Montag, 23. Mai 2016

Max-Planck-Gesellschaft fördert Biophysikerin der Saar-Uni als „hervorragende junge Forscherin“

Wie bewegen sich Krebszellen durch den menschlichen Körper und bilden Metastasen? Wie gelangen weiße Blutkörperchen schnell zu offenen Wunden, um diese zu heilen? Antworten auf solche Fragen sucht Franziska Lautenschläger, die sich als Juniorprofessorin für Experimentalphysik an der Universität des Saarlandes auf biologische Themen spezialisiert hat. Ihr besonderes Interesse gilt den physikalischen Abläufen in menschlichen Zellen und deren inneren Strukturen. Um diese Forschung auch langfristig voranzutreiben, wird die Biophysikerin jetzt von der Max-Planck-Gesellschaft im Rahmen eines exklusiven Netzwerkes für junge Wissenschaftlerinnen, dem Elisabeth-Schiemann-Kolleg, gefördert.

Wenn Franziska Lautenschläger mit hochauflösenden Mikroskopen in Körperzellen blickt, interessiert sie sich vor allem für das so genannte Cytoskelett. „Dieses Skelett darf man sich nicht wie ein starres Knochengerüst vorstellen, sondern man sieht unter dem Mikroskop dünne, fadenförmige Strukturen, die für alle Bewegungen und Transporte innerhalb einer Zelle verantwortlich sind“, erklärt die Biophysikern. Diese Fäden geben den Zellen Form und Struktur und sorgen dafür, dass manche Zellen steif und fest sind, andere hingegen durchlässig und beweglich. “Hier kommt die Biophysik ins Spiel, da man viele Prozesse im menschlichen Körper nur analysieren kann, wenn man das Kräfteverhältnis innerhalb einer Zelle kennt. Da wir auch die Art der Fortbewegung von Zellen untersuchen, helfen wir Biologen dabei, die komplizierten Mechanismen etwa bei der Tumorbildung zu verstehen“, sagt die Juniorprofessorin, die seit 2013 an der Universität des Saarlandes forscht.

Vor zwei Jahren erhielt Franziska Lautenschläger gemeinsam mit mehreren Physik-Kollegen der Saar-Uni den Zuschlag im Großgeräteprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Sie konnte dadurch ein Konfokalmikroskop mit wichtigen Zusatzfunktionen erstehen, um zum Beispiel Moleküle mit fluoreszierenden Stoffen zu markieren und im Nanometerbereich zu beobachten. „Sie können dann auf ihrem Weg durch die Zelle oder auch durch die Zellmembran hindurch verfolgt werden. Das hilft uns dabei, bestimmte Krankheiten besser zu verstehen und zum Beispiel für Krebstherapien Ansätze zu finden, wie man die Bildung von Metastasen verhindern kann“, erklärt Lautenschläger. Die Biophysikerin ist mit ihrer Arbeitsgruppe auch an dem Sonderforschungsbereich 1027 von Physikern der Saar-Uni beteiligt. Dieser hat zum Ziel, physikalische Modelle zu entwickeln, mit denen man die äußerst dynamischen Prozesse in biologischen Systemen erklären kann.

Die Max-Planck-Gesellschaft hat Franziska Lautenschläger jetzt in das Elisabeth-Schiemann-Kolleg aufgenommen. Dieses führt erfahrene Max-Planck-Forscher mit hervorragenden jungen Wissenschaftlerinnen zusammen, um sie in der Phase nach ihrer Promotion auf dem Weg zu einer  Lebenszeitprofessur oder Direktorenstelle an einer Forschungseinrichtung zu begleiten. Das Kolleg bietet dafür auch ein interdisziplinäres Forum, in dem fachübergreifend wissenschaftliche Themen diskutiert werden. Die Saarbrücker Biophysikerin trifft dort auf Wissenschaftlerinnen, die vor allem an Max-Planck-Instituten und US-amerikanischen Elite-Universitäten forschen.

Weitere Informationen:


www.mpg.de/8009591/Elisabeth-Schiemann-Kolleg

www.lautenschlaeger.uni-saarland.de

http://gepris.dfg.de/gepris/projekt/254511230

http://www.sfb1027.uni-saarland.de/

Pressefotos unter: www.uni-saarland.de/pressefotos


Hier sind außerdem kurze Videos zum Download:


Video 1: Zeitrafferaufnahme einer migrierenden, fluoreszent eingefärbten Pigmentzelle aus der menschlichen Netzhaut (RPE1 Zelle). Zu sehen ist der Zellkern (blau) und Teile des Zytoskelettes (Vimentin in grün). Mikroskopieart: Epifluoreszenz. Der Maßstab beträgt fünf Mikrometer.

Video 2: Zeitrafferaufnahme mehrerer migrierenden, fluoreszent eingefärbten Pigment Zellen aus der menschlichen Netzhaut (RPE1 Zellen). Zu sehen ist der Zellkern (blau) und Teile des Zytoskelettes (Vimentin in grün, Mikrotubuli in Rot. Mikroskopieart: Konfokale Fluoreszenz (Spinning Disk) – Mikroskopie.

Fragen beantwortet:

Jun.-Prof. Franziska Lautenschläger
Tel. 0681/302 - 2417
E-Mail: f.lautenschlaeger@physik.uni-saarland.de


Hinweis für Hörfunk-Journalisten:
Sie können Telefoninterviews in Studioqualität mit Wissenschaftlern der Universität des Saarlandes führen, über Rundfunk-Codec (IP-Verbindung mit Direktanwahl oder über ARD-Sternpunkt 106813020001). Interviewwünsche bitte an die Pressestelle (0681/302-3610).