Dienstag, 15. September 2009

Zwei neue Professoren auf dem Gebiet der Quantenoptik

 

An die Universität des Saarlandes wurden zwei neue Professoren auf dem Gebiet der Quantenoptik berufen. Giovanna Morigi wurde zur Professorin für Theoretische Physik und Jürgen Eschner zum Professor für Experimentalphysik ernannt. Die beiden Wissenschaftler werden gemeinsam mit Professor Christoph Becher einen neuen Schwerpunkt für Quantenoptik und Quanteninformation im Fachbereich Physik der Saar-Uni begründen.

Die Berufung der neuen Professoren weist mehrere Besonderheiten auf: Jürgen Eschner, der seit 2003 in Barcelona forschte, wurde durch ein "Rückkehrstipendium für deutsche Wissenschaftler aus dem Ausland" von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung unterstützt. Giovanna Morigi wurde im Jahr 2008 mit einer Heisenberg-Professur der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet, was ihrer Berufung an die Universität des Saarlandes besonderes Prestige verleiht. Die gleichzeitige Berufung des Forscherpaares wurde außerdem im Rahmen des Audits "Familienfreundliche Hochschule" nachdrücklich von der Universität des Saarlandes unterstützt, um den beiden Wissenschaftlern eine doppelte Karriere in Saarbrücken zu ermöglichen.

Jürgen Eschners experimentelle Forschungsarbeit widmet sich der kontrollierten Wechselwirkung zwischen Licht und Materie im quantenmechanischen Bereich. Sein Ziel ist es vor allem, die Umwandlung zwischen Quantenzuständen einzelner Photonen und einzelner Atome zu studieren und experimentell zu verwirklichen. Giovanna Morigis Forschungsinteresse gilt der fundamentalen und angewandten Quantentheorie der Licht-Materie-Wechselwirkung. Besondere Schwerpunkte sind dabei, wie diese Wechselwirkung zu Quanten-Lichtquellen führt. Damit bezeichnet man Lichtquellen, die keine klassische Entsprechung haben. Außerdem will sie untersuchen, wie die Wechselwirkung mit ultrakalter Materie, die durch Wellen anstelle von Teilchen beschrieben wird, neue Eigenschaften des Lichtes hervorbringt.

Beide Forscher interessieren sich in ihren Arbeiten gleichermaßen für die fundamentalen Phänomene wie für deren Anwendungen in der Quantentechnologie, insbesondere der Hochpräzisionsmessung, der Quantenkommunikation und Quanteninformationsverarbeitung.
Der neue Schwerpunkt für Quantenoptik und Quanteninformation im Fachbereich Physik, den die neue Professoren gemeinsam mit Professor Becher begründen werden, bietet vielversprechende Perspektiven zur interdisziplinären Forschung zwischen Physik, Informatik und angewandten Bereichen, sowie auch zur Bildung eines regionalen Clusters mit ähnlich ausgerichteten Gruppen in Kaiserslautern, Darmstadt, Frankfurt und Mainz.

Jürgen Eschner hat in Hamburg Physik studiert und dort über ein Thema der Laserspektroskopie promoviert. Anschließend widmete er sich, zuerst in Hamburg, dann an der Australian National University in Canberra, der Atomoptik und der Quantenphysik mit einzelnen kalten Atomen. Als Universitätsassistent an der Universität Innsbruck habilitierte er sich mit Arbeiten zur Bewegungskontrolle einzelner Atome. Seit 2003 leitet er als Forschungsprofessor am ICFO – Institute of Photonic Sciences in Barcelona eine Arbeitsgruppe, die die quantenmechanische Wechselwirkung zwischen Atomen und Photonen und deren Anwendungen untersucht. Die Berufung von Professor Eschner an die Saar-Uni wurde durch ein Rückkehrstipendium der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung unterstützt. Dieses Stipendium, das durch die German Scholars Organization vermittelt wird, soll deutsche Hochschulen im internationalen Wettbewerb um hoch qualifizierte Wissenschaftler stärken und dabei unterstützen, ihre wissenschaftliche Exzellenz gezielt auszubauen.

Giovanna Morigi hat an der Universität Pisa in Italien studiert und 1999 an der Universität Innsbruck über Themen der Atomoptik und Laserkühlung promoviert. Anschließend war sie Mitarbeiterin am Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garching und Universitätsassistentin an der Universität Ulm, wo sie 2004 im Feld der theoretischen Quantenphysik habilitierte. Von 2004 bis heute hat sie als Stipendiatin des spanischen Ministeriums an der Universitat Autonoma de Barcelona gearbeitet. Im Jahr 2008 wurde Frau Morigi mit einer Heisenberg-Professur der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet.