Donnerstag, 30. Juni 2016

Vortrag: James Bond im Spiegel des britischen Zeitgeistes

Anglistik-Professor Joachim Frenk im Wissenschaftsforum der Universitätsgesellschaft

James-Bond-Filme sind nicht nur gute Unterhaltung. Sie bieten auch Kulturwissenschaftlern massenhaft Stoff, um die Zeitgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg zu ergründen. „In jedem Bond-Film spiegelt sich der Zeitgeist wider. Angefangen vom Untergang des britischen Empire über den Kalten Krieg bis hin zu Umweltbedrohungen und dem weltweiten Kampf um Rohstoffe wie Öl und Wasser“, so Joachim Frenk, Professor für britische Literatur- und Kulturwissenschaft an der Universität des Saarlandes. Am 30. Juni um 18 Uhr wird Joachim Frenk einen öffentlichen Vortrag über James Bond im Wissenschaftsforum der Universitätsgesellschaft halten (Aula der Universität, Geb. A 3.3).

"James Bond ist in unserer Zeit zu einem globalen Phänomen geworden, das eine enorme kulturelle Reichweite besitzt", sagt Professor Joachim Frenk, der sich seit Jahren aus kulturwissenschaftlicher Warte mit dem britischen Filmhelden befasst. „Nach Ende des Ost-West-Konflikts wurde es zum Beispiel schwieriger, ein glaubhaftes Gut-gegen-Böse-Szenario im Rahmen eines Ost-West-Konflikts zu entwickeln. Im jüngsten Film ‚Spectre‘ versucht James Bond daher ein globales Verbrechernetzwerk zu zerstören“, erläutert Frenk. Für ihn ist bei jeder neuen Verfilmung spannend, wie der unbesiegbare Held verkörpert wird und welche Konflikte er zu bewältigen hat. Interessant seien dabei auch die technischen Spielereien, die exotischen Drehorte und die Feindbilder, die immer wieder revidiert und an das aktuelle Zeitgeschehen angepasst werden. „Im 21. Jahrhundert hat James Bond weltweit viele Fans und wird nach wie vor als gute Unterhaltung geschätzt“, betont Frenk.

Wie die PR-Maschinerie rund um James Bond am Leben gehalten werde, ließe sich bei jedem Film erneut verfolgen. „Über Monate hinweg sickern scheibchenweise Informationen über die Neuverfilmung an die Öffentlichkeit. Erst wird der Regisseur genannt, dann die Schauspieler und Schauspielerinnen, das Design, der Titelsong. Stück für Stück erfährt man auch Details über die Handlung“, sagt Joachim Frenk. Seit Beginn der Kinoreihe 1962 ist der jüngste Bond-Film Spectre inzwischen der 24. Kinofilm (nicht gezählt die Fernsehproduktionen und Parodien). „Seitdem gab es sechs verschiedene Bond-Darsteller in der Rolle des Staragenten zu sehen – immer Männer im besten Alter, mit muskulöser Figur, smartem Auftreten und von Frauen umschwärmt“, erläutert Frenk.

Bei seinem Vortrag im Wissenschaftsforum der Universitätsgesellschaft wird der Kulturwissenschaftler auf einige dieser Aspekte eingehen und am Beispiel von Roman- und Filmausschnitten ausgewählte Aspekte des Phänomens James Bond erörtern. Aus aktuellem Anlass wird es dabei – eine Woche nach der britischen Volksabstimmung für oder gegen den Brexit – auch um „die britische Seele“ gehen.

Weitere Informationen bietet dieses Interview mit Anglistik-Professor Joachim Frenk zum Start des letzten Bond-Films „Spectre“: http://www.bo.de/nachrichten/nachrichten-regional/gebrochene-helden-sind-interessanter


Fragen beantwortet:
Prof. Dr. Joachim Frenk
British Literary and Cultural Studies
Tel. 0681 / 302 - 2583
Mail: frenk(at)mx.uni-saarland.de