Donnerstag, 19. Februar 2015

Altertumsforscher beleuchten die Wahrheit in der antiken Geschichtsschreibung

Internationale Tagung vom 19. bis 21. Februar

Wann gilt eine historische Darstellung als wahr oder unwahr? Nach welchen Kriterien entscheidet sich das? Schadet zu viel Pathos dem Wahrheitsgehalt? Bei der Saarbrücker Tagung „Rhetorik – Tragik – Mimesis“ befassen sich vom 19. bis 21. Februar Altertumswissenschaftler aus acht europäischen Ländern mit der Wahrheit in der antiken Literatur und suchen nach Antworten auch auf Fragen der Gegenwart. Juniorprofessor Thomas Blank von der Saar-Universität veranstaltet die Tagung zusammen mit Felix K. Maier von der Universität Freiburg.


Internationale Tagung: "Rhetorik – Tragik – Mimesis. Das Wahrheitsproblem in der nachklassischen Geschichtsschreibung", 19. bis 21. Februar,
Campus Saarbrücken C7 4, Raum 1.17,
Studenten und Medienvertreter sind herzlich eingeladen.
Anmeldung und Information: geschichtsschreibung@uni-saarland.de
www.uni-saarland.de/fak3/fr39/projekte/geschichtsschreibung.htm


Was ist wirklich geschehen? Was ist wahr? Schon Augenzeugen haben es schwer, nur eindeutig Wahres zu berichten. Auch ist dem, der informiert und kommentiert, schnell der Vorwurf gemacht, er würde Unwahres verbreiten – wie sich aktuell am Beispiel der als „Lügenpresse“ diffamierten Medien zeigt. Historikern, die Ereignisse einordnen, die Jahrzehnte, Jahrhunderte, Jahrtausende zurückliegen, die also auf Quellen angewiesen sind, stellt sich das Wahrheitsproblem von Haus aus. Da sind die „harten“ Daten und Fakten – aber wieviel sagen diese aus darüber, wie es wirklich war, über Stimmungen, den Alltag, das wahre Leben?
„Bis heute ist die Vorstellung, dass Historiker sich in erster Linie mit Daten und Fakten befassen, ebenso weit verbreitet wie die Annahme, hinter diesen Daten verberge sich eine erkennbare und eindeutige historische Wahrheit. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Geschichtswissenschaft neben den Fakten und wissenschaftlichen Methoden auch ohne Poetik nicht auskommen kann“, sagt der Saarbrücker Altertumswissenschaftler Thomas Blank.

Diese Erkenntnis ist alles andere als neu: „Schon seit den Anfängen der europäischen Geschichtsschreibung in der griechischen Antike wurde das Problem der historiographischen Wahrheit erkannt und diskutiert“, erläutert Blank. „Die deutschsprachige Altertumswissenschaft hat jedoch antike Beiträge zum Verhältnis von Geschehen und Geschichte lange Zeit zu einseitig als Polemik gegen schlechte, weil nicht an ‚objektiver Wahrheit‘ orientierte Geschichtsschreibung aufgefasst“, sagt der Altertumswissenschaftler. Zuviel Pathos schade der Wahrheit, Tragödie verstelle den Blick. „Im Rahmen der Tagung hinterfragen wir das Wie der Geschichtsschreibung, wir befassen uns mit den antiken Vorläufern des Wissenschaftsdiskurses, mit der Konzeption von Wahrheit in der antiken Literatur. Eine unserer Thesen, die wir diskutieren wollen, ist, dass schon nach antiker Auffassung Rhetorik oder Pathos der Wahrheit nicht immer schaden, sondern dass diese Mittel auch richtig eingesetzt werden können.“

Die Altertumswissenschaftler, die hierzu aus acht europäischen Ländern auf den Campus kommen, befassen sich in ihren Vorträgen damit, in welchem Verhältnis erzählerische Mittel, Redekunst und historische Wahrheit stehen. Welche Darstellungstechniken sind zulässig oder gar notwendig, um bei der Wahrheit zu bleiben: Überredung, Dramatisieren oder nur schlichtes Abbilden? Nach welchen Kriterien entscheidet sich umgekehrt, wann eine literarische Darstellung als ‚unwahr‘ zu gelten hat? Welche Rolle spielen hierbei philosophische Lehren, Merkmale der Textgattung, Publikationszwecke und Publikum? „Indem wir bei unserer Tagung Fragen wie diese ins Blickfeld rücken, wollen wir den antiken Diskurs wieder für die nachmoderne Wissenstheorie erschließen“, erläutert Thomas Blank.

Gefördert wird die Tagung von der Fritz-Thyssen-Stiftung, der Universitätsgesellschaft des Saarlandes e.V. und den Freunden der Antike im Saarland e.V.

Information: www.uni-saarland.de/fak3/fr39/projekte/geschichtsschreibung.htm

 

Kontakt: Juniorprofessor Dr. Thomas Blank, Altertumswissenschaften, Institut für Alte Geschichte, Tel.: 0681 302-3988, E-Mail: thomas.blank(at)uni-saarland.de

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