2015/16 starten. Die Jury bewertete das Saarbrücker Projekt folgendermaßen: „Mit dem Projekt ‚Bachelor-Plus MINT‘ zeichnet die Jury ein mutiges Modell zur Entzerrung der Studiendauer an der Universität des Saarlandes aus, welches den gesamten Studienverlauf in den Blick nimmt. Insbesondere die Integration der individuellen Bedürfnisse der Studierenden in das Curriculum, die starken und ebenso schwächeren Studierenden gleichermaßen gerecht wird, konnte die Jury überzeugen.“  

Weitere Informationen:
www.stifterverband.info/bildungsinitiative/chancengerechte_bildung/studieneingangsphase/index.html


http://www.idw-online.de/pages/de/news590887

 



Fragen beantworten:

Prof. Dr. Karin Jacobs
Lehrstuhl für Experimentalphysik
Tel. 0681 302- 717 88

Prof. Dr. David Scheschkewitz
Lehrstuhl für Anorganische und Allgemeine Chemie
Tel. :0681/302-71640
Mail: scheschkewitz(at)mx.uni-saarland.de


Hinweis für Hörfunk-Journalisten: Sie können Telefoninterviews in Studioqualität mit Wissenschaftlern der Universität des Saarlandes führen, über Rundfunk-Codec (IP-Verbindung mit Direktanwahl oder über ARD-Sternpunkt 106813020001). Interviewwünsche bitte an die Pressestelle (0681/302-3610).