Sunday, 04. June 2017

Saar-Universität legt Problembau still

Saarbrücker Zeitung

Veralteter Brandschutz, marode Elektrik: Gebäude C5 2 ist ein Sicherheitsrisiko. Die Hochschule zieht nun die Reißleine.

Von Christian Leistenschneider

Saarbrücken. Lange schwelte es, jetzt löst die Universität des Saarlandes Alarm aus: Das höchst sanierungsbedürftige Gebäude C5 2, in dem viele geisteswissenschaftliche Fachrichtungen untergebracht sind, soll mit einem Notfallprogramm zum Brandschutz übergangsweise gesichert werden. Ab dem kommenden Wintersemester soll es dann vorerst nicht mehr genutzt werden. Das teilte Uni-Präsident Manfred Schmitt bei einer kurzfristig anberaumten Informationsveranstaltung gestern den 300 anwesenden Mitarbeitern und Studenten mit.

Aufgrund veralteter Elektrik war in dem Gebäude vor zwei Wochen ein Schwelbrand ausgebrochen (wir haben berichtet). Und das zum wiederholten Male, sagte Manfred Schmitt. „Wir können das nicht länger mit ansehen.“

Als Sofortmaßnahme wird eine Brandwache installiert, die ab Mittwoch im Gebäude patrouilliert, teilte die Uni mit. Zwei Mitarbeiter einer externen Firma, ausgebildete Brandschutzexperten, sollen die Situation überwachen, im Ernstfall Alarm schlagen und für eine geordnete Evakuierung des Gebäudes sorgen. Diese Lösung sei günstiger als eine automatisierte Brandschutzanlage, die 200 000 Euro kosten würde, so Uni-Pressesprecherin Friederike Meyer zu Tittingdorf. Fortan darf C5 2 auch nur noch während fester Öffnungszeiten betreten werden, voraussichtlich nur wochentags von 7 bis 20 Uhr.

Außerdem soll so schnell wie möglich der vierte Stock des Gebäudes geräumt werden. Dort ist das Problem der Fluchtwege am kritischsten, denn die Leitern der Feuerwehr erreichen diese Höhe nicht und eine Feuerleiter gibt es an dem Gebäude nicht. Darum soll ab nächster Woche auf der Etage kein Seminarbetrieb mehr stattfinden. Für die Mitarbeiter werde nach Ersatzbüros gesucht, die dortige Bibliothek bleibe aber bis auf Weiteres geöffnet.

Die weitere Räumung des Gebäudes soll dann schrittweise erfolgen und zu Beginn des Wintersemesters im Oktober abgeschlossen sein. Die logistischen Probleme, die das mit sich bringen könnte, zeichnen sich schon jetzt ab. Das Gebäude ist mit einer Gesamtquadratmeterzahl von 6100 das drittgrößte auf dem Campus. Bis zu 1000 Personen sind dort nach Uni-Angaben im Semesterbetrieb zugange, es gibt zahlreiche Seminarräume, Mitarbeiterbüros und Bibliotheken. Diese ganze Infrastruktur muss nun ausgelagert werden.

Man prüfe derzeit verschiedene Lösungen, sagte Uni-Präsident Manfred Schmitt. „Wir werden auf die Solidarität der anderen Fakultäten angewiesen sein.“ Sollte eine Verlagerung außerhalb des Campus nötig sein, wolle man zumindest eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr garantieren. Bei den anwesenden Mitarbeitern sorgte diese Ankündigung für Stirnrunzeln.

Dass die jetzt eingeleiteten Maßnahmen so dringlich erscheinen, ist auch eine Folge jahrzehntelangen Stillstands. Der Bau der Geisteswissenschaftler ist 1965 in Betrieb genommen worden und seitdem nie modernisiert worden. Elektrik und Brandschutz sind auf dem Stand von vor 50 Jahren. Bereits seit Jahren weise das Präsidium die Landesregierung auf Probleme hin, die Sanierung habe für die Hochschule schon lange oberste Priorität, so Pressesprecherin Meyer zu Tittingdorf.

Nach den gerade abgeschlossenen Koalitionsverhandlungen sei der Sanierungsetat ab 2018 im Landeshaushalt eingeplant, erklärte Vize-Präsident Roland Rolles. Dann werde aber erst einmal die Planungsphase einsetzen. Baubeginn wäre wohl erst 2020. Das Gebäude dürfte deshalb frühestens 2023 bezugsfertig sein. Man befände sich nun in Gesprächen mit der Staatskanzlei, um die Sache zu beschleunigen.

Das Gebäude C5 2 ist nicht das einzig marode auf dem Saarbrücker Campus. Aktuell sind laut Roland Rolles zehn Prozent der Uni-Bauten akut von einer Schließung bedroht. Den gesamten Sanierungsstau schätzt die Hochschule auf 400 Millionen Euro.

Quelle:
Saarbrücker Zeitung