Dienstag, 09. Mai 2017

Die Ringvorlesungen in der 20. Kalenderwoche

Die Universität des Saarlandes bietet im Sommersemester wieder öffentliche Vortragsreihen an, die sich an ein breites Publikum richten. Der Eintritt ist frei.    

Montag, 15. Mai:
Ringvorlesung „Literatur und Geschichte“:

Die ‚tragische‘ Geschichtsschreibung des Hellenismus in Theorie und Praxis
Prof. Christoph Kugelmeier (Klassische Philologie)
Um 19 Uhr im Rathausfestsaal

„Alternative“ Fakten und die mehr oder weniger subtile tendenziöse Färbung von Tatsachenberichten durch Mittel der Rhetorik und literarische Gestaltung sind keineswegs eine Erfindung neuerer Zeit, sondern schon in der Antike ein viel diskutiertes Problem: Polybios, der bedeutendste und als einziger in vollständigen Texten überlieferte Geschichtsschreiber des Hellenismus, gibt uns in seinem Werk vielfachen Aufschluss über seine Prinzipien der Geschichtsschreibung. In diesem Zusammenhang polemisiert er häufig gegen Vorgänger, an deren Geschichtswerken er ein Übermaß an Emotionalität kritisiert, ihnen sogar vorwirft, den Unterschied zwischen Geschichtsschreibung und Tragödie zu verwischen. Seine eigene „pragmatische“ Geschichtsschreibung wolle sich dagegen streng nach den Fakten richten. Der Vortrag wird untersuchen, inwieweit sich die Geschichtsschreibung des Hellenismus tatsächlich mit Kriterien der tragischen Kunst beschreiben lässt, die ihre klassische Erörterung insbesondere bei Aristoteles finden. Zugleich wird die Frage aufgeworfen, ob auch Polybios selbst immer seiner strikten Ablehnung derartiger Grenzgänge zwischen den literarischen Gattungen folgt.

Alle Termine sowie Infos zu den einzelnen Vorträgen unter:  
http://literaturarchiv.uni-saarland.de/ringvorlesung


Dienstag, 16. Mai:
Vorlesungsreihe „Erfolg in Serie“: Amerikanische TV-Serien als Gesellschaftsdramen:

„Gilmore Girls“

Dr. Heike Mißler (Amerikanistik)
Um 19.30 Uhr im Filmhaus Saarbrücken (Mainzer Straße 8)

Am 16. Mai wird die Vortragsreihe zu amerikanischen TV-Produktionen fortgesetzt. An sechs Terminen wird jeweils eine amerikanische TV-Serie vorgestellt, beginnend mit einem Einführungsvortrag, gefolgt von Filmbeispielen und anschließender Diskussion. Der Eintritt ist frei. Im ersten Vortrag am 16. Mai stellt Dr. Heike Mißler von der Saar-Uni die Serie Gilmore Girls vor, die eine Mutter-Tochter-Beziehung in den Mittelpunkt stellt. Vor allem wegen der Darstellung von einerseits emanzipierten, andererseits konventionellen Frauencharakteren sorgte die Serie für Diskussionen.

Veranstaltungsplakat mit allen Vorträgen.


Mittwoch, 17. Mai:
„Die Reformation zwischen Revolution und Renaissance II“:

Eine spannende Beziehung: Das katholische Lutherbild
Prof. Lucia Scherzberg (Katholische Theologie)
Um 19 Uhr im Festsaal Rathaus St. Johann

Das  katholische Lutherbild hat sich vom 19. bis zum 21. Jahrhundert nachhaltig verändert. Konfessionelle Polemiker des 19. und frühen 20. Jahrhunderts bezeichneten Luther als herrschsüchtigen und triebhaften Charakter oder als pathologische Persönlichkeit. Die Wende zu einem positiven Lutherbild leiteten dann ausgerechnet nationalsozialistische Theologen ein, die eine Aufhebung der konfessionellen Differenzen zugunsten der „Volksgemeinschaft“ anstrebten.  In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts führte die intensive katholische Auseinandersetzung mit der Reformation dazu, dass man Luther gewissermaßen als Teil der eigenen Tradition betrachtete. Die katholisch-lutherische „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ von 1999 und die Schriften von Papst Franziskus zeigen, dass zentrale theologische Anliegen der Reformation heute in der katholischen Kirche angekommen sind.

Alle Termine der Ringvorlesung.