Montag, 01. Oktober 2012

Forschungsprojekt "Bäckerhefe erhöht die Erfolgsquote bei Impfungen"

Die Welt am Sonntag

Sechs Initiativen sind vergangene Woche bei dem Wettbewerb "365 Orte im Land der Ideen" als Bundessieger ausgezeichnet worden. Drei von ihnen stellen wir auf dieser Seite vor. Alle drei versuchen, neue Antworten auf Fragen der Gesundheit zu finden.

Forschungsprojekt "Bäckerhefe erhöht die Erfolgsquote bei Impfungen"

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts gehören Impfprogramme vielerorts zur medizinischen Grundversorgung. Dank der Einschleusung fragmentierter oder abgestorbener Krankheitserreger in den menschlichen Körper konnten Infektionskrankheiten wie etwa Kinderlähmung in manchen Ländern gänzlich ausgerottet werden – den Pocken etwa wurde sogar weltweit der Garaus gemacht.

 

Obwohl heute schon viele Krankheiten per Impfung bekämpft werden können, ist der Eifer der Wissenschaftler auf diesem Feld ungebremst. Vor allem im Kampf gegen Zivilisationskrankheiten wie Aids oder Krebs setzt die Forschung große Hoffnungen darauf, einen wirksamen Impfstoff zu finden, dank dem die betroffenen Patienten geheilt werden können oder ihr Leben verlängert werden kann. Doch selbst wenn ein Serum mit der gewünschten Wirkung herausdestilliert wurde, sind die Experten noch nicht unbedingt am Ziel. Die zweite große Herausforderung besteht darin, den Wirkstoff so gezielt in den menschlichen Körper einzuflößen, dass er dort wirkt, wo er gebraucht wird. Eben in diesem Feld hat der Bundessieger in der Kategorie "Wissenschaft" einen vielversprechenden Beitrag geleistet.

 

Tatsächlich hat das von der Jury ausgezeichnete Forscherteam rund um die Mikrobiologen Frank Breinig und Projektleiter Manfred Schmitt von der Universität des Saarlandes ein aus Laiensicht überraschendes Transportsystem gewählt, um die Zellen des menschlichen Immunsystems gezielt anzusprechen: Sie setzen Bäckerhefe als Vehikel ein, um den Impfstoff an den gewünschten Ort zu bringen. "Hefen interagieren besonders gut mit bestimmten Immunzellen", erläutert Breinig. Entsprechend würden in ihnen eingepackten Wirkstoffe genau dorthin gelangen, wo sie auch wirklich gebraucht werden.

 

Im Labor ist es den Wissenschaftlern auf diese Weise bereits gelungen, einen Teil eines Virus aus der Herpesfamilie so zielgerichtet in Immunzellen einzuschleusen, dass die erwünschte Interaktion auch wirklich eingetreten ist. Die Erprobung an Tier und Mensch jedoch steht noch aus. Derzeit sind die Saarländer Forscher eifrig dabei, zu diesem Zweck Fördergelder aufzutreiben.

 

Sollte sich die Hoffnung der Preisträger wirklich erfüllen, wäre dies aus Breinigs Sicht ein großer Gewinn für die Medizin: "Die Akzeptanz von Bäckerhefen ist in der Bevölkerung vermutlich größer als etwa bei Coli-Bakterien, die auch als Vehikel für Impfstoffe erprobt werden", sagt der Wissenschaftler. Zudem eigneten sich Hefen – anders als etwa andere Vehikel – hervorragend, um Schluckimpfungen zu entwickeln. "Das ist nicht nur für Kinder die schönere Variante", sagt Breinig. Auch aus hygienischer Sicht habe dies Vorteile – "weil man keine Kanülen verwenden muss, die zudem einiges teurer sind".

 

Quelle: Welt am Sonntag

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