Monday, 25. September 2017

Die Bibliothekslandschaft der Universität des Saarlandes verödet

Saarbrücker Zeitung

Viele kleine Fachbüchereien an der Saar-Uni werden zu größeren Bereichsbibliotheken zusammengefasst. Das soll Kosten sparen. Die Studenten leiden derweil unter den kurzen Öffnungszeiten der Büchereien.

Christian Leistenschneider

Saarbrücken. Viele Studenten an der Universität des Saarlandes müssen sich derzeit genau darauf konzentrieren, die Gelegenheit abzupassen, um in ihrer Fachbibliothek arbeiten zu können. Denn das offene Zeitfenster zur Nutzung der Bücherei ist in vielen Studiengängen schon nach wenigen Stunden wieder geschlossen. Der eingeschränkte Zugang zu Fachbüchern ist für viele Nachwuchsakademiker ein ziemliches Problem. „In den letzten Semestern stellt sich die Situation der Bereichsbibliothek der Philosophischen Fakultät schwierig dar. Die Öffnungszeiten wurden drastisch reduziert“, sagt Teresa Jungblut vom Fachschaftsrat Geschichte. In den Semesterferien hat sich die Situation noch einmal zugespitzt.

Die angespannte Lage ist die Folge der historisch gewachsenen Zersplitterung der Bibliothekslandschaft an der Saar-Uni in eine Vielzahl kleiner Institutsbüchereien und der finanziellen Last, die es für die Hochschule bedeutet, diese Bibliotheken zu betreiben. Um dem Abhilfe zu schaffen, hat die Uni ein großangelegtes Bibliotheksprojekt anlaufen lassen, das auf eine Bündelung des Angebots abzielt.

Viele Einzelbibliotheken, insbesondere der philosophischen Fakultät, sollen zu sogenannten Bereichsbibliotheken zusammengefasst werden. Diese sollen die Bestände mehrerer Fachrichtungen aufnehmen und verwalten und „angemessene Öffnungszeiten“ ermöglichen, erklärt Theo Jäger, der das Projekt für die Uni koordiniert.

Die Zusammenlegung soll Kosten reduzieren. Denn die Uni steht vor einem Dilemma. Einerseits gehen die Personalausgaben für die Aufsicht der Büchereien in die Höhe, auch weil sie nicht mehr von studentischen Hilfskräften übernommen werden darf, sondern nach Tarif bezahlt werden muss. Andererseits belastet der Spardruck das Budget der Hochschule.

Einige Büchereien wurden bereits zusammengelegt, etwa die Bibliothek des Leibniz-Institutes für Neue Materialien mit der Fakultätsbibliothek der Naturwissenschaften. Das größte anstehende Projekt ist nun der Aufbau einer neuen Bereichsbibliothek für die philologischen Fächer Romanistik, Germanistik, Anglistik und Sprachwissenschaft. Sie sollen gemeinsam in den Räumen der Saarländischen Universitäts- und Landesbibliothek (SULB) unterkommen. Die Evakuierung von Gebäude C5 2 hat das Verfahren noch einmal beschleunigt. Gestern begann der Umzug der Romanistik, Germanistik und Anglistik sollen im nächsten Jahr folgen.

Eine Konsequenz der Zentralisierung wird sein, dass sich der Präsenzbestand der Philologien, also die im Regal direkt verfügbaren Bücher, deutlich reduzieren wird. Momentan verfügen die einzelnen Büchereien über eine halbe Million Bände. Nach dem Umzug in die SULB wird davon allerhöchstens ein Drittel griffbereit zur Verfügung stehen, sagt Theo Jäger. Der Rest werde im Magazin der SULB untergebracht, muss vor der Nutzung also zunächst bestellt werden.

Schon jetzt ist allerdings klar, dass der Platz im Magazin der SULB nicht ausreichen wird. Die Universitätsbibliothek benötigt darum dringend ein Fernmagazin außerhalb des Campus. Zurzeit steht die Uni in Verhandlungen mit dem Land, das auch einen Betrag aus Hochschulpaktmitteln zur Anmietung einer Fläche in Aussicht gestellt hat. Im Gespräch ist das ehemalige Praktiker-Gelände in Kirkel. Der Austausch soll dann vor allem digital erfolgen.

„Wir haben wichtige Probleme zu lösen“, fasst Theo Jäger das Projekt der Bibliotheksneuordnung zusammen. „Wir machen das nicht zum Selbstzweck.“ Die prekären Öffnungszeiten sollen nur ein Übergangphänomen sein.

Quelle: Saarbrücker Zeitung