Wednesday, 24. May 2017

Die Ringvorlesungen der Saar-Universität in der 22. Kalenderwoche

Die Universität des Saarlandes bietet im Sommersemester wieder öffentliche Vortragsreihen an, die sich an ein breites Publikum richten. Der Eintritt ist frei (mit Ausnahme der Reihe „Traumschau“)

Montag, 29. Mai:
Ringvorlesung „Literatur und Geschichte“:


„facta und ficta: Vom Umgang mit ‚Geschichte‘ in mittelhochdeutschen Texten“

Professorin Dr. Nine Miedema (Mediävistik und Ältere deutsche Philologie)
Um 19 Uhr im Rathausfestsaal

In der mittelalterlichen deutschsprachigen Literatur um 1200 entsteht ein ausgeprägtes Bewusstsein von Fiktionalität. Die weltlichen Erzähltexte entwickeln erstmalig bewusst genutzte Freiräume der Erschaffung geschriebener Welten, die sich über die Vorstellung, dass die res factae den res fictae grundsätzlich überlegen seien, hinwegsetzen. Nine Miedema stellt in ihrem Vortrag ausgewählte Texte vor, die dem Rezipienten diesen „Fiktionalitätskontrakt“ anbieten. Es wird jedoch auch gezeigt, dass die angenommene Trennung zwischen (positiv gewerteter) Darstellung einer historischen „Realität“ und (negativ gewerteter) „lügnerischer“ Phantasie auch vor 1200 nicht so eindeutig war, wie häufig angenommen wird.

Alle Termine sowie Infos zu den einzelnen Vorträgen unter:  
http://literaturarchiv.uni-saarland.de/ringvorlesung


Mittwoch, 31. Mai:
Ringvorlesung „Die Reformation zwischen Revolution und Renaissance II“:


„Reformation, Konfession und Wissenschaft“
Prof. Dr. Kaspar von Greyerz (Universität Basel)
Um 19 Uhr im Lesecafé der Stadtbibliothek Saarbrücken (Gustav-Regler-Platz 1)

Der Vortrag wendet sich vor allem den möglichen längerfristigen kulturellen Folgen der Reformation im Bereich des Wissens und der Wissenschaft zu. Zunächst beschäftigt er sich kritisch mit der These, die Folgen des religiösen Umbruchs des 16. Jahrhunderts hätten im Bereich der Alltagsreligiosität und in der Wissenskultur eine „Entzauberung der Welt“ mit sich gebracht. Sodann wird es um die sogenannte Physikotheologie gehen, eine um 1650 einsetzende, europaweite intellektuelle Bewegung – und speziell um die Frage inwieweit wir es dabei mit einem spezifisch protestantischen Phänomen zu tun haben. Die Physikotheologen waren bemüht, die grundsätzliche Übereinstimmung der biblischen Überlieferung mit der neuen Wissenschaft nachzuweisen. Im letzten Teil des Vortrags wird die Frage im Zentrum stehen, ob es wissenschaftlich überhaupt legitim ist, Phänomene des späteren 17. und des frühen 18. Jahrhunderts wie die Frühaufklärung, mit der die Physikotheologie eng verbunden war, kausal mit der Reformation zu verknüpfen.

Hier finden Sie alle Termine der Ringvorlesung.


Mittwoch, 31. Mai:
Filmreihe „Traumschau“:


„Etwas von Alice“ (Něco z Alenky; CS/CH/UK/D 1988, R: Jan Švankmajer, OmenglU)

Um 20 Uhr im Saarbrücker Kino achteinhalb (Nauwieserstraße 19)
Eintrittspreise: 6 Euro, ermäßigt 5 Euro

Durch eine kunstvoll-düstere Kombination aus Stop-Motion-Animation und Realfilm gelang eine eindrucksvolle Verfilmung der bekannten Erzählung über das Mädchen, das einem weißen Hasen durch bizarre Szenerien folgt. Der britische Fantasy-Autor Neil Gaiman listet die zum Kultklassiker avancierte Alice-im-Wunderland-Adaption als einen seiner Lieblingsfilme; für die Brüder Quay ist der selbsternannte „militante Surrealist“ Švankmajer ein Vorbild – und Hieronymus Bosch hätte sicher auch an seinen Alptraumgestalten Gefallen gefunden.
Zur Filmreihe lädt das Graduiertenkolleg „Europäische Traumkulturen“ in Kooperation mit dem Saarbrücker Kino achteinhalb ein. Vor jedem Film geben die Doktorenden Hannah Yasmine Chegwin, Myriam Gindorf und Julian Lucks eine kurze Einführung.

Weitere Infos: www.traumkulturen.de und www.kinoachteinhalb.de