Donnerstag, 07. März 2013

Der Astronaut Gerhard Thiele spricht an der Saar-Uni

 

"Raumfahrt - Eine Kulturaufgabe?"


Zeit: 16 Uhr c.t.
Ort: Campus E 2.2, Hörsaal 0.01

 

Vor gut 50 Jahren, am 12. April 1961, flog Juri Gagarin, ein Bürger der Sowjetunion, wie es offiziell hieß, als erster Mensch in den Weltraum und landete nach einer Erdumrundung glücklich in der Steppe von Kasachstan. Heute, ein halbes Jahrhundert später, leben sechs Menschen an Bord der Internationalen Raumstation und arbeiten und forschen in der Schwerelosigkeit. Der Vortrag zeigt anhand eines konkreten Beispiels, der Shuttle Radar Topographie Mission (SRTM), auf, welche Fortschritte in der Raumfahrt in den vergangenen fünf Jahrzehnten erreicht worden sind. Doch wer die Bedeutung der Raumfahrt an wissenschaftlichen Erfolgen und technischem Nutzen alleine bemessen will, verliert einen wesentlichen Aspekt aus dem Gesichtsfeld: Was treibt den Menschen eigentlich an in den Weltraum vorzustoßen und so eine Grenze zu überschreiten, die in vielen Köpfen auch heute noch als unüberwindlich gilt? Dies führt unmittelbar zu der Frage, wer der Mensch eigentlich ist. Die Suche nach Erkenntnis und das Verlangen, im Ausloten, Erkennen und Überschreiten von Grenzen Horizonte zu erweitern, ist ein Fundament unserer Kultur, das sich in den unterschiedlichsten Lebenswelten der Menschen widerspiegelt, in Religion und Philosophie, Dichtung und Musik, Kunst und Wissenschaften. Der Vortrag zeigt, dass wissenschaftlichtechnischer Nutzen und kulturelle Verpflichtung keine Gegensätze sind, sondern sich ergänzen und so ein ausgewogenes Urteil zur Raumfahrt (und nicht nur zur Raumfahrt!) erst durch die gemeinsame Betrachtung utilitärer wie transutilitärer Gesichtspunkte möglich ist.

Der deutsche Astronaut Gerhard Thiele studierte Physik und Astronomie in München und Heidelberg. Anschließend absolvierte er ein mehrjähriges Astronautentraining. Im Jahr 2000 kartografierte er auf der Internationalen Raumstation die Landmassen der Erde. Thiele arbeitet heute im European Space Policy Institute in Wien. Er ist auf Einladung des Fraunhofer-Instituts für Zerstörungsfreie Prüfverfahren IZFP in Saarbrücken.